Jab Josef Anstoetz KG

"Unsere Branche muss einen stärkeren ökologischen Beitrag leisten"


Claus Anstoetz, Geschäftsführer Jab Anstoetz, und Manuel Schweizer, Gründer und Geschäftsführer Oceansafe, über die Premiere der Nature Protect Kollektion, die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Zukunftsperspektiven.

BTH Heimtex: Herr Anstoetz, das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Wo verorten Sie Ihr Unternehmen in diesem Kontext und welche Strategie hinsichtlich Nachhaltigkeit haben Sie?

Claus Anstoetz: Nachhaltigkeit ist schon länger ein sehr wichtiges Thema in der Jab Anstoetz Gruppe und nicht nur, weil es im Moment im Trend liegt. Schon Anfang 2000 mit der Installation der damals zweitgrößten Photovoltaikanlage Norddeutschlands auf unseren Dächern, haben wir bezüglich des Themas Ökologie maßgebliche Entscheidungen getroffen und in den letzten Jahrzehnten mit vielen unterschiedlichen kleineren und großen Maßnahmen fortgesetzt, zum Beispiel mit unserem eigenen Blockheizkraftwerk. So sind wir mit den Bielefelder Werkstätten seit Ende 2020 klimaneutral und mit der kompletten Living Sparte der Jab Anstoetz Group Ende 2021.

BTH Heimtex: In diesem Kontext ist auch die Partnerschaft mit Oceansafe zu sehen. Was hat Sie zur Zusammenarbeit bewogen?

Anstoetz: Da gibt es zwei Hauptfaktoren. Zum einen natürlich das Produkt, das in seiner Innovationskraft in Bezug auf die Nachhaltigkeit neben Climatex seinesgleichen in der Branche sucht. Zum anderen in der Person Manuel Schweizer, der so für dieses Thema brennt und in seiner überzeugenden Art die Branche mit weiteren nachhaltigen Innovationen begeistern wird.

BTH Heimtex: Und was hat Sie, Herr Schweizer, daran gereizt, mit Jab Anstoetz die erste große Lizenzpartnerschaft für Oceansafe einzugehen?

Manuel Schweizer: Bei Jab Anstoetz ist es eine Überzeugung und nicht nur ein grüner Überzug. Da ist Oceansafe die logische Weiterentwicklung. Und wirtschaftlich ist es für ein Start-up sehr viel versprechend, wenn der Marktführer an jedem guten PoS Oceansafe-Qualitäten platziert.

BTH Heimtex: Ist denn das Thema Nachhaltigkeit beim Endverbraucher schon durchgedrungen? Ist er bereit, sein Konsumverhalten zu verändern und vielleicht weniger, dafür nachhaltiger einzukaufen?

Anstoetz: Bisher ist das Thema Nachhaltigkeit nur bedingt beim Konsumenten in Bezug auf die Einrichtung angekommen. Aber ich bin überzeugt, dass nach Corona das ganze Thema "Verantwortung der Natur gegenüber" die Gesellschaft mit einer gewaltigen Wucht wieder beschäftigen wird. Und dann ist es wichtig, dass unsere Händler und die Industrie hierfür Antworten und Angebote haben, die nicht Greenwashing sind.

Schweizer: Grundsätzlich ja, aber was ist nachhaltig? Und die Beschlüsse oder Einschränkungen, die zu dem Thema gefällt werden müssen, sind sehr komplex. Also nein, nur partiell bei kleinen Zielgruppen. Deshalb gibt es das Oceansafe-Konzept, bei dem das Thema so konsequent umgesetzt wird, dass den kommenden Generationen kein Schaden entsteht, egal wie viel man konsumiert.

Oceansafe ist ein intelligentes Produkt, schön und funktional und sicher für den biologischen Kreislauf. Das Wort Nachhaltig wird mir zu oft eingesetzt und beinhaltet teilweise Greenwashing. Daher ist Oceansafe das neue "normal".

BTH Heimtex: Wofür genau steht Nature Protect als Konzept?

Anstoetz: Für die Dekorationsstoffe von Nature Protect wird das Cradle-to-Cradle Prinzip angewendet. Produkte, die nach diesem Prinzip hergestellt werden, können nach Gebrauch ohne schädliche Rückstände kompostiert werden. Im Unterschied zum Recycling, bei dem Teile eines Produkts aufbereitet und wiederverwendet werden, steht bei Nature Protect bereits bei der Entwicklung die Kreislauffähigkeit aller Bestandteile nach dem Gebrauch im Mittelpunkt.

BTH Heimtex: Und was umfasst die Marke?

Anstoetz: Unter dem Dach Nature Protect werden alle Stoffe zusammengefasst, die Cradle-to-Cradle-zertifiziert sind. Das ist die Climatex Kollektion und das sind die Dekorationsstoffe der Nature Protect Linie.

BTH Heimtex: Wird das Sortiment auf Gardinen und Dekostoffe beschränkt bleiben?

Anstoetz: Zubehör ist bereits mit entsprechenden Garnen und auch Gardinengleitern im Programm aufgenommen. Des Weiteren sind schwer entflammbare Textilien und Bezugstoffe laut Herrn Schweizer kurz vor dem Roll-out.

Schweizer: Wir erstellen einen textilen Baukasten mit dem circa 80 % der weltweit produzierten Textilprodukte nachgebaut werden können. Also rechnen Sie mit vielen Innovationen.

BTH Heimtex: Wie unterstützen Sie Ihre Partner im Fachhandel bei der Einführung von Nature Protect?

Anstoetz: Natürlich wird es intensive Schulungen durch unsere Außendienstler geben. Aber auch erklärende Broschüren, PoS-Materialien und ausführliche Darstellungen im digitalen Bereich.

BTH Heimtex: Oceansafe steht nicht nur für Naturfasern, sondern auch für kreislauffähige synthetische Fasern. Welche Rolle werden diese bei Nature Protect spielen?

Anstoetz: In den zukünftigen Nature Protect Konzepten spielt die Materialzusammensetzung nicht die Hauptrolle, sondern die Cradle-to-Cradle-Eignung. Denn das ist die Spitze der ökologischen Nachhaltigkeit.

Schweizer: Naturfasern, insbesondere Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau, können für die Mengen, die wir nutzen, nicht skaliert werden. Synthetische Fasern aus dem Labor sind die Lösung, wenn sie sicher für den biologischen Kreislauf sind.

BTH Heimtex: Oceansafe und das Cradle-to-Cradle-Prinzip basieren auf einer Kreislaufwirtschaft. Wie lässt sich die Rücknahme gebrauchter Textilien organisieren und sicherstellen? Braucht es dafür Anreize?

Anstoetz: Über einen gewissen Anreiz denken wir noch nach. Jedoch sind wir sicher, dass der nachhaltig denkende Konsument keinen Anreiz braucht, sondern aus Überzeugung einen Cradle-to-Cradle Dekorationsstoff kauft.

Schweizer: Da dies noch ein Pilotprojekt ist, werden alle zurückgeführten Textilien zuerst bei Oceansafe sortiert und analysiert. Danach werden diese der Industriekompostierung zugeführt.

BTH Heimtex: Viele Anbieter gehen derzeit mit dem Thema Recycling, etwa Fasern aus recycelten PET-Flaschen, auf den Markt. Wie beurteilen Sie dies?

Schweizer: Recycling funktioniert nur mit einem Produkt, das für das Recycling entwickelt wurde. PET-Flaschen sind das nicht, diese können nicht in die ursprünglichen Rohstoffe getrennt werden. Somit verarbeitet man mit viel Energie einen unbekannten Cocktail an Chemikalien. Und wenn man entdeckt, dass mehrheitlich neue PET-Flaschen für PET-Recycling-Garne eingesetzt werden, muss dies verboten werden.

BTH Heimtex: Ikea wirbt aktuell mit der Botschaft "Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein". Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Anstoetz: Grundsätzlich ist die Aussage vollkommen richtig, denn wenn nur Luxusmarken nachhaltige Produkte bringen, wird die positive Wirkung für unsere Umwelt mittelfristig zu gering sein. Gleichzeitig sollte der Konsument grundsätzlich berücksichtigen, dass Produkte wie zum Beispiel eine qualitativ hochwertig in Deutschland produzierte Polstermöbelgarnitur oder qualitativ hochwertig verarbeitete Vorhänge den Käufer lange durch das Leben begleiten und so eine natürliche Nachhaltigkeit darstellen.

Schweizer: Ich finde es spannend, wie Unternehmen, die die Wegwerfeinrichtungen erfunden haben, plötzlich grün sind. Jab Anstoetz hat fast ausschließlich Produkte für hochwertige, langlebige Einsätze. Jetzt noch eine Produktsparte von schadstofffreien Produkten aufzunehmen, die absolut sicher für den biologischen Kreislauf sind, entspricht definitiv der richtigen Strategie.

BTH Heimtex: Sehen Sie sich mit Ihren Unternehmen als Vorreiter und auch Vorbild für andere?

Schweizer: Klares ja. Ich freue mich, dass dies der Anfang ist, und wünsche uns allen, dass wir schnell Nachahmer finden.

Anstoetz: Wir sind der Überzeugung, dass unsere Branche einen stärkeren ökologischen Beitrag leisten muss - auch in den Firmen direkt -, so dass der Konsument von morgen auch weiter gerne und überzeugt bei unseren Partnern einkauft.

BTH Heimtex: Hat Corona Auswirkungen auf das Thema Nachhaltigkeit?

Anstoetz: Corona überschattet das Nachhaltigkeitsthema momentan stark. Aber ich bin mir sicher, dass es zu Recht in starkem Maße wiederkommen wird, weil sich ja die ökologischen Probleme zu Land, zu Wasser und in der Luft nicht verändert haben.

Schweizer: Ich kann es noch nicht beurteilen. Auf der einen Seite ja, insbesondere bei den Transportwegen, aber auch in der Erkenntnis, wie verletzlich wir sind. Auf der anderen Seite wird es in der Krise Bereiche im Handel geben, die noch tiefer in die Preisspirale eindringen. Es wird sich polarisieren.

| Die Fragen stellte Michaela Fischer.
"Unsere Branche muss einen stärkeren ökologischen Beitrag leisten"
Foto/Grafik:  Jab Anstoetz
"Die komplette Living Sparte der Jab Anstoetz Group wird Ende 2021 klimaneutral sein."

Claus Anstoetz
aus BTH Heimtex 01/21 (Wirtschaft)