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Heimtextil Tapeten

Trotz anhaltend schwacher Umsätze keine Spur von Resignation


Die Tapetenanbieter versuchen mit vielerlei Maßnahmen, das Interesse wieder auf ihr Produkt zu lenken. Eine vom Verband der Deutschen Tapetenindustrie geplante Endverbraucher-Kampagne stößt auf große Zustimmung. Im Trend liegen botanische und geometrische Designs, dominierende Farbtöne sind Blau und Grün. | Cornelia Küsel berichtet über die Tapetentrends in Frankfurt

Der Glamour, den Prominente wie Dieter Bohlen, Harald Glööckler oder Barbara Schöneberger in den vergangenen Jahren in die Tapetenhalle brachten, blieb diesmal aus. Ohne Unterstützung durch populäre Stars gelang es der Tapete so, alle Blicke auf sich zu ziehen und deutlich zu machen, was für ein schönes Produkt sie ist. Trotz weiterhin schwieriger Lage ließ sich die von Rückgängen gebeutelte Branche nicht unterkriegen und bewies, dass sie gewillt ist, ganz pragmatisch Wege aus der Krise zu suchen. Sie präsentierte hochwertige, dennoch marktgängige Tapeten mit teilweise sehr raffinierten Designs. Im Trend liegen botanische und geometrische Muster; farblich geben Blau, Grün und Metall den Ton an. Digitaltapeten sind eine wichtige Ergänzung im Sortiment.

Was für die gesamte Messe galt, zeigte sich auch in der Tapetenhalle. Die Zahl der Besucher ging zurück. Woran es lag, vermochte niemand genau zu begründen. War es der Wintereinbruch in Süddeutschland, der Streik des Sicherheitspersonals an Flughäfen oder nimmt die Bedeutung von großen Messen ab? Wie auch immer, die meisten Aussteller gaben sich gelassen und sahen in der geringen Frequenz sogar etwas Positives: "So hatten wir mehr Zeit für unsere Kunden", hieß es vielfach. Erfreut zeigten sich die Anbieter von Tapeten und Zubehör vom hohen Anteil der ausländischen Besucher.

Kommt die Trendwende?

Wirtschaftlich aber gibt es vor allem für die deutschen Tapetenhersteller und -verlage keinen Grund, sich zurückzulehnen. Seit Jahren geht es mit dem Umsatz bergab, wie die Zahlen des Verbands der Deutschen Tapetenindustrie (VDT) deutlich machen. Lag das Minus 2014 noch bei 0,1 % gegenüber dem Vorjahr, stieg es 2016 auf 3,9 % und 2017 auf satte 9,3 %. Für 2018 erscheint ein kleiner Hoffnungsschimmer: In den ersten acht Monaten verlangsamte sich der Umsatzrückgang und lag nur noch bei 4,1 %, wobei der Verlust vor allem auf Westeuropa zurückzuführen war, während der deutsche Markt relativ stabil blieb. Ob diese Entwicklung die erhoffte Trendwende darstellt, wurde als eher vage eingeschätzt. Zu groß sind die wirtschaftlichen sowie politischen Unsicherheiten und veränderten Verbraucherbedürfnisse. Damit steht die Branche vor schweren Aufgaben.

In diesem Zusammenhang war die Insolvenz von Pickhardt + Siebert (P+S) aus Gummersbach natürlich ein Hauptgesprächsthema auf der Fachmesse. Sie verdeutlichte die Ausmaße der Krise auf erschreckende Weise. Für die verbliebenen deutschen Tapetenhersteller aber bietet das Schicksal von P+S auch Chancen. Das Verschwinden eines Wettbewerbers vom Markt könnte nach Einschätzung von Roland Bantel, Vorstand von A.S. Création, für Entspannung sorgen.

Erismann übernimmt Kretschmer-Lizenz

Das Familienunternehmen Erismann ergriff jedenfalls seine Chance und übernahm die Markenrechte an den Kollektionen von P+S, die Druckwerkzeuge und die von Modedesigner Guido Maria Kretschmer entworfene Lizenzkollektion. Angesichts der unbefriedigenden Umsatzsituation biete es sich an zu versuchen, ein Stück vom zu verteilenden Kuchen abzubekommen, meinte Geschäftsführer Martin Slotty. Der ehemalige P+S-Gesellschafter und Geschäftsführer Dietmar Everding wechselte ebenfalls zu Erismann. Er ist seit 1. Februar Geschäftsführer Marketing und Vertrieb in Breisach.

Einigkeit herrscht in der Branche darüber, dass für die Existenz nötiges Wachstum in Deutschland nur noch über Verdrängung zu erreichen ist. Jedes Unternehmen hat dafür seine Rezepte. Im Vordergrund steht das Bestreben, neue Märkte zu erobern. Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik, nannte Länder wie Australien, Neuseeland, Singapur und Südamerika. Das seien Tapetenmärkte, die "noch in den Kinderschuhen stecken".

Eine weitere Maßnahme sind verstärkte Aktivitäten im Objektgeschäft. Wie Lucia Hausner sagte, beim Fototapetenhersteller Komar für Marketing und Kommunikation zuständig, ist die Nachfrage entsprechend groß. "Wir schaffen ein besseres Angebot für Architekten und Innenausstatter." Das Familienunternehmen Gebr. Rasch hat sich dem Objekt mit seiner gemeinsam mit der Akzo-Nobel-Marke Sikkens entwickelte Bauhaus-Kollektion angenähert.

Zustimmung für gemeinsame Kampagne

Hauptzielgruppe ist und bleibt aber der Endverbraucher. Um ihn zu erreichen, plant der Verband der Deutschen Tapetenindustrie eine gemeinsame Werbekampagne von Industrie und Handel. Die Zustimmung der Branchenteilnehmer ist groß, auch vonseiten der Zulieferer. "Wenn wir nichts tun, ist der weitere Abwärtstrend vorprogrammiert", ist Eitel überzeugt. "Den Endverbraucher erreichen wir nur mit einer gemeinsamen Kampagne."

Zur Finanzierung der Werbemaßnahmen schlug VDT-Geschäftsführer Karsten Brand in der "Surf’n Snow"-Tapeten-Lounge des Verbands einen Betrag pro Rolle vor. Das sei die einfachste Lösung. Aber auch eine Finanzierung nach dem Baukastenprinzip, bei dem die Branchenteilnehmer andocken könnten, sei denkbar.

An der Umsetzung der Kampagne arbeitet das von BTHHeimtex mitinitiierte neue "Aktionsforum Tapete", das der gesamten Branche neue Chancen für die Marktbearbeitung ermöglichen und den Absatz fördern soll. Es wendet sich an alle Branchenplayer, die Interesse am deutschen Tapetenmarkt haben. Das sind Hersteller, Zulieferer und der Handel mit allen Vertriebsformen einschließlich Online. Aber auch Digitaldrucker, Architekten und Objekteure sowie Verbände und Messen werden nach Auskunft Brandts angesprochen. Zu den Aktivitäten des Aktionsforums zählen außer der Werbekampagne Maler- und Vertriebsseminare, Branchen-Workshops und eine Marktstatistik. Ein Konzept soll beim zweiten Tapeten-Gipfel am 23.Mai verabschiedet werden. Die Gründungsversammlung fand im September 2018 auf Einladung von BTH Heimtex statt.

Hochwertigkeit zahlt sich aus

Auch A.S. Création steht hinter der geplanten Kampagne, obwohl das Gummersbacher Unternehmen im Zuge des Kartellrechtsverfahrens aus dem Verband ausgetreten war. Der neue Vorstandsvorsitzende Daniel Barth machte deutlich: "Es muss kommuniziert werden, dass Tapete ein kreatives Element ist." Sie werde derzeit nicht ausreichend wertgeschätzt. Da A.S. Création aber nicht auf den Startschuss der für Herbst geplanten Werbekampagne warten will, hat der Hersteller mit der Kollektion Bude 2.0 bereits im vergangenen Jahr begonnen, den Endverbraucher gezielt anzusprechen. Fortgesetzt wird die Maßnahme mit der neuen Kollektion und begleitender Kampagne Metropolitan Stories, die durch sechs europäische Metropolen führt.

Bei der Karte handelt es sich um hochwertige Wandbeläge, die verschiedene Charaktere ansprechen. Aber auch die übrigen bei der Messe gezeigten Kollektionen waren von hoher technischer Qualität und ausgeklügelten Designs geprägt - und dennoch marktgängig. Tapete at it’s best, schien die Devise zu sein. "Hochwertige Tapeten leiden weniger unter Nachfragerückgängen als Wandbeläge im mittleren und unteren Preissegment", ist Christian Schmitz sicher, Inhaber der Verlage Schmitz Tapeten Import, Essener Tapeten Import und Tescoha. Die belgischen und niederländischen Hersteller Grandeco, Eijffinger und BN Wallcoverings bestätigten dies und begründeten ihren wachsenden Umsatz in Deutschland mit der Ausrichtung auf gehobenere Produkte. "Die Kunden suchen nach Qualität", sagte Key Account Manager Steffen Renfordt von Grandeco.

Investition in Digitaldruck

Die Bandbreite an Mustern und Farben war wie üblich riesig. Jeder Geschmack wurde bedient. Dennoch ließen sich deutlich Trends erkennen. Nach wie vor stark vertreten waren botanische Dessins, aber mittlerweile weniger bunte Dschungel-Motive als vielmehr Blattwerk in Grünschattierungen. Überhaupt Grün - dieser natürliche Farbton und Blau dominieren die Kollektionen. Dazu kommen metallische Töne, durch die die Tapeten eine warme Ausstrahlung erhalten. Zurück sind grafische und geometrische Muster, die durch klare Linien überzeugen. "Es gibt mit der Tapete Alternativen zur weißen Wand", sagte Dr. Frederik Rasch, Geschäftsführer der Tapetenfabrik Gebr. Rasch. Er forderte den Handel auf, die Vielfalt der Tapete zu präsentieren und den Endverbraucher zum Kauf des Produkts zu verführen.

Ein wachsendes Thema sind Digitaldruck-Tapeten. Fast alle Wandbelags-Hersteller haben sie als zusätzliche Produkte ins Sortiment mit aufgenommen. Die Marburger Tapetenfabrik investierte erst jüngst in eine Rotations-Digitaldruckmaschine. "Das ist die Zukunft", meinte Eitel. Dr. Jörg Seubert, Managing Director von Follmann, hält die Kombination von digitalem und analogem Druck für sinnvoll. Reiner Digitaldruck bleibt seiner Meinung nach "eine Nische für kundenindividuelle Lösungen". Follmann liefert seit vergangenem Jahr Beschichtungen für Digitaldruck.

Die Tapetenhersteller ergeben sich also nicht in ihr Schicksal, sondern kämpfen aktiv gegen die Nachfrageschwäche an, lässt sich abschließend zusammenfassen. Sie investieren in hochwertige Produkte, technische Anlagen und neue Märkte. Nun muss nur noch der Endverbraucher erkennen, dass Tapete ein attraktives Einrichtungs-Element ist. Doch dafür soll ja die vom VDT gemeinsam mit allen Marktteilnehmern geplante Kampagne sorgen. | cornelia.kuesel@snfachpresse.de


A.S. Création
Zweite Endverbraucher-
Kampagne mit
Kollektion am Start

Roland Bantel, Vorstand Vertrieb und Marketing bei A.S. Création, brachte es auf den Punkt: "Mit dem Inland sind wir zufrieden, mit dem Ausland nicht." Während der Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr auch wegen der Endverbraucher-Kampagne und der dazugehörigen Kollektion Neue Bude 2.0 stabil blieb, ging er in wichtigen Märkten wie Frankreich und Benelux zurück. "In allen Dekobereichen ist es im vierten Jahr in Folge schwierig. Und der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht", mutmaßte Bantel.

Dennoch gab er sich für A.S. Création verhalten optimistisch. Bantel führte dies vor allem auf die Neuheiten des Herstellers zurück. Für ein wenig Entspannung auf dem Markt sorgt nach seiner Meinung möglicherweise auch die Insolvenz des Wettbewerbers Pickhardt + Siebert. Dessen Lizenzkollektion des Modedesigners Guido Maria Kretschmer lobte Bantel als sehr gut. "Sie passt derzeit aber nicht in unser Portfolio", machte er deutlich. "Man muss nicht alles mitmachen." A.S. Création hält Lizenzen unter anderem für Schöner Wohnen, Jette Joop, Versace, Wolfgang Joop, Designdschungel und Patel mit der zweiten Kollektion. Die Zusammenarbeit mit Esprit endet nach Ablauf der neuen Esprit-Home-Kollektion.

Nach der im vergangenen Jahr erfolgreich eingeführten Kollektion Neue Bude 2.0 mit begleitender Endverbraucher-Werbekampagne erweitert A.S. Création das Konzept um Metropolitan Stories. Die Kollektion erschließt das Lebensgefühl, das in den sechs europäischen Metropolen Berlin, London, Kopenhagen, Amsterdam, Mailand und Paris herrscht und präsentiert dazu jeweils passende Markencharaktere. "Mit unserem Storytelling lehnen wir uns an die Modebranche an", erläutere Marketingleiter Stefan Gauger.

"Mit der Werbekampagne Neue Bude 2.0 haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", begründete Bantel die Fortsetzung mit Metropolitan Stories. Ein solcher Schritt sei dringend erforderlich, um die Endverbraucher zu erreichen. Auf die geplante Kampagne des Verbands der deutschen Tapetenindustrie habe A.S. Création nicht warten wollen. Gleichwohl stehe das Unternehmen hinter den Zielen des VDT und wolle sich auch beim nächsten Tapetengipfel mit einbringen. Ein Wiedereintritt in den Verband sei jedoch derzeit kein Thema.

Nach Ansicht des neuen Vorstandsvorsitzenden Daniel Barth wird die Tapete nicht ausreichend wertgeschätzt. "Es muss kommuniziert werden, dass sie ein kreatives Element ist." Das sei die Herausforderung. Angesichts des harten Verdrängungswettbewerbs in der Branche gelte es, an jeder Stellschraube zu drehen. Ob es Werbung, Auslastung oder der Trend zur Individualität sei. "Wir müssen eine Antwort für die Marktbedürfnisse finden", ist Barth überzeugt.

A.S. Création startet mit zwölf neuen Kollektionen in das Jahr 2019, mit deren Vielfalt die aktuell angesagt weiße Wand wieder Platz machen soll für attraktive Designs.


BN Wallcoverings
Qualitäten für die Differenzierung

Der niederländische Tapetenhersteller BN Wallcoverings hat sich personell verändert. Neuer Atelierleiter ist Peter Koeman, der zuvor drei Jahre lang bei P+S beschäftigt war. Wie Verkaufsleiter D/A/CH Ralf Peters sagte, trieb ihn aber nicht die Insolvenz von Pickhardt + Siebert zurück zu seinem vorherigen Arbeitgeber BN. Seine Entscheidung für den Wechsel sei bereits Mitte des vergangenen Jahres gefallen. Koeman übernahm das Atelier von Heim Hagedoorn, der in den Ruhestand ging.

Das Marketing leitet Marketing Director Merle Deterink. Sie arbeitet zusammen mit Marketing Managerin Carolien de Vries, die sowohl für den Contract- als auch den Residential-Bereich zuständig ist.

Wie Eijffinger und Grandeco ist auch BN Wallcoverings zufrieden mit dem Verlauf des vergangenen Jahres. Nach Einschätzung des Verkaufsleiters wird 2019 erneut ein leichtes Plus erreicht. Diese positive Entwicklung führt Peters vor allem auf die hohe Qualität der Tapeten zurück, die im Fachgroß- und Facheinzelhandel sowie in Raumausstattergeschäften erhältlich sind. Mit den designorientierten BN-Produkten könne sich der Handel differenzieren. Zudem sei der Kunde im gehobenen Handelsbereich weniger preissensibel.

Das niederländische Unternehmen vertreibt seine Tapeten aber nicht nur im deutschen Handel, sondern wendet sich mit seinen hochwertigen Contract-Ordnern auch an Architekten. Zur Messe brachte BN unter anderem die Kollektionen Riviera Maison und Van Gogh mit.


Design ID
Festes Vertriebsteam
wird aufgebaut

Vor drei Jahren hat der südkoreanische Tapetenhersteller DID Wallcoverings seine europäische Abteilung Design ID Europe gegründet. Seitdem gelang es dem Unternehmen, das im niederländischen Zoetermeer ein Lager betreibt und im britischen Macclesfield ein Vertriebsbüro, in Deutschland Kunden zu gewinnen und seinen Umsatz nach und nach zu erhöhen. Das betonte Managing Director Tracey Whitney.

Um die positive Entwicklung auf dem deutschen Markt weiter voranzutreiben, die mit Hilfe freier Handelsvertreter erreicht wurde, ist seit 1. August 2018 Stephan Bieber bei Design ID beschäftigt. Als Sales Director für Deutschland will er langfristig eine fest angestellte, drei- bis vierköpfige Mannschaft aufbauen - je nachdem, wann die Umsatzziele erreicht werden. Vertriebskanäle sind derzeit der Fachgroß- und Facheinzelhandel; für die Zukunft wird auch eine Präsenz im Baumarkt angestrebt.

"Wir wollen step by step wachsen", sagte Bieber. "Unsere Produkte bewegen sich im wertigen Konsumbereich." Gut angenommen würden die Tapeten im modernen Stil aus den Kollektionen Serendipity und Natural Faux. Einen Querschnitt an trendigen Vliestapeten serviert die neue Karte Selecta.

Wie Tracey Whitney erläuterte, werden die Wandbeläge in Südkorea hergestellt. Aus der "ungeheuren Designauswahl" würden diejenigen Produkte ausgewählt, die sich für die in Deutschland nachgefragte Eurorolle eigneten. Hauptmärkte in Europa sind ihren Angaben zufolge Großbritannien, die Niederlande und Polen. Whitney bezifferte den Jahresumsatz des Familienunternehmens DID Wallcoverings auf 65 Mio. USD (57 Mio. EUR), für die gesamte Gruppe liege er bei 250 Mio. USD.


Erismann
Kretschmer-Lizenz und
Everding übernommen

Dem Breisacher Tapetenhersteller Erismann ist ein Coup gelungen. Wie Geschäftsführer Martin Slotty sagte, übernahm das Familienunternehmen die Lizenzkollektion des Modedesigners Guido Maria Kretschmer von Pickhardt + Siebert sowie die Markenrechte an den übrigen Kollektionen und die Druckwerkzeuge des insolventen Wettbewerbers. Auch der ehemalige P+S-Gesellschafter und Geschäftsführer Dietmar Everding hat eine Aufgabe in Breisach gefunden. Er leitet dort seit 1. Februar als Geschäftsführer die Bereiche Marketing und Vertrieb.

Der Vertrag mit Kretschmer war von P + S vor der Insolvenz im Juni 2018 verlängert worden. Sie wird nach Zustimmung des Designers von Erismann fortgeführt, erläuterte Slotty. Aus den übrigen im Großhandel gelisteten Karten werde eine Auswahl getroffen und ins Erismann-Portfolio übertragen. "Solch eine Chance kann man nur einmal nutzen", meinte der Geschäftsführer. Schließlich sei auch 2018 ein schwieriges Jahr gewesen. In dieser Situation biete es sich an zu versuchen, ein Stück vom zu verteilenden Kuchen abzubekommen. Die Übernahme sei eine Option auf einen Umsatzsprung als Basis für eine verbesserte Ertragslage im laufenden Jahr.

Nach Angaben Slottys lief es vor allem für die Breisacher Fabrik wenig zufriedenstellend. Deutschland bewegte sich auf Vorjahresniveau, aber Rückgänge habe es in Frankreich gegeben sowie in Großbritannien in Folge des geplanten Brexits, in der Türkei wegen der Sonderzölle und im Iran wegen der Sanktionen. "Wir sind aber mit einem blauen Auge davon gekommen", betonte Slotty. Die Rückgänge seien nicht mehr so kräftig. Positiv haben sich die Exporte nach Russland und das Geschäft der russischen Dependance entwickelt. Allerdings sei der dortige Markt ebenfalls vom Verdrängungswettbewerb geprägt.

"In der Gruppe sind wir durch die guten Geschäfte in Russland gesund und gut aufgestellt, nachdem wir in komplett neue Anlagen und Personal investiert haben", machte der Geschäftsführer klar. Das Unternehmen präsentierte vier neue Kollektionen in Frankfurt, darunter drei Heißpräge- und eine Siebdruck-Karte.


Eijffinger
Großhandel lief besser als DIY

"Wir haben unser Ziel für Deutschland erreicht und ein zweistelliges Umsatzplus eingefahren." Das betonte Lucien van Uffelen, Export Sales Manager bei dem niederländischen Tapetenanbieter Eijffinger. Die Erfolgsgeschichte des Unternehmens auf dem deutschen Markt begann vor fünf Jahren - und soll noch lange nicht enden. "Wir wollen noch weiter wachsen", sagte van Uffelen. Derzeit sind fünf Handelsvertreter in Deutschland aktiv.

In Zukunft will sich Eijffinger noch mehr als bisher auf sehr hochwertige Kollektionen konzentrieren. In Frankfurt präsentierte das Unternehmen drei neue Karten. Darunter befindet sich die Kollektion Carmen, eine Hommage an die Malerin Frida Kahlo.


Erfurt & Sohn
Bekannteste Marke
im Bereich Tapeten

Die Mannschaft von Erfurt & Sohn hat in diesem Jahr ein enormes Pensum zu erfüllen. Auf dem Programm des Wuppertaler Spezialisten für überstreichbare Wandbeläge steht der Besuch von drei Fachmessen: Heimtextil, BAU und FAF (Farbe, Ausbau & Fassade). Die Aktivitäten des Familienunternehmens werden sich nach Auskunft von Geschäftsführer Martin Erfurt auszahlen: "Wir haben ein Plus für dieses Jahr eingeplant." Als einen Grund dafür gab er unter anderem die rege Neubautätigkeit in Deutschland an. Gefragt seien sowohl Glattvliese als auch Rauhfaser.

Entgegen dem Trend entwickelte sich bei Erfurt auch das abgelaufene Jahr stabil. Nach Auskunft des Firmeninhabers wurden insbesondere technische Produkte nachgefragt. "Insgesamt lief es im Fachgroßhandel besser als im DIY-Bereich", erläuterte er. Das Unternehmen werde sich weiterhin auf überstreichbare Wandbeläge und technische Produkte konzentrieren, aber auch seine Fototapeten-Kollektion Juicy Walls ausbauen. Die wichtigsten Märkte sind für Erfurt nach Deutschland Frankreich, Großbritannien, die Benelux-Staaten, Russland, Polen und Japan. Seine Exportquote bezifferte der Firmenchef mit 25 bis 30 %.

Wie Marketingleiter Frank Seemann betonte, liegt die Marke Erfurt bei Verbrauchern hoch im Kurs. Das gehe aus der Studie "Bau- und Heimwerkermärkte 2018: Handels- vs. Herstellermarken - Ein Faktencheck" hervor. Demnach sei Erfurt in der Warengruppe Tapeten mit einer ungestützten Bekanntheit von 44 % die prominenteste Herstellermarke.

Die Heimtextil bewertete Seemann als großen Erfolg. "Viele gute Gespräche, der intensive Austausch mit unseren Partnern und zahlreiche neu geknüpfte Kontakte zeigen, dass die Heimtextil eine hervorragende Plattform für uns ist."


Essener/Schmitz/Tescoha
"Hochwertige Tapeten
leiden weniger"

Christian Schmitz bedauerte, dass die Stoffanbieter von der nahe der Tapetenhalle gelegenen Halle 4 in Halle 8 umgesiedelt wurden. "Die Gardinen- und Dekostoffe haben der Tapete gut getan", meinte der Inhaber der Verlage Essener Tapeten Import, Schmitz Tapeten Import und Tescoha.

Aber auch ohne die kreativen Stoff-Produkte in der Nachbarschaft konnte Schmitz überzeugen. Schließlich präsentierte er bereits die zweite Kollektion Missoni Home und die sechste Armani Casa, die sich durch ihr herausragendes Design von anderen Karten deutlich abheben. "Hochwertige Tapeten leiden weniger unter Rückgängen als Wandbeläge im mittleren und unteren Preissegment", betonte der Verleger. Dennoch war er - wie alle deutschen Tapetenanbieter - mit dem Geschäftsergebnis des vergangenen Jahres nicht zufrieden. Für das laufende Jahr müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um dem Endverbraucher die Tapete als kreatives und innovatives Produkt näher zu bringen.


Grandeco Wallfashion
"Die Kunden suchen nach Qualität"

Grandeco Wallfashion aus Tielt sieht auf dem deutschen Markt gute Chancen für seine hochwertigen Tapeten. Bei der Heimtextil in Frankfurt stellten die Belgier sieben Kollektionen ihrer Marken Wall Fashion, Vertical Art, Grand Boutique und Grandeco Life vor. Wie Marketingleiterin Katrien Van Hecke sagte, kamen in diesem Jahr zwar weniger Besucher an den Stand. Diese hätten aber großes Interesse an den Wandbelägen von Grandeco gezeigt.

"Die Kunden suchen nach Qualität", erläuterte Key Account Manager Steffen Renfordt. Nach seinen Angaben strebt Grandeco in Deutschland ein dauerhaftes organisches Wachstum an. Er verwies auf das vergangene Jahr: 2018 sei Grandeco mit einem Plus gegen den Trend auf dem deutschen Markt erfolgreich gewesen. Dazu habe auch die vor rund zwei Jahren in Bergisch-Gladbach eröffnete Vertriebsgesellschaft beigetragen. Vertrieben werden die Tapeten im Fachgroß- und Facheinzelhandel; in Zukunft will Grandeco Umsätze aber auch in der Großfläche generieren. Schwerpunkt bleibe aber der Fachhandel.

Für den Sommer sind drei weitere Karten geplant. Mit dann insgesamt zehn Kollektionen will der Hersteller die verschiedenen Geschmacksrichtungen auf den unterschiedlichen Märkten bedienen. Das Unternehmen sieht in der Heimtextil eine ideale Schau für die Tapete, die ihresgleichen in Europa suche.


Komar Products
Große Nachfrage im Objekt

Nach einem Umsatzplus auf dem deutschen, österreichischen und Schweizer Markt im vergangenen Jahr, rechnet der Fototapetenhersteller Komar aus Kolbermoor auch 2019 in dieser Region mit Wachstum - im Gegensatz zu den von politischen Krisen geschüttelten Ländern. "Wir haben den Digitaldruck ausgebaut und bieten neue Motive", sagte Lucia Hausner, bei Komar für das Marketing zuständig. Der Fokus liege auf maßgefertigten Produkten. Damit bediene das Unternehmen den Trend zur Individualisierung. Zur Verfügung stehen sechs verschiedene Materialien. Deutschland ist nach Auskunft der Marketingexpertin mittlerweile der größte Markt für den Hersteller und hat Russland vom ersten Platz verdrängt.

In Zukunft will Komar stärker im Objekt aktiv sein, weil die Nachfrage entsprechend groß sei. "Wir schaffen ein besseres Angebot für Architekten und Innenausstatter", betonte Hausner.

Um die Auswahl an Fototapeten zu erleichtern, hat Komar einen Motivkatalog zur Kollektion Pure aufgelegt. Dieser zeigt im Rahmen eines ganzheitlichen Konzepts nicht nur Motiv-, sondern auch Wandbilder und liefert auf diese Weise Gestaltungsideen.


Leco
Differenzierung über Spezialprodukte

Für das Geschäftsfeld Wandbekleidungen der Leco-Werke in Emsdetten war 2018 entgegen dem allgemeinen Trend ein gutes Jahr. "Wir haben neue Produktlinien erfolgreich im Markt platziert", sagte Geschäftsführer Stefan Kreft. Von großem Interesse seien Spezialthemen. Handel und Handwerk suchten nach Wegen, sich zu differenzieren.

Kreft will die Marke Leco noch stärker ausbauen und sie deutlicher in Richtung Handwerk vermarkten. Deshalb wird das Unternehmen im März erstmals mit einem Stand auf der Farbe, Ausbau & Fassade in Köln vertreten sein. Auf der Heimtextil präsentierte sich der Hersteller nun zwei Jahre in Folge, nachdem er der Messe 16 Jahre lang ferngeblieben war. Zielgruppe von Leco sind flächendeckend Fachgroß- und Facheinzelhandel sowie Baumärkte.

"Wir haben klar das Potenzial, weitere Kunden zu akquirieren", ist Kreft überzeugt. Um dies zu erreichen, wurden unter anderem mehr Materialien entwickelt. So hat Leco das Vlies-Sortiment ausgeweitet - insbesondere um die Glattvliese Background Pro 551, die sich auch für die Airless-Beschichtung eignen. Neuheiten sind auch ein Magnetvlies und die Lecover Abdecktapete. Für das Objekt sind die Perlvliese Leco Walls geeignet.

Alles in allem haben sich die Investitionen des Unternehmens nach Ansicht Krefts gelohnt. Über die drei Sparten Wandbeläge, Technische Textilien und Garten & Freizeit hinweg lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei mehr als 40 Mio. EUR. Hauptmärkte sind Deutschland und Frankreich. Die Exportquote von rund 50 % soll gesteigert werden.


Marburger Tapetenfabrik
Neue Maschine für integrierten Digitaldruck

Mit Jonas Kötz kam ein wenig Promi-Feeling in die Tapetenhalle, in der in den vergangenen Jahren Künstler wie Dieter Bohlen, Guido Maria Kretschmer und Barbara Schöneberger für Massenaufläufe sorgten. Der Autor, Bildhauser und Illustrator beschäftigte sich erstmals mit Tapeten. Im Auftrag der Marburger Tapetenfabrik entwarf er eine Kinderkollektion. Animiert wurde er dazu von Designchef Dieter Langer, der im Norden Hamburgs ein Wochenendrefugium in der Nachbarschaft von Kötz besitzt.

Mit dieser Kollektion und weiteren Neuheiten hofft Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter des 1845 gegründeten Familienunternehmens, aus der Talsohle der deutschen Tapetenindustrie hinauszukommen. "Ich bin hoffnungsvoll für 2019", sagte er. "Wir glauben an die Trendwende." Um die Inlandsschwäche auszugleichen, soll der Export in Länder verstärkt werden, die bisher noch nicht im Fokus stehen wie Australien, Neuseeland, Singapur und Südamerika. Das seien Tapetenmärkte, die "noch in den Kinderschuhen stecken". Derzeit beträgt die Exportquote rund 60 bis 70 %.

Um dem Trend hin zum Digitaldruck gerecht zu werden, hat die Kreativschmiede technisch aufgerüstet und in eine Rotations-Digitaldruckmaschine investiert. "Das ist die Zukunft" sagte Eitel über die Integration von Digitaldruck in klassische Druckverfahren. Mit der neuen Anlage kann das Unternehmen Rollen produzieren, bei denen sich das Muster nicht mehr wiederholt. Das eröffnet neue Gestaltungsmöglichkeiten, was die Digitaldrucktapeten aus der neuen Kollektion Silk Road eindrucksvoll unter Beweis stellen. Auch Prägung ist möglich.

Personell aufgestockt wurde die Vertriebsabteilung.


NMC Deutschland
Neue Ideen für den Handwerker

Der Stand von NMC versprühte mit dunklen Wänden und dezentem indirekten Licht in warmem Türkis gemütliche Loungeatmosphäre. "Wir haben mit unserem Ton-in-Ton-Stand bewusst keine Produkte inszeniert", sagte Deutschland-Vertriebsleiter Adrian Smaza. Vielmehr sei ein Ambiente geschaffen worden, das Ideen aufzeige, auf welch vielfältige Weise sich moderne Designprofile als Dekoelemente an Wand und Decke einsetzen ließen. "Wir wollen die Handwerker nicht alleine lassen, sondern an die Hand nehmen und ihnen Inspiration geben", erläuterte Smaza. Der Lounge-Charakter mache deutlich, dass es in der Inneneinrichtung wieder gemütlicher werde.

Für 2019 gibt sich der Vertriebsleiter nach der Stagnation im vergangenen Jahr zuversichtlich. Denn das Unternehmen hat unter anderem eine marketinglastige Kampagne geplant, mit der sowohl die vorhandenen als auch künftige Kunden unterstützt werden sollen. Vorgestellt wird sie auf der Messe Farbe, Ausbau & Fassade im März in Köln. Außerdem wurde mit dem Ziel der Kundenbindung im Großhandel die neue Produktgruppe Nomafloor aufgelegt. Dabei handelt es sich um Unterlagen für schwimmend verlegte Bodenbeläge.

Auch personell hat sich bei NMC etwas getan. Neuer Marketing Operations Manager ist Stephan Offermann. Verena Pluschke übernahm den Key Account Objekt. Im Rahmen eines Generationenwechsels im Vertrieb ist Andreas Wutka für den Bereich Süd-West zuständig und Olivier Bouttiliat für West.


Orac Decor
Zweistellig im Plus

Yves Tailleu zeigte sich hoch zufrieden. "Wir hatten zwei sehr erfolgreiche Jahre", betonte der Geschäftsführer des belgischen Zierprofilherstellers Orac Decor. Weltweit sei der Umsatz zweistellig gewachsen. Dabei hätten sich Sockelleisten als Treiber erwiesen. "Lediglich in Deutschland haben wir unsere Ziele erstmals nicht erreicht", meinte Taillieu. In Russland wird das Unternehmen seine Aktivitäten verstärken. Nach der Gründung eines Logistikcenters soll dort auch die Produktion an den Start gehen.

Der Stand von Orac Decor war voll auf die digitale Zukunft ausgerichtet. In Form eines schneeweißen, minimalistisch eingerichteten Raumschiffes nahm er die Besucher mit auf eine virtuelle Reise der unbegrenzten dekorativen Möglichkeiten. "Es gibt immer mehr Wettbewerb für die Tapete. Wir sehen unsere Produkte nicht mehr als deren Ergänzungsprodukt an, sondern gleichwertig", sagte der für den deutschen Markt verantwortliche Vertriebschef Ingo Lerch.


Pro Ambiente
Drei Kollektionen
und eine neue Adresse

Hubert Esser hat 2018 mit seinem Meerbuscher Verlag Pro Ambiente zwar keine Umsatzzuwächse generiert. Angesichts sinkender Nachfrage nach Tapeten ist er mit den stagnierenden Ergebnissen aber zufrieden und gibt sich zuversichtlich für das neue Jahr. Seine positive Einschätzung fußt auf drei neuen Kollektionen: Vogue, Aruba und Gala.

Der Verlag Pro Ambiente, der die Marken Omexco, Texam und Tiussue Mahieu vertreibt, hat seit Mitte vergangenen Jahres eine neue Adresse: Meerbuscher Straße 36 in 40670 Meerbusch-Osterath. Dort steht ihm eine Ausstellungs- und Bürofläche von 110 m2 zur Verfügung. Vorher waren es lediglich 60 m2.


Gebr. Rasch
"Es gibt Alternativen
zur weißen Wand"

Bei Gebr. Rasch in Bramsche ging die Nachfrage nach Tapeten 2018 im zweiten Jahr in Folge zurück - insbesondere in Westeuropa. Wie Geschäftsführer Dr. Frederik Rasch mitteilte, stiegen gleichzeitig die Preise für wesentliche Rohstoffe. Der Gruppenumsatz sank gegenüber dem Vorjahr leicht. Trotz der schwierigen Lage sei es aber gelungen, Marktanteile in wichtigen Regionen dazu zu gewinnen. Darüber hinaus seien neue Kollektionen wie die Barbara Home Collection und die erste Karte des Magazins Barbara von und mit Barbara Schöneberger erfolgreich eingeführt worden.

Auch die Entwicklung der ukrainischen Schwester Sintra sei sehr positiv verlaufen. Weniger zufrieden zeigte sich Rasch über das Investment in eine Tapetenfabrik in Ravena. Durch die türkische Wirtschaftskrise würden die gesteckten Ziele nicht erreicht. Alles in allem aber sieht sich das Familienunternehmen mit seiner hohen Produktqualität und Kundennähe für das Frühjahrsgeschäft gut gewappnet und stützt sich auf die neu entwickelte Promotion "Tapetenwechsel - jetzt aber rasch".

Allerdings bleibt die Lage nach Einschätzung von Rasch schwierig. Wachstum sei einzig und allein über Verdrängung möglich. Denn seiner Meinung nach hat sich der Konsum verändert. Statt Geld in kleine Verschönerungen der Wohnung zu stecken, werde in neue Möbel für Küche und Bad oder Reisen investiert. Zudem entwickle sich die Tapete vom Standard-Renovierprodukt zu einer "emotionalen Dekorationsnische".

"Der Handel muss das Produkt entsprechend präsentieren", forderte Rasch, der das 1861 gegründete Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Cousin Dario Rasch führt. Wichtig sei es, den Endverbraucher zum Kauf der Tapete zu verführen. "Es gibt doch mit der Tapete Alternativen zur weißen Wand." Auch müsse deutlich gemacht werden, dass Tapezieren nicht kompliziert sei.

Wie andere Hersteller will Rasch ebenfalls stärker vom Objektgeschäft profitieren. Den Startschuss gab das Unternehmen Ende 2017 mit seiner neuen Bauhaus-Kollektion, die es gemeinsam mit der Profi-Marke Sikkens von Akzo Nobel entwickelt hat.

Bei der Heimtextil präsentierte Rasch wieder eine ganze Reihe neuer Tapeten. "Für deutsche Hersteller ist die Messe wichtig, um zu zeigen, wie stark die Industrie ist, dass sie Trends entwickeln und fortschreiben kann", meinte Frederik Rasch. Zwar mangele es an Begeisterung vonseiten der Maler und Raumausstatter. Aber positiv sei der hohe internationale Besucheranteil.


Rasch Textil
Zielgruppengerechte Produktion

Rasch Textil, Tochter der Tapetenfabrik Gebr. Rasch aus Bramsche, servierte in Frankfurt zwei neue Tapetenkollektionen: die Vlies-Karte Amiata und die klassische Textil-Karte Mondän.

Wie Produktmanagerin Jana Ehrlich sagte, will sich das Unternehmen künftig mehr an den unterschiedlichen Märkten orientieren und zielgruppengerechter produzieren. So wende sich die Textiltapeten-Kollektion Mondän vor allem an die Exportmärkte Russland, mittlerer Osten und China, während die Vliestapeten aus der Kollektion Amiata insbesondere für den europäischen Geschmack gedacht seien.

Als Hauptkundengruppen gab Ehrlich Möbelhäuser und Raumausstatter an. Um die Nachfrage anzukurbeln, hat Rasch Textil die Präsentation am Point of Sale überarbeitet. Dort liegen nicht mehr nur Bücher aus, die Tapete wird auch als Rolle präsentiert, damit der Kunde sie anfassen kann.


Follmann
Internationale Ausrichtung

Follmann hat seinen Auftritt modernisiert. Der Lieferant von dekorativen Tapetenbeschichtungen aus Minden wirbt mit dem Claim "Discover the Follmann Dimension" und einem aus Plus-Zeichen in Wellenform bestehenden Leitmotiv. "Damit drücken wir aus, dass unsere Kunden mit unseren Produkten Mehrwert erhalten", erläutert Caroline Rausch, zuständig für Marketing Communications. Follmann liefere die Zutaten zum Beispiel für haptische Effekte. Das Portfolio umfasst Druckfarben, Plastisole und Streugranulate.

Auch wenn sich die anhaltende Schwäche der deutschen Tapetenindustrie auf Follmann auswirkte, machte Managing Director Dr. Jörg Seubert deutlich: "Die Tapete ist und bleibt für uns ein wichtiger Bestandteil." Doch auch für das laufende Jahr rechnet er nicht mit einer grundlegenden Erholung in der Branche. Deshalb verändere das Mindener Unternehmen seine Strukturen und richte sich internationaler aus.

In seinem neuen Tapetenkalender, den Follmann mit den weiteren Mitgliedern des Netzwerks Wallpaper competence (Kämmerer, M-Design Edgar Meyer, Saueressig und SPGPrints) hergestellt hat, stehen geometrische Muster unter dem Motto "The Contemporary Art of Geometry" im Mittelpunkt. Weitere Trends sind nach Auskunft von Mark Schmitt, Leiter Business Unit Interior Decoration, haptische 3D-Strukturen.


Sächsische Walzengravur (SWG)
Positives Ergebnis
mit bewährtem Konzept

Dejan Kovacic äußerte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Heimtextil. Zwar sei die Zahl der Besucher geringer ausgefallen als im vergangenen Jahr. "Jedoch hatten wir mehr individuelle Kontakte", sagte der Geschäftsführer der Sächsischen Walzengravur (SWG) aus Frankenberg. Die Besucher seien nicht nur aus Deutschland und Europa gewesen, sondern aus aller Welt. Darunter sowohl Kunden aus der Tapetenbranche als auch aus anderen Bereichen.

Der Umzug der SWG von Halle 4.2 in Halle 3.0 zusammen mit den Designern war nach Auskunft des Geschäftsführers gut für das Unternehmen. "Die Atmosphäre in dieser Halle und auch die frühzeitige Eröffnung bereits am Montag und damit einen Tag vor der offiziellen Messeeröffnung waren für uns positiv. Jeder war neugierig und wollte das neue Konzept der Halle 3.0 sehen", meinte Kovacic.

Bewährt hat sich nach seinen Ausführungen das Konzept der SWG: ein Stand als Anlaufpunkt und ein Besprechungszimmer für Meetings in ruhiger Atmosphäre. Wie im vergangenen Jahr präsentierte das Unternehmen seine Strukturen für Prägeanwendungen. "Wir konnten direkt Strukturen verkaufen und viele sind jetzt nach Ende der Messe in der Angebotsphase", erläuterte Kovacic. "Wir blicken schon voller Erwartung auf das kommende Jahr."


Sügravo
Modernisierung
und Diversifikation

Druckwalzenhersteller und Graveur Sügravo, der außer in Lörrach auch Werke in Frankreich, Kanada und Russland sowie Verkaufsbüros in der Ukraine und Frankreich betreibt, hat die Tapetenkrise im vergangenen Jahr mit einem "blauen Auge" überstanden. Das betonte Geschäftsführer Oliver Wenk. 2018 habe im Zeichen der Konsolidierung gestanden. "Unser Wachstumsziel haben wir aber nicht erreicht."

Wie Wenk sagte, hat das Familienunternehmen unter anderem in die Modernisierung investiert, um die Herausforderungen der Zukunft annehmen zu können. "Wir sind weltweit die einzigen, die in Edelstahl gravieren", hob er hervor. Als Vorteile nannte er eine bessere Standzeit, Unempfindlichkeit und höhere Effektschärfe.

Weiter habe Diversifikation im Fokus gestanden. "Man muss sich anpassen", meinte Wenk. Nach seinen Angaben beliefert Sügravo mittlerweile nicht allein die Tapetenindustrie, sondern vermehrt auch Unternehmen, die Bodenbeläge oder Möbel anbieten. "Da war viel Vorarbeit nötig, weil die Märkte fast gesättigt sind", erläuterte Wenk. Für das laufende Jahr sieht er sein Unternehmen gut gewappnet.


Saueressig Ungricht
Absage an ruinösen Preiskampf

"Die Krise in der Tapetenbranche ist spürbar - gerade in Westeuropa." Das sagte Christoph Kirschner, Head of Sales Wallpaper bei Saueressig Ungricht. Dies sei insbesondere in Deutschland sehr bedauerlich, weil viel getan werde, um dem Endverbraucher die Tapete näher zu bringen. Nach Kirschners Einschätzung ist der Nachfragerückgang eine Folge der Trendentwicklung. Bei Saueressig Ungricht ging das Jahr 2018 trotz der allgemeinen Krise mit stabilen Ergebnissen zu Ende, weil es dem Unternehmen außerhalb Westeuropas - beispielsweise in Japan - gelungen sei, für Ausgleich zu sorgen.

Kirschner betonte, dass Saueressig Ungricht auch in Zukunft für Qualität und Design stehe. Den Preiskampf in Deutschland werde das Unternehmen "nicht bis auf die untere Ebene" mitmachen.

Saueressig in Vreden ist Teil der Matthews International Corporation. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr die Oberflächen-Aktivitäten von Saueressig, Ungricht, Wetzel und das Saueressig Design-Studio unter der Marke Saueressig Ungricht zusammengefasst.
aus BTH Heimtex 02/19 (Wirtschaft)