Bußkamp übernimmt

Neustart für die Marke Schlaraffia

Nach der Insolvenz der Aquinos Bedding Germany GmbH, einem Tochterunternehmen der portugiesischen Aquinos Gruppe, gibt es für die Marke Schlaraffia nun eine Zukunft: Die EuroComfort Group mit Haupsitz in Bocholt hat die Marken- und Patentrechte übernommen. Eigentümer Thomas Bußkamp plant, die Brand "kurzfristig neu aufzubauen und zügig wieder auf dem Markt zu platzieren". Die Traditionsfirma selbst wird dagegen abgewickelt.

Am 11. Juli dieses Jahres wurde über das Vermögen der Aquinos Bedding Germany, zu der Schlaraffia seit 2022 gehört, das vorläufige Insolvenzverfahren angeordnet. Als Gründe für die Schieflage nennt Rechtsanwältin Frauke Heier von der Kanzlei Niering Stock Tömp Rechtsanwälte, die zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellt worden war, vor allem die finanzielle Schieflage ihrer Schwestergesellschaften in Polen, Belgien, Niederlande und Rumänien. Diese agierten als Zulieferer für Schlaraffia und waren selbst in Lieferschwierigkeiten geraten. Auch sie befinden sich inzwischen - ebenso wie weitere Schwestergesellschaften in der Schweiz und in Österreich - in landesspezifischen Insolvenzverfahren oder stehen still. "Hohe Energiekosten oder andere politisch beeinflussbare Probleme in Deutschland spielten für die Krise keine relevante Rolle", betont Heier.

Gemeinsam mit Leo-Impact Consulting setzte Frauke Heier in einem vierwöchigen internationalen Investorenprozess einen "strukturierten Bieterprozess" um. Das höchste Gebot für die Markenrechte gab die EuroComfort Group ab. Für die beiden Produktionsstandorte in Bochum-Wattenscheid (Matratzen) und im sächsischen Jöhstadt (Unterfederungen) fand sich dagegen kein Käufer - trotz "zahlreicher Besichtigungstermine von potenziellen Investoren", wie Frauke Heier unterstreicht. Doch der veraltete Maschinenpark und die technologisch überholte, kostenaufwendige Logistikstruktur habe alle Interessenten abgeschreckt. Beide Werksbetriebe waren aufgrund fehlender liquider Mittel zum Zeitpunkt der Insolvenzantragstellung bereits eingestellt. Zwei weitere, kleine Verwaltungsstandorte in Köln und im bayerischen Haßfurt wurden aufgrund von Mietrückständen vermieterseitig fristlos gekündigt.

Damit verlieren nun alle 171 Mitarbeiter ihren Job. Ihre Löhne und Gehälter waren bis Ende August 2025 in Form des vorfinanzierten Insolvenzgeldes gesichert. "Danach drohte vor dem Hintergrund der fehlenden Liquidität, dass ab dem Monat September 2025 keine Lohn- und Gehaltszahlungen mehr hätten erfolgen können", erläutert Rechtsanwältin Frauke Heier. Der erzielte Kaufpreis sorgt nun dafür, dass die Mitarbeiter noch bis zum Auslauf der Kündigungsfristen weiter bezahlt werden können. Zudem haben sie die Chance, sich auf offene Stellen in anderen Firmen der EuroComfort Group zu bewerben.

Die EuroComfort Group gehört zu den größten Herstellern Europas auf dem Gebiet der Bettausstattung und Polsterelemente. An zehn Produktionsstandorten entwickelt, fertigt und vertreibt sie mit 4.595 Mitarbeiter Produkte und Lösungen rund um den Sitz- und Liegekomfort. Zur Gruppe gehören unter anderem die Unternehmen Badenia Bettcomfort, Lück, Brinkhaus, Abeil und Euroline sowie die Marken Irisette, Brinkhaus und Ewald Schillig.
aus Haustex 09/25 (Wirtschaft)