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GD Holz Branchentalk: Interaktive Netzwerkveranstaltung

Von digitalisierter Logistik und Hunden, die durch Tische gehen


Wie derzeit häufig stand die Digitalisierung im Mittelpunkt des 3. Branchentalks des GD Holz in Berlin. Aber das nicht nur inhaltlich: ein neues, interaktives Eventformat mit Workshops statt klassischer Frontvorträge und der Beteiligung des Publikums an der Diskussion auf dem Podium via Smartphone übersetzten das Thema gekonnt auch unmittelbar in die Praxis.

Die Factory in Berlin-Mitte, ehemals eine Brauerei, heute ein hipper Club, in dem innovative Start-ups mit etablierten Konzernen unter einem Dach residieren und sich gegenseitig befruchten sollen, bot einen unkonventionellen Rahmen für den 3. GD Holz Branchentalk. Die ungewöhnliche Location mit ihrem kreativen Spirit verlieh der Veranstaltung eine belebende Atmosphäre, zumal sie generell anders aufgezogen wurde als sonst üblich. Statt sich stundenlang frontal von Vorträgen auf dem Podium berieseln zu lassen, bewegten sich die Teilnehmer treppauf, treppab zwischen mobilen Arbeitsplätzen, Kicker-Tischen und Yoga-Räumen von einem Workshop zum anderen und fanden sich abschließend zu einer Podiumsdiskussion im Plenum ein. Und auch dafür nutzte der GD Holz moderne Möglichkeiten des Austauschs: Via Smartphone konnten sich die Zuhörer in das Geschehen auf der Bühne einbringen und (anonym) ihre Fragen oder Kommentare auf einem Monitor posten. Das kam gut an.

"Digitaler Stadtbummel"

Einleitend hatte der Wirtschaftspublizist und Innovationsberater Andreas Haderlein, der später kompetent und sehr gut vorbereitet die Podiumsdiskussion moderierte, den "Wurm im Digitalen" aufgezeigt. Der besteht unter anderem darin, dass Digitalisierung Zeit und Geld kostet, nicht auf Knopfdruck passiert, ein Unternehmen dafür im Kern umgestellt werden muss und vor allem, dass die Menschen mitgenommen werden müssen. Das war alles nicht wirklich neu; interessant aber, primär für den Einzelhandel, war das Thema lokale Online-Marktplätze. Dafür kooperieren die örtlichen Einzelhändler in einer Stadt und schaffen eine gemeinsame Plattform, die stationäres und und Online-Shopping verbindet. Vorreiter für dieses Modell ist die "Online City Wuppertal". Intelligent und erfolgreich weiterentwickelt wurde der "digitale Stadtbummel" beispielsweise von Günzburg, wo sich unter "Wir-in-guenzburg.de" nicht nur Einzelhändler finden, sondern auch Restaurants, Veranstaltungs- und Kulturtipps.

Workshops beziehen Zuhörer ein

Zu den fünf halbstündigen Workshops hatten sich die Teilnehmer im voraus angemeldet und konnten drei auswählen. Als "sehr gut und konkret" wurde der Arbeitskreis "E-Commerce im Fachhandel - B2B-Onlineshop" von Jan Koretz von dem Softwareanbieter Allgeier bewertet. Kein Wunder: Das Unternehmen hat schon 90 Web-Shops für den Holz- und Baustoffhandel realisiert. Über "EDI", den elektronischen Datenaustausch in der Holzbranche, sprach Martin Oschatz von Global EDI.

"Doodle" für die Frachtorganisation

Thomas Wätzel von dem Elektro-Großhändler Oskar Böttcher teilte mit den Zuhörern seine Erfahrungen mit der "Digitalisierung in der Logistik". Seine Ausführungen waren durchaus nah an der Praxis, nur verlor er sich etwas zu sehr ins Detail. Interessant hier der Hinweis auf einen digitalen Terminkalender für die Frachtorganisation, eine Art Doodle, bei dem Auftraggeber und Speditionen Zeitfenster für die Abholung bzw. Lieferung der Ware eintragen oder blockieren können.

BIM ab 2020 verbindlich für öffentliche Bauten

Als "der" Experte in Deutschland für BIM (Building Information Modeling) gilt der Architekt Jakob Przbylo von DT Bau. "BIM ist keine Software, sondern eine gemeinschaftliche Planungsmethode, die durch Arbeitsteilung eine höhere Plausibilität, Transparenz und Effizienz ermöglicht", argumentierte er. Alle Beteiligten eines Bauprojektes - Bauherr, Architekt, Industrie, Großhandel, Handwerk - bringen ihre Pläne und Informationen für das Projekt zusammen. Dienstleister erstellen daraus dreidimensionale digitale Modelle, in denen alle Details, Daten und Termine hinterlegt sind und von allen Involvierten abgerufen werden können. Beispiel: Für den Parkettboden in einem Hotelzimmer werden aufgeführt die Holzart, Maße, Hersteller, Preis, Verlegemethode, Ort des Einbaus sowie wer es, wann einbaut. Vertraglich wird geregelt, wem welche Daten gehören. BIM wird bis 2020 stufenweise verbindlich für öffentliche Projekte eingeführt.
Den Kunden in digitale Welten entführen

Von Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) haben wir alle schon mal etwas gehört. Aber was steckt konkret hinter diesen digitalen Technologien und wie unterscheiden sie sich? Und wie kann sie der Holzhandel für sich nutzen? Das versuchte Michael Neidhöfer von der Digital Devotion Group zu erläutern. Bei VR wird digital eine komplett andere, künstliche Welt erschaffen, in der man sich mittels einer Datenbrille bewegt. Plastisches Beispiel: Man steht an der Brüstung eines Hochhausdaches und wagt keinen Schritt vorwärts zu gehen, um nicht herunterzustürzen. Oder, aus unserer Branche: Man verlegt seinen Wunschboden in einem virtuellen Raum. Solche Systeme gibt es bereits von Boen oder Hamberger Flooring.

Bei AR werden der realen Welt künstliche 2D- oder 3D-Objekte hinzugefügt, die allerdings nicht miteinander agieren können. Beispiel: Ein Kunde betrachtet ein Parkettmuster und darauf werden Produktinfos, Preis, Hersteller oder ein Film projiziert, der zeigt, wie das Holz für das Parkett im Wald geschlagen wird. In Asien wird AR schon in Supermärkten genutzt. Um den Unterschied zwischen VR und AR zu verdeutlichen: In der VR-Welt würde ein Hund um einen Tisch herumlaufen, in der AR-Welt hindurch.

Und MR schließlich kombiniert beides: reale Welt und künstliche Objekte, die interagieren können. Beispiel: Ein Kunde geht mit einer Datenbrille durch einen Supermarkt, auf die Innenseite der Brille wird sein Einkaufszettel projiziert, und es scheint, als sei er auf die Wand des Supermarktes geschrieben.

Alle diese Technologien dienen natürlich dem Einkaufserlebnis des Kunden. Noch sind sie nicht ganz ausgereift. Und sie beschränken sich derzeit auf ein visuelles Erlebnis. Noch... In der Entwicklung sind VR-Systeme, die auch haptische Erfahrungen bieten. Das würde bedeuten, dass der Kunde einen Boden auswählt, in einem virtuellen Raum verlegt, sich bückt und auf einem definierten Feld auch dessen Struktur fühlen kann. | Claudia Weidt
aus Parkett Magazin 03/19 (Wirtschaft)