HDE- und ECC Club-Studien zeigen
Handel setzt sich aktiv mit KI auseinander
KI ist im Handel auf dem Vormarsch - doch der Weg zur flächendeckenden Umsetzung bleibt herausfordernd. Zwei aktuelle Studien zeigen: Während große Unternehmen vorangehen, kämpfen vor allem kleinere Betriebe mit fehlenden Ressourcen, Know-how und Datenproblemen.
Die Studien - vom Handelsverband Deutschland (HDE) gemeinsam mit der Strategie- und Managementberatung Safaric Consulting sowie vom ECC Club - zeichnen ein deutliches Bild: Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt demnach im Handel zunehmend an strategischer Bedeutung, wird jedoch bislang vor allem punktuell eingesetzt. Laut der ECC Club-Analyse "Intelligence Rising - Mit Daten, KI und Mindset in die Zukunft" setzen sich 82 Prozent der befragten Händler und Hersteller aktiv mit der Implementierung von KI auseinander. Indes zeigt die HDE-Befragung "Künstliche Intelligenz im Handel", dass insbesondere größere Handelsunternehmen bereits konkrete Projekte umgesetzt oder in Planung haben. Kleine Unternehmen hingegen hinken deutlich hinterher.
Beide Studien identifizieren ähnliche Herausforderungen: fehlendes Fachpersonal, unzureichende KI-Kompetenzen in den Betrieben sowie Probleme im Datenmanagement gelten als zentrale Hemmnisse. Die ECC Club-Studie betont zudem die Bedeutung von Datenqualität und IT-Infrastruktur - Unternehmen investieren vor allem in diese Bereiche und weniger in Schulungen und Maßnahmen zur Verbesserung der Datenqualität. Die HDE-Studie hebt zusätzlich regulatorische Unsicherheiten und die fehlende strategische Verankerung von KI in vielen Unternehmen hervor.
Auch bei den Einsatzfeldern zeigen sich Parallelen: KI wird bisher primär für Effizienzsteigerung und Prozessautomatisierung eingesetzt. In der Praxis findet sie vor allem in Bereichen wie IT-Sicherheit und Logistik Anwendung, weniger dagegen in kundenorientierten Prozessen oder in der Personalverwaltung.
Ein zentrales Ergebnis der HDE-Studie ist die Einführung eines KI-Reifegradmodells, das die Entwicklung innerhalb des Handels erstmals systematisch misst. Demnach befindet sich über die Hälfte der befragten Unternehmen auf einem niedrigen bis mittleren Reifegrad - unternehmensweit integrierte KI-Projekte sind noch die Ausnahme. Der Anteil an Pilotprojekten und breit eingesetzten Anwendungen ist jedoch im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.
Insgesamt wird deutlich: Der Wille zur Nutzung von KI ist im Handel vorhanden, doch der flächendeckende Einsatz erfordert bessere Rahmenbedingungen - etwa durch gezielte Förderung von Kompetenzen, niedrigere regulatorische Hürden und praxisnahe Anwendungsbeispiele. Insbesondere für kleine Handelsunternehmen bleibt KI eine Herausforderung, während größere Betriebe bereits erste Erfolge verzeichnen.
aus
Haustex 05/25
(Wirtschaft)