Mattes und Ammann

"Kreislaufwirtschaft ist essenziell für die Zukunft der Matratzenbranche"

Mattes & Ammann zählt zu den führenden Herstellern technischer Textilien. Neben der Automobilbranche hat sich das familiengeführte Unternehmen mit Sitz auf der Schwäbischen Alb vor allem als Produzent von gewirkten und gestrickten Matratzenbezugsstoffen einen Namen gemacht - stets unter Berücksichtigung nachhaltiger Strategien, von der ressourcenschonenden Produktion bis hin zur Entwicklung innovativer Recyclingkonzepte. Im Haustex-Interview sprechen Werner Moser, Direktor Verkauf, und Eberhard Keinath, Geschäftsbereichsleiter Heimtex, über Herausforderungen und Chancen in der Kreislaufwirtschaft sowie die neuesten Entwicklungen bei nachhaltigen Matratzenbezügen.

Haustex: Nachhaltigkeit und Innovationen
spielen eine große Rolle für Mattes & Ammann.
Wo setzen Sie aktuell besondere Schwerpunkte
bei der Herstellung von Matratzenbezügen, um
diese Themen weiter voranzutreiben?

Werner Moser: Wir bleiben dem Thema treu, denn es ist essenziell für die Zukunft unserer Branche. Die Begriffe haben sich im Laufe der Zeit etwas gewandelt, heute spricht man mehr von "Circular Economy" als von reiner Nachhaltigkeit. Es geht darum, Produkte so zu gestalten, dass sie nach ihrem Lebenszyklus wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Auch die Politik unterstützt das, etwa durch die erweiterte Herstellerverantwortung. Unser Schwerpunkt liegt darauf, für unsere Kunden Lösungen zu entwickeln, die sowohl wirtschaftlich als auch nachhaltig tragfähig sind. Umsetzen können wir sie als Hersteller natürlich nicht allein. Als Produzent von Meterware sind wir ja nur ein Teil der Lieferkette - ohne die aktive Beteiligung unserer Partner in der Matratzenindustrie geht es nicht.

Haustex: 2021 brachten Sie mit einem Partner
das Kreislaufsystem "faircollect" für Matratzen-
stoffe aus Polyester auf den Markt, 2023 folgte
"faircollect mix" für Mischgewebe. Wie haben
sich diese Recyclinginitiativen seitdem
entwickelt?

Moser: Unsere Projekte sind ein wichtiger Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft. "faircollect" wurde für reine Polyesterstoffe entwickelt und hat sich bereits gut etabliert.

Nun kamen aber auch immer mehr Kunden mit der Frage nach einer Lösung für Hüllen aus Mischgewebe auf uns zu. Dafür haben wir das Konzept "faircollect mix" entwickelt. Hierbei trennen wir nicht-textile Komponenten, wie Reißverschlüsse, vom Stoff und bereiten das Material auf. Das funktioniert gut, solange alle Fasern textil sind. Sobald jedoch beispielsweise Schaumstoffe fest vernäht sind, wird es schwierig. Das zeigt, dass wir nicht nur nachhaltige Materialien entwickeln, sondern auch durchdachte Produktdesigns benötigen, die Recycling ermöglichen.

Haustex: Welche Materialien und Technologien spielen eine zentrale Rolle,
um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren?

Moser: Der Fokus liegt auf monolithischen Materialien, also Stoffen, die aus einer einzigen Materialklasse bestehen und somit leichter zu recyceln sind. Hier ist Polyester führend. Allerdings stehen wir vor der Herausforderung, dass viele Hersteller vor allem aus dem Premiumbereich ihre Produkte bewusst aus mehreren Materialien zusammensetzen, um bestimmte Qualitäten, Eigenschaften oder Alleinstellungsmerkmale zu schaffen. Wir arbeiten daran, eine Balance zwischen Funktionalität und Kreislauffähigkeit zu finden. Unser Ziel ist es, Matratzenhüllen aus 100 Prozent Polyester so zu entwickeln, dass sie industriell recycelt werden können. Die Technologie dafür haben wir bereits erfolgreich getestet.

Haustex: Sehen Sie ein steigendes Verbraucherinteresse an
umweltfreundlichen Schlaflösungen? Und wie beeinflusst das
Ihre Produktentwicklung?

Eberhard Keinath: Ehrlich gesagt, ist das Verbraucherinteresse tatsächlich sehr begrenzt. Matratzen werden nur alle zehn bis 15 Jahre gekauft, und Nachhaltigkeit spielt bei der Auswahl in der Regel nur eine untergeordnete Rolle. Das Thema ist eher ein "added Value", also ein zusätzlicher Vorteil, aber selten kaufentscheidend. Nichtsdestotrotz sehen wir auf Seiten der Hersteller eine Verantwortung dafür, gute Produkte und nachhaltige Lösungen zu bieten. Das Ziel, das es zu erreichen gilt, ist, dass diese nicht teurer sind als herkömmliche Alternativen. Erst dann wird der Markt sie akzeptieren.

Haustex: Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie vor diesem
Hintergrund für das Thema Kreislaufwirtschaft in der Matratzenbranche?

Moser: Die größten Herausforderungen sind der Preis und die fehlende Infrastruktur für die Rücknahme und Wiederverwertung von Matratzen. Derzeit fehlt es noch an einem effizienten System, um Produkte am Lebensende zurückzuholen. Hier sind Politik und Industrie gefordert, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Länder wie Frankreich oder die Benelux-Staaten haben bereits funktionierende Systeme etabliert. Wenn wir davon ausgehen, dass Rohstoffe knapper und teurer werden, wird es jedoch zunehmend wirtschaftlich notwendig sein, Recyclingmaterialien einzusetzen. Wir sehen das als Investition in die Zukunft.

Haustex: Wie kann die Branche die Rahmenbedingungen für eine
tragfähige Kreislaufwirtschaft aufbauen?

Moser: Es gibt zwei wesentliche Aspekte: Erstens müssen Materialien von Anfang an so konzipiert sein, dass sie recycelbar sind. Zweitens muss - wie bereits erwähnt - eine Infrastruktur für die Rücknahme geschaffen werden. Das könnte über ein Verbandssystem oder staatliche Vorgaben laufen. Denkbar wären Sammelstellen, ähnlich wie Wertstoffhöfe. Am Ende geht es aber auch immer um die Kosten. Die Wiederverwertung verursacht zusätzliche Aufwendungen, die jemand tragen muss - entweder der Verbraucher oder die Industrie. Ohne Anreize wie gesetzliche Vorgaben oder steigende Rohstoffpreise wird es schwer, den Recyclinggedanken flächendeckend durchzusetzen.

Haustex: Welche Rolle spielt die Politik dabei?

Moser: Ich gehe davon aus, dass politische Vorgaben in Zukunft eine größere Rolle spielen werden - sei es durch eine erweiterte Herstellerverantwortung oder durch finanzielle Anreize für Recyclingmaterialien. Steigende Kosten für fossile Rohstoffe könnten ebenfalls ein Treiber sein. In jedem Fall bleibt Kreislaufwirtschaft ein Thema, das uns langfristig begleiten wird.

Haustex: Abschließend: Wie positioniert sich
Mattes & Ammann in diesem Wandel?

Moser: Wir sehen uns als starken Partner unserer Kunden, die wir bei nachhaltigen Entwicklungen unterstützen. Technologisch nutzen wir unsere Möglichkeiten voll aus und wollen eine Rolle in der Kreislaufwirtschaft einnehmen. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen haben wir einen klaren Plan: Wir müssen einerseits wettbewerbsfähige Preise bieten und gleichzeitig nachhaltige Innovationen vorantreiben. Dieser Balanceakt ist nicht einfach, aber notwendig, um die Zukunft unserer Branche verantwortungsvoll mitzugestalten.


Mattes & Ammann in Kürze
Mattes & Ammann GmbH und Co. KG
Brühlstraße 8
72469 Meßstetten
Tel.: 07436 877-0
Mail: info@mattesammann.de
Internet: www.mattesammann.de
Geschäftsführer: Christoph Larsén-Mattes
Mitarbeiter: 196
aus Haustex 05/25 (Wirtschaft)