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ViS Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz e.V.

ViS-Jahrestagung zeigt Schatten über dem Sonnenschutz


Der Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz meldet auf seiner Jahresversammlung in Salzburg Umsatzrückgänge bei Rollos, Lamellen & Co. Die Stimmung bei den Herstellern ist verhalten, die Lieferanten sind etwas optimistischer.

Salzburg mit der imposanten Festung Hohensalzburg und den berühmten Mozartkugeln empfing die rund 100 Gäste vom Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) zur Jahreshauptversammlung mit typisch österreichischem Charme. Der schöne Tagungsort konnte indes nicht über die gedämpfte Stimmung in der Industrievereinigung mit ihren 50 Mitgliedern hinwegtäuschen. Denn für das erste Halbjahr 2018 meldeten die Hersteller von Innensonnenschutz im Bereich Maßkonfektion einen Umsatzrückgang von 5,5 %. Dabei seien die Unternehmen doch "mit einer wahnsinnigen Euphorie in das Messejahr gestartet", betonte der ViS-Vorsitzende Ingo Fahl bei seiner Auftaktrede. "Wir haben uns auf der Heimtextil und der R+T sehr viel Mühe gegeben", erklärte der Ifasol-Geschäftsführer. Doch die ersten vier Monate seien dann nicht wie erwartet gelaufen. Neben einer riesigen Krankheitswelle im Winter hätten viele Discount-Aktionen den Absatz im Maß-Sonnenschutz beeinträchtigt.

Im zweiten Quartal konnte die Branche zwar einen Auftragsschub verbuchen, doch dann sei der "Jahrhundertsommer" gekommen. "Wer in der Sonne liegt, kann keine Produkte kaufen - jedenfalls nicht im stationären Handel", sagte Fahl treffend. So legte der ViS bei der Analyse seiner aktuellen Verbandszahlen schonungslos offen, dass die "rasante Entwicklung" im Onlinehandel zunächst den Rollo-Umsatz gedrückt habe, aber auch "bei den anderen Produktgruppen" weiter an Bedeutung gewinnen werde.

ViS-Geschäftsführer Martin Auerbach zitierte die aktuelle Konjunkturprognose des Ifo-Instituts, der zufolge das Wachstum insbesondere vom privaten Konsum und der Bauwirtschaft getragen wird. "Aber es kommt in unserer Branche nicht an." Die Baugenehmigungen seien gestiegen, doch die überwiegende Zahl der Handwerker könne die vielen anstehenden Aufträge gar nicht abarbeiten. "Die Ware liegt beim Hersteller, kann aber nicht verbaut werden."

Alle Produktgruppen im Minus

Die Umsatzentwicklung der einzelnen Sortimente weist laut Verbandsstatistik weist im ersten Halbjahr 2018 teilweise starke Rückgänge: Rollo (-11,6 %), Doppelrollo (-10,9 %), Vertikallamellen ( -8,6 %), Horizontaljalousien (-5,2 %), Plissee (-2,5 %), Wabenplissee (-0,9 %) und Flächenvorhang (-9,9 %).

Dabei sind die Umsatzanteile der Produktgruppen in Maßkonfektion im ersten und zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr weitgehend gleich geblieben: Der umsatzstärkste Artikel bleibt das Plissee mit 42,5 %. Mit deutlichem Abstand folgen Rollo (16,9 %), Vertikallamelle (11,6 %), Wabenplissee (10,7 %) und Horizontaljalousie (10,0 %). Von vergleichsweise geringer Marktbedeutung sind Flächenvorhänge (5,9 %) und Doppelrollo (2,3 %).

Bei der Analyse der Verbandsstatistik merkte Martin Auerbach an, dass die größte Produktgruppe Plissee/Wabenplissee "nur 2,5 % bzw. 0,9 %" nachgegeben habe. Nach einem "schlechten ersten Quartal" sei in den darauf folgenden vier Monaten jeweils wieder ein leichtes Umsatzwachstum zu verzeichnen gewesen. Die Umsätze im Vergleichsquartal 2017 hätten sich zudem "auf einem sehr hohen Niveau" bewegt, betonte er. Die Hersteller erwarten für sich weiteres Wachstum, insbesondere aufgrund der neuen optischen Vielfalt durch Digitaldrucktechnik sowie dem Mehrwert Energieeffizienz.

Von der negativen Umsatzentwicklung bei Horizontaljalousien zeigte sich der Verband "überrascht", weil das Lifestyle-Produkt gut zu modernen Architekturkonzepten passe. Der Rückgang bei Vertikallamellen wird mit "größeren Nachfrageschwankungen" begründet, da diese vorwiegend in Objekten zum Einsatz kommen.

Bei Flächenvorhängen werde der Markt "nach wie vor von billiger Importware dominiert". Das "Nischenprodukt" Doppelrollo habe seine negative Umsatztendenz im Vergleich zum Vorjahr "reduziert" (2017: -13,1 %). Beim Rollo sei hingegen die rückläufige Nachfrageentwicklung vom vierten Quartal 2017 auch in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weitergegangen. Das "unerwartet schlechte Ergebnis" sei u.a. der rasanten Entwicklung im Onlinehandel geschuldet ist. Die Branche hofft auch hier auf Innovationen durch die neue Digitaldrucktechnik.

Als zukunftsträchtiges Segment "mit positiver Entwicklung" setzt sie außerdem auf Smart Home-Konzepte, mit Lösungen zur Elektrifizierung und kabellosem Antrieb.

Die Lage ist "befriedigend",
die Zukunftsaussichten auch

Zur Beurteilung der wirtschaftlichen Situation hat der ViS unter den Mitgliedern im Juli/August 2018 eine Stimmungsumfrage durchgeführt. Dabei bewerteten die Hersteller die Umsatzentwicklung 2017 zu 41 % mit "gut" und zu 50 % mit "befriedigend". Die negativen Bewertungen lagen mit 9 % diesmal "deutlich höher" als in den Vorjahren und setzten sich für das erste Halbjahr 2018 fort, mit einer Steigerung auf 17 %. Dabei sprachen nur noch 17 % der Hersteller von einem "guten" ersten Halbjahr. Der Anteil der befriedigenden Bewertungen lag bei 66 %. Der Export verlief 2017 bei den Herstellern vergleichbar mit der Umsatzentwicklung insgesamt. In den ersten sechs Monaten 2018 mehrten sich sowohl die "guten" als auch die "schlechten" Einschätzungen.

Die Lieferanten bewerteten die Umsatzentwicklung 2017 ähnlich wie die Hersteller, das erste Halbjahr 2018 allerdings deutlich positiver. 31 % sagen "gut", 69 % "befriedigend". Negative Bewertungen gab es nicht. Zudem zeigten sich die Zulieferer mit dem Auslandsgeschäft "überdurchschnittlich zufrieden" - sowohl im Vorjahr als auch in den ersten sechs Monaten 2018. Dabei liegt ihr Exportanteil mit vielfach über 50 % auch deutlich höher als bei den Konfektionären, wo er durchschnittlich 13 % beträgt.

Dass es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts geht, damit rechnet vor allem die Zulieferindustrie. 62 % gehen von einem Wachstum aus, 38 % erwarten einen stabilen Umsatz. Bei den Herstellern sind es 42 % (Wachstum), 25 % (Stabilität) sowie 33 % (Umsatzrückgang).

Dass sich der innenliegende Sonnenschutz 2019 "verhalten" entwickelt, darüber ist sich die Mehrzahl der Befragten einig. Nur jeweils 17 % der Hersteller und Lieferanten gehen von einer positiven Konjunkturentwicklung aus. "Befriedigend" prognostizieren 83 % der Lieferanten und 58 % der Hersteller. Hier erwarten sogar 25 % eine negative Entwicklung.

Zwei neue Mitglieder

An der Tagung in Salzburg nahmen auch an der Verbandsarbeit interessierte Unternehmen teil, die u.a. auf der Weltleitmesse R+T mit dem ViS in Kontakt getreten waren. Erstmals war man in Stuttgart mit einem eigenen Messestand präsent gewesen, um Handwerksbetrieben aus dem Bereich Außensonnenschutz das Absatzpotenzial innenliegender Produkte aufzuzeigen.

Für konkreten Nachschub im Verband sorgen zwei neue Mitglieder: Der Sonnenschutz-Konfektionär Hotspotblinds (Marke Nature Deco) aus Brieskow-Finkenheerd sowie Leo Demetz Kunststoffverarbeitung mit Sitz in Mattighofen, Österreich.

Martin Auerbach berichtete, dass der ViS ein technisches Patent angemeldet hat und jetzt auf die Erteilung wartet: "Das wird noch sehr lange dauern, bis wir ausführlich berichten können." Weitere Details waren nicht zu erfahren.

Die Projektgruppe Dimout/Blackout (DIN 14500/14501) im ViS will die Norm für die Branche leicht verständlich umsetzen. Eine Webseite und ein Erklär-Video seien in Arbeit. Weiterhin wurde ein Kompendium "Produkteigenschaften" für Handel und Handwerk erstellt, in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum und Ausstattung (BSR). Brancheneinheitliche Standards sollen Reklamationen reduzieren. Kostenloser Download unter: vis-online.de/service.

Das "Elektrogesetz 2018" und dessen Umsetzung beschäftigt ebenfalls eine Projektgruppe. Es regelt die Bereitstellung, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten.

Der erstmals im vergangen Jahr durchgeführte Wettbewerb des ViS für Raumausstatter-Gesellen wird ausgebaut. Bei der Neuauflage 2019 soll es eine Kooperation mit den Berufsschulen geben. Die Förderung über Stipendien dient als Anreiz für einen Meisterabschluss. Weiterhin fungiert der Jungmeisterkreis Raumausstatter als Projektpartner. | Petra Lepp-Arnold
aus BTH Heimtex 11/18 (Wirtschaft)