Kurt Reichel (FHR) - Ehrenpreis für das Lebenswerk 2022
Kurt Reichelt, Gründer des FHR

Kurt Reichelt, Gründer des FHR

Ein Mann der klaren und der schönen Worte

Kurt Reichelt, Gründer des Fachhandelsrings (FHR), ist eine der bedeutendsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Branche und gleichzeitig jemand, der polarisiert: Seine feurigen Reden wurden gefürchtet und gespannt verfolgt. Praktisch aus dem Nichts hat er eine starke Einkaufskooperation aufgebaut, die ihren Mitgliedsunternehmen außergewöhnlich viele Freiheiten lässt.

Wenn Kurt Reichelt spricht, dann hört die Branche zu. Berühmt-berüchtigt waren seine Auftritte auf den Veranstaltungen des Fachhandelsrings (FHR), den der Wirtschaftsfachmann 1976 gründete. Berühmt, weil Reichelt klare Worte findet, weil er die Branche kennt wie kein Zweiter und weil er mit seinen Einschätzungen meistens (manche sagen: immer) recht behielt. Berüchtigt, weil das, was er zu sagen hatte, nicht immer bequem war, er mitunter harte Kritik übte und dabei kein Blatt vor den Mund nahm. Wer ihm zuhörte, schrumpfte dabei schon mal um eine Kopflänge zusammen – wuchs danach aber oft deutlich über sich hinaus. Nicht von ungefähr ist der FHR unter seiner Leitung zur umsatzstärksten Einkaufskooperation geworden; heute zählt er über 800 Mitglieder.

Über 40 Jahre lang leitete Reichelt die Einkaufs- und Vermarktungsgemeinschaft. Anfang 2017 gab er die Geschäftsführung an seine langjährige leitende Mitarbeiterin Sabine Wiegand ab; er selbst ist der Kooperation weiterhin als beratender Gesellschafter verbunden.

Kompetente Unterstützung für mittelständische Betriebe

Reichelt ist ein Visionär, jemand, der für eine Sache brennt und alles gibt. Und seine Gründungs­vision bestand darin, mittel­ständische Fachgeschäfte und Handwerks­betriebe dabei zu unterstützen, wirtschaftlich erfolgreich und bei voller unter­nehmerischer Freiheit am Markt agieren zu können: sich als kleine Individualisten gegenüber den Großen, den Ketten, zu behaupten. Das Angebot des FHR begann mit günstigen Einkaufs­konditionen bei der Industrie; nach und nach kamen weitere Dienstleistungen hinzu: Eigen­marken (etwa die Marke Werkhaus), Marketing und Werbung, betriebswirtschaftliche Unternehmens­beratung, Konzept­beratung, juristischer Beistand, Schulungen und zertifizierte TÜV-Lehrgänge – und natürlich auch Unterstützung bei den Themen E-Business und Digitalisierung.

„Die Problemstellung im Handel ist so vielfältig, dass der Einzelne damit schnell überfordert ist“, so Reichelt. „Der FHR stellt den Mitgliedsunternehmen heute über 25 Dienstleister zur Seite, und jeder ist Experte auf seinem Gebiet. Wir sehen uns als Assistenten der Unternehmen, das ist unsere Philosophie.“ Unter diesen Experten be­findet sich auch ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Fußbodentechnik, der die Mitglieder bundesweit als Gutachter unterstützt – das (und nicht nur das) ist außergewöhnlich.

Mitglieder genießen volle Freiheit

Das volle Programm mit allen Leistungen bietet der FHR „ohne Firlefanz“, gut kalkuliert zu fairen Rahmenbedingungen an. „Sparsamkeit, Investitionen, Rentabilität“, so fasst Reichelt das Geschäftsmodell zusammen. Das Besondere dabei: Der Verbund arbeitet mit offenen Konditionen; die Partnerunternehmen haben volle unter­nehmerische Freiheit. Es gibt keine Abnahme­verpflichtungen, alle werblichen Maßnahmen stehen zur freien Auswahl. Will ein Mitglied einem bestimmten Lieferanten größere Mengen abnehmen, kann es individuelle Bedingungen aushandeln, die über die Basiskonditionen hinausgehen. „Wir haben eine sehr freiheitliche, flexible Denkstruktur, das macht uns so besonders“, erklärt Reichelt.

Nachtschichten mit Cola und Gulaschsuppe

Die heute so erfolgreiche Kooperation ist 1976 praktisch aus dem Nichts entstanden: genährt durch „Cola und Gulaschsuppe“ – Reichelts Hauptnahrungsmittel in der Gründungs­phase –, seinem täglichen und oft auch nächtlichen Einsatz und seiner Vision. Den heutigen Firmensitz in Harthausen gab es anfangs noch nicht; da hatte Reichelt den FHR noch aus den Kellerräumen seines Einfamilienhauses geleitet. Im Hintergrund ein Fernschreiber mit Lochstreifen-Betrieb, der bei eintreffenden Nachrichten so laut ratterten, dass die Wände vibrierten. Seine Geschäftspartner konnte er dort schlecht empfangen. „Da habe ich sie in ein Café bestellt und an verschiedenen Tischen platziert. Dort bin ich von Tisch zu Tisch gegangen, um mit ihnen zu sprechen.“ Aller Anfang war also nicht leicht; Reichelt hat durchaus Zeiten erlebt, zu denen er abends auf einem Bierdeckel ausgerechnet habe, ob er seine Angestellten noch bezahlen könne.

Das konnte er immer – und außerdem weitere einstellen. Im Jahr 1995 ließ er einen geräumigen Firmensitz in Harthausen bei Speyer bauen. Vor dem Haus symbolisiert die Skulptur eines Elefanten seinen Weg dorthin. „Ich, der Elefant, strebe ziel­orientiert und dankbar zum Erfolg. Mein Gedächtnis ist groß, ich verzeihe keinen Angriff auf das Leben. Mit Stärke und Achtsamkeit beschütze ich das liebende Leben!“, steht auf einer Tafel daneben. Die Zeilen stammen aus seinen lyrischen Werken, denn Kurt Reichelt ist nicht nur ein Mann der klaren, sondern auch der schönen Worte. Er geht nicht nur auf harten Konfrontationskurs, sondern ist auch karitativ sehr engagiert, unterstützt unbürokratisch Menschen in schwierigen Situationen. „Das mache ich schon immer. Dabei bekomme ich viel zurück, den seelischen Vorteil habe ich.“

Nicht mehr Entscheider,sondern Berater

Auch finanziell stehen Reichelt und der FHR vorteilhaft da; die Mitglieds­unternehmen aus Fachhandel und Handwerk haben das Corona-Jahr 2020 überdurchschnittlich gut und sogar mit kleinem Umsatzplus ge­meistert. Indem der Verbund – inzwischen unter der Leitung von Sabine Wiegand – getan hat, worin er besonders kompetent ist: Er hat Informationen und aktive Hilfe­stellungen geboten, immer neu recherchiert, Netzwerke genutzt und engen Kontakt zu den Mitgliedern gehalten. Und die wissen das zu schätzen.

Reichelt, der die Einstellung von Sabine Wiegand vor rund 40 Jahren als seine „beste Entscheidung“ bezeichnet, ist rundum zufrieden damit, jetzt nicht mehr Entscheider, sondern Berater des Verbunds zu sein. „Ich sehe der Zukunft des FHR wohlwollend entgegen, es könnte nicht besser sein“, sagt er. Auch die Zeit seiner feurigen Auftritte sei vorbei, und er vermisse sie nicht. Statt harte Worte deutlich auszusprechen, schreibt er jetzt lieber lyrische Zeilen und stellt seinen nächsten Gedichtband zusammen. Kurt Reichelt ist ein Mann mit vielen Facetten.

Meike Stewen


Kurt Reichel (FHR)

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