Eurobaustoff: Gesellschafterversammlung 2022 in Berlin
Preiseffekt treibt die Umsätze hoch
Die Eurobaustoff befand sich in den ersten fünf Monaten 2022 weiter im Steigflug: Per 31. Mai erhöhte sich das Einkaufsvolumen um 18,1 % gegenüber dem Vorjahr. "Aber der Krieg in Europa hat die Situation verändert", bekannte Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf der Gesellschafterversammlung in Berlin. "Geh zurück auf Los - denk alles neu", beschrieb Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel die Herausforderung für die Branche.Das hat es noch nie gegeben: Im ersten Halbjahr kletterte das Einkaufsvolumen der Eurobaustoff-Kooperation fast auf ein Jahresniveau. Per 31. Mai lag es um 18,1 % über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum - mit weiter steigender Tendenz. Das zweistellige Wachstum resultierte aber nicht aus einem größerem Absatzvolumen, sondern in erster Linie aus zum Teil massiven Preisanhebungen, erklärte Jörg Hoffmann, Geschäftsführer Finanzen der Eurobaustoff. Mittlerweile sei jedoch der Bogen der Preiserhöhungen überspannt, setzte Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung hinzu, die Folge seien Baustellen-Stopps und Stornierungen. "Wir sind wohl erfolgreich ins Jahr 2022 gestartet, befürchten aber, dass wir - nach vielen Jahren einer guten Entwicklung im Bau - zunehmend auf eine Abkühlung hinsteuern, die sich voraussichtlich bereits im zweiten Halbjahr bemerkbar machen wird."
Erste Signale für nachlassende Dynamik
Hatrtmut Möller, Geschäftsführer für Gesellschafterbetreuung, Einkauf und die Ländergesellschaften in Österreich und der Schweiz, berichtete von ebenfalls preisbedingten, massiven Steigerungen des Einkaufsvolumens in Österreich (+ 17,1 %) und der Schweiz (+ 28,3 %). Doch machten sich in Teilbereichen erste rückläufige Tendenzen bemerkbar. Für den Warenbereich Holz/Bauelemente (+ 11,6%) etwa habe das Jahr durch eine Vielzahl von Preissteigerungen und längeren Lieferzeiten turbulent begonnen. "Eine Situation, die sich im April wieder entspannte. Daher gehen wir hier weiterhin von einer positiven Entwicklung aus, da im Holzbau eine hohe Nachfrage besteht." Ähnliches gebe es für den Fachbereich Bauelemente zu berichten. Der Einzelhandel (+ 6,8 %) könne von einer anhaltenden Preisänderungswelle in fast allen Sortimenten berichten. Ein weitere Herausforderung seien die weiterhin bestehenden Probleme entlang der Lieferketten. "Hinzu kommt, dass die Verbraucher sich zunehmend zurückhalten."
Das bisherige, über alle Warenbereiche verteilte Plus im Einkaufsvolumen sei auch bei den Ländergesellschaften Österreich (+17,1 %) und der Schweiz (+28,3 %) auf den Preis und nicht auf die Absatzentwicklung bei Baumaterialien zurückzuführen, betonte Möller.
Mit Kostensenkungen und
Liquiditätssicherung gegensteuern
Zukünftiges wirtschaftliches Wachstum beurteilt die Eurobaustoff-Spitze daher skeptisch. Materialknappheit, hohe Transportkosten und ein eklatanter Fachkräftemangel würden die Baubranche für die kommenden Monate oder sogar Jahre belasten. Solange kein russischer Gas-Lieferstopp eintritt, bleibt man in Bad Nauheim dennoch vorsichtig optimistisch, sagte Kern. Aber: "Wir justieren unsere Einschätzung für die geschäftliche Entwicklung konservativer." Konkret riet er auch den Gesellschaftern: "Richten Sie ihr Budget 2023 nicht nur am Umsatz, sondern auch an der Menge aus." Außerdem empfahl er Kostensenkungen durch Prozessoptimierung und Digitalisierung sowie Liquiditätssicherung, indem die Kreditlinie auf 10 % des Außenumsatzes angepasst wird.
Weitere Preissteigerungen befürchtet
Bautreiber ist immer noch die energetische Sanierung. Bis 2045 sollen Gebäude in Deutschland klimaneutral sein. Doch die KfW-Förderung ist ausgelaufen. Allerdings wollte Eurobaustoff-Aufsichtsratsvorsitzender Boy Meesenburg der Politik keinen Vorwurf machen: "Die Baustoffindustrie ist froh über die unideologische Führung des Wirtschaftsministeriums."
Hartmut Möller befürchtet weitere Preissteigerungen: "Holz ist 40 % teurer geworden und viele Rohstoffe gehen nach Übersee und fehle auf dem heimischen Markt." Andersherum hätten Parkett und Laminat aus Asien mit Transportschwierigkeiten zu kämpfen. Die Ukraine lieferte nicht nur in großem Umfang Landhausdielen und Decklagen, sondern auch Rohstoffe für die Fliesenherstellung - "zu 70 %". Nun müssen andere Lieferanten gefunden werden." Auch der Lkw-Fahrermangel in Deutschland sei zum Teil durch den Ausfall der Ukrainer bedingt.
Und was sagen die Jungunternehmer? Martin Meier und, per Video zugeschaltet, Christoph Mohr: "Stimuliert durch niedrige Zinsen und Energiepreise kannten wir bisher keine Krise. Jetzt dürfen wir, bei aller Digitalisierung, den Kundennutzen nicht aus den Augen verlieren." Dolores Saal mahnte: "Wichtig ist Nachhaltigkeit in allen Bereichen, auch in der Personalführung."
aus
Parkett Magazin 05/22
(Wirtschaft)