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Meisterwerke: Nachgefragt bei Ludger Schindler

"Meister bleibt die Marke im Fachhandel, Moderna bedient die Großfläche"


2018 der Erwerb von Hain Naturböden, 2019 die Übernahme der BHK-Marke Moderna: Meisterwerke expandiert und diversifiziert im Vertrieb sowie im Sortiment mit neuen PVC-freien und Rigid-Designbelägen. Parkett Magazin sprach mit Geschäftsführer Ludger Schindler über den Ausbau der Aktivitäten.

Herr Schindler, Meisterwerke sorgt derzeit immer wieder für Gesprächsstoff in der Branche. Auf der Bau war nicht nur ein Thema, dass Sie Ihre bisherige Einstellung gegenüber Vinylböden geändert haben, sondern auch, dass Sie einige Baumarkt-Einkäufer auf Ihrem Stand zu Gast hatten - obgleich Meister stets seine Verbundenheit zum Fachhandel betont hat. Nun hat sich die Sache aufgeklärt...

Ludger Schindler: "Ich weiß, dass sich manche darüber gewundert haben, wer uns in München auf unserem Stand besucht hat. Aber es ändert sich nichts daran, dass die Meisterwerke mit der Marke Meister dem Fachhandel treu sind und bleiben. Dennoch haben wir vor einiger Zeit die Vertriebslandschaft analysiert und überlegt, wohin sie sich entwickelt. Als Ergebnis daraus haben wir Vertriebskanäle identifiziert, die über unser angestammtes Geschäft im Fachhandel hinaus für uns interessant werden. Diese Zielgruppen für die Zukunft sind etwa generell das Objekt, Bauträger und auch das Internet.

Mit Hain Natur-Böden haben wir unseren Aktionsradius nach oben ausgebaut in Richtung Architekt, Planer, Objekteur. Und mit Moderna runden wir das Portfolio nun nach unten ab und können auch die Großfläche kompetent bedienen.

Die Übernahme von Hain erschien nach außen nicht unbedingt als gezielte strategische Maßnahme, sondern eher als Gelegenheit, die Sie ergriffen haben. Wie war das mit Moderna?

Wir waren schon seit Herbst 2018 mit BHK im Gespräch, als sich Veränderungen in der Paneelewelt abzeichneten. Die ist ja nicht sehr groß, es gibt nur wenige relevante Anbieter. Für uns sind Paneele ein durchaus interessantes Geschäft. Wir machen eine ordentliche Menge mit einem guten Deckungsbeitrag. Und was dazu kommt: Zu jedem Quadratmeter Paneele gehört auch eine Leiste. Das ist noch ausbaufähig. Aber wir sind dann auch mit Paneelen unter der Marke Meister konsequent nur im Fachhandel unterwegs. BHK dagegen ist mit der Marke Moderna in den Baumärkten etabliert und verfügt über einen erfahrenen Vertrieb.

Wir übernehmen die Marke Moderna und die komplette Vertriebsorganisation mit Heinz Kottmann an der Spitze und überführen dies in eine selbstständige Tochtergesellschaft mit Sitz in Meiste. Die Großfläche benötigt eine andere Ansprache als der Fachhandel. Die Produktion der Laminatböden, Paneele und Leisten wird nach Meiste verlagert. Damit können wir unsere Auslastung verbessern, ohne in Maschinenpark oder Manpower investieren zu müssen. Mit dem operativen Geschäft starten wir zum 1. Juli 2019.

Auf der Bau überraschte Meisterwerke auch mit der Einführung eines Rigid-Designbelagssortiments - wie kam es zu diesem Sinneswandel in Sachen PVC-Designböden?

Ganz einfach: Unser "Vinylboden ohne Vinyl" ist gut eingeschlagen; wir haben schon über 400 Präsenter im Markt. Wir werden diese Philosophie auch weiter pflegen, haben aber festgestellt, dass der "Vinylboden ohne Vinyl" bei manchen Endkunden den Preisrahmen übersteigt. Dieses Geschäft wollen wir nicht anderen überlassen und haben deshalb unser Programm mit dem Rigid-Designboden ergänzt.

Wobei Sie auf der Bau ja eigentlich ein "Statement aus Holz" abgegeben haben...

Ja, das Thema Lindura macht uns auch Freude und ist nach dem grundlegenden Relaunch sehr gut gestartet. Wir versprechen uns viel davon.

Lindura ist kein billiges Produkt. Substituieren Sie damit nicht Ihr eigenes Parkett?

Stimmt, Lindura ist nicht billig, bietet aber auch viele Vorteile und sieht gut aus. Aber unser Parkettabsatz ist 2018 leicht gestiegen - entgegen der Markttendenz. Wir überlegen jetzt zusätzlich Fichte als Trägeroption aufzunehmen, weil dies für manche Exportmärkte unumgänglich ist. Da können wir von Synergien mit Hain profitieren. | Das Gespräch führte Claudia Weidt

Hintergrund:
Meisterwerke übernimmt Moderna-Geschäft,
BHK stellt sich strategisch neu auf
Meisterwerke Schulte hat von BHK deren Fußboden-, Paneele-, und Leisten-Aktivitäten unter der Marke Moderna samt der Vertriebsorganisation übernommen und überführt diese in eine eigene Tochtergesellschaft, die sich auf die Großfläche, sprich Baumärkte, konzentriert. Die Produktion erfolgt künftig in Meiste. Als Geschäftsführer der neuen Moderna GmbH & Co. KG zeichnen
Guido Schulte und BHK-Geschäftsführer Heinz Kottmann verantwortlich. Das operative Geschäft soll zum 1. Juli 2019 starten.

BHK fokussiert sich mit der Trennung von der Innenausbausparte auf die Bereiche Möbelteile/Zargen und Treppenrenovierung (Marke Trenovo) und stellt sich strategisch neu auf. Vor allem mit Treppensystemen sieht das Unternehmen großes Wachstumspotenzial und plant deshalb Investitionen an seinen fünf Standorten in Deutschland (Büren, Ebersdorf), Großbritannien (Peterlee), Litauen (Ignalina) und Polen (Szczecinek).

Im Zuge des Wechsels der Produktion von Laminatböden, Paneelen und Leisten nach Meiste wird auch die Fertigung am Stammsitz in Büren neu organisiert. Betriebsbedingte Kündigungen würden nicht ausgesprochen, betont man bei BHK. Mitarbeiter aus der Fertigung der Innenausbau-Produkte würden in die Herstellung von Schubkastenzargen und Treppensystemen wechseln. Frei werdende Lagerflächen nutzt künftig die Spedition Heinrich Kottmann. Die BHK-Gruppe bezifferte ihren Umsatz zuletzt auf 70 Mio. EUR. Insider schätzen, dass davon 20 bis 25% auf Moderna entfallen könnten.
aus Parkett Magazin 03/19 (Wirtschaft)