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Domotex + Bau: Trends Parkett, Laminat- und Kork- und Designböden

Authentizität als USP


Parkett profiliert sich mit seinen USPs Authentizität, Natürlichkeit, Ökologie, Emotionalität und Individualität - und sucht verstärkt Zugang zum Objekt. Klick-Fischgrät will die Verlegung erleichtern. Und Nachhaltigkeit zeichnet sich als künftiger Mega-Trend ab.

Die Resilienz der europäischen Parkettindustrie steht immer wieder auf dem Prüfstand. Da keimte nach drei Jahren mäßigen Absatzwachstums die Hoffnung auf, dass die Krise dauerhaft überwunden ist und sich der Markt wieder erholt. Doch dann holte 2018 die Realität die Hersteller ein, denn das Jahr schloss nach einem vielversprechenden Start mit einem Absatzrückgang von 2 %. Eine wesentliche Ursache war die Schwäche des wichtigen Marktes Deutschland. Auch Parkettländer wie die Schweiz und der nordische Dreiklang Dänemark, Finnland und Norwegen enttäuschten. Schweden und Spanien blieben stabil, wenigstens Österreich und Italien sorgten mit Zuwächsen für einen Lichtblick.

Die deutschen Produzenten sind frustriert und ein wenig ratlos ob des neuerlichen Rückschlages. Schon 2017 hatten sie Einbußen hinnehmen müssen. Vor allem, dass Parkett, das Original, gegen Designbeläge, die Kopie, an Boden verliert, hinterlässt Unverständnis. "Wie können Kunststoffböden gerade in Deutschland angesichts der aktuellen Diskussion um die Plastikmüll-Problematik reißenden Absatz finden?", wunderte sich nicht nur Michael Schmid, Jaso-Geschäftsführer und VDP-Vorsitzender, unlängst auf der Tagung des Verbandsvorstandes.

Auch die fehlenden Kapazitäten im Handwerk sind ein Flaschenhals. Dass sich immer mehr mobile Generalisten und Hausmeister-Services am Markt tummeln, nimmt nicht den Druck aus dem Kessel. Denn für fach- und sachgerechte Parkettarbeiten braucht es Kompetenz, handwerkliches Geschick und Erfahrung. Und zwar nicht nur in der Verlegung, sondern schon bei der Untergrundvorbereitung. Und hier hapert es häufig bei den Semi-Profis, wenn es an einer fundierten Ausbildung und profundem Know-how fehlt.

Der Fachkräftemangel wächst sich immer stärker zu einem Dilemma aus, im gesamten Baubereich. Jüngst hat eine aktuelle Studie ergeben, dass die Anzahl der Bauschäden beim Neubau von Wohngebäuden seit dem Eintreten des Baubooms um 89 % zugenommen haben. Besonders mängelbehaftet: Decken, Fußböden, Wände, Haustechnik. Vorherrschende Schadensbilder: Nicht vorschriftsgemäße Ausführung, Maßfehler, eindringende Feuchtigkeit, falsche Abdichtung.

Strategie Objekt und Export

Der Parkettindustrie ist bewusst: Schützenhilfe vom hiesigen Markt ist derzeit nicht zu erwarten. Ergo sondiert sie andere Absatzmöglichkeiten. eine Option ist der Export. "Made in Germany, Austria oder Suisse" ist international ein starkes Argument, mit dem sich auch bessere Preise durchsetzen lassen. Aber: Es braucht Zeit und Geduld, solide langfristige Exportverbindungen aufzubauen und nicht nur ein kurzfristiges Spot-Geschäft zu generieren.

Das gilt genauso für das Objekt, eine weitere Stoßrichtung vieler Anbieter. Hamberger hat in den letzten Jahren entsprechend in Sortiment und Manpower investiert. Weitzer hat ein schlüssiges Projektkonzept entwickelt. Kährs hat sich mit der schwedischen Vertriebsgesellschaft Objektkompetenz zugekauft, das Sortiment mit Designbelägen ergänzt, Vertriebskooperationen für Teppichfliesen geschlossen und Veränderungen innerhalb der Organisation vorgenommen, um effizienter und professioneller im Objekt zu agieren.

Mega-Trend Nachhaltigkeit nicht verschlafen

Ein USP von Parkett, der hierzulande noch viel zu wenig thematisiert wird, ist die Nachhaltigkeit. Kein anderer Bodenbelag - außer Kork - kann ansatzweise mithalten. Da sind andere Länder - Österreich, die Schweiz, selbst China - und andere, verwandte Branchen weiter. Auf der Frankfurter Heimtextil beispielsweise, der Weltleitmesse für Einrichtungstextilien, war Nachhaltigkeit ein omnipräsentes Thema mit zertifizierten Naturmaterialien, Recycling, Upcycling, Cradle to Cradle etc. Teppichbodenanbieter präsentierten PVC-, latex und bitumenfreie Lösungen, die Abfall, Wasser und Rohöl einsparen. Es wurden Textilien und Tapeten vorgestellt, die geruchsneutral, atmungsaktiv, antibakteriell und antiallergen sind, Schall absorbieren oder die Raumluft verbessern.

Vieles davon kann und ist auch Parkett. Es spart zudem CO, wird aus einer nachwachsenden Ressource gefertigt, ist langlebig, natürlich und warm, dabei ästhetisch, wertig, individuell und emotional. Das sollte noch deutlicher und massiver kommuniziert und in den Köpfen der Endkunden verankert werden. Denn: Nachhaltigkeit wird zunehmen. Als Eigenschaft und als Argument. Und die Parkettbranche muss zusehen, dass sie dieses rechtzeitig für sich nutzt und im Zuge des aufkommenden Mega-Trends nicht anderen Produkten hinterherläuft. Kork-Branchenprimus Amorim beispielsweise stellt sich strategisch neu auf, positioniert sich unter der Headline "Nachhaltig aus Überzeugung" konsequent als ökologisch und sozial nachhaltiges Unternehmen und platziert mit Wise den "ersten klimapositiven Bodenbelag", der mehr klimaschädliches CO bindet, als er frei setzt.

Auch die großen Laminathersteller propagieren ihre holzwerkstoffbasierenden Produkte immer stärker als "nachhaltig". Selbst Designbelagsanbieter werben mit "Bioböden", recycelbaren Materialien, dem "Blauen Engel" und dem Attribut "PVC-frei". Zusätzlich befeuert durch den Trend zu dimensionsstabilen Rigid-Produkten mit starren Trägern finden Lösungen auf mineralischer Werkstoffbasis zunehmend Eingang in die Kollektionen. Der Herstellerverband MMFA (Mehrschichtige modulare Fußbodenbeläge) beschäftigt sich öffentlich mit dem Thema Kreislaufwirtschaft und beobachtet sehr genau die Entwicklung PVC-freier Optionen. Derzeit schätzt er den Marktanteil entsprechender Produkte in Westeuropa auf 5 bis 10 %.

Die "neue Authentizität"

Und damit kommen wir zu den Parkett-Trends; seit über zehn Jahren bestimmt die Eiche-Landhausdiele das Bild in den Kollektionen - mal länger, mal breiter, mal ruhiger gemasert, mal lebhafter, mal dunkler mal heller. In diesem Jahr spielen sich neben den bis dato beliebten Naturtönen wieder stärker graue Schattierungen in den Vordergrund. Haro rückte die Raucheiche als Trendthema in den Blickpunkt, Bauwerk, Kährs und Tarkett haben Grau in mehrere Kollektionen aufgenommen, Hain traute sich sogar an eine kerngeräucherte Eiche in Moccabraun heran, die sehr edel wirkt.

Auch wenn die Hersteller die vielfältigen Bearbeitungs-, Färbungs- und Veredlungsmöglichkeiten der Eiche geschickt nutzen, wünscht man sich mehr Abwechslung. Alternative Holzarten finden sich eher bei kleineren Anbietern, die weniger produktionsgetrieben sind als die großen. Schön, mal eine Ulme (Rüster) mit ihrer interessanten, lebhaften Struktur zu sehen, einen blonden Ahorn, einen eleganten Nussbaum, eine sehr modern wirkende geseifte Esche, eine skandinavisch anmutende Rift-Tanne oder eine helle Zirbe mit der besonderen Zeichnung durch dunkle Äste (Adler Parkett, Bawart, Hain, Parkett-Riese, Bergland-Parkett, Edeldielen-Manufaktur).

Die in den letzten Jahren vielbeschworende Tendenz zu ruhigeren Oberflächenbildern und Sortierungen können wir übrigens nicht ganz nachvollziehen - im Gegenteil: sägerau, gehobelt, gekittete Äste, gealtert, verwittert und Altholz sind Attribute, die man häufiger in den aktuellen Kollektionen findet.

Positiv fällt auf, dass die ureigenen Stärken von Parkett wie seine Natürlichkeit, Authentizität, Ehrlichkeit und Einzigartigkeit gezielter betont und ins Licht gerückt werden, zum Beispiel bei Admonter, die eine "Liebeserklärung an die Oberfläche" formuliert haben. Jede Diele, jeden Stab gibt es nur einmal auf der Welt. Das kann kein anderer Bodenbelag. Und seien die Scan-, Druck- und Strukturierungstechnologien noch so ausgefeilt, das Ergebnis noch so originalgetreu: die Tiefe, die Haptik und die Persönlichkeit des natürlichen Materials Holz bleiben unerreicht. Das gilt nicht nur für individuell im Auftrag gefertigte Parkettböden, sondern wird selbst schon schön deutlich an Standardprodukten der großen Hersteller wie den neuen Farben der Villapark-Landhausdielen von Bauwerk, die durch eine neue Technik des Farbauftrags fast dreidimensional erscheinen, den fünf neuen Eiche-Varianten von Boen mit Live Pure-Finish oder der Rifugio Collection von Kährs.

Klickverbindungen sollen Fischgrät
populärer machen

Fischgrät wird inzwischen von immer mehr Anbietern (wieder) ins Programm aufgenommen - nicht nur im Parkettbereich, sondern ebenso bei Laminat- und Designböden und ganz neu auch bei Kork (Ziro). Im Markt gewinnt das klassische Verlegemuster nur langsam an Boden (und dann bevorzugt in großen Formaten), was unter anderem auf die anspruchsvolle Verarbeitung zurückgeführt wird. Die Lösung: Klicksysteme.

Scheucher war vor drei Jahren Vorreiter mit seinem Zweischicht-Stab Multiflor mit Novoloc 5G-Verriegelung. Inzwischen ziehen andere nach. Boen beispielsweise präsentierte auf der Bau sein Fischgrät-Click, eine dreischichtige Kurzdiele mit A- und B-Elementen, die sowohl schwimmend verlegt als auch verklebt installiert werden kann. Das gehe nicht nur schnell und einfach, versichert Boen, sondern durch die Klickverbindung richte sich das Fischgrät zudem automatisch gerade aus. Die "Zopf-Problematik" werde verhindert. Die Anfangsdreiecke kann man sogar fertig von Boen beziehen. Mit Fischgrät Click will das Unternehmen neue Zielgruppen erschließen, den "Semi-Parkettprofi", zu dem etwa Maler und Raummausstatter gezählt werden. Den Beweis für die Verlegegeschwindigkeit lieferte Boen übrigens mit seinem Messestand: Die 220 m2 große Fläche wurde von Kai-Uwe Weigelt und einem Kollegen innerhalb von acht Stunden fertig verlegt.

Auch US Floors setzt bei seinen Coretec-Designböden auf A- und B-Planken. Unilin hingegen hat eine Technik mit nur einem Plankentyp mit einer besonderen Klickgeometrie für Laminat- und Designböden entwickelt. Vorteil dieser Variante: Der Verleger muss nicht nach A und B sortieren. Vorteil A- und B-Ausführung: Die Klickverbindung soll sicherer und stärker halten.

Laminat kämpft um Marktanteile

"Keine Angst vor dem Einsatz im Feuchtraum" ist in diesem Jahr eine zentrale Botschaft der Laminathersteller. Ausgefeilte Verriegelungssysteme mit Profilversiegelungen, hochverdichtete und damit hochgradig quellreduzierte Trägerplatten, rutschfeste Oberflächen und imprägnierte Kanten bilden die Basis für wasserresistente Paneele, die für den Einsatz in Küche und Bad freigegeben sind (zum Beispiel von Haro und Swiss Krono).

Auffällig ist, dass die Laminatindustrie viel Mut zu Farbe und unkonventionellen Gestaltungsideen zeigt. Zwar dominieren auch hier Holznachbildungen, darüber hinaus werden viele moderne urbane Steindekore im Look von Marmor, Travertin, Terrazzo, Sandstein und Beton gezeigt, wie auch Metallic- oder Rosteffekte. Diese Vielfalt ist ein Indiz für die zunehmende Verbreitung des industriellen Digitaldrucks in der europäischen Laminatbranche.

Die Möglichkeiten in puncto Dekorgestaltung und -flexibilisierung sind dabei nur ein eher vordergründiger Aspekt; viel wichtiger ist für die Industrie angesichts des zunehmenden Marktdrucks die Chance, damit mehr Wertschöpfung ins eigene Haus zu holen und neue Geschäftsmodelle umzusetzen. Denn irgendwie muss sie ein Rezept gegen die schmerzhaften Marktanteilsverluste in Westeuropa finden, die sich durch Zuwächse in anderen Regionen nicht komplett kompensieren lassen. Noch wird der globale Laminatmarkt auf über 1 Mrd. m2 geschätzt, aber die konkurrierenden Designbeläge dürften schon die Hälfte davon erreichen und manche Experten prognostizieren ihnen mittelfristig ein Wachstum auf 1 Mrd. m2. Das heißt, dass der Laminatbranche der Wind künftig noch schärfer ins Gesicht wehen dürfte.

Prompt hat einer der größeren Anbieter die Segel gestrichen: Tarkett und der portugiesische Holzwerkstoffhersteller Sonae Arauco schließen Ende des Jahres ihr Joint Venture Laminatepark in Eiweiler. Das 2006 gegründete Unternehmen produziert derzeit noch mit 230 Mitarbeitern 25 Mio. m2 Laminatböden. Angesichts der bereits seit 2007 rückläufigen Absatzmengen seien die Produktionskapazitäten nicht mehr ausgelastet, ein wirtschaftlicher Betrieb nicht möglich.

Kork: gute Chancen für
digitalbedruckte Produkte

Korkböden litten unter einer Verknappung bestimmter Rohstoffbestandteile, die nicht unbedingt auf die Natur zurückzuführen sind. Seit anderthalb Jahren steigen die Korkpreise, was 2018 und auch 2019 zu einer teilweisen deutlichen Anhebung der Verkaufspreise führte. Inzwischen hat sich die Situation etwas beruhigt und zudem wird für diese Jahr eine sehr gute Korkernte erwartet, die dann allerdings erst ein halbes oder gar ein Jahr später den Rohstoff zur Verfügung stellt.

"Nun ist es umso wichtiger, die Wertigkeit des Produktes überzeugend darzustellen", betont KWG, die gute Erfahrungen mit entsprechenden Schulungen ihrer Kunden gemacht haben. Auch Ziro wird nicht müde, seinen Kunden die Besonderheit und die Vorteile von Kork in Seminaren und auf Reisen ins Korkland Portugal nahezubringen. Beide Unternehmen sehen insbesondere für digitalbedruckte Korkböden gute Chancen, weil sie die produktimmanenten Pluspunkte von Kork mit einer modernen Optik kombinieren. "Damit bieten wir Kunden, die an Natürlichkeit und Nachhaltigkeit interessiert sind, eine echte Alternative zu PVC-Designbelägen", sagt Ziro-Inhaber Lothar Zipse.

Designböden: Ohne Rigid
geht gar nichts mehr

Bei Designböden ist nicht wie noch vor gar nicht langer Zeit erwartet "PVC-frei" das große Thema, sondern Rigid, sprich dimensionsstabile Produkte mit starren Träger, die extrudiert, d.h. geschäumt sein (EPC) oder aus verschiedenen Materialmischungen (SPC) hergestellt werden können. Es gibt eigentlich keinen Anbieter mehr, der nicht mindestens eine Rigid Core-Variante im Programm hat. Einer sagte zu uns: "Ich sehe das Thema Rigid mit Sorge, weil dort schon jetzt enormer Preisdruck herrscht. Rigid-Beläge werden als Wundermittel verkauft und die Preise gehen schon nach unten, bevor sie richtig im Markt angekommen sind." Das ist immer fatal - und hier auch. Zumal gerade billige Rigid-Produkte zwar maßstabil sein mögen, dafür aber andere Schwächen aufweisen, zum Beispiel laut sind. Dem wird mit aufkaschierten Dämmunterlagen entgegenwirkt, doch auch hier gibt es einen Haken: Ist die Unterlage dick und elastisch und wirkt damit schalldämmend, strapaziert sie die Klickverbindung.

Der MMFA sieht gerade bei den SPC-Varianten eine "gewaltige Dynamik". Selbst Unternehmen, von denen man das vor Jahr und Tag noch nicht gedacht hätte, sind aus verschiedenen Erwägungen auf den Zug aufgesprungen wie Kährs und die Meisterwerke.

Auch bei Designböden erfreut sich der Eiche-müde Betrachter an neuen, kreativen, inspirierenden Dekoren, wie man sie beispielsweise bei Objectflor oder Aspecta entdecken kann. Neu sind Musterverlegungen mit geometrischen Formen (Objectflor, Designflooring). | Claudia Weidt
aus Parkett Magazin 02/19 (Wirtschaft)