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GHF Bundesverband Großhandel Heim & Farbe e.V.

Marktveränderungen zwingen GHF-Mitglieder zum Handeln


Euphorie kommt bei den Großhändlern trotz gestiegener Umsätze und insgesamt guter Wirtschaftsprognosen nicht auf. Zu groß sind die Herausforderungen wie Fachkräftemangel und Digitalisierung. Die GHF-Tagung lieferte Ansätze, der Entwicklung zu begegnen.

Der Bundesverband Großhandel Heim & Farbe (GHF) glänzte bei seiner Mitglieder- und Jahres-hauptversammlung einmal mehr mit einer Reihe hochkarätiger Referenten, die der Branche auf unterhaltsame Weise Inspirationen für erfolgreiches unternehmerisches Handeln lieferten. "Mit den Vorträgen wollen wir neue Wege aufzeigen im Markt, der sich in hoher Geschwindigkeit verändert", erläuterte die GHF-Vorsitzende Christina Engelhard in ihrer Begrüßungsrede im Münsteraner Hotel Mövenpick. Angesprochen wurden Zukunftsthemen von der Digitalisierung über Durchsetzungsstärke von Führungskräften bis hin zur Kooperation von Großhandel, Industrie und Handwerk. Für Glamour sorgte Joey Kelly, der über den Ausdauersport als Ausgleich zu seiner musikalischen Tätigkeit in der Kelly Family berichtete.

Nach den Vorträgen war klar: Es gibt viele Faktoren, die die Zukunft des Großhandels beeinflussen. Doch schon zu Beginn hatte Engelhard darauf verwiesen, dass die Mitarbeiter in den Unternehmen dabei die Hauptrolle spielen: "Sie sind verantwortlich für den Erfolg." Voraussetzung dafür sei, dass die Belegschaft intensiv geschult und weitergebildet wird. Ein umfassendes Angebot findet sich in der neuen Schulungsbroschüre des GHF. Sie wurde erweitert um ein Teppichboden Intensiv--Seminar, "das die Begeisterung für textile Beläge im Verkauf fördern soll", wie die Vorsitzende betonte. Dies sei ein Schritt, um die schwache Nachfrage in diesem Segment zu steigern. Das Seminar findet an drei Tagen im März und November 2018 vor Ort bei der Industrie statt und soll künftig auch für andere Sortimentsbereiche angeboten werden.

Wunsch nach Kooperation
mit der Industrie

Außer auf Weiterbildung setzt Engelhard, die nunmehr seit zwei Jahren den Verband führt, auch auf die Zusammenarbeit von Industrie und Großhandel. "Nur gemeinsam können wir weiter wachsen und erfolgreich sein", appellierte sie an die rund 250 Gäste, darunter 35 % Großhändler und 65 % von Lieferantenseite. Ob die Vertreter dieser beiden Bereiche geschäftlich noch näher zusammenrücken, bleibt abzuwarten. Die angeregten Gespräche in den Pausen und beim abendlichen Buffet am Ende des ersten Sitzungstages lassen aber Hoffnung keimen, dass sich der Wunsch der Verbandsvorsitzenden erfüllt. Schließlich bekamen Hersteller und Händler genug Anregungen mit auf den Weg, die eine gemeinsame Umsetzung verlangen.

Jürgen Wagner machte deutlich, vor welchen Herausforderungen die Branche steht. Bevor er darauf im Detail einging, servierte er zum letzten Mal als Geschäftsführer die Umsatzzahlen im Großhandel. Wagner wird den GHF, den er zwölf Jahre lang leitete, Ende Februar 2018 nach Auslaufen seines Vertrags verlassen. Laut seinen Angaben schreitet der Konzentrationsprozess im Großhandel ungebremst voran. So sank die Zahl der Zentralen von 121 im Jahr 2016 auf 87 in diesem Jahr und damit um 28 %. Gleichzeitig gibt es aktuell mit 624 Niederlassungen satte 61 % mehr als im vergangenen Jahr. Von 2016 bis 2017 legte die Zahl der Verkaufsstellen um 40 % auf 711 zu.

Während diese Entwicklung seit Jahren Sorgen bereitet, hat der Großhandel das erste Halbjahr 2017 mit einem zufrieden stellenden finanziellen Ergebnis beendet, wie die Zahlen des Instituts für Handelsforschung in Köln deutlich machen. Der Umsatz im Farben- und Bodenbelagsgroßhandel stieg über alle Sortimente hinweg in den ersten sechs Monaten gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 2,4 %.

Im Bodenbelagsgroßhandel legten vor allem elastische Beläge (+5,9 %) sowie Zubehör und Randsortimente (+8,5 %) zu. Der Umsatz mit Parkett/Laminat stieg um 1,9 %, mit Klebstoffen und Spachtelmassen um 4,7 %. Bei textilen Belägen gab es nach einem geringen Plus im ersten Halbjahr 2016 wieder einen leichten Rückgang um 0,8 %.

Der Farbengroßhandel, der im ersten Halbjahr 2016 gegenüber den ersten Monaten 2015 erhebliche Einbußen hinnehmen musste, bewegte sich im ersten Halbjahr 2017 durchweg wieder im positiven Bereich. Kräftige Umsatzzuwächse gab es bei Zubehör und Randsortimenten (+9,9 %), WDVS (+7,6 %) und Tapeten (+7,3 %). Moderatere Anstiege sind bei Werkzeugen (+4,1%), Dispersionsfarben und -putzen sowie mineralischen Farben (+3,5 %) und Lackfarben (+2,5 %) zu verzeichnen, minimale bei Heimtextilien (+0,1 %).

Positive Anzeichen für die Zukunft senden nach Einschätzung Wagners der Ifo-Geschäftsklima-Index und zurückgehende Insolvenzen. Auch die Neubautätigkeit, insbesondere im Wohnungsbau, sei weiter rege. In diesem Jahr steigt der Umsatz im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahr nach Prognosen der Deutschen Bauindustrie um insgesamt 6 % (Wohnungsbau +7,5%) und im kommenden Jahr um 5,5 % (Wohnungsbau +7 %).

Handel vor großen Herausforderungen

Trotz dieser Perspektiven und leicht gestiegener Umsätze sieht Wagner den Großhandel stark unter Druck. Er werde sich erheblich verändern. Ein Grund dafür sei der Nachwuchsmangel, was nicht zuletzt an der steigenden Beliebtheit eines Studiums liege. Wagner riet seinen Zuhörern wie anfangs schon die GHF-Vorsitzende: "Bilden Sie Ihre jungen Leute und Ihr vorhandenes Personal aus." Im härter werdenden Wettbewerb könnten die Unternehmen nur mit gut ausgebildeten Mitarbeitern bestehen.

Als weitere Bedrohung stufte der Geschäftsführer die zunehmende Transparenz auf dem Markt ein, die Preise und Margen nach unten drücke. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche der Kunden an die Warenverfügbarkeit und den Service. Zudem gebe es insbesondere für den Farbengroßhandel Konkurrenz durch den Baustoffhandel. "Der Maler wir immer mehr zum Generalisten und kauft WDVS, Boden, Farben und vieles mehr im Baustofffachhandel ein", warnte Wagner. Last but not least droht nach seinen Worten Ungemach durch neue Marktteilnehmer aus dem Internet - etwa Amazon -, die auch im B2B-Markt aktiv sind.

"Wir bieten keine Patentlösungen, aber viele Anregungen und Umsetzungsmöglichkeiten", sagte Christina Engelhard zum Abschluss der hervorragend organisierten Veranstaltung. Sie rief die Teilnehmer auf, die Herausforderungen am Markt nun in einem anderen Licht zu betrachten und sich ihnen zu stellen.

Wie die persönlichen Ziele mit Ehrgeiz und Disziplin erreicht werden können, stellte Joey Kelly abschließend eindrucksvoll unter Beweis. Er ist nicht nur als Mitglied der Kelly Family erfolgreich, die kürzlich ein Comeback geschafft hat, sondern auch als Extremsportler. Immer am Ball bleiben, heißt seine Devise.

Die nächste GHF-Mitglieder- und Jahreshaupt-versammlung findet vom 19. bis 20. September 2018 im Steigenberger Airport Hotel in Frankfurt statt. Ein Jahr später wird Hamburg Veranstaltungsort sein.
cornelia.kuesel@snfachpresse.de
aus BTH Heimtex 11/17 (Wirtschaft)