GD Holz Außenhandelstag:
Antidumping-Maßnahmen mit wirtschaftlichem Augenmaß betrachten
Auf dem Außenhandelstag des Gesamtverbands des Deutschen Holzhandels (GD Holz) Anfang April in Bremen waren die aktuellen Entwicklungen im internationalen Handel Gesprächsstoff Nummer Eins. Sowohl die Antidumping-Verfahren der EU-Kommission als auch die Umsetzung der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) wurden rege diskutiert.
Derzeit sind in der EU drei für den Holzimport relevante Antidumping-Verfahren anhängig: gegen Mehrschichtparkett und Laubsperrholz aus China und gegen Nadelsperrholz aus Brasilien. Die geplanten Verfahren würden sich enorm auf die Kalkulation im Außenhandel auswirken, wenn sie wie annonciert umgesetzt werden, äußerte GD Holz-Geschäftsführer Thomas Goebel. "Der Balanceakt hierbei gestaltet sich schwierig: Einerseits sollen europäische Hersteller vor unfairem Wettbewerb durch gedumpte Einfuhren geschützt werden, anderseits schädigen Einfuhrzölle nicht nur den Importeur direkt, sondern insbesondere die nachgelagerte Wertschöpfungskette, wie die aktuell notleidende Bauwirtschaft."
Die Antidumping-Maßnahmen der EU im Holzsektor verdeutlichten zwar den scharfen internationalen Wettbewerb, dürften aber nicht dazu führen, dass durch eine Preiswirkung das Bauen in Deutschland noch teurer würde, mahnte Goebel. "Hinzu kommt, dass es bei Sperrholz gar nicht genügend Produktionskapazitäten im Binnenmarkt gibt, um den Bedarf zu erfüllen. Deutschland ist hier ein klarer Nettoimporteur." Vor diesem Hintergrund forderte er "ein erhebliches wirtschaftliches Augenmaß, ob die geplanten Maßnahmen, insbesondere für Sperrholz, im Sinne des Binnenmarktes und des Verbrauchers sind."
Hinsichtlich der EUDR wurde während der Tagung deutlich, dass zwar die Verschiebung mit großer Erleichterung aufgenommen wurde, die Umsetzung jedoch vielen Unternehmen im Holzhandel weiterhin Kopfzerbrechen bereitet. Der GD Holz will deshalb seine Mitglieder mit seinem Software-Tool "EUDR-Assistant" künftig bei der Erfüllung der Sorgfaltspflicht beim Import von Holzprodukten in die EU unterstützen. Dennoch seien aktuell noch viele geplante Vorschriften schlicht nicht praktikabel, sagte Goebel "Auf Druck unseres Verbandes hin setzt sich das BMEL momentan in Brüssel dafür ein, die Umsetzung der EUDR für Geschäfte innerhalb der EU massiv zu vereinfachen. Wir brauchen eine umfassende Entbürokratisierung der EUDR."
Die Anfang April durch US-Präsident Trump verkündete Erhebung neuer Sonderzölle unter anderem auch auf die Einfuhr von Holz sorgte zudem bei dem einen oder anderen Holzhändler für Sorgenfalten auf der Stirn. Der GD Holz hatte sich bereits zuvor gegenüber der Europäischen Kommission grundsätzlich kritisch gegen die Einführung von Einfuhrzöllen als Gegenmaßnahmen positioniert - zum einen, um ein Aufschaukeln einer Politik der Handelshemmnisse zu vermeiden, zum anderen aber auch wegen der bedeutsamen Laubholzimporte wichtiger Holzarten aus den USA.
Klar ist laut Goebel: "Zunehmender weltweiter Protektionismus und bürokratische Hürden behindern den Handel massivst." Die weltweite Forcierung von Zollerhebungen und bürokratischen Hemmnissen werde vom Holzhandel sehr kritisch bewertet. "Niemand hat ein Interesse, in eine weltweite Rezession zu rutschen. Stattdessen brauchen wir mehr internationale Handelsabkommen und Vertrauen, um den freien Handel mit nachhaltigen Holzprodukten auch zukünftig zu gewährleisten."
aus
Parkett Magazin 04/25
(Wirtschaft)