Timo Scheel ö.b.u.v. Sachverständiger
Kautschukböden immer mit klarem Wasser nachwischen
Dass es nicht ratsam ist, Kautschukbeläge genauso zu reinigen wie keramische Fliesen oder Küchenarbeitsplatten, zeigt das folgende Beispiel eindrucksvoll. Der Sachverständige Timo Scheel aus dem schleswig-holsteinischen Flintbek bei Kiel zeigt dabei auf, wie wichtig es ist, dass Handwerker ihre Auftraggeber über die korrekte Pflege der verlegten Böden aufklären - dies schützt vor Reklamationen.Kautschukböden gelten als besonders robust, strapazierfähig und langlebig - zudem bestechen sie durch ihre Rutschfestigkeit und schallmindernden Eigenschaften. Obwohl sie verhältnismäßig leicht zu reinigen sind, sollten Besitzer bei der täglichen Pflege jedoch aufpassen, wie das vorliegende Beispiel aus der Sachverständigenpraxis zeigt.
Das Problem:
Kautschukboden wird immer heller
Bei den in einem Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses verlegten Kautschukböden kam es nach 4,5 Jahren zu einer Beanstandung. Aus der Sicht des Bauherrn schien sich der Bodenbelag regelrecht "aufzulösen": Er wurde immer heller und zeigte weißliche Verfärbungen. Laut Aussage des Bauherrn würde bei den Bodenbelagsarbeiten im Treppenhaus noch die Gewährleistung greifen und der damals beauftragte Bodenleger sollte die Kautschukbeläge komplett auf eigene Kosten erneuern. Der Auftraggeber war der Auffassung, dass der verwendete Bodenbelag für die vorgesehene Nutzung von 15 bis 20 Jahren nicht geeignet gewesen sei.
Der Bodenleger hingegen lehnte die Mängelanzeige ab - mit der Begründung, dass die Gewährleistung erloschen sei. Der Kautschukbelag sei für viele Jahre Nutzung ausgelegt. Warum der Boden nun so aussah, wäre nicht nachvollziehbar, lautete die Aussage des Handwerkers. Auch der Bauherr wies die Schuld von sich, denn er habe den Bodenbelag ja nicht verlegt. Er drohte dem Bodenleger mit rechtlichen Schritten, sollte dieser sich weigern, im Treppenhaus einen neuen Bodenbelag zu verlegen. Der Anwalt des Handwerkers beauftragte schließlich den Sachverständigen, um die dringende Frage zu klären: Was ist ursächlich für das Erscheinungsbild des Kautschukbodens? Ist der Belag ausgeblichen oder löst er sich tatsächlich langsam auf?
Aus der Berufserfahrung heraus konnte es sich der Sachverständige nicht vorstellen, dass sich der Kautschukboden auflöst oder gar zersetzt - jedenfalls nicht unter üblichen Nutzungsbedingungen. Denkbar wäre ein Ausbleichen durch intensive Sonneneinstrahlung. Aber dann wären schattige Bereiche des Bodenbelags weniger betroffen gewesen. Das war hier nicht der Fall. Auf dem Bodenbelag waren zudem Laufwege zu erkennen: Also läuft sich eventuell das "Hellere" oben an den Noppen wieder ab?
Ursache:
Belag wurde falsch gereinigt
Der Sachverständige kam zu folgendem Schluss: So wie es scheint, wurde der Kautschukbelag nicht ordentlich gepflegt. Der Boden wurde zu oft oder nicht mit einem geeigneten Reiniger gewischt. Der Bodenleger hatte dem Bauherren damals eine Pflegeanleitung bei Fertigstellung der Arbeiten übergeben. Dieser hatte die Pflegeanleitung sogar später dem zuständigen Reinigungsunternehmen weiter übermittelt. Aber wie so oft, hatte derjenige Mitarbeiter, der den Boden in den Folgejahren einmal pro Woche gewischt hat, von alledem nichts gehört. Er sagte, dass er den Kautschukbelag stets wie keramische Fliesen oder Küchenarbeitsplatten gereinigt habe. Das Reinigungsmittel wurde immer nach "gutem Glauben" ins Wischwasser gekippt und dann mit einem Wischmop verteilt.
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der Bodenbelag nach dem Wischen nicht neutralisiert, also nicht mit klarem Wasser nachgewischt wurde. So bleibt nach dem Abdunsten des Wischwassers etwas von der Reinigungsflotte - also der Mischung aus Wasser und Reinigungsmittel - zurück. In dieser Reinigungsflotte befindet sich neben dem Reinigungsmittel auch gelöster Schmutz und Kalk aus dem Wasser. Der Sachverständige empfahl in dem vorliegenden Fall eine Grundreinigung des Kautschukbodens. Eventuell können die hellen Anhaftungen mit einer weichen Handbürste entfernt werden.
Mein Tipp:
Pflegehinweise übermitteln
In den Verpackungen der Bodenbeläge befinden sich meistens auch die entsprechenden Pflegeanleitungen. Die jeweilige Anleitung sollte der Bodenhandwerker nach Ende der Arbeiten einfach auf die Fensterbank oder auf den Fußboden legen - und den Auftraggeber um Beachtung bitten. Genau genommen sollte die Pflegeanleitung des Bodenbelags sogar schon im Angebot hinterlegt werden.
aus
FussbodenTechnik 06/25
(Wirtschaft)