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Farbe, Ausbau & Fassade

Farbenbranche übt sich nach gutem Jahresstart in Optimismus


Trotz großer Herausforderungen blickt die Farbenbranche nach einem überraschend guten Jahresstart zuversichtlich in die Zukunft. Das machte sie bei der FAF deutlich. Schwerpunktthemen waren Nachwuchsgewinnung für das Handwerk sowie Nachhaltigkeit und Gesundheit.

Die Fachmesse Farbe, Ausbau und Fassade (FAF) ist und bleibt die wichtigste Plattform der Farbenbranche. Zwar verliert sie als Präsentationsfläche für neue Produkte an Bedeutung. Denn die Unternehmen führen ihre Novitäten inzwischen unabhängig von der alle drei Jahre stattfindenden Veranstaltung auf den Markt ein. Aber die FAF, die in diesem Jahr in Köln über die Bühne ging, bleibt die Nummer eins als Stimmungsbarometer, Antriebsmotor und Forum für Gespräche.

Schwerpunktthemen waren diesmal Nachhaltigkeit und Nachwuchsgewinnung. Bei strahlendem Sonnenschein herrschte in den drei Messehallen eine heitere Grundeinstellung, obwohl die Farbenindustrie in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld agiert. Nach einem von Absatzrückgängen geprägten 2018 gibt der gute Start ins Jahr 2019 Hoffnung auf eine positive Entwicklung.

Wie die Gesellschaft für Handwerksmesse (GHM) als Organisator der viertägigen Leitmesse rund um Farbe, Ausbau, Fassade, Bautenschutz, Putz, Stück und Trockenbau mitteilte, stellten 402 Aussteller aus 26 Ländern ihre Produkte und Services vor. Damit sank ihre Zahl gegenüber der Veranstaltung vor drei Jahren in München, wo 433 Aussteller aus 29 Ländern vertreten waren. Abgesagt hatte unter anderem PPG/Sigma. Und auch Zero-Lack, weil das Bad Oeynhausener Unternehmen sich auf sein 60-jähriges Bestehen im kommenden Jahr vorbereitet. Dafür war jedoch Brillux wieder dabei.

Die Zahl der Fachbesucher lag bei 46.000 aus 111 Nationen, was ein Plus gegenüber der Messe in München bedeutet, als rund 41.000 Besucher aus 87 Ländern gezählt wurden. Damit war die Schau rund um Fassadengestaltung und Raumdesign, die alle drei Jahre im Wechsel in Köln und München stattfindet, in diesem Jahr erneut internationaler.

Mehrheit erwartet Wachstum

Die Stimmung war sehr gut. Das spiegelt sich auch in der allgemeinen Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung der Branche wider. Nach einer Befragung durch die GHM gehen 67 % der Besucher von einem leichten bis starken Anstieg aus. Und auch die deutschen Hersteller von Bautenanstrichmitteln, deren Absatz nach Angaben des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie im vergangenen Jahr bei einem um 0,4 % gestiegenen Umsatz um 1,9 % gesunken ist, geben sich optimistisch - trotz negativer Prognose des VDL. Die ersten Monate 2019 liefen überraschend gut, was nicht zuletzt der milden Witterung zuzuschreiben ist.

Zwar besteht nach wie vor die Gefahr, dass steigende Rohstoffkosten, höhere Produktqualitäten und damit verlängerte Renovierungszyklen sowie der Mangel an Handwerkern bei vollen Auftragsbüchern die Geschäfte behindern. Doch erwartet die Industrie in diesem Jahr eine Fortsetzung der guten Entwicklung in den ersten drei Monaten sowie neuen Schwung von der Messe. Auf mittlere Sicht geht sie zudem davon aus, dass der Neubauboom auch Renovierungen nach sich zieht, die das Hauptgeschäft ihrer Handwerkskunden sind.

Gemeinsam um Nachwuchs werben

Ein Problem, das allen auf den Nägeln brennt, ist das geringe Interesse von Schulabgängern am Beruf des Malers und Lackierers. "Wenn den Malern der Nachwuchs ausgeht, ist das für die Industrie ein existenzielles Marktrisiko", meinte Jan Bauer, Präsident des Bundesverbands Farbe, Gestaltung, Bautenschutz. Er forderte die Hersteller von Farben, Lacken und Arbeitsmaterial auf, in die Nachwuchswerbung einzusteigen und das Thema nicht allein dem Handwerk zu überlassen. Schließlich sind die Ausbildungszahlen im Maler- und Lackiererberuf seit Jahren rückläufig, zuletzt um 2 % pro Jahr.

Der Verband plant zwar eine gemeinsame Kampagne und wollte diese auch auf der FAF vorstellen. Doch die Finanzierung hat bisher nicht geklappt. Verbands-Hauptgeschäftsführer Mathias Bucksteeg verwies auf ein benötigtes Finanzvolumen von 1,5 Mio. EUR pro Jahr. Er geht aber nach wie vor davon aus, dass die Kampagne an den Start geht.

Schon jetzt hat Farbenhersteller Brillux die Initiative ergriffen (siehe auch Seite 74). An seinem rund 1.500 m2 großen Messestand verzichtete er darauf, neue Produkte vorzustellen, sondern verschrieb sich einzig und allein der Nachwuchsgewinnung und -förderung. Möglicherweise wird der Vorstoß eine Initialzündung für die Branche, die Brillux jetzt viel Lob zollte.

Der Verband rückte ebenfalls das Thema Nachwuchs in den Mittelpunkt. An seinem Messestand empfing er mehrere hundert Jugendliche und Auszubildende. Der Eröffnungstag firmierte als "Next Generation Day". Darüber hinaus wurden die neuen Mitglieder des Maler-Nationalteams vorgestellt: Jessica Jörges, Sarah Kleiner und Mustafa Hamdo. Die drei Auszubildenden waren beim Bundesleistungswettbewerb 2018 als Sieger hervorgegangen. Damit treten sie im Maler-Nationalsteam bei den Berufsweltmeisterschaften World Skills 2019 vom 22. bis 27. August im russischen Kasan an.

Nachhaltigkeit im Fokus

Auf der Produktseite standen Gesundheit und Nachhaltigkeit im Fokus. So präsentierten die Hersteller Innenwandfarben ohne Konservierungsstoffe, wasserbasierte Lacke und Lasuren sowie Produkte mit nachwachsenden Rohstoffe als Bestandteil, die das Raumklima verbessern. Marktführer Caparol überzeugte mit einer Innenwandfarbe, deren Bindemittel aus modifizierter Kartoffelstärke besteht. Auch Effizienz und Qualität waren Themen. Maler und Lackierer wünschen sich zunehmend eine zeitsparende Verarbeitung und erwarten hochwertige Produkte.

Alles in allem war die Zufriedenheit über die FAF 2019 hoch, was die Ergebnisse der GHM-Befragung zeigen. Demnach konnten 89 % der Besucher ihre Ziele erreichen. Die lauten: Information über Neuheiten, Weiterbildung und Informationsaustausch mit Kollegen. "Die FAF hat sich mit den sehr gut besuchten Messehallen und den vielen Veranstaltungen als die Plattform für das Stuckateur- und Malerhandwerk weiterentwickelt. Wir haben eine große Zukunft, vor allem wenn wir es schaffen, junge Menschen für unser Handwerk zu begeistern", sagte Rainer König, Vorsitzender des Bundesverbands Ausbau und Fassade im Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Auffällig war jedoch, dass kaum Hersteller von Bodenbelägen mit einem Stand auf der Messe waren, obwohl der Maler als eine Hauptzielgruppe mehr und mehr Böden verlegt. Stärker vertreten waren Verlegewerkstoffe. Aber möglicherweise wird die Bodenindustrie, die in diesem Jahr auch schon auf der BAU in München war, in drei Jahren zur nächsten FAF kommen. Die wird vom 9. bis 12. März 2022 in der bayerischen Landeshauptstadt stattfinden. | cornelia.kuesel@snfachpresse.de
aus BTH Heimtex 05/19 (Wirtschaft)