ePrivacy and GPDR Cookie Consent by CookieConsent.com

Großhandelsumfrage Verlegewerkstoffe 2019

Uzin zurück an der Spitze


Nach einem Durchhänger im vergangenen Jahr ist Uzin wieder bester Lieferant von Verlege-werkstoffen im deutschsprachigen Großhandel. Auf den Plätzen folgen Schönox und Ardex. Kiesel macht einen großen Sprung nach vorne.

Der Markt für Verlegewerkstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist so lukrativ wie umkämpft. Es werden zwar immer mehr Flächen mit Bodenbelägen zum Klicken verlegt; doch gerade diese benötigen einen gut vorbereiteten Untergrund. Das gilt für vollflächig verklebte Beläge allemal. Estriche, Spachtelmassen, Grundierungen und Klebstoffe müssen allgemein eine hohe Qualität und zahlreiche technische Eigenschaften haben, damit die Bodenflächen lange schön aussehen und intensiven Beanspruchungen auch Stand halten - vor allem im Objektbereich.

Dem deutschsprachigen Boden- und Malergroßhandel steht eine ganze Reihe leistungsfähiger Lieferanten zur Auswahl. Sowohl kleine bis mittelständische wie das Familienunternehmen Kiesel, als auch große wie der weltweit agierende, milliardenschwere Konzern Mapei.

Aktuell sehen die Einkäufer der Großhandelshäuser Uzin wieder als besten Lieferanten von Verlegewerkstoffen mit der Note 1,7. Die Ulmer waren im vergangenen Jahr erstmals seit 2009 nicht als Sieger aus dem Kundenbarometer hervorgegangen. 2019 ist der Marktführer im dreistufigen Vertrieb wieder zurück in der Erfolgsspur. Dicht dahinter folgen Schönox auf dem zweiten Platz mit der Note 1,8 und Ardex mit 1,9. Auf den weiteren Rängen: Kiesel (2,0), Thomsit (2,1) und PCI (2,3). Eine Bemerkung zu Kiesel: Die Esslinger verbessern sich in der Gunst der Großhandelskunden - nach Uzin - am deutlichsten im Vergleich zum Vorjahr.

2019 haben es diese sechs Lieferanten in die Detailauswertung geschafft. In diese werden ausschließlich diejenigen Unternehmen aufgenommen, die einen Verbreitungsgrad von mindestens 25 % in den Großhandelshäusern aufweisen (siehe Tabelle Seite 68), die an der exklusiven Befragung von BTH Heimtex teilgenommen haben. 2019 nicht geschafft haben das: Bostik, Mapei, Murexin, Pallmann, Saint-Gobain Weber, Sika, Stauf und Wulff.

Wir haben diese Grenze gezogen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse, die wir vorstellen, auswerten und verschriftlichen, repräsentative Aussagekraft erlangen. Grossisten arbeiten im Sortiment Verlegewerkstoffe in der Regel mit einigen wenigen Hauptlieferanten zusammen und ergänzen ihr Programm lediglich mit Nischen- oder Spezialanbietern. Das ist der Grund, warum nicht alle Hersteller, darunter auch große Unternehmen, jedes Jahr diese Hürde der Mindestverbreitung schaffen - auch weil nicht jedes Jahr die selben Großhändler an der Befragung teilnehmen.

Die Ergebnisse zeigen es deutlich: Die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Herstellern sind häufig gering. Eine kleine Verbesserung hier oder ein wenig Optimierung dort ziehen unter Umständen einen merklichen Anstieg in der Gesamtplatzierung nach sich.

Lesen Sie nun die Bewertungen der sechs genannten Unternehmen im Detail:

Uzin
Zurück zu alter Stärke

Dass die Mannschaft beim Großhandelsbarometer Verlegewerkstoffe 2018 mit der Gesamtnote 2,1 "nur" auf Rang fünf landete, entsprach so gar nicht dem Selbstverständnis von Uzin. Hatte die familiengeführte Aktiengesellschaft doch bis dato jede der exklusiven Befragungen von BTH Heimtex gewonnen.

Vor einem Jahr hatten die Großhandelskunden bemängelt, dass die gewöhnlich konstant sehr hohe Qualität der Arbeit der Uzin-Mannschaft insgesamt etwas nachgelassen hatte. Beispielsweise in den drei Einzelkriterien Marketing, Vertriebspolitik und Zukunftsperspektiven waren die Ulmer schlechter bewertet worden. Zusammengenommen bilden sie die aggregierte Kategorie Management, in der Uzin es 2018 nicht mehr unter die besten drei Lieferanten geschafft hatte.

2019 ist der Marktführer wieder gewohnt erfolgreich und aus Sicht der befragten Großhandelskunden zurück in der Erfolgsspur: Uzin hat sich Platz eins (Note 1,7) zurückerkämpft. Und damit nicht genug: Die Schwaben entscheiden acht der 13 Einzelkategorien für sich. Das sind sieben mehr als vor zwölf Monaten und sogar zwei mehr als vor zwei Jahren, als Uzin die Umfrage das letzte Mal gewonnen hatte - zusammen mit Schönox.

Aktuell besonders erfreulich für Uzin ist, dass die Kunden die Vertriebspolitik, die Produktinnovation sowie die Kompetenz des Managements teilweise deutlich besser einschätzen als 2018 - in allen drei Handlungsfeldern ist der Hersteller wieder das Maß der Dinge. Logische Folge: Die Zukunftsperspektiven hellen sich im Vergleich zu 2018 (2,0) deutlich auf, können aktuell mit Fug und Recht als rosig bezeichnet werden und übertrumpfen mit der Note 1,4 auch den Wert von vor zwei Jahren (1,6).

Daraus kann man schlussfolgern, dass die Großhandelskunden heute den personellen Umbruch als geglückt ansehen, den es Anfang 2018 an der Konzernspitze gegeben hat. Das ist nicht selbstverständlich, und eine gewisse Skepsis bei Kunden angesichts einer solchen Veränderung nicht ungewöhnlich: Auf den Vorstandsvorsitzenden Thomas Müllerschön, der immerhin 15 Jahre im Unternehmen gewesen ist, sind Julian und Philipp Utz gefolgt - Enkel des Firmengründers -, zusammen mit Heinz Leibundgut.

Vor allem die Utz-Brüder tun dem Familienunternehmen anscheinend mit ihrer Präsenz im Markt gut. Sie suchen den Kontakt zu den Kunden, um familiäre Kontinuität an der Unternehmensspitze hervorzuheben. Julian Utz nahm sich etwa die Zeit, um Handwerker auf der Schlau-Messe Anfang März zu den Werkzeugen der Uzin-Marke Parajito zu beraten.

Andererseits gibt es Stimmen, die Brüder sollten sich zukünftig weniger auf das Tagesgeschäft und mehr auf strategische Aufgaben fokussieren. Aber auch das geschieht: Philipp und Julian Utz machen bereits deutlich, dass sie den Konzern für die Zukunft aufstellen und dabei auch eigene Schwerpunkte setzen werden. Digitalisierung und Nachhaltigkeit waren deswegen zwei zentrale Themen während des Messeauftritts des Herstellers auf der BAU in München im Januar.

Schönox
Konstant gut - auch im Sika-Konzern

Schönox erreicht zum dritten Mal in Folge die Gesamtnote 1,8 und ist damit aktuell der zweitbeste Verlegewerkstoff-Lieferant des deutschsprachigen Großhandels. Kein Wettbewerber liefert bessere Produktqualität, verfügt über eine stärkere Marke und genießt bei den Kunden größere Sympathie.

Diese Konstanz ist um so bemerkenswerter, weil Schönox seit 2017 eine Marke von Sika Deutschland ist, der deutschen Vertriebsorganisation des schweizerischen Baukonzerns Sika, der Schönox 2013 übernommen hatte. Manch ein Kunde hatte befürchtet, dass Schönox durch die Verschmelzung Präsenz und Agilität im dreistufigen Vertrieb einbüßen könnte.

Die Grossisten attestieren mit ihren Benotungen, dass die Befürchtungen unbegründet waren. In der neuen Vertriebsorganisation Sika Handel Bau unter der Leitung von Werner Schwerdt, in der die beiden Marken Sika und Schönox gebündelt wurden, gibt es seit 2017 eine separate Außendienstmannschaft für den Farben- und Bodenbelagsgroßhandel inklusive Parkett. Die Berater können sich so nicht nur auf diese Kundengruppen konzentrieren und die bewährten Schönox-Produkte für Untergrundvorbereitung und Bodenbelagsverklebung anbieten. Auch die Bodenbeschichtungen von Sika und weitere Bauprodukte des Konzerns gehören jetzt zum Portfolio des Außendienstes. Das steigert die Attraktivität des Lieferanten im dreistufigen Vertrieb.

Ardex
"Offensive Boden" zeigt
erste positive Wirkung

Das Ergebnis von Ardex in der Großhandelsbefragung 2019 stößt auf besonders großes Interesse. Hat der Bauchemiehersteller doch zu Beginn des vergangenen Jahres die groß angelegte "Offensive Boden" mit dem Ziel gestartet, auch im Klebstoffsegment auf Augenhöhe mit den Marktführern zu kommen. Die Wittener haben dazu das Sortiment aus 18 Bodenbelagsklebern komplett neu gestaltet. Und seit mehr als einem Jahr läuft unter dem Motto "Teufelskerle" eine ganzheitliche Marketing- und Vertriebskampagne, die das Sortiment auch im Boden- und Malergroßhandel erstmals offensiv und emotional bewirbt; in der Vergangenheit standen bei Ardex die Informationen zum Produkt im Vordergrund.

Geschäftsführer Dr. Ulrich Dahlhoff und Dr. Markus Stolper, Leiter Marketing und Vertrieb, zogen im September 2018 im Interview in BTH Heimtex eine erste, positive Zwischenbilanz und sprachen von "steigenden Absatzzahlen und erhöhter Akzeptanz". Das Konzept aus "verbesserter Produktphilosophie, marktgerechten Preisen, attraktiverer Verpackung und aggressiverem Marketing" sei von Handelsseite sehr wohlwollend aufgenommen worden, so Stolper.

Diese Selbsteinschätzung wird von den Ergebnissen des Kundenbarometers bestätigt. Ardex kann im Großhandel seine Gesamtnote von 2,1 (2017 und 2018) auf 1,9 verbessern und erreicht Rang drei - nur knapp hinter Uzin und Schönox. In allen fünf aggregierten Kategorien Mensch, Service, Produkt, Image und Management gehört der Hersteller zu den jeweils gefragtesten Lieferanten. Die Vertriebspolitik hat sich um fast eine halbe Note verbessert; die Befragten erachten sie als die beste im Wettbewerbsfeld - zusammen mit der von Uzin. Auch die Markenstärke ist die ausgeprägteste, wiederum auf Augenhöhe mit Uzin. Damit ist es nur konsequent, dass die Zukunftsperspektiven von Ardex sich aus Sicht der Geschäftspartner in den Großhandelshäusern um fast eine halbe Note auf 1,6 verbessern.

Kiesel
Die Zuverlässigen

Das Familienunternehmen Kiesel hat sich in den vergangenen zwölf Monaten aus Sicht des deutschen Großhandels - neben Uzin - am meisten verbessert. Die Esslinger erhöhen ihre Gesamtnote von 2,3 auf 2,0, machen drei Plätze gut und rangieren 2019 auf Rang vier.

Um es vorweg zu nehmen: Auch die Zukunftsperspektiven haben sich mit einer halben Note deutlich verbessert. Die Grossisten hatten diese in den Jahren 2017 und 2018 - trotz solider Gesamtnote - mit 2,7 und 2,6 wesentlich schlechter bewertet, so dass Kiesel jeweils die rote Laterne trug.

2019, im Jahr zweier Jubiläen - 50 Jahre Pulverfertigung und 60 Jahre Firmenbestehen - gehört das der Vergangenheit an. Kiesel sitzt im Großhandel fest im Sattel. Der vergleichsweise kleine Bauchemielieferant, der trotzdem über ein komplettes Sortiment verfügt, bietet den besten Innendienst, liefert am zuverlässigsten, bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, bearbeitet Reklamationen so gut wie kein anderer und kommt bei seinen Kunden am sympathischsten an - zusammen mit Schönox. Zudem wird die Innovationsfähigkeit der Esslinger mit 2,2 deutlich höher bewertet als bei der vergangenen Befragung (2,6).

Verbesserungen wünschen sich die Großhandelspartner hingegen in der Außendarstellung: Bei Markenstärke und Marketing rangiert Kiesel jeweils auf dem letzten Platz (2,6). Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn ein mittelständisches Unternehmen wie Kiesel verfügt nicht über die PR-Budgets großer Konzerne.

Thomsit
Gut - aber die Konkurrenz
ist stärker geworden

Thomsit erzielt bei der Großhandelsbefragung mit der Gesamtnote 2,1 wie in den vergangenen Jahren ein gutes Ergebnis. Zudem hat die Marke, die 2016 von Henkel an die PCI-Gruppe, die Bauchemiesparte innerhalb des BASF-Konzerns, verkauft wurde, hinter Ardex die höchste Verbreitung im Boden- und Malergroßhandel. Jedes zweite der teilnehmenden Häuser führt die Produkte. Thomsit büßt trotzdem zwei Plätze ein und fällt auf Rang fünf zurück (2018: 3).

Das liegt nicht unbedingt an Thomsit selbst. Denn im Großen und Ganzen arbeitet die Mannschaft auf dem selben guten Niveau wie in der Vergangenheit. Dafür tut PCI auch einiges. Zum Beispiel wurden ein neues Lieferzentrum in Hamm mit 4.900 Palettenstellplätzen sowie ein Erweiterungsbau am Standort Wittenberg errichtet. Thomsit - innerhalb der PCI-Gruppe als Leitmarke für den Sortimentsbereich Fußbodentechnik positioniert - profitiert so von der guten PCI-Logistik. Inzwischen sind auch 40 Vertriebsmitarbeiter in Deutschland für Thomsit unterwegs.

Nur werden aus Sicht des Großhandels auch die Wettbewerber stärker. Ein Beispiel: Die Qualität der Produkte von Thomsit bewerten die Einkäufer im Großhandel seit drei Jahren mit der Note 1,6. Uzin und Schönox schaffen mittlerweile aber eine 1,3 und sind an Thomsit vorbeigezogen.

Als Teil der PCI-Organisation haben die Markenverantwortlichen von Thomsit ebenso versucht, der traditionsreichen Marke mit dem Claim "Make it" ein moderneres Image zu verpassen. Wieder mehr Innovationen und eine höher Leistungsfähigkeit insgesamt hatten sich auch Branchenbeobachter von der Integration versprochen. Aus Sicht der befragten Großhändler kann Thomsit sein gutes Niveau zwar halten. Ob die Marke auch spürbar weiterentwickelt wird, bleibt abzuwarten (siehe folgenden Beitrag zu PCI).

PCI
Ungewisse Zukunftsperspektiven

Im Boden- und Malergroßhandel kennt PCI in den vergangenen Jahren keine klare Richtung. Nach Platz fünf vor zwei Jahren, rutschte die Mannschaft des Vorsitzenden der Geschäftsführung Marc C. Köppe 2018 auf Rang zehn ab, um sich aktuell wieder hochzuarbeiten: Position sechs in der Gesamtwertung. Die Gesamtnoten der drei letzten Befragungen: 2,2, 2,4 und aktuell - ein wenig besser - 2,3.
Nichtsdestotrotz ist PCI, das innerhalb der Zwei-Marken-Strategie der Bauchemiesparte von BASF die Sortimentsbereiche keramische Fliese, Baustoffe und Estriche bespielt, ein solider Lieferant, der im Wettbewerb mithalten kann. Der Innendienst arbeitet gut, die Logistik funktioniert, die Qualität der Produkte stimmt. Verbesserungswürdig hingegen sind die Innovationskraft, die Markenstärke sowie das Marketing insgesamt.

Dieses Profil will der Hersteller ausbauen. Auf der Bau präsentierte die Gruppe für PCI dann auch den neuen Claim "Für Bau-Profis", der das umfassende Sortiment unterstreichen soll.

Die Zukunftsperspektiven haben sich aus Sicht der Großhändler zwar leicht auf 2,5 verbessert (2,6), sind aber nach wie vor die schlechtesten im Feld. Und: Vor zwei Jahren haben die Kunden im Großhandel sie noch mit der Note 2,3 bewertet.

Das mag mit den Spekulationen um die Bauchemiesparte von BASF zusammenhängen. Bisher ist nicht klar, ob der gesamte Geschäftsbereich mit den beiden Marken PCI und Thomsit veräußert wird; auch eine Zerschlagung steht im Raum. Für Marc C. Köppe wäre zweitrangig, welche Variante realisiert würde. Die PCI-Gruppe habe 2018 ein organisches Wachstum im hohen einstelligen Bereich erzielt und werde auch in 2019 deutlich in die Ausweitung des Geschäftes und in die Positionierung der beiden Marken PCI und Thomsit investieren. "Für PCI würde eine neue Muttergesellschaft nichts am Kerngeschäft ändern", unterstrich der Geschäftsführer auf der BAU, um der Verunsicherung im Markt entgegen zu wirken. | jochen.lange@snfachpresse.de

BTH Heimtex Großhandelsumfrage - Verlegewerkstoffe
Panel und Methodik

Die Exklusiv-Umfrage von BTH Heimtex zur Qualität der Anbieter von Verlegewerkstoffen im deutschen Großhandel wurde in den Monaten Februar und März 2019 schriftlich durchgeführt. Auf Produkt-, Segments- oder Vertriebsschwerpunkte geht die Befragung nicht ein. Großhändler bewerten ihre Lieferanten mit Schulnoten zwischen 1 (sehr gut) und 5 (mangelhaft). Für jeden Hersteller werden 13 Kriterien abgefragt, darunter objektiv messbare wie Lieferschnelligkeit genauso wie subjektiv empfundene wie Sympathiewert und Zukunftsperspektiven. Anschließend werden sämtliche Noten pro Kriterium zusammengezählt und durch die Anzahl der Bewertungen geteilt. Herauskommen vergleichbare Durchschnittsnoten, aus denen die einzelnen Rankings gebildet werden.
aus BTH Heimtex 05/19 (Wirtschaft)