ViS-Jahrestagung 2025

Die Sonnenschutzbranche blickt nach vorn

Insgesamt stagniert der Markt. Trübsal wurde auf der Jahrestagung des Verbandes innenliegender Sicht- und Sonnenschutz dennoch nicht geblasen. Die Branche sieht Perspektiven und konnte aus Münster auch einiges für die Zukunftsplanung mitnehmen.

Die Jahrestagung des Verbandes innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) ist ein fester Termin im Branchenkalender und immer gut besucht. Auch in diesem Jahr folgten weit über 100 Interessierte der Einladung nach Münster. Und waren positiv gestimmt, auch weil der maßgefertigte innenliegende Sicht- und Sonnenschutz im ersten Halbjahr 2025 trotz Krise zumindest ein leichtes Umsatzplus verzeichnete. Entsprechend gelöst und optimistisch fiel der Austausch unter den Mitgliedern aus.

Ein gutes Händchen bewiesen einmal mehr die Organisatoren aus der Wuppertaler Geschäftsstelle: Tagungsort, Programm und Referenten - das passte schon bei der abendlichen Führung durch die Stadt des Westfälischen Friedens mit anschließendem Get-together im Tagungshotel - ein geselliger Auftakt, wie er zum ViS passt.

Firmen stehen weiter unter Druck

Am zweiten Tag dann harte Fakten bei der Einordnung der aktuellen wirtschaftlichen Lage durch Martin Auerbach. Grundsätzlich habe sich an der schwachen Konjunktur und der vor allem für kleine und mittelständische Firmen angespannten Situation in Deutschland wenig geändert, so der Verbandsgeschäftsführer. Auch die ersten 100 Tage der neuen Bundesregierung stimmten ihn nur bedingt optimistisch: Zwar gebe es Impulse durch öffentliche Investitionen und steuerliche Entlastungen, doch entscheidende Reformen - etwa zur Bürokratieentlastung oder zur Stärkung des Mittelstands - blieben aus. Auch global bleibe die Lage volatil. Handelskonflikte, insbesondere zwischen den USA und China, sowie geopolitische Spannungen belasteten die exportorientierte Wirtschaft. Auerbachs Fazit: Die Industrie - insbesondere KMU - brauche verlässliche politische Rahmenbedingungen, zielgerichtete Förderprogramme und eine spürbare Entlastung von Bürokratie, um Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Dennoch haben sich die Umsätze bei maßgefertigtem innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz im ersten Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum etwas erholt. Das leichte Plus von 0,4 % ist vor allem auf Rollos zurückzuführen. Die abgesetzten Mengen sind hingegen insgesamt um weitere 2,1 % zurückgegangen.

Die Marktanteile der Produktgruppen haben sich innerhalb des letzten Jahres kaum verschoben. Plissees bleiben Umsatzbringer Nr. 1. Dahinter folgt weiterhin der Insektenschutz, obwohl das Wachstumsprodukt der vergangenen Jahre derzeit eine Schwächephase erlebt und sogar an Umsatzvolumen eingebüßt hat.

Ehrung für Wilhelm Hachtel

Ein besonderer Moment der Tagung war die Ernennung von Wilhelm Hachtel zum Ehrenmitglied des ViS-Vorstands. Der ehemalige Geschäftsführer von MHZ Hachtel engagierte sich über drei Jahrzehnte im Verband, davon mehr als zehn Jahre im Vorstand. Dafür erhielt er von den Anwesenden großen Applaus.

Hachtel berichtete in Münster aus seiner Tätigkeit als Vorstand in der European Solar Shading Organisation (ES-SO) und aus der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG), dem Hauptstadtbüro der Branchen Glas, Fenster, Fassaden, Automation und Sonnenschutz. Weitere Themen des Tages waren die Überarbeitung des Fachbuchs "Sicht- und Sonnenschutz: Verbindung von Design und Funktion", das in seiner Neuausgabe künftig als Standardwerk der Branche dienen soll. Dr. Jacqueline Lemm, Geschäftsführerin des Aachener TFI - Institut für Boden- und Raumsysteme berichtete über die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Akustische Garne - Analyse von Einflussfaktoren auf die Entwicklung akustisch wirksame Garne für Textilstrukturen", an dem auch der Heimtex Verband beteiligt war. Prof. Dr. Philipp Büchler, Innovations- und Mittelstandsforscher an der Fachhochschule Dortmund sprach darüber, wie mittelständische Unternehmen ihre Transformationsfähigkeit stärken und neue Geschäftsfelder erschließen können. Sein Credo: "Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke." Ein pointierter Schlusspunkt einer rundum gelungenen Tagung.

Die nächste Jahrestagung des ViS findet am 24./25. September 2026 statt. Der Ort wird rechtzeitig bekanntgegeben.| Michaela Fischer


ViS-Konjunkturumfrage
An der Mitgliederbefragung zur wirtschaftlichen Situation haben sich im Juli 2025 insgesamt 19 Hersteller und 18 Zulieferer beteiligt. 57 % von ihnen bezeichneten die Umsatzaussichten für das zweite Halbjahr als "eher gut", 11 % sogar als "gut" und nur ein Drittel als "eher schlecht". "Dies ist fast eine exakte Umkehrung der Bewertung im Vergleich zum letzten Jahr", erklärt der ViS. Auch wenn das insgesamt eine positive Einschätzung ist, bleibt die Branche bei den Investitionen zurückhaltend. Lediglich 46 % wollen sie wie geplant durchführen, 51 % agieren "eher vorsichtig", aber auch nur 3 % wollen sie zurückstellen.

Noch eine interessante Entwicklung zum Schluss: Im Jahresvergleich hat der Export für die ViS-Mitglieder an Bedeutung gewonnen. 27 % (Vorjahr 16 %) gaben an, mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland zu erwirtschaften. Gleichzeitig sank der Anteil jener Firmen mit einer Exportquote von maximal 20 % von 55 auf 38 %.
Die Sonnenschutzbranche blickt nach vorn
Foto/Grafik: Quelle: ViS. Hinweis: Raff-/Faltrollo zählt der ViS nicht zu den Maßgefertigten Produkten.
Umsatzanteile Maßkonfektion 1. Halbjahr 2025
Die Sonnenschutzbranche blickt nach vorn
Foto/Grafik: Quelle: ViS
Um- und Absatzentwicklung zum Halbjahr nach Produktgruppen
aus BTH Heimtex 11/25 (Wirtschaft)