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Ardex im Interview des Monats

Spachtelmasse für fast alle Untergründe


Ardex hat mit der K 60 eine neue zweikomponentige Ausgleichs- und Glättmasse auf Latexbasis im Programm, die drei Vorteile auf einen Schlag bietet: Sie ist auf nahezu allen Untergründen einsetzbar, beinhaltet die Grundierung und es muss kein Wasser abgemessen werden. Zu diesem und weiteren Themen, wie den baulichen Aktivitäten, der Zusammenarbeit mit Wakol und den Schulungen der Ardex Academy sprach FussbodenTechnik mit Dr. Hubert Motzet, Geschäftsführer Technik, Dr. Ulrich Dahlhoff, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, Dr. Markus Stolper, Leiter Marketing und Vertrieb und Martin Kupka, Leiter Boden Wand Decke im Technischen Dienst.

FussbodenTechnik: Mit der K 39 hat Ardex vor zwei Jahren eine Spachtelmasse vorgestellt, die sich im Abbindeverhalten leicht wieder reaktivieren lässt, wenn man sie anarbeiten möchte. Wie war die Resonanz darauf?

Dr. Markus Stolper: Die Einführung der reaktivierbaren Bodenspachtelmasse K 39 war eine der erfolgreichsten Neuprodukteinführungen, die Ardex jemals vollzogen hat. Das war ein toller Erfolg. Für viele Verarbeiter ist dieses Produkt so komfortabel, da auch alleine mühelos größere Flächen realisiert werden können. Deshalb nennen viele das Produkt auch "Ein-Mann-Spachtelmasse". Für uns ist es ein zentrales Thema, dass verschiedene Verarbeitergruppen die Vorteile unserer Produkte gezielt für sich nutzen können.

FT: Sie haben aktuell wieder eine besondere Spachtelmasse vorgestellt. Für welche Zielgruppe ist die K 60 gedacht?

Martin Kupka: Die Ausgleichs- und Glättmasse auf Latexbasis K 60 zielt auf Verarbeiter ab, die unsicher sind, ob sie auf einen nicht genau bekannten Untergrund draufgehen können. Die Spachtelmasse K 60 ist für 90 % aller und insbesondere kritische Untergründe geeignet und sorgt so für Sicherheit. Das sehr komfortable Produkt schließt mögliche Fehlerquellen von vornherein aus. Aus diesem Grund muss auch kein Wasser abgemessen, sondern einfach die bereits abgestimmte Latexmilch aus einem Kanister mit dem Pulver angerührt werden. Zudem ist keine zusätzliche Grundierung erforderlich, da diese bereits enthalten ist - das spart einen Arbeitsgang und damit natürlich Zeit und Geld.

FT: Das erinnert so ein bisschen an Convenience-Produkte beim Kochen

Dr. Hubert Motzet: Unsere Philosophie ist es, Sicherheit zu bieten. Auch ein Handwerker, der als Quereinsteiger den Beruf nicht von der Pike auf gelernt hat, muss in der Lage sein, ein sauberes und sicheres Gewerk abzuliefern. Er erhält eine Alternative zu komplexen Aufbauten mit Grundierung, Vorspachteln und Spachteln. Unsere Produkte bieten auf der einen Seite Sicherheit und Komfort. Auf der anderen Seite bietet K 60 dem Profi die Möglichkeit, sich mit seiner Arbeit zu differenzieren, weil er effizienter arbeitet, wenn er Arbeitsschritte, wie z.B. das Grundieren, einspart.

Kupka: Auch Ein-Mann-Handwerker-Betriebe profitieren von einer starken Marke, mit der sie sich differenzieren können. Der Verarbeiter kann gegenüber seinen Kunden besser argumentieren: Er kann alles machen und setzt dabei ausschließlich Markenprodukte ein. Das billige Spachtelmassenprogramm aus dem Baumarkt wird für diese Handwerker kein Thema mehr sein, weil sie sich mit einem professionellen Ergebnis hervorheben können.

Dr. Stolper: Es gibt natürlich noch einen ganz praktischen Unterschied: Neben dem eigentlichen Produkt ist die Serviceseite und die vertriebliche Komponente ebenso wichtig. Mit der Vertriebsdichte, die wir mit über 70 Mitarbeitern im Außendienst haben, bieten wir einen Service mit Nähe, Beratung und Verlässlichkeit, der sich z.B. nicht über Eigenmarken abbilden lässt. Für die Marktbearbeitung schauen wir uns die einzelnen Kunden genau an. Eine Segmentierung kann dabei nicht länger ausschließlich nach dem Ausbildungsniveau erfolgen, sondern richtet sich nach dem eigenen Qualitätsanspruch.

FT: Noch einmal zurück zum Produkt. Ließe sich die Technologie der Spachtelmasse K 39, nämlich abgebundene Produkte zu reaktivieren, auch auf andere Produkte übertragen?

Dr. Motzet: Wenn wir an Schnellbauprodukte denken, sind Estriche ein ganz wichtiges Thema. Sie sorgen für eine frühere Begehbarkeit und Belegreife, aber ich muss den Kompromiss einer kürzeren Verarbeitungszeit in Kauf nehmen. Wir haben Anfang 2016 Bindemittel mit einer langen Verarbeitungszeit von 60 und 90 Minuten auf den Markt gebracht, d.h. die Verarbeitungszeit ist verdoppelt und trotzdem am nächsten Tag die Belegreife erzielt. Das zu kombinieren ist ein echter Spagat.

Dr. Ulrich Dahlhoff: Ein spannendes Thema sind auch die Schlauchlängen bei der Estrichförderung. Wenn man das auch bei hohen Temperaturen beherrscht, dann ist man auf dem richtigen Weg. Wir haben in den letzten drei Jahren viel Zeit und Arbeit investiert, um dieses Thema als Systemlogik Boden zu bearbeiten. Man kann die Produktthemen von unten nach oben denken, oder von oben nach unten. Wir nutzen beide und haben uns im Bereich der Produktsysteme entscheidend weiterentwickelt.

Dr. Stolper: Unser Credo ist Einfachheit in Kombination mit Spitzentechnologie. Man denkt im ersten Moment, das ist ein Widerspruch: Was einfach ist, kann nicht spitzentechnologisch sein. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen diese Spitzentechnologie nutzen, um für den Verarbeiter den Komfort zu erhöhen, um es einfacher zu machen. Das gilt für eine Spachtelmasse K 39, das gilt für K 60 und z. B. auch für die neue selbstverlaufende Abdichtung S 8 Flow.

Dr. Motzet: Wir haben aktuell eine sehr vielfältige Bandbreite an Technologien gleichwertig bei Ardex vertreten. Nehmen wir das Beispiel Klebstoffe: Wir können Pulverparkettklebstoff genauso wie Dispersion-, Polyurethan-, SMP-, Epoxidharz- sowie Hybridsysteme und Silikon. Das haben wir alles bei uns in eigener Kompetenz im Haus. Auf dieser Basis sind wir nicht dazu getrieben, dem Verleger eine bestimmte Produktgattung aufzudrängen. Wir können das optimale Ergebnis anbieten, unabhängig von der dahinter stehenden Technologie.

FT: Wie funktioniert es, wenn man mit Ardex und Wakol gleich zwei Marken aus einem Hause hat? Kommen sich beide nicht in die Quere?

Dr. Stolper: Es funktioniert sehr gut. Wir haben eine klare Trennung nach Vertriebskanälen. Ardex ist bekanntlich die einzige Marke, die ausschließlich über den Fachhandel agiert. Wakol ist spezialisiert auf das Direktgeschäft. Die sehr wenigen Überschneidungen lösen wir im direkten Dialog.

FT: Wird Wakol irgendwann komplett in Ardex integriert?

Dr. Stolper: Die Ardex-Gruppe verfolgt eine Mehrmarkenstrategie. Wenn Sie sich mal die Historie von Zukäufen anschauen, haben alle Unternehmen ihre eigene Identität und Philosophie behalten. Das entspricht unserem Denken als Familienunternehmen. Wir wollen die akquirierte Technologie in der Unternehmensgruppe haben, um das Know-how und das Anwenderwissen in der Gruppe nutzbar zu machen. Es kann sein, dass wir gewisse Wakol-Technologien in Skandinavien nutzen, um dort Produkte zu verkaufen. Letztendlich wäre es fatal, den anderen Marken der Ardex-Gruppe ihre Stärken zu rauben. Wir profitieren von der engen Zusammenarbeit, beispielsweise in der Forschung & Entwicklung. Dort gibt es noch unheimlich viele Potenziale, die man generieren und heben kann. Wakol wird seine Eigenständigkeit und Identität definitiv behalten.

Dr. Motzet: Die Eigenständigkeit drückt sich auch ganz bewusst dadurch aus, dass Ardex nicht 100 % der Firmenanteile übernommen hat. Wir möchten die Inhaber, die Werte geschaffen haben, die in der x-ten Genration in der Nachfolge der Familie stehen, die mit Leib und Seele das Unternehmen leben - deren besonderen Spirit möchten wir in der Gruppe behalten.

Dr. Stolper: Wie gut das funktioniert, zeigt das Beispiel Lugato. Das Unternehmen ist seit 20 Jahren Teil unserer Unternehmensgruppe mit eigener Geschäftsführung, Produktion sowie Forschung & Entwicklung. Es gibt natürlich einen Kompetenz- und Wissensaustausch auf verschiedenen Ebenen. Wir dürfen nicht den Fehler machen, die Kundenperspektive zu verlieren. Lugato ist im DIY-Bereich aktiv und hat somit andere Kunden, nämlich den Heimwerker.

Um es klar zu sagen: Wakol ist ein hervorragendes Unternehmen. Die Sinnhaftigkeit für Wakol liegt nur darin, Potenziale zu nutzen, die man in der Ardex-Gruppe besser heben kann. Stichwort: Internationalisierung des Geschäfts.

FT: Die Ardex-Gruppe hat nicht nur in eine zusätzliche Marke, sondern am Standort Witten auch zahlreiche neue Gebäude geschaffen. Alles begann mit der Sanierung der Gründervilla, dann kam der Neubau der Mischanlage für Pulverprodukte, der Neubau der Produktion für Flüssigprodukte und das Schulungszentrum. Wie steht es um den Neubau für Forschung & Entwicklung?

Dr. Motzet: Die Arbeiten werden Ende 2016 abgeschlossen sein. In dem Gebäude sind Labor, Forschung & Entwicklung sowie die Anwendungstechnik unter einem Dach. Wir versprechen uns davon einen gewaltigen Schub, was technische Möglichkeiten und Innovationen angeht.

FT: Können Sie etwas zur Ausstattung sagen?

Dr. Motzet: Wir nutzen die ganze Bandbreite an analytischen Möglichkeiten und wissenschaftlichem Know-how. Wir sind in erster Linie auf die Produktentwicklung ausgelegt, d.h. wir verfügen über zahlreiche Prüfgeräte, um wirklich anwendungsnah mechanische und physikalische Prüfungen durchführen zu können. Das Besondere sind die anwendungsnahen Prüfungen im großen Maßstab, die ich in der Breite noch nirgends gesehen habe. Wir verfügen über ein Baustellen-Test-Zentrum (BTZ), in dem wir über Monate und Jahre Messungen unter praktischen Baustellenbedingungen und eben nicht nur unter Laborbedingungen durchführen. Das ist ganz sicher eine Spezialität.

Dr. Dahlhoff: Unser BTZ hat den unschlagbaren Vorteil, dass wir mit Kunden quasi auf der Baustelle diskutieren und arbeiten können. Methodisch ist es ein großer Unterschied, ob man das in einem sauberen Seminarraum oder direkt auf der Baustelle tut.

Kupka: Ich kenne keine Wettbewerber, wo man sich baustellennah so austoben kann. Wir nennen das den Spielplatz für Große. Wir bearbeiten dort Flächen, wie sie in der Realität vorzufinden sind. Wir können dort auch die Grenzbereiche der Produkte ausloten.

FT: Hat die neue bauliche Situation auch weitere Vorteile?

Dr. Motzet: Uns ist die Kooperation zwischen den einzelnen Abteilungen sehr wichtig. Wir arbeiten mit Marketing, Produktmanagement, Vertrieb, Labor und Anwendungstechnik eng zusammen. Nur in diesem Zusammenspiel entstehen marktgerechte Produkte. Es nützt nichts, wenn die Entwicklung im Elfenbeinturm sitzt, geniale Wissenschaftler beschäftigt, teure Geräte betreibt, aber der Schritt aus dem Labor an die Baustelle nicht funktioniert.

Dr. Dahlhoff: Wenn neue Produkte im Endstadium der Entwicklung sind, treffen wir uns mit interessierten Handwerkern und probieren sie aus. Wir wenden die Produkte an, nehmen das Feedback auf, diskutieren und das Produkt verändert sich. Die Einbindung in betriebswirtschaftliche und technische Themen bringt alle Beteiligten weiter. So ein Tag ist extrem intensiv. Da haben alle Arbeitsschuhe an, auch die Chefs.

Dr. Motzet: Und unsere Labormitarbeiter gehen mit dem direkten Feedback und Wissen wieder ins Labor und entwickeln das Produkt weiter. Diese Vorgehensweise ist sehr wertvoll.

FT: Ist das nicht mittlerweile ein übliches Vorgehen?

Dr. Stolper: Die Antwort lautet ja, aber es ist immer die Frage wie man es tut. Wir sind besonders stark darin, dem Verarbeiter auf Augenhöhe zu begegnen. Wir haben ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen Forschung & Entwicklung, Anwendungstechnik und Marketing. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir diese Prozesse nicht nur national, sondern auch international etabliert haben. Wir haben einen großen Pool an hochqualifizierten Entwicklern weltweit, die im ständigen Austausch stehen. Wir verfügen über internationale Produktmeetings, wo Mitarbeiter aus verschiedenen Regionen zusammenkommen und sich austauschen. Ein Problem, das in der einen Region auftritt, kommt vielleicht ein Jahr später in einer anderen Region auf den Tisch. Dann haben wir einen Zeitvorteil, da wir bereits die passenden Produkte parat haben.

FT: Ardex wollte gerne in der Fußbodentechnik wachsen. Sind dort erste Erfolge zu verbuchen?

Dr. Stolper: Wir sind wirklich auf einem sehr guten Weg. In vielen Bereichen haben sich die Dinge positiv entwickelt. Bei den Bodenspachtelmassen und in der Untergrundvorbereitung haben wir große Erfolge realisiert. Wir haben dort Wachstum und Marktanteile gewonnen. Bei den Bodenbelagsklebstoffen sind wir auch gewachsen. Wir erhoffen uns aber noch signifikanteres Wachstum für die Zukunft - unter Einbeziehung der Möglichkeiten, die wir durch Wakol jetzt haben.

Dr. Dahlhoff: Für uns geht es um strategischen Umsatz mit einer Kundenbindung, die langfristig das Geschäft sichert. Die vergangenen zwei Jahre sind wirklich sehr gut gelaufen. Wir haben bei Spachtelmassen, Untergrundvorbereitung, Grundierung und Abdichtung gewonnen und intensivieren die vertriebliche Umsetzung. Das betrifft auch die Abstimmung zwischen Wakol und uns. Wachstum wird uns auszeichnen.

FT: Ardex hat seine Schulungsaktivitäten unter der Ardex Academy gebündelt. Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

Kupka: Wir haben in unseren vier Schulungszentren einen Zuwachs an Teilnehmern von ungefähr 20 %. 2016 waren allein in Witten 6.800 Schulungsteilnehmer zu Gast. Hinzu kommen noch die Schulungen an den vier weiteren Ausbildungsstandorten und im Großhandel. Summa summarum erreichen wir so zwischen 11.000 und 12.000 Schulungsteilnehmer. Und die Zahlen steigen stetig weiter an.

FT: Wie sieht die Zielrichtung insgesamt für 2017 aus?

Dr. Dahlhoff: Wir wollen unsere Stärken stärken. Insbesondere unser Vertrieb wird noch weiter ausgebaut. Dabei setzen wir auf gut ausgebildete Kompetenzträger, aber auch auf junge leidenschaftliche Handwerker, die wir weiterentwickeln.

Der schnelle Gewinn ist nicht unser Ziel, sondern der langfristige gemeinsame Erfolg und das Vertrauen, dass es positiv weitergeht. Wir arbeiten mit Marketing und Kommunikation weiter daran, uns zu öffnen und zu begründen, was wir tun. Insbesondere freuen wir uns darüber, dass unsere Schulungen der Ardex Academy so gut ankommen. Bei uns wird keine Werbeshow abgezogen, sondern wir zeichnen uns eher durch Bodenständigkeit sowie fachliche und überwiegend praktische Inhalte aus. Ausgehend von den Vorhersagen für das Bauvolumen für 2017 und 2018 blicken wir sehr positiv in die Zukunft.

Ardex im Überblick
Ardex GmbH
Friedrich-Ebert-Straße 45 58453 Witten
Tel.: 0 23 02 / 6 64-0 Fax: 0 23 02 / 6 64-240
E-Mail: kundendienst@ardex.de Internet: www.ardex.de

Gründungsjahr: 1949
Mitarbeiterzahl: 2.500 (weltweit)
Marken (in Deutschland): Ardex, Gutjahr, Lugato, Pandomo, Wakol
Tochtergesellschaften: 47 mit 33 Produktionsstandorten

Verbandsmitglied bei:
-Deutsche Bauchemie
-Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte (GEV)
-Industrieverband Klebstoffe (IVK)
-Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge (FEB)
-Fachverband Fliesen und Naturstein

Vorsitzender der Geschäftsführung: Mark Eslamlooy
Geschäftsführung: Dr. Ulrich Dahlhoff und Dr. Hubert Motzet
Marketing- und Vertriebsleitung: Dr. Markus Stolper
Anwendungstechnik Fußboden: Martin Kupka
aus FussbodenTechnik 01/17 (Wirtschaft)