Interview mit FEB-Spitze

"Optimismus wagen ist jetzt das Allerwichtigste"


Beim Pressegespräch auf der Jahrestagung in Berlin beantworteten der FEB-Vorsitzende Volkmar Halbe, sein Stellvertreter Bernd Greve (Project Floors) und Uwe Viebrock (Pressearbeit FEB) die Fragen von FussbodenTechnik.

FussbodenTechnik: Die im FEB organisierten Hersteller elastischer Beläge verzeichneten im ersten Halbjahr 2025 einen Absatzrückgang um insgesamt 6,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Bernd Greve: Schauen wir auf die aktuelle Entwicklung, liegen wir derzeit bei einem Absatzrückgang von 4,8 %. Wir werden sicher noch bis ins Frühjahr 2026 zu kämpfen haben. Aber im Objekt- und im Wohnungsbau geht es wieder vorwärts. Wir merken, dass mehr Ausschreibungen auf den Markt kommen. Es wird wieder mehr investiert. Und diese Bauten werden relativ kurzfristig umgesetzt - innerhalb von zwei bis drei Monaten nach Ausschreibung. Das ist relativ untypisch für unsere Branche. Meine Meinung ist daher, dass wir positiv in die Zukunft schauen müssen.

Volkmar Halbe: Ein Aspekt, der die Bodenbelagshersteller trifft, wurde beim Vortrag des Marktforschers Martin Langen deutlich: Viele Immobilienbesitzer investieren größere Geldsummen verstärkt in die Anschaffung von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Diese Mittel wären sonst vielleicht in die Renovierung des Bodens geflossen - also in optische Renovierungen. Die genannten 30.000 EUR fehlen dann an anderer Stelle.

FT: Was meinen Sie, in welche Richtung wird sich die Branche in den nächsten Jahren entwickeln?

Halbe: Bis auf wenige Ausnahmen hat ja die gesamte Bauzulieferindustrie gelitten. Ich glaube aber, dass wir irgendwann in 2026 beginnend wieder bessere Zeiten erleben werden. Wichtig dabei ist, dass die politischen Initiativen greifen und die Konsumpsychologie der Endverbraucher wieder anspringt. Viele Bereiche werden wieder Nachfrage generieren, da bin ich mir sehr sicher. Ich glaube aber auch, dass wir diese steigende Nachfrage in unserem Segment nicht schon im ersten Halbjahr 2026 spüren werden. Eher im zweiten Halbjahr wird es für die Innenraum gestaltende Industrie wieder aufwärts gehen - da spricht ganz vieles für sich. Optimismus wagen ist jetzt das Allerwichtigste.

Greve: Wir werden nicht die Zeiten mit zweistelligen Zuwachsraten wie von 2014 bis 2016 erleben. Der Markt wird sich ein Stück weit verändern, sich selbst bereinigen. Das sehen wir gerade, denkt man an die vielen Insolvenzen in der Branche. Im LVT-Bereich haben wir die Spitze des Eisbergs jetzt erreicht, was die Anzahl der Wettbewerber betrifft - es wird sich normalisieren. In ein paar Jahren werden wir nicht mehr über 120 Wettbewerber sprechen, sondern nur noch über 80. Eine Tagung wie die in Berlin spiegelt auch immer die Stimmung in der Branche wider. Und wir haben eine sehr gute Stimmung erlebt. Alle waren positiv drauf. Keiner war dabei, der gesagt hat: "Oh, wie soll das bloß weitergehen?" Das finde ich wichtig.

FT: Was wünschen sich der FEB und die Belagshersteller in der aktuellen Situation von Seiten der Politik?
Greve: Dass die Maßnahmen zur Stärkung der Baubranche, die beschlossen wurden, auch konkret umgesetzt werden - und seien es noch so kleine Punkte. Aber diese sollten zeitnah angefasst und umgesetzt werden - sonst entsteht Unsicherheit.

Halbe: Das kann ich nur unterstreichen. Konsequenz ist das Stichwort. Wir erleben bei Förderprogrammen, die angekündigt wurden, derzeit eine Hängepartie, weil Durchführungsbeschlüsse fehlen. Es muss nicht ein neues Rad erfunden werden, denn die existierenden Programme gehen alle in die richtige Richtung. Aber diese müssen eben konsequent realisiert werden.

FT: Die Diskussion über Künstliche Intelligenz (KI) war ein Schwerpunkt der Jahrestagung 2025. In welchen Bereichen nutzt der FEB aktuell schon diese Technologie?

Halbe: Beim Verbandsmanagement und der damit verbundenen Logistik ist KI heute schon eine große Hilfe für uns. Ich nutze sie zum Organisieren und Vorbereiten solcher Veranstaltungen. KI wird die nächste industrielle Revolution sein. Wir können uns nicht dagegen wehren, sondern müssen lernen, damit umzugehen. Vieles wird sich einpendeln.

Uwe Viebrock: Bei unseren Social Media-Aktivitäten wird uns KI sicherlich helfen, auch mit einem kleinen Team und entsprechenden Budgets mehr Inhalte produzieren zu können. Durch Social Media haben wir uns in den vergangenen Jahren schon jünger aufgestellt. Es ist wichtig, dass die elastischen Bodenbeläge in eine breite Öffentlichkeit getragen werden - und von jungen Leuten und potenziellen Arbeitnehmern wahrgenommen werden. Vor 14 Jahren hatten wir täglich 15 Besucher auf unserer Website. Jetzt sind es zwischen 700 und 1.000 Besuchern pro Woche - also ein Vielfaches der früheren Kontakte.

Greve: Als Unternehmen wird man ohne KI nicht mehr auskommen, genauso wenig wie ohne Internet. Der eine beschäftigt sich jetzt schon damit, der andere wird sich irgendwann damit beschäftigen müssen.

Viebrock: An den Beispielen während der Diskussionsrunde haben wir gesehen, dass sich in größeren Unternehmen alle Mitarbeiter jeden Tag ein Stück weit mit KI beschäftigen. Sie setzen das um und lernen voneinander - informieren über die Vorteile. Dies trägt zur schnelleren Verbreitung von KI bei.
aus FussbodenTechnik 01/26 (Wirtschaft)