Interview mit Philipp Utz zu US-Zöllen

"Wir befürworten einen freien, fairen Welthandel"

US-Präsident Donald Trump hält die Weltwirtschaft in Atem: Seit 5. April 2025 erheben die USA für die meisten Importe pauschal Zölle in Höhe von 10 %. Vorerst ausgesetzt hat Trump allerdings die zweite Stufe seines Vorhabens mit individuellen Zollsätzen für jedes Land - dies gilt jedoch nicht für China. FussbodenTechnik fragte bei Philipp Utz, Vorstandsmitglied des Bauchemieherstellers Uzin Utz, nach, welche Auswirkungen die US-Zollpolitik für sein Unternehmen hat.

FussbodenTechnik: Herr Utz, wie stark ist Ihr Unternehmen von den US-Zöllen betroffen? Wie sehr beeinflussen diese Ihr internationales Geschäft?

Philipp Utz: Als international tätiges Unternehmen mit zwei eigenen Produktionsstandorten in den USA beobachten wir die Entwicklung der US-Zölle sehr genau. Uzin Utz ist in den USA mit einem Vertriebsstandort in Denver im Bundesstaat Colorado vertreten. Unsere Werke befinden sich in Dover, Delaware und Waco, Texas. Insgesamt beschäftigen wir in den USA und Kanada rund 140 Mitarbeitende.

Direkte Auswirkungen der Zölle auf unser operatives Geschäft sind derzeit begrenzt, da ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung für den nordamerikanischen Markt lokal in den USA erfolgt. Dennoch können indirekte Effekte auftreten, etwa durch Preisveränderungen bei importierten Rohstoffen oder Vorprodukten, die unser globales Beschaffungsnetzwerk beeinflussen. Insgesamt ist unser internationales Geschäft robust aufgestellt, um potenziellen handelspolitischen Risiken widerstandsfähig zu begegnen.

FT: Wie reagiert Ihr Unternehmen auf die US-Zölle?

Utz: Uzin Utz verfolgt eine klare Internationalisierungsstrategie mit Fokus auf lokale Wertschöpfung. Die Investitionen in unsere US-Standorte dienen nicht nur der Nähe zum Kunden, sondern auch der Unabhängigkeit von außenpolitisch bedingten Handelshemmnissen wie Zöllen. Unsere Reaktion ist daher vorausschauend-strukturell: durch lokale Produktion, strategische Lagerhaltung und Diversifikation unserer Lieferketten.

FT: Was ist Ihre persönliche Haltung zu der derzeitigen Diskussion?

Utz: Grundsätzlich befürworten wir einen freien, fairen Welthandel, der Unternehmen Planungssicherheit gibt und innovationsfreundlich ist. Protektionistische Maßnahmen sehen wir kritisch, da sie in der Regel langfristig zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

FT: Welche Bedeutung hat der US-amerikanische Markt generell für Ihr Unternehmen?

Utz: Der US-amerikanische Markt ist einer unserer Wachstumsmärkte mit hoher strategischer Bedeutung. Dieser Markt bietet für uns erhebliches Potenzial - sowohl im Neubau- als auch im Renovierungssektor. Gleichzeitig bietet er die Möglichkeit für unser Unternehmen, neue Absatzkanäle außerhalb Europas zu bespielen und diese Erfahrungen wiederum auf den europäischen Markt zu transferieren. Gerade im Hinblick auf den Einsatz von automatisierter Maschinentechnik bzw. Robotics auf der Baustelle sehen wir in den USA, nicht zuletzt aufgrund geringerer regulatorischer Hürden sowie bereits bestehender Industriecluster in Kombination mit künstlicher Intelligenz, interessante Entwicklungen und wichtige Impulse für unsere Maschinensparte Uzin Utz Tools.

Uzin Utz im Überblick
Uzin Utz SE
Dieselstraße 3
89079 Ulm
Tel.: 07 31 / 40 97-0
info@uzin-utz.com
www.uzin-utz.de

Vorstandsmitglieder: Philipp Utz, Julian Utz, Christian Richter

Leiter Business Unit Uzin: Steffen Kallus Leiter

Anwendungstechnik: Thomas Schneider

Leiter Produktmanagement: Manfred Scherb

Leiter Vertrieb D/A Uzin: Michael Abraham

Leiterin Corp. Marketing & Kommunikation: Tanja Peter

Gründungsjahr: 1911

Mitarbeiterzahl Konzern: rund 1.400

Jahresumsatz Konzern (2024): 476,0 Mio. EUR (479,3 Mio. EUR im Vorjahr)

Produkte: Verlegesysteme für Estrich, Boden und Parkett (Uzin), Komplettsortiment für Parkettfußböden (Pallmann), Maschinen und Werkzeuge (Uzin Utz Tools mit den Marken Wolff und Pajarito), Reinigungs- und Pflegeprodukte (Pallmann), Verlegesysteme für Fliesen und Naturstein (Codex) und Bodenbeschichtungen (Arturo)
"Wir befürworten einen freien, fairen Welthandel"
Foto/Grafik: Uzin Utz (2), SN-Verlag (1)
Der Bauchemiehersteller Uzin Utz verfügt über drei Standorte in den USA – in den Bundesstaaten Colorado, Delaware und Texas. Das Foto zeigt das Werk am Hauptsitz der Gruppe im Ulmer Donautal.
"Wir befürworten einen freien, fairen Welthandel"
Foto/Grafik: Uzin Utz (2), SN-Verlag (1)
Philipp Utz, Vorstandsmitglied
Philipp Utz steht seit 1. Januar 2018 zusammen mit seinem Bruder Julian Utz als vierte Familiengeneration an der Spitze des Bauchemieherstellers Uzin Utz aus Ulm. Im Vorstandstrio mit Christian Richter verantwortet der 43-Jährige die Ressorts Vertrieb, Marketing & Kommunikation, Produktmanagement und Distributionslogistik. Der studierte Diplom-Kaufmann war unter anderem von 2012 bis 2016 Geschäftsführer der Uzin Utz Manufacturing North America Inc. in den USA gewesen und gehört seit 2016 der Geschäftsführung der Tochtergesellschaft Pallmann an.


aus FussbodenTechnik 04/25 (Wirtschaft)