Forbo Flooring erstmals ganz oben

Nadelvlies Großhandelsumfrage 2025

Dass sich der Markt für Nadelvliesbeläge nach der Findeisen-Insolvenz neu sortiert, zeigt sich auch in unserer Umfrage. Der Dauersieger vergangener Jahre muss seinen Platz für Forbo Flooring räumen. Und das Feld liegt nun noch enger beieinander.

Klein, aber fein ist das Feld der marktrelevanten Lieferanten von Nadelvliesbelägen, die der Großhandel alljährlich für BTH Heimtex bewertet. Nach der Insolvenz von Findeisen Ende 2024 wäre es diesmal sogar noch ein wenig kleiner geworden, hätte nicht Vebe die Marke und die Vertriebsorganisation übernommen. So konkurrieren aktuell zwar nur noch vier Firmen um den Titel. Aber Vebe geht neben Findeisen auch noch mit der Marke Strong ins Rennen, sodass die Großhändler ihr Urteil nun doch wieder über fünf Lieferanten fällen konnten.

Für ihre Teilnahme an unserer Umfrage sei den Grossisten an dieser Stelle herzlich gedankt. Sie nehmen sich die Zeit, bewerten die Industrie durchaus differenziert und helfen so dabei, das Marktgeschehen transparenter zu machen. Das ist in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten besonders wichtig. Wenn dann auch noch auf Lieferantenseite eine der wenigen Firmen vom Markt verschwindet, gilt das erst recht.

Abstände in der
Gesamtwertung geschrumpft

Mit der Pleite bei Findeisen ist aber nicht nur Bewegung in den Markt für Nadelvliesbeläge gekommen, sondern auch in die BTH Heimtex Großhandelsumfrage. Die Ettlinger waren jahrelang eindeutiger Favorit der Grossisten. Obwohl neben dem Markennamen auch die Produkte und das Vertriebsteam von Vebe übernommen wurden, war jetzt kaum davon auszugehen, dass sich die Vormachtstellung würde verteidigen lassen. Und so ist es auch gekommen: Forbo Flooring lässt diesmal die Konkurrenz hinter sich. Die Dominanz ist nicht so groß wie bei Findeisen noch im vorigen Herbst. Aber mit sechs ersten Plätzen in den Einzelrankings sowie vier von fünf gewonnen aggregierten Kategorien steht der Gesamtsieg auf einem soliden Fundament.

Vebe belegte schon 2024 Rang zwei mit der Marke Strong und schafft das nun auch mit der Marke Findeisen - also mit beiden gleichzeitig. Ein Novum in der Geschichte unserer Umfrage. Dahinter folgen mit geringem Abstand Fabromont auf Platz vier und die Filzfabrik Fulda auf Rang fünf. Die Gesamtergebnisse liegen dicht beieinander, auch weil Findeisen nicht mehr so viele sehr gute Noten einheimst wie zu Zeiten der Selbstständigkeit. 0,5 Punkte betrug im vergangenen Jahr der Abstand von Platz eins auf zwei, aktuell ist dies die Differenz zwischen dem ersten und dem letzten Rang.

Bei den Einzelrankings sieht das teilweise ganz anders aus. Markenstärke und Sympathiewert stechen hier mit Abständen von 1,8 bzw. 1,7 Notenpunkten zwischen Platz eins und fünf besonders heraus. Auch die Bewertungen für den Außendienst, das Preis-Leistungs-Verhältnis, die Vertriebspolitik und die Zukunftsperspektiven klaffen um mehr als eine Note auseinander. In so einem kleinen Teilnehmerfeld sind das beachtliche Werte. Die Firmen, die hier auf den hinteren Plätzen rangieren, sollten sich das ganz genau anschauen. Das andere Extrem zeigt die Kategorie Nachhaltigkeit, wo alle fünf Lieferanten praktisch gleich - mittelmäßig - eingeschätzt werden.

Baustellen: Produktinnovation,
Marketing, Nachhaltigkeit

Manches von dem, was bereits aus den Ergebnissen der Umfrage 2024 herauszulesen war, hat weiterhin Gültigkeit. Etwa die große Zufriedenheit des Großhandels mit der Produktqualität, für die es die besten Noten gibt. Aber auch die Tatsache, dass es aus seiner Sicht an Innovationen fehlt. Ein Bereich, in dem sich die Industrie hier hervortun könnte, ist Nachhaltigkeit. Deren Bewertungen fallen ebenfalls nicht gerade euphorisch aus. Geht da bei dem ansonsten technisch ausgereiften Produkt noch etwas? Eine Option wären vielleicht Rücknahme- und Recyclingsysteme, gerade weil der Belag häufig nur kurzzeitig genutzt und dann entsorgt wird. Rasche Abhilfe ließe sich bei einer anderen Baustelle schaffen: dem Marketing. Hier sind die ohnehin nicht berauschenden Noten des Vorjahres noch einmal leicht nach unten gegangen.

Etwas zurückhaltender geworden sind auch die Einschätzungen der Zukunftsperspektiven der fünf Firmen bzw. Marken. Ob das mit der für den Großhandel überraschenden Findeisen-Insolvenz zusammenhängt oder mit der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Situation - wir wissen es nicht.

Die Firmen/Marken im Detail in alphabetischer Reihenfolge:

Fabromont
Die beste und die schlechteste Note

Was die Anzahl der ersten Plätze in den Einzelkategorien angeht, hat Fabromont diesmal mit vier besser abgeschnitten als im Vorjahr (zwei). Verteidigt wurde die Spitzenposition bei der Produktqualität, für die es mit der 1,3 auch wieder die beste in der Umfrage vergebene Einzelnote gab. Außerdem liegen die Schweizer bei Markenstärke vor der Konkurrenz. Und mit der Bestplatzierung für Lieferschnelligkeit und -zuverlässigkeit ist die Pole Position in der aggregierten Kategorie Service dann auch keine Überraschung mehr. Positiv fällt außerdem auf, dass sich der Hersteller sowohl in der Gesamtnote um 0,1 auf 2,7 verbessert hat als auch in der Platzierung von fünf auf vier.

Dass das Gesamtergebnis nicht besser ausfällt, liegt an einer Reihe allenfalls durchschnittlicher Bewertung. Der Außendienst kommt nicht gut Weg, die Reklamationsbearbeitung lässt zu wünschen übrig, beim Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt es nach Ansicht des Großhandels ebenso wenig wie beim Marketing. In allen diesen Kategorien steht eine 3 vor dem Komma; auch beim Sympathiewert. Bei der Vertriebspolitik ist es sogar die einzige 4 der Umfrage. Schade, denn mit seinem Kugelgarn hat Fabromont ein Alleinstellungsmerkmal im Markt. Mag sein, dass sich das Unternehmen zu sehr auf diese Besonderheit verlässt.

Filzfabrik Fulda
Das letzte Quäntchen fehlt

Bei unserer Umfrage nicht so gut gelaufen ist es in diesem Jahr für die Filzfabrik Fulda. Die Gesamtnote hat sich gegenüber 2024 von 2,6 auf 2,9 verschlechtert und entsprechend ging es vom zweiten auf den fünften Platz. Allerdings ist der Abstand auf den Spitzenrang mit einer halben Note gleich geblieben. Außerdem ist der Innendienst der Hessen der beste in der Konkurrenz. Eine gute Note verteilt der Großhandel für die Produktqualität und im Kriterium Nachhaltigkeit sieht sich das Unternehmen auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern.

Häufig fehlen allerdings ein paar entscheidende Pünktchen im Vergleich zu den übrigen Lieferanten und es ist dann nicht der erste oder zweite, sondern der vierte oder fünfte Rang. Lediglich befriedigende Bewertungen erhalten Außendienst, Produktinnovation, Markenstärke und Vertriebspolitik. Während die Note 3,6 für das Marketing sicherlich zu verkraften ist, sieht das bei den Zukunftsperspektiven schon anders aus. Bereits 2024 lag die Filzfabrik hier auf dem letzen Platz. Damals haben wir als mögliche Ursache die letzten Endes aufgegebene Verlagerung der Produktion von Fulda ins benachbarte Großenlüder genannt. Das Thema war aber schon zu diesem Zeitpunkt vom Tisch. Nachwirkungen dürfte es eigentlich nicht geben, so dass für uns nicht zu erklären ist, warum der Großhandel inzwischen noch skeptischer geworden ist.

Forbo Flooring
Souverän auf Platz eins

Was die Lieferanten von Nadelvlies angeht, hat der Großhandel einen neuen Favoriten: Forbo Flooring verbessert die Gesamtnote gegenüber 2024 um 0,2 Punkte auf 2,4 und erreicht damit zum ersten Mal Platz eins unserer Umfrage. Die Paderborner Vertriebsgesellschaft des Schweizer Herstellers textiler und elastischer Beläge überzeugt mit sechs ersten Plätzen. Bestnoten bekommen der Außendienst, die Reklamationsbearbeitung und das Marketing. Außerdem wird Forbo als besonders sympathisch und nachhaltig wahrgenommen. Daraus resultieren schließlich die besten Zukunftsperspektiven. Hinzu kommen zweite Ränge für den Innendienst und die Logistik. Auch die Produktqualität stimmt. So kann sich das Unternehmen letztlich auch in vier der aggregierten Kategorien mit der Goldmedaille schmücken; in der fünften ist es Silber. Insgesamt ein sehr schöner Erfolg für das Team von Geschäftsführer Peter Schulte.

Ein Blick auf die Einzelnoten zeigt, dass es dennoch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Die Innovationen werden lediglich als befriedigend wahrgenommen. Bei der Markenstärke beträgt der Abstand zum Spitzenreiter fast eine ganze Note. Mit dem Marketing und in der Kategorie Nachhaltigkeit rangiert Forbo Flooring zwar vor allen anderen, aber mit der Note 2,7 sollten sich die zuständigen Abteilungen nicht zufrieden geben.

Vebe
Erfolgreich mit
Zwei-Marken-Strategie

Nach der Übernahme von Findeisen beliefert Vebe den Großhandel nun gleich unter zwei Marken mit Nadelvliesbelägen. Und ist mit zwei Vertriebsteams unterwegs, so dass wir die Grossisten um eine getrennte Bewertung gebeten haben. Auch wenn dabei Unterschiede deutlich werden, zeigt das Gesamtergebnis, dass die Zwei-Marken-Strategie erfolgreich ist: Findeisen und Strong landen mit jeweils der Note 2,6 gemeinsam auf dem zweiten Rang.

Marke Findeisen

Die Findeisen-Insolvenz kam im September 2024 für den Großhandel ganz offensichtlich überraschend. In unserer einen Monat zuvor durchgeführten Umfrage war sein Lieferant wie gewohnt mit jeder Menge Bestnoten bewertet worden, nicht zuletzt für seine Zukunftsperspektiven. Der Hersteller hatte aus Sicht seiner Kunden fast alles richtig gemacht - dabei aber offenbar nicht genug Geld verdient. Die Marke Findeisen, die Finett-Produkte und das Vertriebsteam wurden von Vebe aus der niederländischen Condor-Gruppe übernommen. Beide Firmen hatten schon zuvor zusammengearbeitet. Der ehemalige Geschäftsführer Stephan Naacke fungierte zunächst noch als Vertriebsleiter, schied einige Monate später aber endgültig aus.

Eigentümerwechsel, personelle Veränderungen, Unruhe im Markt - die Vorzeichen für die Großhandelsumfrage 2025 waren nicht die besten, und doch hat sich Findeisen gut geschlagen. Mit der Note 2,6 belegt die Marke gemeinsam mit der Schwester Strong den zweiten Rang. Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr verbietet sich angesichts der neuen Situation, aber ein Blick auf die Stärken und Schwächen ist erlaubt.

Das vielleicht überraschendste Ergebnis ist der diesmal einzige erste Platz in den Einzelrankings: Sympathiewert. Den leiten wir gerne aus allen möglichen anderen Top-Platzierungen ab; hier steht er ganz für sich alleine und zeigt das Wohlwollen, mit dem der Großhandel dem Seriensieger vergangener Jahre nach wie vor begegnet. Der Außendienst wird ebenfalls gut bewertet. Es war die richtige Entscheidung, das eingespielte Team weiterhin selbstständig im Markt agieren zu lassen. Auch die Produktqualität wird nach wie vor als sehr gut eingeschätzt.

An die außergewöhnlich guten Leistungen des Unternehmens Findeisen nicht anknüpfen kann die Marke Findeisen bei Lieferschnelligkeit und -zuverlässigkeit. Leider hat man sich hier dem Niveau der Schwestermarke Strong angepasst; die Produkte kommen ja auch nicht mehr aus Ettlingen. Und natürlich ist die Bewertung der Zukunftsaussichten nicht mehr so optimistisch wie vor Jahresfrist. Der Großhandel wartet erst einmal ab, wie sich die Dinge entwickeln.

Marke Strong

Von möglichen Turbulenzen oder Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Findeisen-Übernahme unbeeindruckt zeigt sich die Nadelvliesmarke Strong. Im Gegenteil: Sie bestätigt nicht nur Note (2,6) und Platzierung (Rang zwei) des Vorjahres, sondern nutzt die Gunst der Stunde, indem sie sich diesmal gleich in vier Einzelwertungen vor die Konkurrenz setzt. Unschlagbar bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Hinzu kommen Produktinnovation, Vertriebspolitik und die Zukunftsperspektiven. Das gute Abschneiden wird zudem von ersten Plätzen in den aggregierten Kategorien Produkt und Management unterstrichen. Eine gute Note heimst Strong außerdem für die Qualität der Produkte ein.

Ähnlich schwach wie 2024 zeigen sich hingegen Innen- und Außendienst. Letzterem könnten die neuen Findeisen-Kollegen sicher ein paar Tipps geben. Vielleicht haben die auch eine Idee, wie sich die Logistik verbessern ließe: Findeisen hat hier 2024 eine knappe Note besser abgeschnitten als Strong heute. Ebenfalls nach wie vor Verbesserungsbedarf sieht der Großhandel bei der Reklamationsbearbeitung.| Thomas Pfnorr

BTH Heimtex Großhandelsumfrage Nadelvlies
Panel und Methodik
Die Exklusiv-Umfrage von BTH Heimtex zur Qualität der Lieferanten von Nadelvlies-Bodenbelägen im deutschen Großhandel wurde im August 2025 schriftlich durchgeführt. Auf Produkt-, Segment- oder Vertriebsschwerpunkte geht die Befragung ebenso wenig ein wie auf Umsatzvolumina und Absatzmengen. Die Großhändler bewerten ihre Lieferanten mit Schulnoten zwischen 1 (sehr gut) und 5 (mangelhaft). Für jeden Anbieter werden 14 Kriterien abgefragt, darunter objektiv messbare wie Lieferschnelligkeit genauso wie subjektiv empfundene wie Sympathiewert und Zukunftsperspektiven. Anschließend werden sämtliche Noten zusammengezählt und durch die Anzahl der Bewertungen geteilt. Heraus kommen vergleichbare Durchschnittsnoten, aus denen die einzelnen Rankings und das Gesamtergebnis gebildet werden.
Nadelvlies Großhandelsumfrage 2025
Foto/Grafik: SN-Verlag
Ranking nach
Durchschnittsnoten
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Foto/Grafik: SN-Verlag
Sieger nach Kriterien
Nadelvlies Großhandelsumfrage 2025
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Was ist Ihnen wichtig: Service, Image, Produkt?
Nadelvlies Großhandelsumfrage 2025
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Die einzelnen Rankings
Nadelvlies Großhandelsumfrage 2025
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Bei welchen Anbietern von Nadelvlies kauft der Großhandel ein?
aus BTH Heimtex 10/25 (Wirtschaft)