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FEP: 63. Generalversammlung in Lissabon

Europäische Parkett-industrie will gemeinsam Nachfrage schaffen

Da wähnte sich die europäische Parkettindustrie schon über den Berg, und dann machte ihr die unbefriedigende Entwicklung 2018 doch wieder einen Strich durch die Rechnung. Aber die diesjährige FEP-Generalversammlung machte deutlich: Von Resignation keine Spur. Vielmehr beschwor Präsident Lars Gunnar Andersen Korpsgeist und Kampfgeist. Künftig will man den Verbraucher stärker umwerben und ihn von Parkett überzeugen.
| Claudia Weidt berichtet aus Lissabon

Die 63. Generalversammlung der Föderation der europäischen Parkettindustrie in Lissabon war eine der bestbesuchten in den letzten Jahren; sicher spielte dabei der attraktive Tagungsort eine Rolle, man wünscht sich aber auch, dass die durchaus heterogenen FEP-Mitglieder den Schulterschluss suchen, um die Herausforderungen im schwierigen Parkettmarkt zu meistern. Einer, der unermüdlich an den Korpsgeist und Kampfgeist der FEP-Mitglieder appelliert, ist FEP-Präsident Lars Gunnar Andersen.

In seiner Eröffnungsrede unterstrich der Norweger die Bedeutung politischer Stabilität für wirtschaftliches Wachstum. Und genau diese fehlt derzeit. Stattdessen sei die Weltwirtschaft mit vielen Unsicherheitsfaktoren konfrontiert, angefangen vom Erstarken der Rechtspopulisten bis zum Handelskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften USA und China. "Die Situation in Europa beeinflusst auch unsere Branche", sagte Andersen. "Wir haben die längste Hochkonjunkturphase nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebt, jetzt scheint Europa seine Dynamik verloren zu haben."

Das sieht er als einen Grund, warum der Parkettverbrauch seit 2007 von 100 auf 80 Mio. m2 2018 geschrumpft ist. Nach dem Tiefpunkt 2014 konnte zunächst moderates Wachstum verzeichnet werden, im vergangenen Jahr musste wieder ein leichter Rückgang hingenommen werden. Vor allem die wichtigen Märkte Deutschland, Schweiz und der nordische Cluster mit Dänemark, Finnland und Norwegen enttäuschten. Auch in Frankreich und den Benelux-Staaten flaute die Nachfrage ab. Zuwächse im Parkettverbrauch meldeten für 2018 hingegen Österreich, Schweden, Italien und Polen.

Unter dem Strich gab der Parkettabsatz in den FEP-Ländern um 2,3 % auf 79,9 Mio. m2 nach. Die Produktion verminderte sich um 1,3 % auf 75,3 Mio. m2, zuzüglich der Produktion in europäischen Nicht-FEP-Ländern ergeben sich 90,1 Mio. m2. Allerdings verwies die FEP darauf, dass die Zahlen für Deutschland unter Vorbehalt stünden, da es Diskrepanzen zwischen den Erhebungen des VDP und dem Datenmaterial des Statistischen Bundesamtes gibt. Daher soll noch ein finaler Abgleich erfolgen.

Erstes Quartal 2019 überraschte positiv

Das erste Quartal 2019 überraschte dann mit einer positiven Entwicklung: Deutschland fuhr ein Plus von 4 % im Parkettverbrauch ein, Polen 2 %, Österreich und Schweden jeweils 1 %. Belgien (-4 %) und die Schweiz (-2 %) blieben im Abwärtstrend. Das zeigt, wie volatil der Markt derzeit ist.

Fest zementiert ist hingegen die Vorherrschaft der Eiche unter den eingesetzten Holzarten. Wobei ihr Anteil erstmalig seit vielen Jahren nicht zugenommen hat, aber mit 80,3 % unverändert auf extrem hohem Level verharrt. Die Verfügbarkeit auch qualitativ hochwertiger Rohware sei dennoch durchaus gegeben, hört man aus der Parkettindustrie, das sei allein eine Frage des Preises. Der sich inzwischen bei etlichen Herstellern auch in der Preisgestaltung niedergeschlagen hat.

Stärker auf den Endverbraucher konzentrieren

Die Ursachen für die Absatzschwäche vor allem in Deutschland sind bekannt: mangelnde Kapazitäten im Handwerk und die zunehmende Konkurrenz durch Designbeläge. Mit Aufmerksamkeit und Sorge beobachtet die Parkettindustrie die steigende Nachfrage nach Bodenbelägen mit Holzdekor, während das Original Parkett kämpft. Lars Gunnar Andersen stellte in Lissabon unmissverständlich klar: "Wir können nicht erwarten, dass sich ohne besondere Anstrengungen wieder Wachstum einstellt. Wir habe neue Märkte in Großbritannien, den USA und Asien entwickelt, in Europa ist nun die Herausforderung, den Marktanteil von Parkett zu erhöhen."

Um herauszufinden, warum der Verbraucher kein Parkett kauft, obgleich er Holz(-optik) will, hat die FEP eine Studie beauftragt. Geschäftsführerin Isabelle Brose: "Wir wollten verstehen, wann und warum Parkett aus dem Entscheidungsprozess herausfällt." Ziel sei, die Kommunikation Richtung Verbraucher stärker zu fokussieren und mit den richtigen Kanälen und Inhalten zu optimieren. Andersen dazu: "Wir müssen uns in Marketing und PR mehr auf den Endverbraucher konzentrieren, die gleichen Kernbotschaften nutzen und sicherstellen, dass Parkett als das erkannt wird, was es ist und bietet." Dazu soll unter anderem die "Real Wood"-Website einem Relaunch unterzogen werden und verstärkt Smart Blogs und Social Media bespielt werden. Wobei der Verband ausdrücklich die Mitglieder auffordert, auch selbst aktiv zu werden.

Was die FEP im Großen anstrebt, machen übrigens drei österreichische Parketthersteller im Kleinen beispielhaft vor: Sie lancieren ab Herbst gemeinsam eine Endverbraucherkampagne, offline und online, zunächst als regional begrenztes Pilotprojekt. Die Finanzierung stemmen sie aus eigenen beträchtlichen Mitteln.

Kontinuität an der Verbandsspitze
und sechs neue Mitglieder

Kurz und ohne viel Aufhebens verliefen die Regularien: Bei den Vorstandswahlen wurde Lars Gunnar Andersen einstimmig als Präsident für ein weiteres Jahr bestätigt, ebenso die weiteren Mitglieder des Gremiums - bis auf Jean-Luc Roy, der aus Altersgründen nicht wieder kandidierte. Für ihn rückte Jean-Marc Legrand von Berry Wood/BIG nach.

Erfreulich ist, dass der Verband sich mit sechs neuen Mitgliedern verstärken konnte und nun insgesamt 79 zählt, darunter acht Länderverbände, 50 Hersteller und 21 Assoziierte. Neu eingetreten sind Aastros e Filhos aus Portugal und BF Parquet LL aus der Ukraine als ordentliche Mitglieder, Amorim Revestimentos ist jetzt assoziertes Mitglied, weitere Neuzugänge bei den Assoziierten sind die Deutsche Messe, Klebstoffhersteller H.B. Fuller und Procter & Gamble. Dem stehen drei Austritte gegenüber: Drvna Industrija Novoselec aus Kroatien und die französische FPPI Parquetterie Berichonne wegen Eigentümerwechsel und Gazotti aus Italien wegen Insolvenz.

Immer mehr Aufmerksamkeit beanspruchen EU-Regulierungen und -Initiativen, die die FEP verfolgt, um für ihre Mitglieder und deren Produkte auf dem neuesten Stand zu sein und deren Interessen zu vertreten. Isabelle Brose: "Die EU erkennt zunehmend die positive Rolle an, die Holz und Parkett bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen einnimmt." Das lässt sich unter anderem festmachen an der Bioökonomie-Strategie, einem neu aufgelegten Guide zur Kaskadennutzung von Biomasse am Beispiel von Holz oder der Strategie 2050 für die forstwirtschaftlich basierte Industrie. Dazu kommen Themen rund um einen freien und fairen Handel sowohl von Parkett als auch von Rohmaterialien. So wurde zum Beispiel inzwischen in gemeinschaftlicher Anstrengung erreicht, dass Kroatien das Exportverbot für Eiche aufgehoben hat.
aus Parkett Magazin 05/19 (Wirtschaft)