Brüder Schlau GmbH & Co. KG
Brüder Schlau in vorläufiger Insolvenz in Eigenverwaltung
Die Firmengruppe Brüder Schlau will sich über ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sanieren und neu aufstellen. Der Geschäftsbetrieb in den gut 60 Großhandelsstandorten sowie knapp 180 Hammer Fachmärkten läuft derweil weiter.Brüder Schlau hat am 26. Juni 2025 beim Amtsgericht Bielefeld ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind sämtliche Gesellschaften der Firmengruppe, neben der Brüder Schlau GmbH & Co. KG unter anderem auch die Schlau Großhandels GmbH & Co. KG sowie die Hammer System Management GmbH. Man reagiere mit dem Schritt auf strukturelle Herausforderungen im Marktumfeld sowie auf anhaltende wirtschaftliche Belastungen, heißt es in einer Mitteilung an die Presse.
Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Prof. Dr. Dirk Andres von der Düsseldorfer Kanzlei Andres Partner bestellt. Die Neuaufstellung begleiten wird als Generalbevollmächtigter der Bielefelder Rechtsanwalt Dr. Yorck Streitbörger. Ein Finanzierungskonzept für die mit Verfahren verbundenen Sanierungskosten liegt bereits vor. Dieses stellt sicher, dass der Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortgeführt werden kann. Die laufenden Gehälter der insgesamt rund 3.900 Beschäftigten sind durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis einschließlich August 2025 gesichert.
Schlau Großhandel und
Hammer Fachmärkte bleiben geöffnet
Für Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartner der Brüder Schlau Gruppe habe die Insolvenz in Eigenverwaltung keine negativen Auswirkungen, teilt das Unternehmen mit. Die Lieferfähigkeit bleibe vollständig erhalten. Aufträge werden wie gewohnt ausgeführt. Alle Großhandels- und Fachmarktfilialen bleiben geöffnet.
Die Wurzeln der Firmengruppe gehen auf eine 1921 in Minden gegründete Farbengroßhandlung zurück. Neben dem Farben- und mittlerweile auch Bodenbelagsgroßhandel (Schlau) mit seinen aktuell 63 Standorten im Norden, Westen und Osten Deutschlands bilden heute knapp 180 (Stand 11. Juli) regional ähnlich verteilte Fachmärkte für Produkte der Raumausstattung (Hammer) das zweite Standbein des Unternehmens.
Bereits im Juli 2024 hatte die Großhandelssparte einen "umfassenden Transformationsprozesses in den kommenden Monaten und Jahren" angekündigt, im Rahmen dessen das Sortiment überarbeitet, die Logistik leistungsfähiger gestaltet und die Vertriebsstruktur modernisiert werden sollte. Dabei war von Neueröffnungen oder Modernisierungen in für das Unternehmen relevanten Regionen die Rede, aber auch von Filialschließungen. Meldungen über einen Stellenabbau in der Zentrale von Brüder Schlau in Porta Westfalica gab es im November, betroffen davon waren das Lager, das Nähstudio und die Verwaltung. Zudem wurden Hammer Fachmärkte aus Rentabilitätsgründen geschlossen.
Zuletzt wurde bekannt, dass sich das Unternehmen auch von insgesamt 18 Einzel- und Großhandelsimmobilien in sechs Bundesländern trennen möchte, um sie ihm Rahmen eines Sale-&-Leaseback sofort wieder zu mieten, sodass die Filialen an den jeweiligen Standorten erhalten bleiben. Ende Juni 2025 waren für acht von ihnen neue Eigentümer gefunden. Dabei handelt es sich um die Gebäude der Hammer Fachmärkte in Einbeck, Osterholz-Scharmbeck (beide Niedersachsen), Wolfen (Sachsen-Anhalt), Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) und Bernau (Brandenburg) sowie Niederlassungen des Schlau Großhandels in Minden (Nordrhein-Westfalen), Markkleeberg (Sachsen) und Braunschweig (Niedersachsen).
aus
BTH Heimtex 07/25
(Wirtschaft)