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Nachgefragt bei Julian Utz, Vorstandsmitglied Uzin Utz

"Ich persönlich empfinde den Brexit als Katastrophe"


Am 31. Januar 2020 wurde er vollzogen: der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Was sich fast vier Jahre lang hinzog, ist nun Realität geworden. Während viele Briten feiern, herrscht in Kontinentaleuropa überwiegend Bestürzung vor. Parkett Magazin befragte Julian Utz, Vorstandsmitglied Uzin Utz, was er über den Brexit denkt.

Parkett Magazin: Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Ihr Unternehmen?

Julian Utz: Großbritannien war der erste Auslandsmarkt unseres Unternehmens. Heute erwirtschaftet unsere Vertriebsgesellschaft Uzin Utz UK mit seinem Produktsortiment und 21 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 12 Mio. EUR. Verglichen mit dem Gesamtumsatz der Gruppe von rund 350 Mio. EUR fällt das Risiko durch den Brexit nicht besonders ins Gewicht.

Wo sehen Sie Risiken für Ihre Gruppe, wo Chancen durch den Brexit?

Neben möglichen Umsatzeinbußen in Großbritannien tragen wir vor allem auch für unsere dortigen Mitarbeiter Verantwortung. Wir liefern unsere Klebstoffe und Trockenmörtel nicht nur in den Großhandel, sondern auch direkt auf Baustellen in Großbritannien. Die Lieferungen sind teils stundengenau terminiert. Schon geringste Verzögerungen hätten immense Auswirkungen zur Folge. Der Brexit macht es uns nicht leichter, alle Eventualitäten genau zu kalkulieren. Dennoch glauben wir an den englischen Markt und arbeiten daran, das unsere Handlungsfähigkeit auch nach einem Austrittsabkommen gewährleistet ist.

Ist das Vereinigte Königreich ein wichtiges Geschäftsfeld für die Uzin Utz-Gruppe?

Wie eingangs bereits erwähnt, war das Vereinigte Königreich der erste Auslandsmarkt unseres Unternehmens, auch wenn es heute nicht zu unseren Kernmärkten gehört. Allerdings gilt Großbritannien als einer unserer Wachstumsmärkte, und wir haben dort großes Potenzial, uns weiter zu entwickeln. Die Hängepartie um den Brexit hat uns die Entwicklung in den letzten Jahren nicht leichter gemacht.

Was ist Ihre persönliche Haltung zum Brexit?

Ich persönlich empfinde den Brexit als Katastrophe. Für viele von uns ist ein vereintes Europa und der Binnenmarkt schon immer eine hohes Gut gewesen. Freie Grenzen für Personen und Waren, keine Zölle und gleiche Rechtsvorschriften. Mit dem Brexit gehen wir einen großen Schritt zurück und das bedauere ich persönlich sehr. Als EU-Bürger und Unternehmer brauchen wir nun schnell einen klaren Handlungsrahmen für die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen Europäischer Union und Großbritannien.
aus Parkett Magazin 02/20 (Wirtschaft)