Tapetenindustrie sieht Silberstreif am Horizont
Nach den Umsatzrückgängen auch im ersten Halbjahr 2025 zeigen sich die Tapetenanbieter für 2026 vorwiegend verhalten optimistisch. Sie setzen auf Investitionen in neue Kollektionen und die Gewinnung zusätzlicher Märkte.Die Lage auf dem Tapetenmarkt ist sowohl im In- als auch im Ausland weiterhin angespannt. Aber überwiegend sehen die Hersteller für das kommende Jahr Licht am Ende des Tunnels, wie sie auf Anfrage der BTH Heimtex angeben. Damit entspricht ihre Stimmung dem Optimismus der Gesamtwirtschaft: der Ifo-Geschäftsklimaindex erhöhte sich zuletzt leicht, sogar für den Wohnungsbau gibt es positive Signale.
"Insgesamt sehen wir verhalten optimistisch dem Jahr 2026 entgegen und hoffen, dass sich das Konsumklima nun endlich zum Besseren wendet", sagt Dr. Frederik Rasch, Geschäftsführer der Tapetenfabrik Rasch in Bramsche und Vorsitzender des Verbands der Deutschen Tapetenindustrie (VDT). Schon im ersten Halbjahr gelang dem Unternehmen aufgrund von Marktanteilsgewinnen ein leichtes Wachstum. "Eine intensive Produktpolitik, Neukundenakquisen und Verdrängung haben bislang geholfen, uns gegen den Marktrend zu stemmen", betont Rasch.
Den Fachhandel stärken
Große Erwartungen setzt er in ein eigenes Fachhandelssortiment. Zur Messe Heimtextil wird das Unternehmen mit zwei Kollektionen unter der Marke "Rasch-edition 1861" in den Markt gehen, die sich explizit an den Fachhandel wenden. "Das anspruchsvolle Design und die hochwertige Qualität erlauben dem Fachgroß- und Einzelhandel Umsätze, ohne den Druck aus Großflächenvertriebsformen befürchten zu müssen. Hiermit bekräftigt Rasch den Anspruch, im deutschen Fachhandel eine führende Rolle zu spielen", macht der Geschäftsführer klar.
Erismann aus Breisach erwartet einen kräftigen Schub durch die fünfte mit dem Designer Guido Maria Kretschmer entwickelten Kollektion Fashion for Walls. Weiter setzt das Familienunternehmen auf Wachstum im europäischen Ausland und eine aktive Rolle im Konsolidierungsprozess. Geschäftsführer Dietmar Everding verweist diesbezüglich auf die Kooperation mit dem belgischen Hersteller Decoprint und sagt: "Weiteren Akquisen stehen wir offen gegenüber." Insgesamt liegt der Umsatz im ersten Halbjahr 2025 noch um 5 % unter dem Vorjahresniveau. Aber Everding gibt sich zuversichtlich, denn der Juli erreichte das Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats und auch für August zeichnet sich ein gegenüber August 2024 stabiler Umsatz ab. Die eingeleiteten Schritte würden weitere positive Impulse nach sich ziehen.
Folgen der Insolvenz bei
Brüder Schlau nicht absehbar
Paul Eitel, Geschäftsführer der Marburger Tapetenfabrik in Kirchhain, beklagt Umsatzverluste im ersten Halbjahr im In- und Ausland: "Wir haben unsere Struktur angepasst, Verträge überprüft, Projekte, die nicht unbedingt von Nöten sind, geschoben oder ganz abgesagt." Sorgen macht er sich über die Folgen der Insolvenz der Unternehmensgruppe Brüder Schlau und die insgesamt anhaltende Kaufzurückhaltung. Dennoch sieht er positive Zeichen für die Tapetenbranche: "Ich sehe uns gut aufgestellt für die Zukunft. Das fängt beim Personal an und hört bei den Investitionen auf, die wir in den vergangenen Jahren getätigt haben." Vor allem der Digitaldruck biete Vorteile.
Christian Schmitz, Inhaber der Verlage Schmitz und Essener Tapeten-Import in Essen, geht für 2025 insgesamt von einem Umsatzrückgang von rund 3,5 % aus. Auch 2026 werde ein schwieriges Jahr werden. Er fordert alle Beteiligten am Markt auf, durch erhöhten Einsatz die Lage der Branche zu verbessern.
Erfolg versprechende Impulse sieht Felicitas Erfurt-Gordon für das von ihr geführte Unternehmen Erfurt & Sohn aus Wuppertal vor allem im Ausland. Der Absatz im Inland habe sich hingegen leicht rückläufig entwickelt. "Die Ertragslage steht unter Druck, doch durch gezielte Maßnahmen konnten wir gegensteuern", meint Erfurt-Gordon und verweist auf Investitionen in Nachhaltigkeit, Digitalisierung sowie Effizienzsteigerung. Das Unternehmen will sich auf Stabilität und strategische Weiterentwicklung konzentrieren.
Bei A.S. Création in Gummersbach richtet sich der Fokus auf die gezielte Stärkung der Marktposition in ausgewählten Vertriebssegmenten und der konsequenten Effizienzsteigerung. Die bisherigen Anstrengungen zeigten bereits Wirkung. Trotz der deutlichen Umsatzeinbußen lag das operative Ergebnis im ersten Halbjahr mit 1,2 Mio. EUR klar über dem Vorjahresergebnis von -0,5 Mio. EUR.
In einem sind sich die Anbieter einig: "Die Tapete bleibt ein wichtiges Gestaltungselement", wie Dietmar Everding hervorhebt. Viele größere Ketten zeigten, dass das Produkt nachgefragt werde, wenn es am PoS professionell inszeniert werde. "Tapete ist ein Mix der Möglichkeiten", sagt Paul Eitel. "Designstarke Motive bilden die Nische, Uniflächen mögen die Fläche belegen."
Erfurt & Sohn ist auf überstreichbare Tapeten fokussiert. Sie seien ein wichtiger Schutz des Gebäudeinnenraums, meint Felicitas Erfurt-Gordon. "Mit Produkten aus nachwachsenden und recycelten Rohstoffen schaffen wir eine Verbindung von Wohngesundheit, Nachhaltigkeit und modernem Interior Design."|
Cornelia Küsel
aus
BTH Heimtex 10/25
(Tapeten, Wandbeschichtungen)