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Heimtextil Frankfurt

Januar-Messen 2021: Frankfurt verschiebt die Heimtextil, Köln hält an der Möbelmesse fest

Frankfurt. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden von den Messeveranstaltern in Köln und Frankfurt unterschiedlich gehandhabt: Die Heimtextil wird vom Januar auf den 4. bis 7. Mai 2021 verlegt und findet dann parallel zur Techtextil und Texprocess statt. Die Koelnmesse hält an der Durchführung der Möbelmesse im kommenden Januar hingegen fest.

Bis einschließlich März wird es in Frankfurt keine eigenen physischen Messen geben. Die aktuelle Situation im Rahmen der Corona-Pandemie und die damit verbundenen internationalen Reisebeschränkungen haben die Messe Frankfurt dazu bewogen, mit der Heimtextil auch die weltgrößte Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien vom Januar auf den 4. bis 7. Mai 2021 zu verlegen. "Aus großen Teilen der internationalen Wohn- und Objekttextilienbranche gibt es den Wunsch, die Heimtextil 2021 stattfinden zu lassen", erklärt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Viele Unternehmen erhofften sich vom Messeauftritt einen Anschub ihrer Geschäfte nach dem Re-Start. "Dieser Notwendigkeit fühlen wir uns mehr denn je verpflichtet", so Braun.

Allerdings stellten die aktuellen Reisebeschränkungen und die erneut ansteigenden Infektionszahlen für die international ausgerichtete Veranstaltung eine große Hürde dar. Über 90 Prozent der Messeteilnehmer kommen in normalen Zeiten aus dem Ausland zur Heimtextil nach Frankfurt. Aktuell kann niemand sagen, wer wann von wo nach Deutschland reisen kann. Braun: "Wir stehen im intensiven Austausch mit unseren Ausstellern wie auch den zuständigen Behörden und setzen uns mit ganzer Kraft für eine sichere und erfolgversprechende Ausrichtung der Heimtextil 2021 ein." Nur nicht am angestammten Termin.

Die Zeit zur Entscheidung drängte: Denn zur Vorbereitung der Messe im Januar gehört eben auch, dass bereits im September Standbauunternehmen sowie die Verschiffung der Waren, Flüge und Hotels gebucht und beauftragt werden müssen. Aufgrund der aktuellen Reiserestriktionen biete ein späterer Messetermin im Mai 2021 somit für alle Beteiligten größere Planungssicherheit, betont Braun. Allerdings äußerten verschiedene Industrie-Vertreter gegenüber der Haustex große Skepsis angesichts des Termins: Für die Sommer-Ware zu spät, für Herbst/Winter zu früh, lautete der Tenor. Und aus den Reihen eines Handelsverbandes hieß es: "Unsere Mitglieder wissen nicht, warum sie die Messe zu diesem Zeitpunkt besuchen sollen." Nicht zu vergessen: Zwei Monate später läutet die ABK Open die Herbst/Winter-Saison ein.

Köln überrascht die
Verschiebung der Heimtextil

Die Verschiebung der Heimtextil sieht man auch bei der imm Cologne eher kritisch, wo man alles daran setzt, im Januar an den Start zu gehen. "Der Zeitpunkt der Frankfurter Entscheidung ist überraschend, gerade weil sich aktuell der Messemarkt auch in Deutschland wiederbelebt", kommentierte Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Koelnmesse. "Aber jeder Messestandort muss sich den Auswirkungen der Pandemie auf seine Weise stellen und seine Entscheidungen den Besonderheiten des eigenen Portfolios entsprechend treffen."

In Köln halte man "selbstverständlich weiterhin an den Plänen fest, bald wieder Messen auf unserem Gelände zu veranstalten", so Böse selbstbewusst. "Diese Pläne sind mit unseren Ausstellern und Besuchern intensiv besprochen und abgestimmt. Die Branchen wollen wieder an Messen teilnehmen - immer unter der Prämisse der Sicherheit und natürlich der behördlichen Genehmigungen." Gleichwohl weiß auch in Köln niemand, wie die Situation im Januar ist. Das verunsichert auch die Unternehmen, die seit vielen Jahren der Möbelmesse die Treue halten.

Prominente Aussteller
stornieren Möbelmesse

Schon jetzt haben mehrere prominente Aussteller aus der Sleep-Halle 9, wie beispielsweise Rummel oder Veldeman, ihre Teilnahme abgesagt. Auch die EuroComfort Group als einer der größten Aussteller dort hat jüngst entschieden, nicht nach Köln zu gehen. Geschäftsführer Rainer Brockmöller nennt die aus seiner Sicht ernüchternde Frequenz der M.O.W. als einen der Gründe, zudem sei die aktuelle Meldesituation in Halle 9 rückläufig. "Wir haben stark dafür plädiert, die Messe abzusagen, statt eine schlechte Messe laufen zu lassen."

Auch ein zugkräftiger Aussteller wie Tempur Sealy, ebenfalls mit einem der größten Stände in Halle 9, bleibt 2021 weg. Allerdings war das schon vor Corona klar. Dessen prominente, 400 Quadratmeter große Fläche direkt am Halleneingang hat sich Emma - The Sleep Company (Emma/Dunlopillo) mittlerweile gesichert. Die Frankfurter waren Ende Juli nach eigenen Angaben als einziges westliches Unternehmen auf der weltgrößten Möbelmesse CIFF in China vertreten. Im Erfolg der CIFF sieht der Anbieter für Matratzen- und Schlafsysteme ein positives Signal für den Messebetrieb in Deutschland und Europa.

"Es ist uns daher umso mehr ein Anliegen, in Europa mit mutigem Beispiel voranzugehen und an die positiven Erfahrungen aus China anzuknüpfen", sagt Christoph v. Wrisberg, Managing Partner bei Emma und Geschäftsführer von Dunlopillo Deutschland. "Wir sehen einen großen Mehrwert im persönlichen Austausch zwischen Herstellern und Händlern. Daher möchten wir auf der imm unser erweitertes Sortiment offline vorstellen und mit Fachbesuchern, Partnern und Medienvertretern in direkten Kontakt treten", kündigt v. Wrisberg an. Doch welchen Mehrwert kann eine Messehalle haben, der reihenweise Zugpferde verloren gehen?

Während in China seit Krisenbeginn bereits wieder 13 große Messen der Messe Frankfurt an verschiedenen Standorten stattfinden konnten, sind solche Vorhaben in Deutschland aktuell nicht realisierbar, glaubt man in Frankfurt. Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung, sagt: "Wichtig für unsere Kunden ist unsere frühzeitige Entscheidung, denn jetzt müssten die Investitionen für die Messebeteiligungen ausgelöst werden. Die Messe Frankfurt wird konsequent dabei bleiben, im engen Schulterschluss mit den Kunden die Interessen der ausstellenden Industrien in den Mittelpunkt der Entscheidungen zu stellen."

Heimtextil und Interzum
laufen nun zeitgleich

Auch Olaf Schmidt, Vice President Textiles and Textile Technologies, unterstreicht die grundsätzliche Notwendigkeit der Messe: "Die trendorientierten Orderzyklen der Wohn-und Objekttextilienbranche erfordern eine jährliche Veranstaltung zum Jahresbeginn", so Schmidt. "Techtextil und Texprocess finden alle zwei Jahre und turnusgemäß wieder im Mai 2021 statt. Für die Heimtextil bietet das die Chance, gemeinsam mit den beiden international erfolgreichen Textilfachmessen die gesamte textile Wertschöpfungskette zeitgleich auf dem Frankfurter Messegelände abzubilden."

Die Techtextil ist die internationale Leitmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe, die Texprocess wiederum die internationale Leitmesse für die Verarbeitung von textilen und flexiblen Materialien. Die Parallelität der Veranstaltungen eröffne spannende Synergie-Effekte für die Branche, hofft Schmidt. Durch die räumliche Nähe zu den Anbietern und Einkufern von technischen Textilien und Vliesstoffen mit innovativen Funktionalitäten sowie von Maschinen und neuesten Technologien zur Verarbeitung von textilen und flexiblen Materialien ergäben sich sowohl für Besucher als auch für Aussteller der Heimtextil interessante neue Perspektiven. Der Termin liegt allerdings auch parallel zu einer anderen wichtigen Messe in Köln: der Interzum, die ebenfalls im Zwei-Jahres-Rhythmus die internationalen Möbelzulieferer versammelt.

"In Nordrhein-Westfalen haben gerade die Düsseldorfer Kollegen mit dem Caravan Salon gezeigt, dass Messen unter Auflagen wieder machbar sind", gibt sich der Kölner Oliver Frese optimistisch. "So werden auch wir zu jeder einzelnen Veranstaltung den Bedürfnissen der einzelnen Branchen entsprechend vorgehen. Wir erwarten nicht, gleich zu Beginn des neuen Jahres wieder die internationalen Dimensionen der Vorveranstaltungen zu erreichen", erklärt der Geschäftsführer und Chief Operating Officer der Koelnmesse. "Die Beteiligung wird deutlich fokussierter werden: bei den Kunstmessen im November eher auf den deutschen Markt orientiert, auf der imm Cologne im Januar zum Beispiel stark euro-zentriert. Aber die Messen werden stattfinden."

Das Team der Möbelmesse arbeitet unter dem Motto "We make it happen" fieberhaft an deren Vorbereitung. Zur Erhöhung der Reichweite wollen die Kölner Messe-Macher die Verlängerung des Messe-Events über die neue Plattform imm cologne @home ins Digitale ermöglichen, um so auch die Besucher zu erreichen, die wegen der Pandemie nicht nach Köln reisen können oder wollen. "Mit der Erweiterung der Messe in den digitalen Raum haben wir die besten Chancen, unsere Reichweite zu erhöhen. Die digitale Reichweite wird künftig von all unseren Messen als neues Erfolgskriterium herangezogen werden. Es wird also nicht mehr nur um die Anzahl der Aussteller und die Anzahl der Besucher sowie deren Herkunft gehen - wir wollen uns auch an der digitalen Reichweite messen lassen", kommentiert Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement, die Strategie der imm Cologne für die Zukunft. "Wir warten nicht darauf, dass die gute alte Zeit wiederkehrt. Wir gestalten aktiv eine neue."
aus Haustex 10/20 (Wirtschaft)