Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH

Caparol will Nachhaltigkeit stärker ins Bewusstsein rücken


Für Bautenfarbenhersteller Caparol ist Nachhaltigkeit Teil der Firmenphilosophie. Wie Geschäftsführer Stefan Weyer betont, hat auch der Maler erkannt, dass er sich diesem Trendthema stellen muss. Doch dürfe die Anstrichqualität nicht leiden.

BTH Heimtex: Herr Weyer, Sie sind seit etwas mehr als einem Jahr Vertriebs-Geschäftsführer von Caparol. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Stefan Weyer: Das, was wir tun und erreichen, ist Resultat eines Teams. Dazu gehören Innendienst, Außendienst, Produktion, Logistik und viele mehr, die zusammen am Erfolg von Caparol beteiligt sind. Wir haben im vergangenen Jahr besser abgeschnitten als der Markt, sind also trotz der extrem hohen Rohstoffpreise auf einem guten Weg. Den werden wir gemeinsam als Team konsequent weiter beschreiten.

BTH Heimtex: Auf welchen Schwerpunkten fußt diese positive Entwicklung?

Weyer: Die Schwerpunkte leiten sich aus der Unternehmensstrategie ab: Nachhaltigkeit, Gesundheit, Effizienz und Design. Auf der einen Seite konzentrieren wir uns darauf, dass unsere Produkte technologisch immer weit vorne sind. Auf der anderen Seite stellen wir den Handwerker in den Mittelpunkt unseres Handelns und orientieren uns an Themen, die für unsere Maler existenziell sind. Wir bewegen uns dabei in einem Spannungsfeld. Während die Auftragsbücher des Malers voll sind, hat die Lieferindustrie Absatzschwierigkeiten. In dieser Situation kommt es mehr denn je darauf an, besser zu sein als der Wettbewerb. Das erreichen wir über eine gute Produktperformance und den engen Kontakt zum Kunden über einen professionellen Vertrieb, der hoch motiviert ist.

BTH Heimtex: Diesen Erfolg spiegelt im großen und ganzen auch die jährliche Großhandelsumfrage Farben von BTH Heimtex wider, in der Caparol immer weit vorn liegt. Allerdings zeigen sich im Vertrieb kleine Schwachstellen. Worin sehen Sie die Ursache?

Weyer: Wir sind im vergangenen Jahr besser geworden, das ist doch schon mal ein positives Zeichen. Ich gehe davon aus, dass der Marktführer grundsätzlich kritischer betrachtet wird als andere Marktteilnehmer. Damit lässt sich das Umfrageergebnis ein Stück weit erklären. Das soll aber nicht heißen, dass wir nicht noch besser werden müssen. Mit unserem hohen Niveau sind wir auf einem guten Weg und widmen uns den Themen, die sowohl unsere Handelspartner als auch unsere Handwerker beschäftigen. So versuchen wir Tag für Tag, unsere Kunden zufriedenzustellen.

BTH Heimtex: In der Branche haben wir es derzeit - wie auch Sie sagten - mit einem Paradoxon zu tun. Der Neubau boomt, die Maler haben volle Auftragsbücher, und die Industrie hat trotzdem leichte Absatzprobleme. Wie erklären Sie sich diese Situation?

Weyer: Sie ist auf mehrere Gründe zurückzuführen. Außenwände von Neubauten sind heute oft aus Glas, Metall oder anderen Baustoffen. Die werden nicht gestrichen. In Innenräumen sind die Wände, die beschichtet werden, häufig glatt, weil es momentan im Trend liegt. Das bedeutet aber viel weniger Materialaufwand. Zudem rauchen die Menschen weniger, die Wände vergilben also kaum noch, und es wird weniger umgezogen. Weitere wichtige Faktoren sind die hohe Qualität der Produkte und Nachhaltigkeit. Die daraus resultierende Langlebigkeit verlängert die Renovierungszyklen. So lässt sich erklären, warum der Markt mit Bautenfarben rückläufig ist, während die Baubranche boomt.

BTH Heimtex: Dennoch hält Caparol am Leitthema Nachhaltigkeit fest. Was treibt Sie an?

Weyer: Das ist ein ganz wichtiges Thema für uns, für das sich die Inhaberfamilie stark macht. Nachhaltigkeit ist Teil unserer Firmenphilosophie. Die DAW, zu der die Profimarke Caparol gehört, zählt zu den nachhaltigsten Unternehmen Deutschlands. Das belegt zum Beispiel die erste Top 3 Platzierung beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis für ein Unternehmen der Baufarbenindustrie.

Maßgeblichen Anteil daran hat unser breites Angebot ökologischer Produkte. Dazu gehört als jüngste Innovation Planta Geo. Mit dieser ressourcenschonenden neuen Innenwandfarbe, deren Bindemittel aus modifizierter Kartoffelstärke gewonnen wird, haben wir jetzt die Chance, ein Mengenprodukt in den Markt zu bekommen. Wir müssen es schaffen, das Thema Nachhaltigkeit stärker ins Bewusstsein zu rücken. Bei der Farbe, Ausbau & Fassade sowie bei Hausmessen hat sich gezeigt, dass das Interesse an Produkten wie Planta Geo groß ist, wenn dann auch noch die Qualität und der Preis stimmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diesen Weg weiter gehen werden. Allerdings müssen wir auch darauf achten, Balance zu halten.

BTH Heimtex: Hat der Maler, was Nachhaltigkeit betrifft, gegenüber dem Endverbraucher noch Nachholbedarf?

Weyer: Der Maler weiß um die Notwendigkeit, nachhaltige Produkte einzusetzen. Das Thema kommt nicht nur aus dem privaten Bereich. Deutlich wird dies anhand der Entwicklung bei den DGNB-zertifizierten Gebäuden. Ihre Zahl lag 2016 noch bei 1.100, im vergangenen Jahr waren es bereits 5.000. Das ist eine Steigerung von 400 %. Wer heute als Industrie baut, kommt an der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) nicht vorbei. Diesem Trend wird sich auch der Maler nicht widersetzen.

BTH Heimtex: Entgegen der landläufigen Meinung, der Maler tue sich mit Veränderungen schwer, stellt er sich also Ihrer Einschätzung nach auf die neuen Entwicklungen ein?

Weyer: Ich betrachte den Maler als sehr bewussten Menschen, der an Nachhaltigkeit interessiert ist. Wie schnell haben die wasserbasierten Lacke in der Branche Einzug gehalten? Es gibt viele Themen, bei denen der Maler weit vorne liegt. Aber wir bieten ihm auch nachhaltige Produkte, die verarbeitungstechnisch die gleichen Eigenschaften haben wie die konventionellen. Anstrichtechnisch soll es keine Rückschritte für den Maler geben. Das ist die klare Erwartungshaltung unserer Kundschaft. Qualität und Performance dürfen nicht leiden.

BTH Heimtex: Ein weiteres nachhaltiges Produkt von Caparol ist die Hanfdämmung als Alternative zu Dämmstoffen aus Polystyrol. Wird die Außendämmung wieder an Bedeutung gewinnen?

Weyer: Nachhaltigkeit und Wärmedämmung sind wichtige Themen. Die von der Bundesregierung geplanten Klimaziele lassen sich nicht erreichen, wenn wir die Wärmedämmung vernachlässigen. Ich bin mir sicher, dass die Nachfrage nach Dämmung im Ein- bis Zweifamilienhaus wieder ansteigt, Vielleicht nicht mehr in der Intensität wie vor zehn bis 15 Jahren, aber Wärmedämmung wird uns auf alle Fälle noch die nächsten 20 bis 25 Jahre begleiten.

BTH Heimtex: Der Maler aber legt vor allem auch Wert auf Effizienz. Was bietet Caparol ihm unter diesem Aspekt?

Weyer: Wir gehen das Thema Effizienz auf zweierlei Weise an: Zum einen haben wir gerade angefangen, unser Grundierungssortiment zu reduzieren, damit der Maler schneller und einfacher und trotzdem sicher arbeiten kann. Mit universellen Grundierungen ist es möglich, mehr unterschiedliche Flächen zu grundieren. Zum anderen beschäftigen wir uns mit der maschinellen Verarbeitung an der Fassade und im Innenraum. Beide Bereiche helfen dem Maler, künftig effizienter zu sein und möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Das jüngste Beispiel eines effizienten Produkts ist übrigens Capacoustic Rasterfixx, ein Renovierungssystem für Rasterdecken. Rasterfixx wird einfach eingehängt und die Decke sieht gut aus.

BTH Heimtex: Ein weiteres Leitthema ist Design. Wie wollen Sie den Maler dafür begeistern?

Weyer: Der Maler ist doch nicht immer derjenige, der über das Farbkonzept entscheidet. Das übernehmen vielfach Architekten und ausschreibende Stellen.

Insgesamt wird aus unserer Sicht im Moment zu viel Weiß gestrichen. Man sieht selten farbige Wohnungen in Deutschland. Um das zu ändern, wollen wir dem Handwerk dabei helfen, Farbigkeit wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Das ist ein Ausdruck von Lebensqualität. Schließlich wirkt Farbe auch auf die Psyche des Menschen.

Wir sehen es deshalb als unsere Aufgabe an, uns gemeinsam mit dem Maler dem Thema Design zuzuwenden. Icons ist sicherlich eine Innenwand-Farbrange mit starken Farben. Aber auch für die Fassade haben wir mit Muresko ein hochwertiges Produkt, das seit 60 Jahren für Furore sorgt. Es bietet die größte Farbenvielfalt für die Fassade.

Mit der Umstellung unserer Töntechnologie haben wir längst die Weichen für mehr Farbigkeit gestellt. Wir rüsten unsere 1.200 Tönanlagen in Deutschland um, damit wir noch mehr Farbe, höhere Qualitäten und brillantere Farbtöne anbieten können. Auch über unser Farb Design Studio geben wir dem Maler Anregungen, die er seinen Kunden präsentieren kann.

BTH Heimtex: Sie sind gelernter Maler und Lackierer und damit Praktiker. Ist diese klassische Ausbildung von Vorteil für Ihre jetzige Position als Geschäftsführer Vertrieb?

Weyer: Sie ist zumindest kein Nachteil. Ich kenne die Bedürfnisse der Maler sehr gut. Wenn man die Sprache seiner Kunden versteht und spricht, ist das von Vorteil. Ich begleite die Branche von Kindesbeinen an. Meine Eltern hatten einen Malerbetrieb, ich bin also mit Caparol und dem Elefanten groß geworden.

Das allein reicht aber natürlich nicht aus. Man braucht für die Führungsposition auch entsprechende Charaktereigenschaften. Man muss kommunikativ sein, teamorientiert, entscheidungsfähig und durchsetzungsstark. Ganz wichtig aber ist der gesunde Menschenverstand, der einen leiten sollte. Wenn man dann noch Spaß an der Arbeit hat, kann man erfolgreich sein.

BTH Heimtex: Kommen wir zum Handel. "Online" ist mittlerweile auch in der Farbenbranche angekommen. Junge Maler bestellen zunehmend im Netz. Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für die Handelspartner von Caparol?

Weyer: Wir verkaufen ganz bewusst über den zweistufigen Vertrieb an den Großhandel und arbeiten mit unseren Handelspartnern sehr vertrauensvoll zusammen. Solange der Maler auf den geschlossenen Onlineplattformen der Händler kauft, wird der Farbengroßhandel nicht geschwächt. Wir unterstützen unsere Partner bei der Erstellung von Plattformen. Denn wir glauben an die Zukunft des Farbengroßhandels. Es gibt schließlich keine Branche, die ein so breites Sortiment und so viele Verkaufsstandorte hat wie der zweistufige Vertrieb. Er hat genug Potenzial für Wachstum, auch mit Onlinehandel.

BTH Heimtex: Ein weiteres großes Thema der Branche ist der Mangel an Handwerkern. Welche Maßnahmen ergreift Caparol, um an der Lösung des Problems mitzuwirken?

Weyer: Wir versuchen gemeinsam mit den Malerinnungen und unserer Akademie, Nachwuchs zu gewinnen und die Fachkräfte weiter zu qualifizieren. Zudem sind wir dabei, mit dem Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz eine Initiative auszuarbeiten, mit der junge Leute für das Malerhandwerk begeistert werden können. Der Herausforderung müssen wir uns stellen. Auf der einen Seite müssen wir die jetzigen Fachkräfte so weit bringen, dass sie Chancen auf Führungspositionen haben, und auf der anderen Seite müssen wir jungen Leuten den Beruf attraktiv darstellen. Wir müssen deutlich machen, dass der Beruf viele Möglichkeiten bietet. Das gelingt nur, wenn alle Mitglieder der Farbenbranche an einem Strang ziehen.

Derzeit sind die Mitarbeiterzahlen im Malerhandwerk noch relativ konstant. Aber in zehn Jahren, wenn die Babyboomer in den Ruhestand gehen, wird der Fachkräftemangel wie eine Welle über uns hinwegschwappen.

BTH Heimtex: Die Präsentation der Initiative bei der Messe Farbe, Ausbau & Fassade scheiterte aber daran, dass die Finanzierung nicht stand.

Weyer: Wir sind in der Feinjustierung und damit auf einem guten Weg.

BTH Heimtex: Wie ist die Personalsituation bei Caparol?

Weyer: Bei uns bewerben sich genug junge Leute, wir haben gute Auszubildende und sind insgesamt über Ausbildung, Trainees und Angebote für Werkstudenten gut aufgestellt. Da ist Caparol federführend. Fachkräftemangel ist bei uns im Moment nicht das große Thema. Aber wir müssen auch für die nächste Generation attraktiv bleiben.

BTH Heimtex: Erweist sich die starke Marke als Pfand bei der Personalsuche?

Weyer: Ja, aber eine Marke allein reicht nicht mehr aus. Die junge Generation ist nicht mehr so markenaffin. Natürlich braucht man eine starke Marke, aber sie muss mit Inhalten gefüllt werden. Das macht unsere Personalabteilung in hervorragender Weise.

BTH Heimtex: Ich hätte gerne eine Einschätzung von Ihnen zur Zukunft der Farbenindustrie. Drohen wie im Großhandel Übernahmen und damit am Schluss nur noch wenige große Unternehmen?

Weyer: Der deutsche Farbenmarkt ist speziell. In anderen Ländern Europas, aber auch weltweit, gibt es nur wenige Marktteilnehmer wie Sherwin-Williams, Akzo Nobel und PPG, die den Markt beherrschen. In Deutschland haben wir dagegen eine mittelständische Struktur, die nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit Bestand haben wird. Das eine oder andere Unternehmen wird vielleicht nachfolgebedingt aufgegeben, aber der deutsche Markt wird nicht von großen Konzernen beherrscht werden. Gerade Caparol und auch andere Hersteller haben eine starke Marktposition in Deutschland. Wir werden alles daran setzen, diese noch weiter zu stärken. Dabei setzen wir auf Qualität, Know-how und die enge Verzahnung mit dem Handwerk und Handel. Wir machen uns keine Sorgen über die Zukunft. | Die Fragen stellte Cornelia Küsel. cornelia.kuesel@snfachpresse.de


Umfangreiches Ausbildungsspektrum
Der Baufarbenhersteller DAW, zu dem die Marke Caparol gehört, bietet eine Vielzahl an Berufen an. Gefragt sind Vertriebsspezialisten, Techniker, Produktionsmitarbeiter und Kaufleute. Für seinen Bedarf bildet das Familienunternehmen zum Teil selbst aus. Auch in diesem Jahr haben wieder zahlreiche junge Menschen eine Ausbildung in Ober-Ramstadt und anderen Standorten begonnen. Das Spektrum der Ausbildungsberufe reicht von Industriekaufleuten, Kaufleuten für Büromanagement und E-Commerce über Fachinformatiker, Lacklaboranten und Mechatroniker bis hin zu Produktionsfachkräften Chemie, Fachkräfte für Lagerlogistik, Maler und Lackierer sowie Chemielaboranten. Darüber hinaus bietet DAW ein duales Studium Wirtschaftsinformatik sowie ein Programm für Vertriebstrainees und ein Management-Traineeprogramm an.

Weltweit beschäftigt die Firmengruppe rund 5.600 Mitarbeiter, darunter 1.300 in Ober-Ramstadt.
aus BTH Heimtex 07/19 (Wirtschaft)