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Jahrestagung des Heimtextil-Verbandes

Hohe Temperaturen haben Nachfrage nach Bettwaren deutlich geschwächt


Stuttgart. Die Jahrestagung des Heimtextil-Verbandes stand unter dem Vorzeichen einer negativen Branchenentwicklung. Der heiße und lange Sommer sorgte für erhebliche Umsatzeinbrüche, nicht zuletzt bei Bettwaren. Gleichwohl schaut der Verband mit einigen Projekten positiv in die Zukunft. Neu in den Vorstand gewählt wurde Centa-Star-Geschäftsführer Thomas Mülller.

Die Hitzewelle und der ungewöhnliche lange Sommer gehen auch am Handel mit Haus- und Heimtextilien nicht spurlos vorbei. "Wir alle haben lieber auf der Terrasse gesessen als shoppen zu gehen", blickte Verbandsgeschäftsführer Martin Auerbach selbstkritischauf die zurückliegenden Monate. Die Branchenentwicklung verlief 2018 nach Auerbachs Darstellung nicht zufriedenstellend. Und das ist teilweise noch zurückhaltend formuliert.

Dabei sind die Rahmenbedingungen in Deutschland eigentlich gut. Auerbach führte eine Allensbach-Umfrage zur Generation der 30- bis 59-Jährigen an, für die Gesundheit und Partnerschaft die wichtigsten Themen seien, während Sparsamkeit abgeschlagen auf Platz 23 landete. "80 Prozent der Befragten sagen, dass es ihnen heute besser oder genau so gut wie vor fünf Jahren geht", so Auerbach. "Eigentlich geht es uns persönlich sehr gut. Wie es am Markt aussieht, ist aber ein ganz anderes Thema."

Und hier hatte der Geschäftsführer keine berauschenden Zahlen zu bieten. Insgesamt reduzierte sich der Umsatz der deutschen Heimtextilien-Industrie einschließlich des dritten Quartals gegenüber 2017 um zehn Prozent, wobei das Inland stärker nachgab (-11,9%) als das Ausland (-5,7%). Die Exportquote hat sich gegenüber dem Vorjahr von durchschnittlich 30,6% auf 32,1% erhöht.

Unerwartet negativ überrascht hat im bisherigen Jahresverlauf die schwache Konjunktur der Sparte Bettwaren gefüllt mit synthetischen Fasern und Naturhaaren (-13,3%). Die Nachfrage lag in den letzten Monaten praktisch brach, insbesondere im Inland (-14,8%). Vermutlich waren die monatelang extrem hohen Temperaturen hierfür mitverantwortlich. Die Branche hofft nun auf einen zügigen und deutlichen Wintereinbruch, der die Nachfrage nach Winterbetten ankurbelt.

Allein die Sparte Möbelstoffe trotzte dem negativen Nachfragetrend. Nachfrageschwächen zeigten sich ebenso in der Sparte Dekorationsstoffe/Gardinen (-5,6%) wie bei den textilen Bodenbeläge (-12,2%), die ihre rückläufige Entwicklung in diesem Jahr ebenfalls fortsetzten. Die im Vorfeld der Jahrestagung unter den Mitgliedern durchgeführte Konjunkturklima-Umfrage spiegelte die Branchenentwicklung wider, wobei rund zwei Drittel der Melder in die Zukunft gerichtet jeweils etwa zur Hälfte mit einem stabilen oder einem wachsenden Jahresergebnis für 2018 rechnen - immerhin ein Lichtblick.

Rund 80 Teilnehmer waren zur Jahrestagung nach Stuttgart gekommen. Zur Einstimmung hatten die Gäste am ersten Tag im Anschluss an die interne Mitgliederversammlung die besondere Gelegenheit, an der Exklusivführung "Architektur & Textil" mit anschließenden Get-Together im Mercedes-Benz-Museum teilzunehmen. Ein beeindruckendes Erlebnis, das Architektur- und Auto-Liebhaber begeisterte.

Am zweiten Tag stieg das Tagungsprogramm mit dem öffentlichen Teil in die Fachthemen der Verbandsarbeit ein.In seiner Begrüßungsansprache blickte der alte und neue Verbands-Vorsitzende Ottmar Ihling zunächst auf den Zeitpunkt der Amtsübernahme des neuen Vorstandes im Jahre 2015 zurück und zeigte dann die erfolgreiche Umsetzung der gesteckten Ziele auf. "Wir sind besser und moderner aufgestellt als jemals zuvor", so Ihling.

Nach seiner Gründung erarbeitete der produktgruppenübergreifende Arbeitskreis Marketing zwei wichtige Produktimageprojekte. Zunächst wurde unter der Marke "House of Textile" ein Studentenwettbewerb nebst eigener Homepage (www.house-of-textile.com) und projektbegleitender Broschüre "Textile Vision" entwickelt und zum Wintersemester 2017/2018 gestartet. Die Ergebnisse können im kommenden Jahr auf der Frankfurter Heimtextil-Messe in Halle 9.0 besichtigt werden, danach soll die Imagekampagne, die sämtliche Heimtextilien im Fokus hat, weiterentwickelt werden. Parallel wurde die Marke "Carpet by Heimtex" ins Leben gerufen. Im Zentrum steht laut Ihling das Image von textilen Bodenbelägen.

Auch wenn mit den Produktimage-Projekten einer wichtigen Forderung der Mitglieder entsprochen wurde, bleibe laut Ihling die tägliche Unterstützung der Mitglieder ein Kernelement der Verbandsarbeit: "Wir sehen die Stärken unseres Verbandes weiter in der Unterstützung unserer Mitglieder zu rechtlichen, wirtschaftlichen oder technischen Fragestellungen im Tagesgeschäft.". Darüber hinaus habe sich das Team in Wuppertal in der Kooperation mit dem Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz in der Vergangenheit auch zu einem gefragten Dienstleister im Bereich der Geschäftsstellenführung entwickelt.

Und so sei es auch nicht verwunderlich, dass ab Januar 2019 ebenfalls der Fachverband der Matratzen-Industrie seine neue Heimat in der Wuppertaler Geschäftsstelle finden werde. "Ab dem kommenden Jahr betreuen wir dann im Kompetenzzentrum Textil + Sonnenschutz in Wuppertal insgesamt rund 150 Industrieunternehmen auf drei Fachverbände verteilt", sagte Ihling. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass ein großes Augenmerk darauf gelegt werde, dass jede Industrie ihre eigene Identität behalte, und möglichst jedes Mitglied individuell wahrgenommen werde.

Auf dem Programm der Jahrestagung standen auch Vorstandswahlen, wobei fünf der nun sieben Vorstandsmitglieder (zuvor sechs) in ihren Ämtern bestätigt wurden. Die Fachgruppe Bettwaren, die bisher alleinig durch Thomas Bußkamp als Sprecher vertreten wurde, verstärkt künftig der neu gewählte stellvertretende Sprecher Thomas Müller von Centa-Star. Der Vorstand gehören jetzt an: Ottmar Ihling (Vorsitzender, Alfred Apelt GmbH), Thomas Bußkamp (stellvertretender Vorsitzender, Badenia Bettcomfort GmbH), Harald Cleven (Schatzmeister, longlife Teppichboden Berndt ClevenGmbH & Co.), Markus Haick (Weseler Teppich GmbH & Co. KG), Thomas Müller (Centa Star Bettwaren GmbH & Co. KG), Stephan Naacke (Findeisen GmbH) und Claus Wölfel (Wölfel GmbH & Co. KG).

Abgerundet wurde die Tagung durch zwei Referentenvorträge von Dr. Reinhold Rapp und den Gründerinnen der Agentur zukunftStil. Livia Baum und Jutta Werner zeigten in ihrem Vortrag, wie sie zukünftige Trends erforschen - eine wichtige Voraussetzung für Unternehmen, um Bedürfnisse, Ziele und Wünsche ihrer Zielgruppe erfassen zu können und die passenden Konzepte dafür zu entwickeln. Ein gezieltes Trendscouting kann dabei erfolgreich Hilfestellung bieten. "Unsere Intention ist es, sich analytisch und kreativ mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Zukunft heißt Umschwung, Fortschritt und Mut. Stil ist die Ausprägung von Gestaltung. Beides zusammen ergibt ein neues Erscheinungsbild für die Gestaltung von morgen", erklärten die beiden Trendforscherinnen.

Dr. Reinhold Rapp, Mitglied im ThinkTank Zukunftsinstitut und anerkannter Experte für Marketing und Innovation, zeigte auf, wie sich Geschäftsmodelle, die Unternehmensstruktur und -kultur verändern, und welche Handlungsoptionen Unternehmen haben. Seine Botschaft: "Wir sind gerade am Wendepunkt zu einer neuen Innovationswelle, welche die erfolgreichen Unternehmen die nächsten Jahre tragen und weltweit Märkte verändert wird."

Er ermunterte die Teilnehmer, ihre Unternehmen kreativ zu führen und dabei auch bewusst von der Norm abzuweichen. Der Führungsstil müsse sich ändern: "Es hat noch keiner die Welt besser gemeckert", so Rapp. "Die Märkte, die Kunden und die Chancen sind da. Wir brauchen nur die Unternehmer, die es machen."
aus Haustex 12/18 (Wirtschaft)