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Interview mit Ulrich Tendyra, Anwendungstechniker Objectflor

"Aufeinander abgestimmte Systeme bieten Sicherheit"


Bei der Verlegung von Bodenbelägen in Feuchträumen sind baurechtliche und bautechnische Anforderungen zu beachten. Das ist unabhängig vom Bodenbelag und gilt für Vinylböden ebenso wie für keramische Fliesen. Wenn sich ein Bauherr für LVT im Bad entscheidet, kommen ausschließlich Dryback, sprich geklebte LVT-Beläge, in Frage. Ulrich Tendyra, Anwendungstechniker bei Objectflor, gibt grundsätzliche Tipps zur Verlegung von Designbelägen im Badezimmer.

FussbodenTechnik: Worauf muss ein Bodenleger Wert legen, wenn er LVT im Bad verlegen möchte?

Ulrich Tendyra: Es ist nicht damit getan, einen Bodenbelag im Bad einfach mit einem wasserfesten Klebstoffsystem zu verlegen, zu den aufgehenden Bauteilen eine Silikonfuge anzulegen und zu hoffen, dass dies funktioniert. Seit 2017 gibt es neue Normen, die allerdings längst noch nicht jeder Planer und Bodenleger anwendet. Planer, Sanitärinstallateur und Bodenleger sind gemeinsam für eine dauerhafte Abdichtung verantwortlich. Die DIN 18534-1 "Abdichtung von Innenräumen" enthält Angaben zu den Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätzen.

FT: Welche elastischen Bodenbeläge und welche Verlegewerkstoffe werden für eine LVT-Verlegung im Bad eingesetzt?

Tendyra: Grundsätzlich müssen LVT-Beläge geklebt werden. Diese Produkte sind in der Regel nicht wasserempfindlich. KlicK-Varianten oder Looselay-Produkte sind dagegen nicht geeignet. Eine pauschale Empfehlung für die "richtigen" Verlegewerkstoffe kann ich nicht geben. Das richtet sich immer nach den individuellen Anforderungen. Damit meine ich vor allem die Abdichtung. Die Hersteller bieten Systeme an, bei denen von der Abdichtung bis zum Kleber alles aufeinander abgestimmt ist.

FT: Wo kann sich ein Bodenleger Hilfe und Unterstützung holen, wenn der Kunde von ihm LVT im Bad verlangt?

Tendyra: Zunächst möchte ich betonen, dass die Verlegung von LVT im Badezimmer eine sichere Angelegenheit ist. Um die richtigen Werkstoffe für die Verlegung zu verwenden, ist es das Beste bei den Systemanbietern direkt nachzufragen.

Wir arbeiten aber im Moment an einer Liste aller Systemanbieter. Die stellen wir gerne zur Verfügung. Bodenleger können anhand der Liste Anbieter auswählen und klären, für welche Anwendung, welche Produkte geeignet sind. Damit sind alle Beteiligten auf der sicheren Seite.

FT: Damit der Endkunde dauerhaft Freude an seinem Belag im Bad hat, müssen die Abdichtungsklassen und die Abdichtung berücksichtigt werden. Was muss der Bodenleger dazu wissen?

Tendyra: In der DIN 18534-1 werden unterschiedliche Arten der Abdichtung aufgeführt sowie die Qualität der Abdichtung in Abhängigkeit der baulichen Situation. Die Boden- und Wandflächen in einem häuslichen Bad werden demnach in unterschiedliche Wassereinwirkungsklassen eingeteilt: Zwischen W0-I für Flächen mit nicht häufiger Einwirkung aus Spritzwasser bis hin zur W2-I für Flächen mit häufiger Einwirkung aus Brauchwasser. Für die jeweiligen Zonen gibt es genaue Vorgaben bezüglich der Abdichtung. Das müssen Bodenleger entsprechend umsetzen. Die Systemanbieter bieten ganz hilfreiche grafische Umsetzungen der Norm an, bei denen die verschiedenen Flächen in typischen Badsituationen eingezeichnet sind. Das finde ich nützlich bei der Planung.

FT: "Wer LVT an der Wand verklebt, arbeitet quasi in einer anderen Dimension", nämlich nicht mehr am Boden, sagte kürzlich ein Anwendungstechniker. Was bedeutet das in der Praxis?

Tendyra: Den Ausführungen des von Ihnen zitierten Anwendungstechnikers kann ich nur beipflichten. Die Normanforderungen sind vielen Bodenlegern tatsächlich nicht bekannt. Die neuen Systeme benötigen neues Wissen und auch die praktische Umsetzung ist anders. Ein Bodenleger, der eine Wand spachtelt, kennt das so nicht. Eine selbstverlaufende Spachtelmasse funktioniert an der Wand nicht. Produkte und ihre Anwendung müssen neu betrachtet und erlernt werden.

FT: Welche Vorteile haben LVT gegenüber klassischen Badbelägen wie keramischen Fliesen?

Tendyra: Keramische Fliesen gibt es heute auch in Holzoptiken, sodass die Optik wohnlich ist. Aber es ist ein harter Belag, der ohne Flächenheizung fußkalt ist. Designbeläge sind dagegen angenehm fußwarm. Außerdem steht und geht man besser darauf als auf harten Böden.

FT: Müssen die LVT-Beläge auch verfugt werden?

Tendyra: LVT-Fliesen oder -Planken müssen grundsätzlich nicht verfugt werden. Der Untergrund wird durch die Abdichtung vor dem Eindringen von Wasser geschützt. Wasser selbst hat keinen Einfluss auf ein Dryback oder Klebevinyl. Bei Holzoptiken gibt es also gar keinen Grund, Fugen vorzusehen. Anders ist es bei Steinoptiken. Damit sie wirklich authentisch wirken, gibt es Kunden, die sich Fugen wünschen. Passend zum Abdichtungssystem bieten die Hersteller geeignete Dichtstoffe für solche Fugen. Oft handelt es sich um Fugenmaterial auf Polymerbasis, die ähnlich ausgeführt werden wie Keramikfugen.

Anders sieht es mit den Abdichtungsfugen an Anschlussstellen wie der Badewanne oder bei Stoßfugen aus. Diese Fugen müssen auch bei Designbelägen mit einem geeigneten Dichtstoff geschlossen werden.

FT: Was eignet sich im Bad an Wand und Boden besser: kleine LVT-Formate oder große?

Tendyra: Bei der heutigen Ausführung von Fliesen im Bad, kommen vielfach großformatige Elemente zum Einsatz. In erster Linie ist die Formatwahl eine Frage des Geschmacks. Die Fugen spielen ja keine so große Rolle bei Designbelägen. Grundsätzlich sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass die Verarbeitung von großen Elementen mehr Sorgfalt erfordert.

FT: Wie können wir in Deutschland von den Erfahrungen aus dem Ausland profitieren? Es gibt Länder, in denen elastische Beläge im Badezimmer bereits ja seit Jahren zum Einsatz kommen.

Tendyra: In den skandinavischen Ländern ist eine Ausstattung mit Kunststoffbelägen im Nassbereich nicht wirklich neu. Hier kam aber vorzugsweise PVC-Bahnenware zum Einsatz. Die am Markt befindlichen Systeme sind viele Jahre erprobt und sicher in der Anwendung. Aber diese Art von Badezimmerdesign entspricht nicht mehr den Wünschen unserer Kunden. Die neuen Systeme mit Designbelägen benötigen neues Wissen, denn die Umsetzung ist eine ganz andere. Das gilt vor allem für den Einsatz von Designbelägen an Wänden. Insofern muss man sagen, dass die Erfahrungen, auf Grund der unterschiedlichen Systeme, leider wenig nützlich sind.

FT: Im Bad geht es ja immer auch um Rutschsicherheit. Wie können elastische Bodenbeläge im Bad ausreichend Sicherheit bieten und ein Ausrutschen auf nasser Fläche verhindern?

Tendyra: Bei unseren Designbelägen ist die Rutschhemmung R10 Standard. Diese Klasse ist für Wohnräume und auch für Küchen geeignet und bietet einen guten Schutz. Wenn es allerdings um nassbelastete Barfußbereiche geht, reicht R 10 nicht aus. Laut GUV-I 8527 bewegen wir uns bei bodengleichen Duschen in der Bewertungsgruppe B. Deshalb müssen wir die Rutschhemmung der Designbeläge erhöhen. Dafür gibt es spezielle Lacksysteme, die die geforderten Ansprüche der Rutschhemmung erfüllen. Sie müssen nach der Verlegung aufgetragen werden.

FT: Vor ein paar Jahren kam "Parkett im Bad" auf. Hat "LVT im Bad" das Potenzial, eine Erfolgsgeschichte zu werden?

Tendyra: Das kann in der Tat ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte von LVT werden. Die Anforderungen mit der Abdichtung benötigen fundiertes Wissen und Fertigkeiten. Für einen Do-it-Yourselfer kaum umsetzbar. Verleger haben also die Möglichkeit, hier ein neues Geschäftsfeld zu eröffnen und eine sichere Ausführung dieser Trendbeläge anzubieten. Und zum Thema Wand möchte ich sagen: Die Erfolgsgeschichte der LVT geht ihren Weg - nun auch in einer anderen Dimension.

FT: Wie können die Verarbeiter ihr Wissen zu den Anforderungen erweitern und die Umsetzung in der Praxis erlernen?

Tendyra: "LVT im Bad" ist ein Thema, das wir - mit Systemanbietern für die Verlegung - verstärkt und im Schulterschluss in den Fokus nehmen werden. Das hat den Vorteil, dass bei den geplanten Ausführungen die Systeme konform mit uns abgestimmt und objektbezogen durchgeführt werden. Wir werden unser Programm der LVT-Schulungen auf jeden Fall entsprechend erweitern. Zurzeit sind wir in der Phase der Vorbereitung und Entwicklung passender Formate.
aus FussbodenTechnik 05/18 (Wirtschaft)