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Umweltzeichen – eine Frage des Typs

Umweltzeichen ist nicht gleich Umweltzeichen. Sie unterscheiden sich unter anderem in Aussagekraft und Informationsgehalt. Die relevante ISO-Norm kennt drei verschiedene Typen.

Bei der Menge an Umweltzeichen für Produkte und Dienstleistungen die Übersicht zu behalten, ist gar nicht so einfach. Blauer Engel, Nordischer Schwan, Kork-Logo, Grüner Knopf, EPD, Emicode oder ein ELF-Siegel für emissons- und lösemittelfreie Produkte auf einem Farbeimer – sind die alle gleichwertig oder gibt es Unterschiede? Ja, die gibt es. Und sofern ein Signet nicht lediglich der Kreativität einer Marketingabteilung entsprungen ist, sondern nach den Vorgaben der Internationalen Organisation für Normung (ISO) entwickelt wurde, helfen deren Richtlinien bei der Einordnung.

Die Normenreihe ISO 14000 kennt drei Typen von Umweltzeichen. Sie unterscheiden sich danach, wer das Siegel ausstellt, wer die mit dem Zeichen verbundenen Aussagen garantiert und welcher Art die enthaltenen Daten sind.

Beim Typ I nach ISO 14024 handelt es sich um Umweltkennzeichnungen und -deklarationen, die von einer unabhängigen Stelle vergeben werden. Die Produkte müssen im Voraus festgelegten Anforderungen entsprechen, dürfen beispielsweise bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird von einer neutralen Instanz überprüft. Zielgruppe ist in erster Linie der Endverbraucher. Ihm soll durch das Siegel die Kaufentscheidung für ein umweltfreundliches Produkt erleichtert werden. Deshalb ist mit der Kennzeichnung eine Wertung verbunden: Produkt A ist im Hinblick auf das Kriterium X besser als vergleichbare Produkte. Das in Deutschland bekannteste Umweltzeichen des Typs I ist der Blaue Engel.

Die Umweltzeichen vom Typ II sind Selbstdeklarationen: Hersteller, Händler oder Verbände stellen damit einzelne Eigenschaften eines Produktes besonders heraus. Geschieht das gemäß ISO 14021, ist zwar keine externe Prüfung dieser Aussage gefordert. Falsche oder irre­führende Angaben sind jedoch verboten. Wenn geschützte Begriffe wie „kompostierbar“ oder „recyclingfähig“ benutzt werden, ist das mit bestimmten Anforderungen an das Produkt verbunden. Das Symbol der Recycling-Pfeile etwa ist nur für Waren zulässig, die tatsächlich recycelt werden. Unspezifische Aussagen sind hingegen unter­sagt. Das gilt auch für die Verwendung des Begriffs „nachhaltig“, weil es auf Produktebene kein allgemeines Messverfahren dafür gibt. Die oben genannten ELF-­Siegel können in die Kategorie des Typs II fallen.

Wie Typ I stammen auch die Umweltzeichen und -deklara­tionen des Typs III (ISO 14025) von einer unabhängigen Stelle; die enthaltenen Aussagen werden von einer neutralen Instanz überprüft. Der wesentliche Unter­schied zu Typ I ist das Fehlen einer Wertung. Ein Umweltzeichen des Typs III sagt nicht, dass Produkt A besser ist als andere Produkte. Es sagt auch nicht, dass Produkt A überhaupt umweltfreundlich ist. Statt­dessen liefert es quantifizierte Informationen zu vorab fest­gelegten Kriterien wie Emissionen, Ressourcen­verbrauch oder Umweltbelastung. Die Basis dafür bildet eine ebenfalls normierte Ökobilanz. Die Schlüsse aus den ermittelten Daten muss der Anwender selbst ziehen. Umwelt-Produktdeklarationen (EPD) sind Typ III-­Umweltzeichen. Wegen ihrer Komplexität sind professionelle Anwender wie Planer, Investoren oder Auditoren die Zielgruppe. Sie können aus den umfangreichen Informationen gezielt die für den jeweiligen Einsatzzweck relevanten Daten heraussuchen und mit den Angaben aus anderen EPDs vergleichen (siehe So liest man eine EPD).

Thomas Pfnorr


Mehr Infos im Internet

ISO 14000 von der Internationalen Organisation für Normung (in englischer Sprache)
Umweltzeichen – eine Frage des Typs
Foto/Grafik: SN-Verlag
Die drei Umweltzeichen-Typen im Vergleich
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