Mitarbeiter mit „grünen Kompetenzen“ dringend gesucht

Für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft brauchen Unternehmen Personal mit speziellen Kompetenzen. Das zu finden, ist schon heute nicht leicht. Eine Untersuchung aus der Schweiz zeigt die Problemfelder.

Mit dem Green Deal treibt die EU die Kreislaufwirtschaft voran. Um die rechtlichen Vorgaben einhalten zu können, werden Unternehmen nicht nur ihre Produkte neu gestalten, sondern unter Umständen ihre Strukturen modifizieren und ihr Geschäftsmodell überdenken müssen. Für kleine wie für große Firmen stellt sich jetzt die Frage, ob die Umgestaltung sowie die Erarbeitung und Umsetzung neuer Konzepte mit dem vorhandenen Personal gelingen kann.

Ein Team der Universität Basel hat untersucht, welche Auswirkungen die Transformation hin zu einer „grünen Wirtschaft“ auf den Arbeitsmarkt haben wird, und sieht dabei einen wachsenden Bedarf an Fachkräften mit entsprechenden Qualifikationen. Das können Spezialisten für die grüne Transformation sein, aber auch Menschen aus nicht-grünen Berufen, deren Fähigkeiten bislang noch nicht für die Kreislaufwirtschaft eingesetzt werden. In der Schweiz sehen die Wissenschaftler einen besonders hohen Anteil der Erwerbstätigen mit einem grünen Potential, in Deutschland sei er etwas und in Österreich noch ein Stück niedriger (siehe Grafik).

Trotz der günstigen Ausgangssituation herrsche in der Eidgenossenschaft in diesem Bereich aber schon heute Fachkräftemangel, der tendenziell noch zunehmen werde. Eine Folge daraus: Unternehmen werden verstärkt in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden investieren müssen. Eine andere: Weil sich die Anforderungsprofile verschieben und teils neue Fähigkeiten umfassen, können Firmen die Eignung von Bewerberinnen und Bewerbern nicht mehr richtig einschätzen, die Gefahr von Falschbesetzungen steigt. Das verursacht zusätzliche Kosten und sorgt auf Arbeitgeberseite für Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Für Abhilfe könnte die Zertifizierung von in der Aus- und Weiterbildung erworbenen Querschnittskompetenzen sorgen, die sowohl in grünen als auch in nicht-grünen Berufen gefragt sind. Industrie und Branchenverbände seien in der Pflicht, in diese Richtung aktiv zu werden, damit Personalentscheidungen wieder sicher getroffen werden können.

Zudem fordern die Wissenschaftler, vor allem die junge Generation auf den zu erwartenden Mangel aufmerksam zu machen. Es sei wichtig, den jungen Menschen zu verdeutlichen, welche Qualifikationen für den Umbau zur grünen Wirtschaft erforderlich sind – technisches und analytisches Know-how, kommunikative und unternehmerische Kompetenzen sowie Managementfähigkeiten –, damit sie sich in der Ausbildung entsprechend auch in Richtung neuer Berufe orientieren können.
Mitarbeiter mit „grünen Kompetenzen“ dringend gesucht
Foto/Grafik: Eigene Berechnungen Michael Lobsiger und Christian Rutzer auf Basis von Eurostat (2016); Grafik: BTH Heimtex
Erwerbstätige: Anteil in Berufen mit „grünem Potential“
Stichworte