Eurobaustoff: 7 Mrd. EUR-Umsatzgrenze im Visier

Durchsetzungskraft des mittelständischen Baustoffhandels stärken


Aktuell mag sich die bundesdeutsche Konjunktur abschwächen, im Bausektor läuft sie in der Regel zwei Jahre nach. Ein Grund für die Eurobaustoff, im laufenden Jahr erneut einen Umsatzzuwachs zu erwarten und die 7 Mrd. EUR-Umsatzgrenze anzupeilen. Im ersten Halbjahr konnte die Kooperation bereits ein Plus von 9 % einfahren.
475 Gesellschafter zählt die Eurobaustoff, die sich jüngst auch nach Schweden ausgebreitet hat. Auf der diesjährigen Gesellschafterversammlung in Köln trugen 450 Teilnehmer mit 91,8 % des vertretenen Festkapitals zur Beschlussfähigkeit bei.

Das Jahr 2018 hatte die Kooperation mit einem Umsatzplus von 5,7 % auf 6,44 Mrd. EUR und 377 Mitarbeitern abgeschlossen. 13 Gesellschafter schieden aus, 24 neue traten ein. Jörg Hoffmann, Geschäftsführer Finanzen, kündigte eine 100%-ige Ausschüttung von Bonus und Jahresüberschuss an.

Aufsichtsratsmitglied Benedikt Uhle sagte, die Grundlage der Verbundgruppe seien individuelle Baustoffhändler, die sich nur in Gemeinschaft der Beherrschung durch Industriekonzerne erwehren könnten: "Und auch gegen den digitalen Wettbewerb werden wir erfolgreich bestehen."

Michael Hölker vom Bundesverband deutscher Baustoffhandel schlug in die gleiche Kerbe: "Wir wollen nicht nur verlängerte Werkbank von Google, Amazon und Facebook sein. In Zukunft wird es wieder mehr Rationalisierungsdruck geben und wir können intelligente Lösungen für die Branche aufzeigen." Von der Politik forderte Hölker mehr Wohnungsbau und die Verabschiedung geplanter Sonderabschreibungen.

Gemeinsam die Zukunft sichern

"Wir haben Zukunft" - unter dieses Motto stellte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Eckard Kern, seinen Vortrag. In den derzeit guten Zeiten müsse der Baufachhandel seine Prozesse verbessern. Es gäbe zu denken, wenn, wie in diesem Jahr, der französische Konzern Saint Gobain seine deutsche Bauhandelssparte an die vom US-Investor Lone Star mitfinanzierte dänische Stark-Gruppe verkauft hätte und auch Bauking, größter einzelner Gesellschafter der Hagebau, zum Verkauf stünde.

Aber Investoren und Konzerne sind nicht durchgehend das Feindbild. Den Vermarktungswettbewerb mit dem Handel könnten sie kaum gewinnen. Das jedenfalls meint Kern an den guten Vor-Ort-Kontakten des mittelständischen Baustoffhandels zu erkennen. Und auch an der Tatsache gemeinsamer Investitionen in die Digitalisierung. "Die Industrie unterstützt uns in einer zweckgebundenen Partnerschaft." Das geschieht auf verschiedenen Ebenen, etwa bei einer Vermarktungsplattform ohne Bestellfunktion sowie mit einem B2B-Handwerkerportal, das einen professionellen Bestell- und Kaufprozess beinhaltet. Digitale Hilfe bietet auch ein Enterprise Service Bus (ESB), der als Schnittstelle innerhalb der IT die Kommunikation entflechten und einfacher strukturieren soll.

Die Überwindung von Informationsbarrieren betrachtet Kern als große Herausforderung für die Kooperation. Das reicht vom Einkauf über Logistik, Marketing und Vertrieb bis hin zu Personalmanagement, IT, Finanzen und Steuern. Alle diese Bereiche will der Dienstleistungscampus der Eurobaustoff für seine Gesellschafter abdecken. "Wir sind im Zeitalter der Daten und sollten unsere Daten lieber Eurobaustoff anvertrauen als Google", betonte auch Jungunternehmer Julian Beckmann.

Konkurrenz durch Industrie,
Allianzen und Systemverkauf

Welchen Aufwand die Kooperation treibt, zeigt sich an gut 600 geführten Jahresgesprächen in den verschiedenen Warengruppen. "Und 50 Lieferanten wollten uns die Boni kürzen", belegt Geschäftsführer Hartmut Möller sein Credo "Nur gemeinsam sind wir stark". Denn auch Lieferantenkonzentration und das Industrieinteresse, Fertigelemente und Komplettsysteme direkt zu vermarkten, zehren an der Handelsmarge.

Dass Kooperationen mit ihrem mächtigen Einkaufsvolumen durchaus eine Gegenposition aufbauen können, bewies die Eurobaustoff 2018 mit einer in allen Geschäftsbereichen besseren Entwicklung als der Branchendurchschnitt, unter anderem im Hochbau mit +4,5 % (Branche:+ 3 %), bei Holz und Bauelementen mit + 10 bis 14 % (3-4 %) und im Einzelhandel mit + 6,2 % (+ 1,3 %)

Der Bereich Fußboden und Parkett gehört zum Sortiment Dekoratives Holz. Das wiederum ist im Geschäftsfeld Einzelhandel angesiedelt, das im vergangenen Jahr 10,3 % des zentral fakturierten Umsatzes ausgemacht hat. Holz ist ein Baustoff, von dem sich die Kooperation aus ökologischen und Trockenbauvorteilen viel Potenzial verspricht. In diesem Zusammenhang bietet sie ihren Gesellschaftern auch die Zertifizierung über FSC oder PEFC an. Wenn sich im kommenden Jahr die Teilhaber zur nächsten Gesellschafterversammlung vom 18. bis 20. Juni 2020 in Berlin treffen, wird sich zeigen, ob die Prognose für mehr Holznutzung Realität geworden ist. | Henrik Stoldt
aus Parkett Magazin 05/19 (Wirtschaft)