Unilin Flooring Division Parkett: Mario Gierlach und Laura Barber im Gespräch

"Wir haben die Werterhaltung des Parketts neu definiert"

Obgleich der europäische Parkettmarkt seit Anfang 2023 kriselt, wagt Unilin Flooring einen Neuanfang in dem Segment. Chancen sehen die Belgier in der Positionierung als Komplettanbieter, vor allem aber in den besonderen Features ihrer Parkettböden: Wasserresistenz und Pflegeleichtigkeit. Damit beansprucht das Unternehmen Alleinstellung im Markt. Was dahinter steckt, wollte Parkett Magazin von Mario Gierlach, Business Developer Wood DACH, und Produktmanagerin Laura Barber wissen.

Parkett Magazin: Parkett ist kein neues Produkt für Unilin Flooring, aber wurde noch nie offensiv vermarktet, zumindest nicht in der DACH-Region. Nun durchleidet der europäische Parkettmarkt eine der schwersten Krisen der letzten Jahrzehnte, der Absatz ist tief in den Keller gerutscht, die Anbieterseite überbesetzt und fragmentiert, die Baukonjunktur schwächelt - und trotz dieses herausfordernden Umfeldes hat sich Unilin entschieden, nun sein Parkettsegment zu pushen. Warum jetzt?

Mario Gierlach: Unilin hat sich in einem äußerst schwierigen Marktumfeld bewusst für einen Re-Start seines Parkettsegments in Europa entschieden. Nach massiven Krisenjahren zeichnet sich für 2026 zwar insgesamt weiterhin ein herausforderndes Bild, doch es gibt auch erste Anzeichen für eine Stabilisierung und sogar vorsichtigen Optimismus. Zudem haben wir die Werterhaltung des Parketts neu definiert, wenn nicht sogar revolutioniert. Aber darauf kommen wir bestimmt später noch zu sprechen.

Welche Relevanz hat Parkett für Unilin Flooring? Welche Rolle spielt es im Sortiment und wie ist es gegenüber den anderen Produktgattungen positioniert?

Gierlach: Parkett zählt innerhalb der gesamten Unternehmensgruppe zwar nicht zu den Flaggschiff-Produkten, dennoch ist das Thema Nachhaltigkeit und ökologisches Bauen für ein Industrieunternehmen wie Unilin selbstverständlich von großer Bedeutung. Mit Parkett vervollständigen wir unser Sortiment und treten somit als Komplettanbieter auf. Wir positionieren und vertreiben unser Parkett aber ganz bewusst unabhängig von unseren anderen Produktbereichen wie Laminat und Vinyl.

Früher betrieb Unilin zwei Parkettwerke - den ehemaligen Magnum-Standort in Tschechien und eins in Malaysia. Und dann gibt es meines Wissens noch ein Sägewerk in Rumänien. Ist das so noch aktuell oder wie ist Unilin werksseitig aufgestellt?

Laura Barber: Das stimmt so. In Rumänien produzieren wir seit 2021 hochwertige Decklamellen für unsere Parkettproduktion in Malaysia. Dort stellen wir Dreischichtparkett mit Massivholz-Mittellage und -Gegenzug - aus Fichte oder Hevea - sowie auf HDF-Mittellage mit Fichte-Gegenzug her. Durch die Produktion unserer eigenen Decklamellen und Mittellagen sind wir unabhängig von geopolitischen Einflüssen und Lieferkettenunterbrechungen geworden.

Wie weit wird die Wertschöpfung im eigenen Haus generiert - sprich, ist die Produktion vollstufig?

Barber: Ja. Bei allen qualitätsentscheidenden Prozessschritten stehen unsere langjährige Erfahrung sowie höchste Präzision und Effizienz im Fokus. Von der Holzbeschaffung über das Sägen, Trocknen und Verleimen bis hin zur Verarbeitung und innovativen Oberflächenbehandlung führen wir sämtliche Arbeitsschritte eigenständig und mit größter Sorgfalt aus.

Wie hoch sind Ihre Kapazitäten?

Barber: Zurzeit können wir jährlich etwa 3 Mio. m2 Dreischichtparkett produzieren. Wer Unilin kennt, weiß, dass bei einer positiven Marktentwicklung die Kapazitäten problemlos erweitert oder Zukäufe getätigt werden können.

Woher beziehen Sie die Rohware?

Barber: Die Eichenstämme stammen zu über 90 % aus Rumänien. Fichte und Kiefer beziehen wir aus Schweden und Finnland, Hevea aus Malaysia. Das HDF für die Mittellage beziehen wir aus unserem Werk in Brasilien.

Können Sie das Sortiment kurz erläutern? Wie ist es aufgebaut? Sind es mehr Me-Too-Produkte oder haben Sie besondere Spezialitäten im Programm?

Barber: Der Aufbau ist immer dreischichtig. Unser Sortiment umfasst zwei Längen sowie fünf Breiten zwischen 145 und 260 mm. Zudem bieten wir Fischgrät in der Abmessung 580 x 145 mm an, dass sich auch für andere Verlegemuster wie zum Beispiel Würfel eignet. Eine spezielle Oberflächentechnik macht unsere Parkettböden pflegefrei.

Als besonderen USP stellen Sie die Wasserfestigkeit Ihrer Parkettböden heraus - ich glaube, dass ist das, was Sie vorhin kurz angeteasert hatten, Herr Gierlach. Wie erreichen Sie das? Und ist Ihr Parkett wirklich wasserresistent, d.h. auch in Feuchträumen wie Küche und Bad einsetzbar?

Gierlach: Auf diese Innovation sind wir besonders stolz, denn sie macht unseren Parkettboden einzigartig und hebt ihn deutlich von dem anderer Hersteller ab. Fünf Jahre lang hat unser Entwicklungsteam daran gearbeitet, wobei wir auch auf die Technologien unserer wasserfesten Laminatkollektion zurückgreifen konnten.

Unser Ziel war es, einen Parkettboden zu entwickeln, der keinerlei Kompromisse bei Langlebigkeit, Unempfindlichkeit gegenüber Flüssigkeiten oder Widerstandsfähigkeit eingeht und dabei den authentischen Holzcharakter bewahrt. In Bezug auf die Verschmutzungsbeständigkeit der Oberfläche sowie die Wasserfestigkeit von Oberfläche und Kanten/Fugen bietet unser Parkett den Kunden ein rundum sorgloses Nutzungserlebnis. Und ja, unsere Parkettböden sind sogar für Feuchträume wie Küche und Bad geeignet. Sie sehen jahrelang wie neu aus und sind mit einer 15-jährigen Garantie ausgestattet.

Wie erreichen wir das? Ohne zu viel preisgeben zu wollen, spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen unser verbessertes Klicksystem, zum anderen unser einzigartiges Beschichtungssystem, das die gesamte Parkettoberfläche schützt, kombiniert mit unserer wasserabweisenden Hydroseal-Beschichtung an allen vier Seiten der Dielen. Dadurch lässt sich Schmutz leicht entfernen, Wasser dringt nicht in die Fugen ein und kann bis zu 72 Stunden auf der Oberfläche verbleiben.

Unter welcher Marke vertreiben Sie das Parkett?

Barber: Wir bedienen uns hierbei der im Markt bereits etablierten Marken Quick-Step und Pergo.

Wo ist Ihr wasserfestes Parkett preislich angesiedelt, also der empfohlene VK-Preis - und wo das übrige Sortiment?

Gierlach: Bei den Marken Quick-Step und Pergo liegen wir je nach Abmessung Sortierung bei einem UVP von 79,95 bis 119,95 EUR. Ein übriges Sortiment ohne diese Benefits wird es nicht mehr geben. Alle unsere Parkettböden werden nur noch mit diesen Eigenschaften produziert und ausgeliefert. Wir möchten neue Maßstäbe in der Langlebigkeit von Parkettböden setzen. Die positive CO2-Bilanz des Holzes soll durch zu frühe Renovierungszyklen nicht verschlechtert werden.

Bieten Sie auch Private Label an? Wenn ja, zu welchen Konditionen?

Gierlach: Ja, Private Label oder wie wir es nennen Partner Brands, sind ein zentrales Element unserer Vertriebsstrategie. Wir möchten unsere innovativen Produkte breit im Markt positionieren. Dabei wollen wir uns nicht von möglichen Markthindernissen einschränken lassen, weder auf der einen noch auf der anderen Seite.
Partner Brands sind daher folgerichtig auch preiswerter als unsere Markenwelt, ohne jedoch auf innovative Technologien wie Wasserunempfindlichkeit und Pflegefreiheit zu verzichten.

Sie produzieren nicht vor Ort in Belgien. Wie sieht es mit den Verfügbarkeiten aus?

Gierlach: Wir streben 100 % Lagerverfügbarkeit in Belgien bei den Marken an. Bei den Partner Brands sind die jeweiligen Kunden für ihre Lagerbevorratung verantwortlich.

Welche Marketingmaßnahmen planen Sie zur Etablierung Ihres Parkettsortiments im Markt?

Gierlach: Wir werden das Sortiment mit Online- und Offline-Kampagnen in den einschlägigen Medien begleiten.

Wer sind Ihre primären Zielgruppen?

Gierlach: Mit unseren Partner Brands wollen wir vor allem den lagerhaltenden Großhandel für Parkett und Bodenbeläge erreichen und regional Stützpunkthändler aufbauen. Mit unserer Markenwelt Quick-Step und Pergo sprechen wir den qualifizierten Einzelhandel an.

Letzte Frage: Was zeichnet Sie als (Parkett-)Lieferant aus?

Gierlach: Was uns schon immer ausgezeichnet hat: Innovation, Qualität und nicht zuletzt die Eigenkontrolle über die notwendigen Rohstoffe. Unilin gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Bodenbelägen mit technisch ausgereiften Produkten. Wir konzentrieren uns auf die Herstellung langlebiger und nachhaltiger Produkte: gut für Ihr Zuhause und unseren Planeten.

Die Fragen stellte Claudia Weidt

Mario Gierlach (60), seit September Business Developer Wood DACH bei Unilin Flooring, soll das Parkettgeschäft der Belgier in der DACH-Region auf- und ausbauen. Der Parkettlegermeister war von 1996 bis 2016 öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Parkettlegerhandwerk. Seit 1992 ist der Troisdorfer in der Branche tätig, zuletzt verantwortete er den internationalen Vertrieb des ukrainisch-polnischen Parkettherstellers Holzfloors.


Laura Barber hält einen Master in Wirtschaft von der Universität Gent und gelangte über verschiedene Stationen in Marketing, Vertrieb und Projektmanagement in diversen Branchen 2020 zu Unilin Flooring in die Parkettsparte. Seit 2021 ist sie für die Produktentwicklung verantwortlich, zunächst vor Ort in Malaysia, seit Dezember 2024 zeichnet sie als Produktmanagerin für das Segment.


Unilin Flooring

Unilin Flooring NV
B-8710 Wielsbeke, Ooigemstraat 3
unilin.com

Unilin
Gründung: 1960
Umsatz: 2,6 Mrd. EUR (2024)

Unilin Flooring
ist Teil der Unilin Group, die seit 2005 zum US-amerikanischen Mohawk-Konzern gehört, der weltweiten Nr. 1 bei Bodenbelägen.
Sortiment: Laminat, Hydroseal-Naturböden, Parkett, Designböden


Unilin Flooring Parkett
Parkettwerke: Malaysia, Sägewerk in Rumänien
Kapazität Parkettproduktion: 3 Mio. m2
Parkettmarken: Quick-Step, Pergo, Partner Brands
Produkte: Dreischicht-Landhausdielen Fischgrät und Chevron
Aufbau: 13 bis 13,5 mm stark, 2,5 mm-Nutzschicht, überwiegend Eiche-Deckschicht, Vollholz-Mittellage (Fichte oder Hevea, von dem kein Kautschuk mehr geerntet werden kann), HDF-Mittellage, Uniclic-Multifit-Verbindungssystem
Auswahl: Zwei Längen, fünf Breiten, drei Sortierungen
UVP: 79,95 bis 119,95 EUR
aus Parkett Magazin 01/26 (Wirtschaft)