Perspektiven für nachhaltiges Wohnen und Einrichten

Zum fünften Mal geht Trendforscherin Oona Horx Strathern in ihrem Home Report aktuellen Entwicklungen in Stadtplanung, Architektur und Einrichtung nach. Dabei wird deutlich: Das Bauen und Wohnen muss und wird nachhaltiger werden.

Welche Bedeutung Nachhaltigkeit für die Stadtplanung, die Baubranche und die Inneneinrichtung inzwischen hat beziehungsweise in Zukunft haben könnte, zeigt sich im jetzt erschienenen Home Report 2023. Der Begriff zieht sich wie ein roter Faden durch die Veröffentlichung von Trendforscherin Oona Horx Strathern.

Die Wohnexpertin sieht die Auswirkungen des Megatrends Neo-Ökologie beispielsweise im Einsatz neuer Materialien – sie nennt sie Radical Materials –, die neben dem Re- und Upcycling von Rohstoffen zusätzliche nachhaltige Lösungen ermöglichen. Beispiele innovativer Entwicklungen sind etwa Fliesen aus Eierschalen, Sitzmöbel aus Popcorn-Granulat, Lichtschalter und Geschirr aus zermahlenen Tierknochen, Tischbeine aus Seegras oder auf Pilzen basierende Bio-Verbundstoffe. In der Regel sind das noch Nischenprodukte, viele Anwendungen befinden sich erst in der experimentellen Phase. Was sich durchsetzen wird und wie groß die Auswirkungen auf die Schonung von Ressourcen sein werden, ist daher noch offen. Dennoch ist die Autorin überzeugt: „Radical Materials liefern neue Impulse für die Interior-Designbranche, um sich im Kampf gegen die Klimakrise zu engagieren.“

Ein ganzes Stück weiter sind wir schon beim Wiederverwerten von Einrichtungsprodukten. Waren es bislang eher finanzielle Gründe oder der Trend zu Retro und Vintage, spielt mittlerweile auch der Nachhaltigkeitsaspekt eine Rolle, wenn sich Menschen für gebrauchte Möbel entscheiden. Der Home Report zitiert eine Quelle, nach der in Deutschland noch immer die Hälfte der ausrangierten Möbel im Müll landet und verbrannt wird. Was die Menge angeht, ist das Reservoir also längst nicht erschöpft. Der Trend bietet auch dem Handwerk Chancen, etwa durch das Aufarbeiten bis hin zum Upcycling, durch die Wiederherstellung der Funktionalität oder die Schaffung von Einzelstücken. Für den Handel ergeben sich Möglichkeiten, über den Verkauf von Neuprodukten auch am Secondhand-Markt teilzunehmen oder durch die Rücknahme gebrauchter Möbel beim Neukauf Kunden zu locken. Oder warum nicht Einrichtungsgegenstände auf Zeit vermieten? Eine ganze Reihe von Firmen machen das schon. Vor allem junge Leute seien für solche Angebote offen, schreibt die Trendforscherin. Auch im Objekt bieten machen derartige Konzepte Sinn, etwa in der Ausstattung von Büros.

Weitere Ansatzpunkte für mehr Nachhaltigkeit findet Oona Horx Strathern bei der Ausstattung von Badezimmern (Energieeinsparung, Wassereffizienz, Cradle-to-Cradle-zertifizierte Armaturen, neue Materialzusammensetzungen bei Sanitärprodukten) und in der Fertigung von Bauelementen im 3D-Druck (Materialeinsparung, weniger Abfall, geringerer Transportaufwand, Einsatz nachhaltiger Materialien), außerdem in der Stadtplanung, wenn die Innenstädte nicht mehr in erster Linie nach den Bedürfnissen der Autofahrer gestaltet werden.

Den Home Report 2023 können Sie hier bestellen.
Perspektiven für nachhaltiges Wohnen und Einrichten
Foto/Grafik: Zukunftsinstitut
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