Mitgliederversammlung Bundesverband Estrich und Belag in Leipzig
Neuer Geschäftsführer Detlef Desler vorgestellt
Die Gemeinschaftstagung Estrich und Belag, die am 8. und 9. Mai 2025 in Leipzig stattfand, beinhaltete die Mitgliederversammlungen des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) und der Bundesfachschule Estrich und Belag (BFSE): Das angekündigte BEB-Markenbild nimmt langsam Gestalt an, der neue Verbandsgeschäftsführer Detlef Desler stellte sich den Mitgliedern vor und eine Reihe von spannenden Fachvorträgen brachten die Estrichleger auf den neuesten Stand. Der Bericht über die Bundesfachschule folgt separat im Anschluss an den Artikel über die BEB-Mitgliederversammlung.Die Geschäftsstelle des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) und der Bundesfachgruppe Estrich und Belag im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) in Berlin ist wieder komplett: Seit 1. Februar 2025 hat Dipl.-Ing (FH) Detlef Desler seine Tätigkeit als neuer Geschäftsführer beider Estrich-Organisationen aufgenommen. Auf der Gemeinschaftstagung Estrich und Belag Anfang Mai 20205 in Leipzig konnte sich der gebürtige Schleswiger erstmals persönlich mit den Mitgliedern austauschen. Von der chronologischen Berufsausbildung her sei er gelernter Zimmermann, Architekt und Immobilienökonom. Wesentliche Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren Architekturbüros, in denen Desler als Bauleiter für Bauprojekte in Berlin tätig war. Anschließend war er mehr als zehn Jahre lang als Geschäftsführer für den Normenausschuss Bauwesen beim Deutschen Institut für Normung (DIN) beschäftigt.
Der BEB-Vorsitzende Daniel Rendler freute sich genauso wie Detlef Desler auf die gemeinsame Zusammenarbeit, sagte er zu Beginn der Tagung. Beide hätten sich in den ersten zwei Monaten intensiv ausgetauscht und die zukünftigen Arbeitsstrukturen festgelegt: "Die Chemie passt sehr gut zwischen uns." Rendler sei froh, dass sie jetzt gemeinsam mit der Bundesfachgruppe wieder in einem ruhigen Fahrwasser seien und nach vorne blicken könnten.
Gütegemeinschaft
Estrich und Belag:
RAL-Gütezeichen
nutzen
Finn Olbermann, Obmann der Gütegemeinschaft Estrich und Belag, war in Leipzig verhindert und wurde von Daniel Rendler vertreten. Dieser berichtete, dass die Gütegemeinschaft im März 2025 getagt habe und derzeit 48 Mitglieder verzeichne. Im Geschäftsjahr 2024 gab es drei Neueintritte und einen Austritt. Rendler wies darauf hin, dass 2024 nur 50 % der Mitglieder der Gütegemeinschaft Estrich und Belag alle Kriterien erfüllten, um das RAL-Gütezeichen für ihre Estricharbeiten zu erhalten: "Entweder haben Estrich-Prismensätze oder Baustellenprüfungen gefehlt bzw. die Schallmessungen nicht funktioniert." Rendler wünschte sich von den Mitgliedern, dem Güteschutz wieder mehr Gewicht zu verleihen: "Das Gütezeichen hilft den Betrieben draußen am Markt, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Führen Sie die Qualitätsprüfungen regelmäßig durch", forderte der BEB-Vorsitzende die Estrichleger auf. Der RAL feiert in diesem Jahr übrigens sein 100-jähriges Bestehen: Anlässlich des Jubiläums plant das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung auch ein eigenes Video über die Gütegemeinschaft Estrich und Belag zu produzieren.
Finn Olbermann ließ ausrichten, zusätzlich ein Video über die Gütegemeinschaft Estrich und Belag erstellen zu wollen, um es auf den Social-Media-Kanälen zu veröffentlichen und die Mitgliedschaft in dieser zu bewerben und auf diese Weise zu stärken.
Neues Markenbild
auf BEB-Webseite
sichtbar
Daniel Rendler erinnerte in seinem Bericht an die Mitgliederversammlung 2024 am Nürburgring: "Wir haben dort das neue Markenbild des BEB erstmals präsentiert. Es beinhaltet eine Neuausrichtung, mit der wir den Verband vorwärtsbringen wollen." Der BEB-Vorstand sei fest überzeugt, dass sich der Verband wandeln und neue Wege gehen müsse. Ziel sei es, die Attraktivität des technischen Verbandes für neue Mitglieder zu steigern und so einen stärkeren Zulauf zu generieren. Der BEB-Vorsitzende freute sich besonders darüber, auf der Mitgliederversammlung Absolventen des aktuellen Estrichleger-Meisterkurses begrüßen zu können: "Von unserem Nachwuchs profitieren wir alle, das gilt gleichermaßen in den Betrieben wie im Verband."
Im nächsten Schritt der modernen Außendarstellung ist die neue BEB-Webseite im Juni 2025 online gestellt worden. Die Verantwortlichen überlegen auch, ob die Domain www.beb-online.de noch zeitgemäß genug klinge. Eine Idee für eine Alternative sei www.beb-verband.de. Diese Domain habe man sich bereits schützen lassen. Weitere Vorschläge können Mitglieder an die Assistentin der BEB-Geschäftsführung Bianca Schäche per E-Mail unter schaeche@beb-online.de schicken.
Die relaunchte BEB-Webseite wird das neue Verbandslogo und als erstes Bild ein alpines Motiv zeigen. Dieses soll symbolisch dafür stehen, dass Verbandsmitglieder gemeinsam jeden Gipfel bezwingen bzw. gemeinsam etwas bewegen können. Das Konzept ist von der Agentur Rieß aus Rotenhain erarbeitet worden (FussbodenTechnik berichtete). Neben dem alpinen Motiv kommen rollierend Estrichmotive zum Einsatz, die zum Gewerk passen sowie zusätzlich eine Videobegrüßung durch den BEB-Vorsitzenden Daniel Rendler.
Die Webseite ist in der persönlichen Form gehalten - der Besucher wird geduzt: "Schön, dass Du da bist." Rendler ist überzeugt: "Wir wollen nahbarer werden". Der Vorsitzende der Bundesfachgruppe Estrich und Belag, Michael Schlag, ergänzte, dass es auf der Webseite zahlreiche digitale Inhalte geben werde. Darunter Nachrichten, den Webshop zum Herunterladen der BEB-Hinweisblätter inklusive einer Anbindung an den Online-Bezahldienst PayPal, Informationen über den Verband und den Vorstand, Termine und einen internen BEB-Bereich sowie eine Mitgliedersuche nach Leistungsbereichen. Jeder Mitgliedsbetrieb muss dafür in Eigenregie angeben, welche handwerklichen Leistungen Kunden angeboten werden.
Michael Schlag kündigte an: "Es ist geplant, die Webseite mit zusätzliche Informationen und Inhalten noch weiter auszubauen. Das geht aber nur nach und nach, weil das Team nur aus wenigen Ehrenamtlichen besteht. Daniel Rendler mangelt es nicht an weiteren Ideen: "Langfristig wollen wir einen Bereich für Planer schaffen, damit diese auf der Webseite auch Informationen, Fachbetriebe, Sachverständige und Ausschreibungstexte finden können."
Mitgliederentwicklung verläuft
relativ konstant
Der BEB erfasste im vergangenen Jahr vorwiegend erfreuliche oder konstante Veränderungen bei den Mitgliedszahlen: "Wir haben bei den ordentlichen Mitgliedern zwei Neueintritte und drei Austritte verzeichnet", bilanzierte Rendler. Es gibt demnach aktuell 162 ordentliche Mitglieder. Bei den Sachverständigen-Mitgliedern gab es einen Neueintritt und keinen Austritt, insgesamt sind es 19. Bei den Gastmitgliedern standen drei Eintritte einem Austritt gegenüber.
Bei den Fördermitgliedern war die Entwicklung mit fünf Neueintritten und einem Austritt positiv, sodass der BEB aktuell 75 Fördermitglieder zählt. Fünf davon, Bremat, KLB Kötztal, Maxit, Casea und Thermowhite, unterstützten die Tagung in Leipzig, wofür Daniel Rendler sich bedankte: "Der Verband ist bemüht, die Veranstaltung in einem anspruchsvollen und attraktiven Rahmen durchzuführen." So besuchten die Teilnehmer im Rahmenprogramm das bekannte Völkerschlachtdenkmal und trafen sich abends zum Netzwerken beim Barbecue-Grillen in einer Leipziger Event-Location des Hotels Innside by Meliá.
Fachvortrag widmet sich
Asbest auf der Baustelle
Den Auftakt bei den Fachvorträgen machte Rechtsanwalt Holger Seit. Der Geschäftsführer der Bundesfachschule Estrich und Belag (BFSE) thematisierte die rechtlichen und praktischen Herausforderungen im Umgang mit Asbest auf Baustellen, vor allem im Kontext der novellierten Gefahrstoffverordnung und der aktualisierten Vollzugshilfe LAGA M 23 (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall). Er betonte die Notwendigkeit einer sorgfältigen Schadstofferkundung vor Beginn von Bau- oder Sanierungsmaßnahmen, da Asbest nicht nur in offensichtlichen Materialien wie Asbestzement, sondern auch in weniger sichtbaren Produkten wie Spachtelmassen oder Fliesenklebern vorkommen kann. Die LAGA M 23 dient dabei als Vollzugshilfe, um eine bundesweit einheitliche Vorgehensweise bei der Entsorgung asbesthaltiger Abfälle sicherzustellen.
Seit hob hervor, dass die Einhaltung der Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 519 und die Umsetzung eines strukturierten Entsorgungskonzepts essenziell seien, um die Freisetzung von Asbestfasern zu minimieren und die Gesundheit der Handwerker zu schützen. Er wies darauf hin, dass bei Bauwerken, die vor dem 31. Oktober 1993 errichtet wurden, eine besondere Vorsicht geboten sei, da hier die Verwendung asbesthaltiger Materialien nicht ausgeschlossen werden könne. Zudem betonte Seit die Bedeutung der Dokumentation und Nachweisführung im Rahmen der Entsorgung, um rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden und die Recyclingfähigkeit von Bauabfällen zu gewährleisten. Insgesamt plädierte der Referent für eine enge Zusammenarbeit zwischen Bauherren, Entsorgern und Behörden, um einen sicheren und rechtskonformen Umgang mit Asbest auf Baustellen zu gewährleisten.
Recyclingmöglichkeiten
des Baustoffs Gips
Andreas Hübner, Geschäftsführer des Gipsspezialisten Casea, sprach sich für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft in der Baustoffindustrie aus, vor allem im Hinblick auf Gipsprodukte. Er betonte die Notwendigkeit, Gipsrecycling als festen Bestandteil der Wertschöpfungskette zu etablieren, um Ressourcen zu schonen und CO
2-Emissionen zu reduzieren. Dabei verwies Hübner auf die Herausforderungen, die mit der Trennung und Aufbereitung von Gipsabfällen verbunden sind, insbesondere bei Rückbauprojekten.
Hübner hob hervor, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Entsorgern und politischen Entscheidungsträgern erforderlich sei, um effektive Recyclingprozesse zu implementieren. Er plädierte für klare gesetzliche Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize, um das Recycling von Gipsprodukten wirtschaftlich attraktiver zu gestalten. Zudem betonte er die Bedeutung von Forschung und Entwicklung, um innovative Recyclingtechnologien zu fördern. Insgesamt sieht Hübner im Gipsrecycling einen wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigeren Bauwirtschaft.
Warum Künstliche Intelligenz
in Unternehmen einsetzen?
Christoph Kunz, Gründungspartner der Münchner Unternehmensberatung rpc, beleuchtete die praxisorientierten Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) für Unternehmen. Er betonte, dass KI nicht nur zur Effizienzsteigerung beitrage, sondern auch helfe, dem zunehmenden Personalmangel zu begegnen, indem sich wiederholende Aufgaben automatisiert werden. Beispiele hierfür seien der Einsatz von Chatbots im Kundenservice, automatisierte Lagerverwaltung und vorausschauende Analysen zur Bedarfsplanung.
Kunz hob hervor, dass viele Unternehmen zwar offen für KI seien, jedoch oft an der Umsetzung scheitern, da es an klaren Strategien, Datenkompetenz und Verständnis für die Technologie mangele. Er empfahl daher, mit kleinen, konkreten Projekten zu starten, um erste Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen. Zudem betonte er die Bedeutung individueller Trainingsprogramme, die durch KI unterstützt werden können, um Mitarbeiter gezielt weiterzubilden und auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten. Insgesamt sieht Kunz in der Kombination aus technologischer Innovation und menschlicher Kompetenz den Schlüssel für eine erfolgreiche Integration von KI in Unternehmen.
Parallelen zwischen
Fußball und Berufsleben
Dr. Felix Brych, einer der renommiertesten Fußballschiedsrichter Deutschlands, teilte seine Erfahrungen und Erkenntnisse zur Entscheidungsfindung unter Druck mit den anwesenden Estrichlegern. Er betonte die Bedeutung von Mut, Fokussierung und professioneller Vorbereitung, um in stressigen Situationen schnell und präzise Entscheidungen treffen zu können. Dabei spielt die mentale Stärke eine zentrale Rolle, die er durch Zusammenarbeit mit Sportpsychologen entwickelt hat. Dr. Brych sieht Fehler nicht als Scheitern, sondern als Lernchance: Aus Rückschlägen wie dem "Phantomtor" oder seiner frühen Abreise bei der WM 2018 habe er wichtige Lektionen gezogen und sich weiterentwickelt.
In seinen Vorträgen zieht er Parallelen zwischen dem Fußballfeld und dem Berufsleben, vor allem in Bezug auf Menschenführung und Kommunikation. Dr. Brych betonte, wie wichtig es sei, auf verschiedene Charaktere einzugehen und durch Empathie sowie klare Kommunikation Vertrauen aufzubauen. Zudem hob er hervor, dass Entscheidungen oft auf Basis von Wahrnehmung, Indizien und Erfahrung getroffen werden müssen, da selten alle Informationen vollständig vorliegen. Dr. Brych vermittelte, dass der Umgang mit Druck, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und das kontinuierliche Lernen aus Erfahrungen essenziell sind, um sowohl auf dem Spielfeld als auch im Berufsleben erfolgreich zu sein.
aus
FussbodenTechnik 04/25
(Wirtschaft)