Condor Control BV
Vier Fragen an Jan Hoekman jr.
Nachhaltige Produkte kommen beim Kunden gut an; Entwicklung und besondere Rohstoffe sind aber zunächst kostspieliger. Ist der Markt bereit, dafür auch mehr zu zahlen?
Hoekman jr.: Beim Thema Nachhaltigkeit zählt der Wert mehr als der Preis, und immer häufiger ist er den Kunden die geringe Differenz wert. Erst neulich wurden wir von einem großen Einkäufer explizit nach solchen Produkten gefragt. Wir entwickeln allerdings auch weiterhin konventionelle Bodenbeläge - und parallel neue, zukunftssichere und nachhaltige Lösungen. Beides soll nebeneinander bestehen; das eine soll abnehmen, das andere zunehmen. Der Wechsel funktioniert nicht von einem Tag auf den nächsten, da gibt es viel anzupassen. Je größer das Produktionsvolumen der nachhaltigen Produkte, desto günstiger können wir sie produzieren und anbieten.
Im Wohnbereich werden zurzeit vor allem Hartbeläge verlegt; in Büros und Hotels sind dagegen textile Beläge und gerade Teppichfliesen gefragt. Wollen Sie den Objektbereich ausbauen?
Hoekman jr: Hier gibt es sicherlich Chancen; der Bereich Carpet Tiles wächst. Aber auch in unseren Akustikelementen sehe ich viel Potenzial. Im Objektbereich gehen wir allerdings nicht selbst als Condor Carpets oder Vebe auf Architekten zu, sondern verweisen an den Großhandel. Wir wollen nicht im Wasser unserer Kunden fischen.
Inwiefern Sind Sie vom Thema Fachkräftemangel betroffen, und wie gehen Sie damit um?
Hoekman jr.: Geeignete Arbeitskräfte zu bekommen, ist tatsächlich nicht leicht. Darum gehen wir selbst auf die Kandidaten zu, halten beispielsweise viele Präsentationen an Schulen. Die meisten jungen Leute kennen die Teppichbodenindustrie nicht. Wir laden sie zu uns ein, zeigen ihnen das Unternehmen - und sie sind beeindruckt davon, wie modern hier alles ist.
Sie haben Ende Juni an der Carpet Recycling UK Conference teilgenommen - was ist Ihr Fazit?
Hoekman jr.: Wir sind seit zwei Jahre Mitglied von CRUK, einem Verband, der Recycling und Nachhaltigkeit in der Teppichbodenbranche fördert. Dieses und letztes Mal waren wir der Hauptsponsor des Events. Auch in Großbritannien und Nordirland gibt es auf diesem Gebiet noch viel zu tun, aber es ist sehr positiv, dass immer mehr Unternehmen aus der Branche sich dem CRUK anschließen.
Das ist wichtig, weil die ganze Produktionskette zusammenarbeiten muss, um wirklich kreislauffähig zu werden. Dabei sollte sich jeder auf das fokussieren, was er dazu beitragen kann. Für uns als Produzent heißt das insbesondere, dass wir ein ökologisches Produktdesign verfolgen. Dafür brauchen wir auch klare Richtlinien, und CRUK unterstützt das für den Bereich UK sehr gut und arbeitet gut mit europäischen Organisationen wie ECRA/GUT zusammen. Das ist überhaupt sehr wichtig beim Thema Nachhaltigkeit: dass wir zusammenarbeiten - mit allen und für alle.
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BTH Heimtex 09/23
(Wirtschaft)