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GHF-Tagung 1019

GHF sorgt mit Lösungsansätzen für verhaltenen Optimismus

Farben- und Bodenbelagshandel haben im ersten Halbjahr 2019 nur noch ein leichtes Plus erwirtschaftet. Bei der GHF-Jahreshauptversammlung wurden ihnen Ideen serviert, wie sie sich den heutigen Problemen stellen und die Herausforderungen der Zukunft annehmen können.

Der deutsche Farben- und Bodenbelagsgroßhandel steht vor großen Herausforderungen. Digitalisierung, Fachkräftemangel und ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld zwingen die Unternehmen zum Handeln. Bei der Jahreshauptversammlung des Bundesverbands Großhandel Heim & Farbe (GHF) in Hamburg erhielten sie Antworten auf ihre drängenden Fragen und praktikable Lösungsansätze. Ein Jahr, bevor der Verband sein 120-jähriges Bestehen feiert, begrüßten die Vorsitzende Christina Engelhard und Geschäftsführer Niels Ehme Lehmann 251 ordentliche sowie außerordentliche Mitglieder und Gäste, wobei die Zahl der Großhändler in diesem Jahr die der Industrievertreter überschritt. Das zeigt, dass die Verbandsarbeit angenommen wird.

Bei einem atemberaubenden Blick auf die Elbe und vorbeiziehende Schiffe vergaßen Mitglieder und Gäste zwei Tage lang im Hotel Hafen Hamburg ihre Sorgen und verfielen in verhalten optimistische Grundstimmung. Während sie bei inspirierenden oder unterhaltsamen Vorträgen Ideen für ihre unternehmerische Tätigkeit entwickelten, trafen sie sich in den Pausen zwischen den Redebeiträgen zum entspannten Gedankenaustausch. Höhepunkt war wie immer der Gesprächsabend am Ende des ersten Versammlungstags. Alles in allem erlebten sie wieder eine perfekt organisierte Veranstaltung, erstmals unter Mithilfe von Geschäftsführer Lehmann, der im vergangenen Jahr sein Amt übernommen hatte.

"Der Markt verändert sich"

Bevor er als Mann der Zahlen die wirtschaftliche Entwicklung im allgemeinen und speziell im Großhandel präsentierte, ging Christina Engelhard auf die Veränderungen im Verband ein. Sie erinnerte daran, dass sowohl der Farben- als auch der Bodenbelagsgroßhandel Firmenübernahmen zu verzeichnen hat. Als Beispiel nannte sie den Erwerb von Veeser durch Jordan. "Durch die Übernahmen verändern sich der Markt und die Vorgehensweisen", betonte Engelhard. "In diesem Prozess hat der GHF auch in Zukunft eine wichtige Rolle."

Lehmann machte darauf aufmerksam, dass sich die Zahl der Großhändler im Verband von 2009 bis 2019 um 25 % auf nur noch 88 verringert hat, während es im selben Zeitraum 20 % mehr Niederlassungen gibt. Aktuell sind es 623, zumindest 0,5 % weniger als 2018. Ein Neuzugang in der Gruppe der außerordentlichen Mitglieder im GHF ist das elsässische Unternehmen Mauler, das Spezialfarben für Holz und Metall herstellt. Im kommenden Jahr werden Knauf Gips, Friess-Techno-Profi, die Leco-Werke und die P-D-Industriegesellschaft den Verband verstärken.

Nur noch kleines Umsatzplus

Nachdem im vergangenen Jahr wegen Ungenauigkeiten keine Umsatzzahlen genannt wurden, hat der GHF zusammen mit dem Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln einen neuen Geschäftsklimaindex entwickelt. Demnach hat der Großhandel insgesamt im ersten Halbjahr 2019 gegenüber den ersten sechs Monaten 2018 ein leichtes Umsatzplus erwirtschaftet, das aber geringer ausfällt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wie Lehmann ausführte.

Nach den Zahlen des IFH meldete der Farbengroßhandel für 2018 ein Volumen von rund 1,4 Mrd. EUR. Seine Warengruppen wurden in acht Segmente unterteilt. Insgesamt stieg der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2019 um 0,7 %. Über ein Plus freuen sich die Farbengroßhändler in den Bereichen Trockenbau/Baustoffe (+3 %), Heimtextilien (+14 %), Werkzeug/Maschinen (+3 %) und sonstige Produkte (+6 %). Einen Umsatzrückgang gab es bei der größten Warengruppe (Umsatzanteil 45 %) Farben/Lacken/Lasuren mit -1 % und bei Wandbelägen mit -2 %. Der Umsatz mit WDVS blieb stabil.

Im Bodenbelagsroßhandel liegt das Meldevolumen für 2018 bei 240 Mio. EUR. Die Branche steigerte ihren Umsatz über alle vier Warengruppen hinweg in den ersten sechs Monaten 2019 um 1,2 %. Sie leidet nach wie nach wie vor unter dem Rückgang beim Umsatz mit textilen Bodenbelägen (-4,2 %). Für elastische Beläge ergab sich ein Minus von 1 %, bei Laminat/Parkett schlägt es mit 0,4 % zu Buche - nach einem Plus von 8,6 % im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Umsatz mit Zubehör stieg dagegen um 2,8 %. Größte Warengruppe sind mit 38,9 % elastische Bodenbeläge, gefolgt von Zubehör (32,9 %), textilen Bodenbelägen (14,3 %) und Laminat/Parkett (13,9%).

Die Vorzeichen für die weitere Entwicklung sind negativ, wie auch der im August auf den niedrigsten Wert seit 2012 gefallene Ifo-Geschäfsklima-Index zeigt. Lehmann sprach von Anzeichen einer drohenden Rezession. Als positiv bewertete er aber die sinkende Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Wirtschaftsmotor sei weiterhin die Baubranche: "Sie boomt". Allerdings sind die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2019 um 2,3 % zurückgegangen.

Quereinsteiger
statt Facharbeiter

Das größte Risiko im gesamten Baugewerbe ist nach Einschätzung Lehmanns aber die Verfügbarkeit von Facharbeitern. "Es wird immer schwieriger, Ausbildungsstellen zu besetzen", sagte er. Als Gründe führte er die zunehmende Abkehr vom klassischen Lehrberuf hin zum Studium an sowie den demographischen Wandel. "In der Skala der beliebtesten Ausbildungsberufe steht der Großhandelskaufmann nur noch auf Platz zehn", hob Lehmann hervor. "Hier muss man etwas für das Image tun." Um Engpässe zu überbrücken, schlug er die Beschäftigung von Quereinsteigern vor. "Das sind aber noch keine Facharbeiter, sie müssen fortgebildet werden."

Der GHF hat sein Seminarprogramm um Angebote für Quereinsteiger ergänzt, aber auch für alle weiteren Mitarbeiter im Großhandel finden sich in der neuen Broschüre die passende Schulung. Lehmann verwies auf die Praxis- und Kompaktseminare, die über Anwendung und Produkte informieren. Die Serie begann im vergangenen Jahr mit dem Bodenbelag in Zusammenarbeit mit Infloor. Im November werden Desingbeläge einen Schwerpunkt im Bereich Boden bilden, Partner ist Wineo. Ein weiteres Seminar findet für das Farbensegment in Zusammenarbeit mit den Meffert Farbwerken statt und für das nächste Jahr ist ein Seminar geplant, das den Fokus auf die Tapete richtet.

Lehmann kritisierte, dass in Deutschland maximal 15 % aller Unternehmen in Weiterbildung investieren. "Eigentlich wäre eine Steigerung nötig, um dem erwarteten Fachkräftemangel zu begegnen", appellierte er an Industrie und Handel.

"Großhandel ist Problemlöser"

Eine weitere Herausforderung ist seiner Meinung nach die Digitalisierung, die tiefgreifende Veränderungen mit sich bringe. "Markt und Wettbewerber haben sich verändert, der Handel muss sich anpassen oder gar neu aufstellen", meinte der Geschäftsführer. Er riet dem Großhandel, sein Portfolio auf allen Plattformen zu präsentieren. Im diesem Veränderungsprozess gelte es, einen kühlen Kopf zu bewahren. "Der Großhandel hat seine Stärken: Service, Beratung, Lieferung, Distribution." Er sei ein echter Problemlöser, doch neue Aufgaben kämen hinzu, die aber zu bewältigen seien.

Nach Lehmanns Ausführungen begann ein teils sehr anspruchsvolles, manchmal lediglich unterhaltsames Vortragsprogramm, das in frischer Weise im rotierenden Verfahren von den GHF-Vorstandsmitgliedern anmoderiert wurde. Ein Höhepunkt war sicherlich der Beitrag "Faires Handwerk" von Martin Diemerling. Der stellvertretende Obermeister und Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main präsentierte den Einsatz seiner Innung für mehr faire Wettbewerbsbedingungen. "Nicht jeder darf malern", betonte Diemerling. In seinem Handwerk gelte der Meisterzwang. Wer nicht in die Handwerksrolle eingetragen sei, dürfe spezifische Malerarbeiten nicht ausführen. Mache er es doch, handele es sich um Schwarzarbeit und der Auftraggeber trage das Risiko.

Das Finale gestaltete Roger Rankel mit einem fesselnden Vortrag über "Die Geheimnisse der Umsatzverdoppler". Er empfahl dem Handel, seine Leistungen in Szene zu setzen, Komplementärprodukte anzupreisen und die eigene Webseite übersichtlich und einfach zu gestalten. "Weniger ist das neue Mehr angesichts der Reizüberflutung."

Ob Vorträge, lebendiger Meinungsaustausch in den Pausen oder geselliges Abendessen - der GHF hat es wieder einmal geschafft, seine Mitglieder zu überzeugen. Der Verband nimmt sich ihrer Probleme an, bietet Lösungsansätze und bringt einmal im Jahr Handel und Industrie zusammen. Beflügelt gingen deren Vertreter nach Haus und freuen sich auf die nächste Jahreshauptversammlung, die zum 120-jährigen Bestehen des Verbands am 15. und 16. September 2020 im Hotel Titanic in Berlin stattfindet. | cornelia.kuesel@snfachpresse.de
GHF sorgt mit Lösungsansätzen für verhaltenen Optimismus
Foto/Grafik: BTH-Heimtex
Der Farbengroßhandel in Zahlen
GHF sorgt mit Lösungsansätzen für verhaltenen Optimismus
Foto/Grafik: BTH-Heimtex
Der Bodenbelagsgroßhandel in Zahlen
aus BTH Heimtex 11/19 (Wirtschaft)