ZVR-Initiative

Transparenz und Bewusstsein für Handwerksqualität schaffen

Unseriöse Polsterbetriebe versprechen top Qualität und satte Rabatte. Was auf den ersten Blick nach einem verlockenden Angebot aussieht, entpuppt sich schnell als Schwindel und überteuerte Arbeit. Das Ergebnis sind enttäuschte Kunden und verpfuschte Möbelstücke. Der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) will diesem schädlichen Vorgehen nun entgegentreten.

Mit vermeintlich günstigen Preisen und Rabatten locken unseriöse Polsterbetriebe, die sich als "Handwerker" ausgeben und stets nach demselben Prinzip verfahren. Auf die Firmengründung folgt die Schaltung von großflächigen Anzeigen oder die Beilage von Flyern in regionalen Tageszeitungen, in denen Polsterarbeiten mit sehr großen Rabatten angeboten und beworben werden. Eine Situation, auf die der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) aktuell in einer offiziellen Mitteilung hinweist.

Die scheinbaren Schnäppchen, so der ZVR, entpuppten sich schnell als schlecht verarbeitet und deutlich teurer als erhofft: "Hier hat der Kunde an der vermeintlich falschen Stelle gespart, denn eine seriöse Möbel-Neupolsterung vom Raumausstatter oder Sattler ist meist billiger als die Lockangebote der "Polsterer". Denn sowohl der Raumausstatter als auch der Sattler lernt das Polstern während der dreijährigen Ausbildung und ist der qualifizierte Ansprechpartner rund um Fragen des Polsterns und Neubeziehens von Möbelstücken" heißt es in der Mitteilung.

Der ZVR weist zudem darauf hin, dass die unseriösen Polster-Anbieter zum Teil auch direkt bei den Interessierten zur Beratung zu Hause auftauchen. Bestimmtes und drängendes Auftreten gegenüber der Kundschaft zeichne deren "Verkaufsstrategie" aus. Oftmals werden die zu restaurierenden Möbel gegen eine Anzahlung von 30 bis 50 % mitgenommen. Zuerst werde dann versucht, die so akquirierten Polsteraufträge bei ortsansässigen Raumausstatter- oder Sattler-Betrieben fertigen zu lassen. Wenn sich kein lokaler Betrieb findet, werden die Möbel ins Ausland transportiert und überarbeitet. Die dort erbrachte Handwerksleistung erfülle allerdings häufig nicht die erwartete Qualität und das Ergebnis entspreche nicht dem Kundenwunsch, wenn das Möbelstück überhaupt zurückgeliefert wird.

Weitere Kennzeichen für unseriöse Betriebe sind nach Aussagen des ZVR die schnellen Inhaberwechsel, überwiegend mit gleichem Nachnamen oder die komplette Auflösung des Geschäftssitzes nach kurzer Zeit. So ziehen die zweifelhaften Geschäftsleute nach einigen Monaten weiter und gründen andernorts eine neue Firma mit leicht abgeändertem Namen.

Ein Mittel, um den kriminellen Machenschaften im Polsterei-Bereich entgegenzuwirken, ist die Wiedereinführung des Meisters im Raumausstatter- und Sattler-Handwerk, wie der ZVR betont. Im Raumausstatter-Handwerk wurde der Meister bereits vor zwei Jahren wieder eingeführt. Um ein eigenes Geschäft eröffnen zu können, muss daher jeder Raumausstatter zuvor den Meisterbrief erlangen. So habe die "Rückvermeisterung" des Raumausstatterhandwerks gezeigt, dass der Meister in Deutschland als Gütesiegel für hochwertige Qualität zu bewerten ist.

Ralf Vowinkel, der Präsident des Zentralverband Raum und Ausstattung bedauert diese Entwicklung zutiefst: "Wir Raumausstatter und Sattler verlieren so nicht nur unsere Kunden, sondern auch das Vertrauen und Ansehen des gesamten Handwerks. Als Zentralverband wollen wir gegen diese üble Masche vorgehen".

Um Verbraucherinnen und Verbraucher vor den Lock-Angeboten der "Polsterer" zu schützen, hat der ZVR eine Initiative gestartet. Ein Leitfaden mit Handlungsempfehlungen zum Umgang mit "dubiosen Polster-Betrieben" wurde bereits vergangenes Jahr an die Delegierten, Landesinnungsverbände und Innungen des ZVR verschickt. Wird ein vermeintlich unseriöser Anbieter entdeckt und dem ZVR gemeldet, beginnt die Überprüfung. Ist der gemeldete Betrieb in der Handwerksrolle der Handwerkskammer eingetragen? Denn diese Eintragung gilt als Voraussetzung zur Ausführung von Polsterarbeiten. Wenn keine solche Eintragung in die Handwerksrolle vorliegt, kann eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung durch die Wettbewerbszentrale erfolgen.

Der Zentralverband Raum und Ausstattung vertritt an dieser Stelle nicht nur die Interessen seiner Mitgliedsbetriebe, sondern auch die der Verbraucherinnen und Verbraucher. Ziel ist es, das Bewusstsein für erstklassige deutsche Handarbeit im regionalen Handwerk zu schaffen und die zu entlarven, die den Wunsch nach einem Schnäppchen zur überteuerten Katastrophe werden lassen.
Transparenz und Bewusstsein für Handwerksqualität schaffen
Foto/Grafik: Königherz
Für Polsterarbeiten sollte ein Profi aus dem Raumausstatter- oder Sattler-Handwerk engagiert werden. Dafür macht sich der ZVR auch mit Blick auf die Verbraucher stark.
Transparenz und Bewusstsein für Handwerksqualität schaffen
Foto/Grafik: Janine Birnbaum
ZVR-Präsident
Ralf Vowinkel will mit einer Initiative gegen die Geschäftspraktiken unseriöser Polsterbetriebe vorgehen, um ein Bewusstsein für geprüfte Handwerksqualität zu schaffen.
aus BTH Heimtex 12/22 (Wirtschaft)