ePrivacy and GPDR Cookie Consent by CookieConsent.com

US Floors International llc

"Die wasserfeste Alternative zu Vollvinyl-Klick"


US Floors vertreibt selbst entwickelte WPC-Designbeläge unter der Marke Coretec seit 2016 auch in Europa. Das Klickprodukt wird als Alleskönner und Problemlöser vermarktet.

Als Jan Dossche in diesem Sommer Geburtstag feierte, zählte auch eine Berühmtheit zu seinen Gratulanten. Der legendäre US-Unternehmer Warren Buffett schickte dem 55-jährigen Belgier seine Glückwünsche per Videobotschaft über den Atlantik und lobte ihn gleichzeitig für seine "außergewöhnlichen unternehmerischen Erfolge" mit US Floors International. Dossche leitet die Ende 2015 gegründete Vertriebsgesellschaft. Sie ist der europäische Ableger des in den USA beheimateten und von seinem älteren Bruder Piet Dossche 2001 gegründeten Bodenbelagsanbieters US Floors.

Piet Dossche hat seine Karriere in der Branche als Manager bei Beaulieu begonnen. Die beiden Buchstaben U und S in der Firmierung stehen nicht wie man vermutet für "United States" sondern für "unique" (einzigartig) und "sustainable" (tragfähig, nachhaltig). Zwischen 2012 und 2016 war es dem 57-Jährigen und seiner Mannschaft gelungen, den Umsatz in den USA von 85 auf 400 Mio. USD fast zu verfünffachen.

Die Erfolgsgeschichte von US Floors hat Shaw - nach Mohawk der weltweit zweitgrößte Bodenbelagshersteller - derart überzeugt, dass man US Floors 2016 gekauft hat. Shaw wiederum gehört seit vielen Jahren zu Berkshire Hathaway, dem Firmenimperium von Buffett. Für 2017 rechnet US Floors nun mit 550 Mio. USD Umsatz. Das Erfolgsgeheimnis zu dieser Steigerung heißt Coretec.

WPC ist Erfolgsgarant

Der Markenname bezeichnet einen neuen, zusammen mit chinesischen Produktionspartnern über einige Jahre hinweg entwickelten Designbelag zum Klicken. Coretec ist eine patentierte, so genannte Wood Plastic Composite-Konstruktion. Die extrudierte, starre und 5 mm starke Trägerplatte besteht aus Kalkstein, Bambus, PVC und recyceltem Holz. Aufkaschiert ist ein mit zweifacher UV-Acrylatschicht versiegeltes 1 bis 1,5 mm dickes PVC-Deck. Als Gegenzug und Trittschalldämmung fungiert eine Korkschicht. Mit diesem Produkt macht US Floors in Amerika rund 80 % seines Umsatzes.

"Wir positionieren den Verbundwerkstoffboden Coretec in erster Linie als Alternative zu Klickbelägen aus Vollvinyl, die gewisse technische Grenze aufweisen", erklärt Karl-Heinz Hausberg. Der Vertriebsleiter D/A/CH und Italien beschreibt den Designbelag als 100 % wasserfest, absolut maßstabil und verlegefreundlich. "Unser Produkt muss vor der Installation auch nicht akklimatisiert werden und kann sofort installiert werden. Denn die Trägermaterialien arbeiten nicht mehr; weder schrumpft der Belag noch dehnt er sich aus." Ein Raum mit einer Fläche von 20 x 20 m könne mit Coretec problemlos ohne Dehnungsfuge ausgelegt werden. Der Anbieter gibt zudem eine lebenslange Garantie auf Wasserfestigkeit. Um das zu versinnbildlichen, steht im frisch bezogenen Showroom im belgischen Kruishoutem ein Glasgefäß, in dem eine abgeschnittene Coretec-Planke im Wasser steht.

Nach Unternehmensangaben gleichen die Planken und Fliesen Unebenheiten von bis zu 3 mm aus, beispielsweise auf altem Estrich. Deswegen sei keine zusätzliche Unterlage nötig. Der applizierte Korkrücken reduziert zudem Gehgeräusche und erhöht den Gehkomfort. Die beiden Schichten UV-Acrylharz schützen die Belagsoberfläche und machen sie laut US Floors unempfindlich gegen Verkratzen. Entsprechend gibt es eine lebenslange Produktgarantie im Privatbereich sowie zehn Jahre bei Installation im Objekt.

Dekore überzeugen

Aktuell bestückt US Floors International sein Coretec-Sortiment für Europa mit 56 Positionen in fünf Kollektionen. Die 44 Hölzer und zwölf Steine werden gekonnt reproduziert. Was sofort ins Auge fällt: Die Coretec-Oberflächen sind sehr matt gehalten. Der Boden sieht kaum nach Plastik aus. Dafür sorgt auch das Acryharz. Vor allem die dekorsynchron geprägten Ausführungen der HD Collection ähneln stark echtem Holz.

Im Sortiment gibt es detailreiche Holzmaserungen, sowohl elegant als auch rustikaler interpretiert. Der Schwerpunkt liegt auf hellen Farben. Die Stein- und Fliesendesigns können mit ihrer Authentizität überzeugen. Gelungen sind auch die Farbverläufe und -harmonien (multi color effect). Angelegt sind sie entweder auf ein und derselben Diele bzw. Fliese - beispielsweise bei Vineyard Barrel Driftwood und Weathered Concrete - oder im Zusammenspiel mehrerer Elemente auf der Fläche - gut umgesetzt im Dekor Kolia Oak.

Alle Produkte sind mit einer 0,55 mm starken Nutzschicht ausgestattet und verfügen über Aufbauhöhen zwischen 8 und 8,5 mm. Damit sind sie deutlich dicker als Vollvinyl-Klickware, jene Produktgattung, zu der Cortec im Vertrieb als Alternative positioniert wird. Die Längen der Planken reichen vom Standardmaß 1.200 mm bis zur XL-Größe 1.830 mm. Insgesamt werden fünf unterschiedliche Dielenbreiten zwischen 127 und 228 mm geboten. Viele Coretec-Produkte sind mit einer umlaufenden Fase versehen.

Präsent an 950 Verkaufspunkten

Heute sind Coretec-Designbeläge laut Händlersuche auf der Webseite von US Floors International an rund 950 Verkaufspunkten in Europa verfügbar, mit Schwerpunkten in Belgien, Niederlande, Deutschland, Frankreich, Schweiz und Italien. Vertriebsleiter Hausberg hat es in Deutschland in den anderthalb Jahren seit Gründung der europäischen Gesellschaft geschafft, dass mehr als 100 Handelspartner ein Coretec-Display in ihrer Ausstellung haben, darunter alle Großhändler der Copa sowie der FHR. Man arbeitet in Deutschland mit drei Außendienstmitarbeitern. Das gesamte Team von US Floors International besteht aus 15 Personen.

Der 48-jährige Hausberg verfügt über gute Kontakte in der Branche. Er war acht Jahre für Unilin tätig. Bis 2012 verantwortete er dort als Exportmanager Zentral- und Osteuropa. Davor arbeitete er bei der ehemaligen Balta-Tochter Domo. Die letzten fünf Jahre war er in der Schweiz, wo er seit 2009 auch lebt und u.a. im Bereich Sonnenschutz selbstständig tätig war.

In der Zeit in Osteuropa haben sich Karl-Heinz Hausberg und Jan Dossche kennen gelernt. Dossche arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Bodenbelagsbranche; war unter anderem Importeur von Unilin-Belägen der Marke Quick-Step für Rumänien. Dort baute er ab 1991 eine Fachmarktkette für Bodenbeläge auf. Als er sie verkaufte, zählte sie 25 Standorte.

Beide sind sehr optimistisch, dass die Umsatzkurve in Deutschland und Europa weiter steil nach oben verläuft. Die Übernahme durch Schwergewicht Shaw fördere diese Entwicklung, sagt Dossche. Jans Bruder Piet, der US Floors-Chef, ist mittlerweile bei der Muttergesellschaft zusätzlich verantwortlich für das weltweite Geschäft mit Hartbelägen.

Starker Mutter-Konzern Shaw

Es sei für seinen Bruder zwar eine schwere Entscheidung gewesen, dass selbst aufgebaute Unternehmen US Floors zu verkaufen. Der enorme Erfolg, so schön er auch sei, habe die Organisation aber vor große Herausforderungen gestellt. Die Übernahme durch Shaw stelle sicher, dass man das hohe Niveau bei Produktqualität und Service im Alltagsgeschäft halten und ausbauen könne.

Ihren Kunden in Europa bieten Dossche und Hausberg die Lieferung von allen Coretec-Dekoren innerhalb von maximal 72 Stunden. Die Logistik erfolgt ab Lager bei dem im Mai 2017 bezogenen Showroom in Flandern. "Wir halten ständig 2.500 m2 von jeder der 56 Positionen vorrätig", betont Jan Dossche. Neben der Lieferung von ganzen Paletten bietet US Floors International auch das Picking, die Bereitstellung von Kommissionen an.

Bisher kommen Coretec-Designbeläge von festen Produktionspartnern aus Asien. In Schanghai unterhält US Floors eine Dependance unter der Leitung von Piet Dossches ältestem Sohn Julian. Dort überwacht man die Qualität, organisiert die Logistik und treibt Produktentwicklungen voran.

In Zukunft wird die Warenverfügbarkeit noch einmal verbessert. Shaw und US Floors haben im Juli im amerikanischen Dalton (Georgia) ein neues Werk in Betrieb genommen. "Es ist die erste Produktion für WPC-Bodenbeläge außerhalb Chinas", verkündet Jan Dossche stolz. Die Anlage soll zunächst über eine Kapazität von 8 Mio. m2 verfügen. Sein Bruder Piet geht davon aus, dass diese Art von Verbundwerkstoffen als Trägerschicht die Bodenbelagswelt stark verändern werde, weil sie eine ernsthafte Alternative darstellten für klassische Designbeläge komplett aus PVC.

jochen.lange@snfachpresse.de
aus BTH Heimtex 09/17 (Wirtschaft)