Condor Control BV

Konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft

Die niederländische Condor-Gruppe investiert kräftig in die Zukunft ihrer inzwischen sieben Unternehmen: in kreislauffähige textile Beläge, in hocheffiziente Maschinen und in ein modernes neues Vebe-Werk.

Ein 4 m breites Band an textilen Bodenbelägen, das den gesamten Globus umspannt: So viel produziert die Condor-Gruppe umgerechnet jährlich, mehr als 140 Mio. m2. Vor zwei Jahren haben die Niederländer die Umsatzmarke von 500 Mio. EUR geknackt; das Unternehmen wächst beständig weiter. Daran beteiligt sind sieben Tochtergesellschaften, die in den letzten 25 Jahren nach und nach durch Zukauf zur Gruppe gestoßen sind und die ein enorm breites Spektrum textiler Bodenbeläge anbieten - vom Preiseinstieg bis zum Hochwertbereich. "Wir wollen nachhaltige Bodenbeläge für alle und jeden liefern", beschreibt Jan Hoekman jr. das Konzept des Unternehmens, das sein Vater Jan Hoekman sr. und dessen Bruder Gerrit Hoekman 1992 gründeten.

Von der Einstiegsqualität
bis zum Hochwertteppich

Die sieben Tochterunternehmen decken sieben Segmente ab: Timzo bietet Einstiegsqualitäten für den Wohnbereich, hauptsächlich getuftet, zum Teil auch flachgewebt. Condor Carpets bedient den mittleren Bereich mit Tufting-Bahnenware und -fliesen. Edel Carpets liefert hochwertige Teppichböden und kreative abgepasste Teppiche. Edel Yarns extrudiert die entsprechenden Garne. Bei Condor Grass findet man getufteten Kunstrasen in den unterschiedlichsten Ausführungen. Condor Cartex ist auf Textilien für die Automobilausstattung spezialisiert (Innenverkleidung und Matten). Das Produkt Nadelvlies wiederum steht bei Vebe im Mittelpunkt - von der Objektfliese über den Bodenbelag inklusive Nadelvlies-Kunstrasen bis hin zum Schmutzfang.

Noch machen die Teppichböden den Löwenanteil des Produktspektrums aus, und hier überwiegt der Bereich Residential. Aber die Gruppe expandiert in weitere Richtungen: Das Objekt wird auch für Condor immer wichtiger; die Sparten Automotive und technische Textilien mit Wandpaneelen zur Schalldämmung wachsen ständig. Das jüngste Mitglied der Familie heißt Condor Techtex, ist derzeit noch Vebe untergeordnet und bietet ein breites Angebot an Filzprodukten, die hauptsächlich von Vebe produziert und unter anderem an Möbelhersteller geliefert werden. Auch auf dem Salone del Mobile in Mailand war man hiermit vertreten. "Heutzutage werden viele Hartbeläge verlegt, aber ohne Textilien geht es im Innenraum nicht", so Hoekman jr., der die operative Betriebsführung bei Condor Carpets innehat.

Alle Produktionsprozesse
an zwei benachbarten Orten

Mit einem Jahresumsatz von über 500 Mio. EUR und sieben Tochterunternehmen hat die Condor-Gruppe Konzernstatus. Gleichzeitig können die Niederländer als inhabergeführtes Familienunternehmen durch kurze Entscheidungswege flexibel und schnell reagieren. Zusammengenommen decken die Konzerngesellschaften fast alle Produktionsstufen ab, von der Garnextrusion über das Spinnen, Tuften und - in kleinerem Rahmen - Weben bis hin zu unterschiedlichen Rückenbeschichtungssystemen und der Konfektion von Fliesen und Teppichen.

Garne werden hauptsächlich spinndüsengefärbt, das sei die deutlich nachhaltigere Lösung. Einen Teil ihrer Garne kauft die Gruppe ein. Gedruckt wird bei Condor nicht; alle Designs sind tuftgemustert: "Mit den modernen Tuftingmaschinen kann man unheimlich viel gestalten, ohne drucken zu müssen", erklärt Hoekmanjr. "Das sieht dann fast aus wie gemalt." Die gesamte Produktion findet an zwei benachbarten Standorten statt: Genemuiden und Hasselt nördlich von Zwolle - mit nahe gelegenem Containerschiff-Hafen. Der Transport von Rohmaterialien und Produkten erfolgt so weit wie möglich auf dem Wasserweg.
Investition in moderne Maschinen

Condor investiert stark in neue Maschinen, die gemeinsam mit den Maschinenbauern entwickelt werden. Unter den derzeit fast 80 Tuftingmaschinen am Standort Hasselt/Genemuiden befindet sich auch die "schnellste der Welt", die doppelt so schnell arbeitet wie herkömmliche Maschinen. Sie wurde erst kürzlich auf der Textiltechnikmesse ITMA in Mailand vorgestellt; davor war sie bereits mehrere Monate zu Testzwecken bei Condor im Einsatz. Noch dieses Jahr werden weitere "Pilotmaschinen" installiert. Mit ihnen will man auf den Gebieten Design, Geschwindigkeit und Effizienz neue Maßstäbe setzen, gerade auch im Hochwertbereich.

Das größte und investitionsintensivste aktuelle Projekt ist das moderne Vebe-Werk, das zurzeit in Genemuiden entsteht - auf etwa 90.000 m2 Fläche, mit großem Customer Experience Center. Die Dächer werden vollständig mit Solarpaneelen ausgestattet; bei der BREEAM-Zertifizierung für nachhaltige Gebäude strebt Condor den höchste Exzellenzgrad "Outstanding" an. Dank 20 Lkw-Docks soll die Ware von dort aus noch schneller ausgeliefert werden. Auch mehrere bisher externe Warenlager werden durch den Neubau zentral am Standort Hasselt/Genemuiden integriert. Das verkürzt die Wege, spart Zeit und Kraftstoff.

Nachhaltigkeit stark im Fokus

Stark im Fokus aller Investitionen steht das Thema Nachhaltigkeit. "Da wir mit unserer Bodenbelagsproduktion jährlich einmal den Globus umspannen, sehen wir uns in der Verantwortung, umweltgerecht dabei vorzugehen und über die Nutzungsdauer der Produkte hinaus zu denken", erklärt Marketing-Manager Kim Koning. Die Investitionen in das Thema ergäben auch wirtschaftlichen Sinn: Kunden fragten immer häufiger gezielt nach nachhaltigen Produkten; staatliche Auflagen machten sie verstärkt erforderlich. "Regulierungen, Produktpässe, erweiterte Herstellerverantwortung, die Besteuerung konventioneller Produkte - das alles kommt auf uns und unsere Kunden zu, und dafür wollen wir frühzeitig bereit sein", so Koning.

Nicht zuletzt sparen energieeffiziente Produktions- und Transportmethoden sowie die Nutzung von Energie aus nachhaltigen Quellen langfristig gesehen Geld. In Hasselt erzeugen 13.000 Solarpaneele auf den Dächern Strom; mit dem Bau des neuen Vebe-Werks kommt eine weitere riesige Dachfläche hinzu. Rund 50 % des durch die Condor-Gruppe genutzten Stroms stammen bereits aus erneuerbaren Quellen; bis 2025 sind 100 % angestrebt. Bei der Teppichbodenbeschichtung wird die Restwärme effizient genutzt, die Toiletten werden mit Regenwasser betrieben. Im Nachhaltigkeitsrating Ecovadis hat die Condor-Gruppe Bronzestatus und strebt bis 2024 Gold an. Verschiedene Umweltsiegel, darunter der Blaue Engel, belegen Wohngesundheit und Umweltverträglichkeit der Produkte.

Die meisten Emissionen in Zusammenhang mit einem Produkt entstehen jedoch nicht bei der Herstellung, sondern bei der Beschaffung der Rohmaterialien, deren Entsorgung oder Aufbereitung. "Da wollen wir verstärkt ansetzen und Downcycling so weit es geht vermeiden", erklärt Koning. "Unser Ziel ist eine zirkuläre Wirtschaft."

Das Projekt Tide:
Von Ozeanplastik zum Teppichboden

Seit 2023 arbeitet die Condor-Gruppe mit dem Schweizer Kunststoffrecycling-Unternehmen Tide Ocean im Programm Tide zusammen: In verschiedenen Küstenregionen der Welt beschäftigt Tide zu fairen Bedingungen dort ansässige Menschen, die Altplastik von Stränden, aus Flüssen und Meeren einsammeln: Polyamid, Polypropylen und vor allem PET-Flaschen, aus denen sich Polyester-Granulat gewinnen lässt. "Polyester haben wir seit gut zehn Jahren im Programm, und der Anteil wächst stark", so Hoekman jr. "Die Faser ist gut bezahlbar, bietet einen traumhaften Griff und ist sehr weich - und dazu unempfindlich gegen Flecken und feuerbeständig." Nicht zuletzt könne man Polyester besonders gut recyceln. Das Altplastik wird noch vor Ort zu Granulat verarbeitet und an die am Programm teilnehmenden Hersteller geliefert. Die Condor-Gruppe ist direkt mit einem Projekt in Thailand vernetzt und kauft konkret das in Bangkok produzierte Granulat.

Zurzeit ist der Anteil der mit Tide-Garn gefertigten Bodenbeläge bei Condor noch recht klein; er wird jedoch immer weiter ausgebaut. Für Kunden und Endverbraucher lässt sich die Herkunft der verwendeten Fasern mithilfe eines QR-Codes am Produkt genau nachvollziehen. Das Storytelling-Potenzial will die Gruppe hier noch deutlich mehr ausschöpfen und auch dem Handel entsprechende Werkzeuge an die Hand geben.

Alloa: One Material und kreislauffähig

Alloa ist die Marke für kreislauffähige Kollektionen der Condor-Gruppe und weist Bodenbeläge aus, die in Rücken und Flor durchgehend aus einem einzigen Material bestehen - entweder aus Polyamid oder aus Polyester, mit wachsenden Recyclinganteilen: Bis 2030 will man mehr als die Hälfte des Umsatzes mit kreislauffähigen Produkten erzielen. Auch die Alloa-Produktfamilie soll sich ständig vergrößern. Bisher im Programm: Alloa Pura 100, ein bis zu 5 m breiter Tufting-Kunstrasen mit besonders leichter Rückenbeschichtung und guter Drainage, sowie Alloa-Automatten mit einem hohen Recyclinganteil. Auf den Flanders Flooring Days im Mai wurde auch die erste Alloa-Teppichbodenqualität vorgestellt; sie ist als High-End-Produkt bei Edel Carpets erhältlich.

Ecoline schließlich ist ein übergreifendes neues Label für Produkte mit deutlich nachhaltigem Bezug, etwa aus Rezyklaten und mit niedrigem ökologischem Fußabdruck. Ecoline-Qualitäten können aus Econyl-Garnen, recyceltem Polypropylen oder recyceltem PET/Polyester bestehen. Garne, die mit Granulaten des Tide-Projekts gefertigt werden, gehören selbstverständlich dazu.

Wichtigste Märkte
Deutschland und UK

Die Condor-Gruppe verkauft ihre Produkte weltweit; die wichtigsten Märkte sind Deutschland und das besonders teppichaffine Großbritannien und Nordirland. Nach Amerika liefert Condor in erster Linie Textilien für die Automotive-Sparte.

Durch Corona und den Krieg in der Ukraine hat das Jahr 2022 die Gruppe vor einige Herausforderungen gestellt; die Kaufzurückhaltung macht sich in Deutschland weiterhin bemerkbar, nicht nur bei Teppichböden. Trotzdem konnten die Niederländer den Umsatz stabil halten. "Auch mit 2023 sind wir bisher ganz zufrieden", so Hoekman jr. "Besonders im Bereich Großhandel stehen wir stark da und legen leicht zu." Auf die gute Beziehung zu den Grossisten legt Condor seit Langem großen Wert; die Gruppe vertreibt den Großteil der Bodenbeläge als White-Label-Produkte auf diesem Weg und wurde in BTH Heimtex wegen der guten Zusammenarbeit schon als "Großhandels Liebling" bezeichnet. "Darauf sind wir stolz, und das wollen wir auch bleiben", erklärt Hoekman jr.

Zusätzlich führt und pflegt der Hersteller einige vor allem in Deutschland gut etablierte Marken, die auch im Einzelhandel in Erscheinung treten: Dura-Teppichböden für den Wohn- und Objektbereich etwa, das Schurwoll-Label TWN sowie den Objektnadelvlies der Marke Strong. Alle drei sind durch Zukäufe ins Portfolio gekommen. Neben der Hauptkundengruppe Großhandel bedienen die Condor-Unternehmen zunehmend große Einzelhändler, Discounter und Baumärkte. Dieses Standbein will man weiter ausbauen; speziell zu diesem Zweck unterstützt seit Januar ein neuer Mitarbeiter, Steffen Schwaar, das Vertriebsteam. "Dabei wenden wir uns ausschließlich an Händler, die größere Mengen abnehmen", so Hoekman jr. "Wir verkaufen nicht an unseren Großhändlern vorbei."

Ein weiteres großes Plus, das die Gruppe deutschen Kunden bieten kann, ist laut Timzo-Geschäftsführer Wim Rietman Stabilität. "Am deutschen Markt ist einiges passiert, viele Mitbewerber sind verschwunden; das hat Unsicherheit erzeugt", erklärt er. "Also setzen unsere Kunden bevorzugt auf einen starken, stabilen Partner, der sich ständig weiterentwickelt und gute Qualität zu bezahlbaren Preisen anbietet: uns." Die Synergien zwischen den Unternehmen greifen laut Rietman immer stärker. Das habe sich auch auf den Flanders Flooring Days bemerkbar gemacht: Kunden, die in erster Linie wegen des Programms von Edel Carpets vorbeikamen, hätten sich auch bei Vebe und Timzo umgeschaut. Mit Qualitäten wie der körnigen Tufting-Schlinge Daytona aus zum Teil recyceltem Polypropylen erfährt das Timzo-Spektrum gerade ein Trading-up.

Der D/A/CH-Markt
schätzt Dura und TWN

Auf dem D/A/CH-Markt punkten die Niederländer stark mit den bekannten Marken Dura, TWN und Strong. "Die derzeit wichtigsten Wohnkollektionen sind TWN Wool Affairs und Dura Living Lifestyle", erklärt Peter Leinweber, D/A/CH-Vertriebsleiter bei Edel Carpets. Insbesondere das Segment Rugs wachse stark, denn: "Kein Hartbelag kommt ohne einen abgepassten Teppich aus." Die Kollektion Dura Living Lifestyle bietet die Teppiche in jeder erdenklichen, individuell gestaltbaren Wunschform an.

Ein starkes und dazu wachsendes Segment bei Condor ist Kunstrasen, speziell höherwertiger Tufting-Rasen. Hierfür sieht Hoekman jr. gerade in Deutschland viel Potenzial. "Da steckt das Produkt immer noch in den Kinderschuhen, das ist in den Niederlanden anders. Wir wollen den Leuten zeigen, wie schön und natürlich Kunstrasen aussehen kann."

Bei Vebe ist das Fliesen-Leichtgewicht Strong 966 Modul (3,1 kg/m2) mit dem Bitumen- und PVC-freien Rücken Beyond Eco ein aktuelles Highlight. Immer beliebter werden auch dekorative Akustikösungen aus Filz. "Die meisten Produkte, die wir verwenden, sind zu 100 % recycelt und aus reinem Filz, also besonders schallschluckend und dazu One-Material", so Vincent Vermoere. Der Vebe-Geschäftsführer sieht hier einen "Riesenmarkt".
| Meike Stewen


Daten + Fakten
Condor-Gruppe
Condor Carpets BV
Euroweg 3
NL-8061 SB Hasselt
Tel.: +31 / 38 / 4 77 89 11
info@condor-group.eu
www.condor-group.eu

Geschäftsführung:
Gerrit Hoekman
Jan Hoekman sr.
Leiter operative
Betriebsführung
Condor Carpets:
Jan Hoekman jr.
Gründung: 1992
Umsatz 2022:
über 500 Mio. EUR
Mitarbeiter: rund 1.000
Konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft
Foto/Grafik: Condor Group
Insbesondere das Segment Rugs wächst in der Condor-Gruppe stark; kein Hartbelag kommt ohne einen abgepassten Teppich aus.
Konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft
Foto/Grafik: Condor Group
(v.l.n.r.) Jan Hoekman jr., Operative Betriebsführung Condor Carpets; Vincent Vermoere, Geschäftsführer Vebe; Timzo-Geschäftsführer Wim Rietman; Kim Koning, Marketing
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Foto/Grafik: Condor Group
Die Struktur der Condor-Gruppe
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Foto/Grafik: Condor Group
Die gesamte Condor-Produktion findet an zwei benachbarten Standorten statt. Rund 50 % des Stroms stammt bereits aus erneuerbaren Quellen.
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Im Tide-Projekt sammeln weltweit Menschen zu fairen Bedingungen Meeresplastik, das vor Ort zu Granulat verarbeitet wird. Condor stellt daraus Teppichfasern her.
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Foto/Grafik: Condor Group
Bei Condor wächst der Anteil der mit Tide-Garn gefertigten Bodenbeläge ständig.
aus BTH Heimtex 09/23 (Wirtschaft)