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17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Firmen und Organisationen beziehen sich bei ihrem Engagement für mehr Nachhaltigkeit zunehmend auf die Sustainable Development Goals der UN. Wir haben uns die 17 Ziele und ihre Bedeutung für Unternehmen genauer angesehen.

Vor einiger Zeit erklärt der schwedische Bodenbelagshersteller Kährs, von nun an sechs der von den Vereinten Nationen aufgestellten Sustainable Development Goals (SDG) in sämtliche Unternehmensaktivitäten zu übernehmen und zu implementieren. Wie die Schweden, bekennen sich inzwischen viele weitere Firmen und Organisationen zu den 17 „Zielen für nachhaltige Entwicklung“ und machen sie zur Grundlage ihrer Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Moment, 17 Ziele – warum spricht Kährs denn nur von sechs ? Und wie machen das die anderen?

Tatsächlich sind es 17 Ziele. Allerdings haben nicht alle direkt oder indirekt mit Wirtschaft zu tun, nicht bei jedem können Unternehmen unmittelbar zu ihrem Erreichen beitragen. Es macht also wenig Sinn, sich einfach ganz allgemein zu allen zu bekennen. Etwas verändern – im eigenen Unternehmen und im großen Ganzen – lässt sich nur, wenn man sich auf diejenigen konzentriert, die für die eigene Firma wirklich relevant sind. Einen Beitrag zur Beendigung des Hungers auf der Welt zu leisten, wäre für Kährs im Rahmen des unternehmerischen Handelns zum Beispiel schwierig. Stattdessen hat man sich für die Ziele Gesundheit und Wohlergehen, bezahlbare und saubere Energie, nachhaltige Städte und Gemeinden, nachhaltige(r) Konsum und Produktion, Maßnahmen zum Klimaschutz und Leben an Land entschieden.

Klingt gut, nur irgendwie auch sehr theoretisch. Aber das gilt im Prinzip für alle SDG: Sie mussten sehr allgemein formuliert werden, um einerseits die vielen Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, es andererseits aber nicht zu kompliziert und detailliert werden zu lassen. Sie sind weltweit gültig. Menschen, Firmen und Organisationen sollen sie verstehen, sich in ihnen wiederfinden und bereit sein, sie umzusetzen. Was mit den einzelnen SDG gemeint ist, erfahren Sie in der Übersicht unten.

Damit es aber schließlich konkret werden kann, wurden zusätzlich insgesamt 169 Zielvorgaben formuliert. Sie präzisieren die einzelnen SDG und zeigen die Stellen, an denen aus Worten Taten werden sollen.

Orientierungshilfe für Firmen

Für Unternehmen können die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen so etwas wie die Leitplanken sein, an denen sich Ziele, Strategien und Handeln orientieren. Denn staatliche Vorgaben wie sie etwa in Folge des European Green Deal (siehe European Green Deal – das kommt auf die Branche zu) kommen werden oder das wachsende Verbraucherbewußtsein für nachhaltige Themen zwingen Firmen dazu, ihre Wertschöpfungsketten, ihre Produkte, ihre unternehmerische Verantwortung zu überdenken.

Daher empfiehlt etwa der Bayerischer Industrie­ und Handelskammertag auch kleinen und mittleren Unter­nehmen, sich proaktiv mit der Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele auseinander­zusetzen. Die SDG können als Innovationstreiber wirken, wenn neue Geschäftschancen und Märkte erschlossen oder zumindest das Angebot weiterentwickelt wird. Die Attraktivi­tät als Arbeitgeber steige ebenfalls, gerade bei jungen Menschen.

Ganz genauso sieht man das beim UN Global Compact Netzwerk Deutschland. Es ist Teil einer welt­weiten Initiative für unternehmerische Verantwortung und zählt auch Großkonzerne zu seinen Mitgliedern. Das UN GCD spricht im Zusammenhang mit der Umsetzung der SDG von wirtschaftlichen Anreizen durch einen effizienteren Einsatz von Ressourcen oder den Umstieg auf nachhaltige Alternativen; einer größeren Bindung von Kunden, Mitarbeitenden und anderen Stakeholdern; dem Vermeiden von rechtlichen und Reputationsrisiken; der Sicherung stabiler Gesellschaften und Märkte als Voraussetzung für erfolgreiches Unternehmertum; Möglichkeiten für Partnerschaften und Synergien durch eine verbindende Sprache und ein gemeinsames Ziel. Von dem Netzwerk erhalten Firmen auch Unterstützung bei der Umsetzung entsprechender Strategien und Maßnahmen (siehe „Leitfaden und Online-Seminare helfen Unternehmen“).

Thomas Pfnorr



Leitfaden und Online-Seminare helfen Unternehmen

Unternehmen, die auf Grundlage der Nachhaltigkeitsziele der UN aktiv werden wollen, hilft das UN Global Compact Netzwerk Deutschland mit seinem SDG Compass dabei, den richtigen Weg einzuschlagen. Der kompakte Leitfaden umfasst fünf aufeinander aufbauende Kapitel: „Die SDG verstehen“ macht den Leser mit den Zielen vertraut. Anschließend findet über die Einschätzung positiver wie negativer, aktueller wie potenzieller Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette eine „Priorisierung“ möglicher Handlungsfelder statt. Im nächsten Schritt heißt es, auf die SDG abgestimmte „Ziele setzen“. Um diese Ziele zu erreichen, ist die „Integration“ von Nachhaltigkeit in alle Unternehmensbereiche vonnöten. Über „Berichterstattung und Kommunikation“ wird das unternehmerische Engagement nach innen und nach außen transparent.

Auf der Webseite des UN Global Compact Netzwerk Deutschland finden Sie neben dem Leitfaden als kostenloses PDF auch Online-Seminare zur strategischen Arbeit mit den SDG. Sie richten sich an Verantwortliche für die Auslegung und Umsetzung der Ziele in Firmen, etwa aus den Bereichen CSR, Nachhaltigkeit, Corporate Governance, Compliance, Strategie, Entwicklung, Einkauf, Personal und Kommunikation. Ganz neu ist das als Einführung gedachte Video „SDGs in der Unternehmenspraxis“.



Mehr Infos im Internet

- Webseite der UN zu den SDG (in englischer Sprache)
- Die 17 SDG, 169 Unterziele sowie Indikatoren für Deutschland
- SDG-Leitfaden für Unternehmensaktivitäten vom UN GCD
- SDG-Wegweiser für KMU der IHK Bayern
17 Ziele für nachhaltige Entwicklung
Foto/Grafik: UN
17 Ziele für nachhaltige Entwicklung
Foto/Grafik: SN-Verlag
Die 17 SDG und wofür sie stehen
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