ZDB Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V.
Perspektiven für die Bauwirtschaft
Auch wenn die Stimmung in der Baubranche teils noch gedrückt ist, zeigen die Indikatoren für 2026, spätestens aber 2027 doch ein Erstarken der Konjunktur an. Analysten sehen außerdem eine Trendwende weg von Renovierungen hin zum Neubau."Nach Jahren rückläufiger Zahlen kehrt in der Bauwirtschaft erstmals wieder Zuversicht zurück." Mit diesen Worten kommentierte Wolfgang Schubert-Raab, Präsident im Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), die Vorstellung der Baukonjunkturzahlen 2025 und der Prognose für 2026.
Demnach geht der ZDB für 2025 von einem Branchenumsatz von 168 Mrd. EUR - gegenüber dem Vorjahr ein nominales Plus von 3,0 % und real von 0,6 %. 2026 sollen es 178 Mrd. EUR sein (+6 % nominal, +2,5 % real). Impulse kommen weiter aus dem Tiefbau und nach drei Jahren Investitionsstillstand werden im Wohnungsbau wieder Projekte angeschoben.
Eine Umfrage unter 1.500 Betrieben des ZDB spiegelt diese positive Entwicklung wider: Über die Hälfte der Unternehmen (ca. 56 %) bewertet ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Knapp 70 % erwarten in den kommenden Monaten eine stabile oder bessere Lage - im Vorjahr war es nur gut die Hälfte. Vor diesem Hintergrund sieht Schubert-Raab die Talsohle in der Bauwirtschaft durchschritten.
Wohnungsbau
kommt noch nicht in Schwung
Mit Blick auf den Wohnungsbau stellte sich die Situation zu Jahresbeginn 2026 im Ifo Geschäftsklimaindex jedoch anders dar. Dieser sank zwischen November und Dezember 2025 von -19,3 auf -20,6 Punkte. Gleichzeitig stieg der Anteil der Firmen im Wohnungsbau, die von zu wenig Aufträgen berichten, von 47,0 auf 47,7 %. Auch die Stornierungen nahmen erneut zu: 11,5 % der Firmen berichteten davon, nach 11,0 % im November.
"Die zuletzt gestiegenen Wohnungsbaugenehmigungen schlagen sich bislang nicht in der Stimmung der Unternehmen nieder", so Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo Umfragen. "Viele Betriebe warten weiterhin auf eine spürbare Belebung der Nachfrage." Im Schnitt dauere es drei bis sechs Monate bis aus erteilten Genehmigungen konkrete Aufträge werden.
Ein ähnliches Bild zeichnet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). Laut dessen Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller rechnen die Mitglieder erst im kommenden Jahr mit einer echten Belebung: "Im Rahmen einer aktuellen Konjunkturumfrage gab die Hälfte der Teilnehmer, die im Schwerpunkt Hochbau tätig sind, an, dass sie 2027 und 2028 mit einem positiven Effekt des bis 2030 befristeten Bau-Turbos auf den Wohnungsbau rechnen. 8 % erwarten nur langfristig einen Effekt. 38 % erwarten allerdings auch gar keinen spürbaren Effekt."
Der HDB selbst prognostiziert für 2026 ein Plus von 2,0 % im Wohnungsbau, 4,0 % im Wirtschaftsbau sowie 1,5 % im öffentlichen Bau. Auf die Anzahl der Beschäftigten hätte das einen positiven Effekt und der Verband rechnet hier mit einer Zunahme von 1,0 % auf 933.000.
Stabile Finanzierungskosten
begünstigen den Neubau
Beim Marktforschungsinstitut B+L Marktdaten geht man davon aus, dass der Neubau in den kommenden drei Jahren wieder anziehen wird - nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Westeuropa. Die Analysten erwarten außerdem, dass es eine Trendwende weg von Renovierungen hin zum Neubaugeschäft geben werde. Diese Einschätzung basiert auf aktuellen Indikatoren wie steigenden Baugenehmigungen und stabilen Finanzierungskosten, die den Neubau begünstigen. Die Investitionsbereitschaft in Renovierungen bleibe dagegen verhalten.
In Deutschland zeige sich derzeit eine stabile Aufwärtsbewegung bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau. Im Nichtwohnbau profitiere die Branche 2026 noch von verzögerten Projekten aus den Boomjahren 2022 und 2023. Ab 2027 jedoch drohe ein breiter Rückgang, da die Projektpipeline dann erschöpft ist und neue Genehmigungen ausbleiben.
Die Schweiz sieht B+L stabiler als die Nachbarländer, die Konjunktur werde getragen von kontinuierlichen Investitionen und moderatem Wachstum. In Österreich scheint der Tiefpunkt erreicht: Erste Indikatoren signalisierten nicht nur einen leichten Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch der Bautätigkeit, mit einer erwarteten Beschleunigung ab 2026.
aus
BTH Heimtex 02/26
(Wirtschaft)