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Fachhandelsumfrage Teppichboden Teil 2

Infloor und Girloon wieder die Besten


Das zweite Jahr in Folge gewinnen die Schwesterunternehmen Infloor und Girloon das Kundenbarometer Teppichboden bei klassischen Raumausstattern und Fachhändlern in Deutschland. Auf den Plätzen folgen Jab Anstoetz und Vorwerk.

Überall im deutschen Einzelhandel eine Teppichboden-Kollektion zu platzieren, ist nicht schwer, so lange man als Industrie der Kundschaft in Raumausstattung und Fachhandel ein attraktives Arrangement zu den Bemusterungskosten bieten kann. Doch neben der Verbreitung eines Lieferanten, um die es uns im ersten Teil der Fachhandelsumfrage Teppichboden 2016 geht, ist von größerer Bedeutung, inwieweit der Händler, wenn er denn aus einer Kollektion verkauft, mit ihr und dem hinterlegten Service der Industrie zufrieden ist.

Wie schon vor zwölf Monaten sind die Kunden der Schwesterunternehmen Infloor und Girloon auch 2016 am zufriedensten: Platz 1 mit der Gesamtnote 1,94. Dicht dahinter folgen der Editeur Jab Anstoetz (2,01) und Vorwerk (2,04). Rang vier belegt Anker (2,16). Object Carpet steht an fünfter Stelle (2,19). Die Positionen sechs, sieben und acht halten Weseler/Tretford (2,21), Associated Weavers (2,29) und die Dura (2,42).

Die Durchschnittsnoten speisen sich nicht wie im Vorjahr aus 16, sondern aus nur noch 13 Kategorien. Seit Anfang des Jahres fragt BTH Heimtex in allen Handelsbarometern in Fach- und Großhandel für die Produktgruppen Bodenbeläge, Tapeten, Farben und Stoffe die selben 13 Kriterien ab. Dadurch sind die Punkte Freundlichkeit, Warenverkauflichkeit, Konditionen, Kulanz, Verkaufsförderung und Fortschrittlichkeit entfallen. Gleichzeitig bezieht die Befragung die Parameter Markenstärke, Innovationskraft und Marketing in die Analyse mit ein. Wir verfolgen mit diesen Veränderungen das Ziel, die Ergebnisse zugleich übersichtlicher, eindeutiger und aussagekräftiger zu machen.

Für die vorliegende Befragung zu Teppichboden im Fachhandel bedeutet diese Veränderung aber auch, dass die Ergebnisse nur teilweise mit denen des Vorjahres verglichen werden können.

Eines hat sich nicht geändert: In der Übersicht zeigt sich, dass die Teppichbodenindustrie ihre Arbeit insgesamt gut macht und das Feld der Lieferanten eng beieinander liegt. Erneut beträgt der Abstand zwischen dem Erstplatzierten und dem Letzten lediglich eine halbe Note. Gleichzeitig gibt es eine Konzentration bei der Verteilung der Top-Platzierungen in den Einzelkriterien: Lediglich drei Unternehmen vereinen die 13 ersten Plötze auf sich - Infloor/Girloon räumt allein acht ab. Vor zwölf Monaten verteilten sich die - wohl gemerkt 16 Goldmedaillen - noch auf sechs und damit auf doppelt so viele Firmen.

Die aktuellen Ergebnisse im Detail:

Infloor/Girloon
Beeindruckender Gesamtsieg

Die Schwesterunternehmen Infloor und Girloon von Familie Dresing/Ritterbach sind die beeindruckender Sieger des Fachhandelsbarometers Teppichboden 2016. Nachdem die Hersteller im vergangenen Jahr das erste Mal abgefragt wurden und sich gleich an die Spitze gesetzt hatten (2,1), bauen die Herzebrock-Clarholzer jetzt ihre Position als beste Teppichbodenlieferanten des deutschen Fachhandels noch aus (1,94). War die Mannschaft vor zwölf Monaten in fünf von 16 Kategorien das Maß aller Dinge, schneidet sie aktuell in acht der 13 Kriterien am besten ab. Man kommt am sympathischsten rüber und sowohl Innen- als auch Außendienst haben das höchste Niveau im Lieferantenfeld. Dazu hat man die Logistik am besten im Griff, liefert am schnellsten und zuverlässigsten. Die Raumausstatter und Fachhändler können die Vertriebspolitik am besten nachvollziehen und sind von der Qualität der Produkte aus dem Ostwestfälischen überzeugt. Und selbst wenn einmal etwas nicht ganz so gut läuft, machen die Mitarbeiter es mit der besten Reklamationsbearbeitung wieder wett.

Jab Anstoetz
Premiere mit elf zweiten Plätzen

Jab Anstoetz ist das erste Mal in der Detailbefragung des Kundenbarometers Teppichboden dabei. Die Premiere ist gleich ein riesiger Erfolg: Platz zwei mit der Durchschnittsnote 2,01. Nur um Haaresbreite muss man sich den Siegern Infloor und Girloon geschlagen geben. Es wäre allerdings verständlich, wenn die Mannschaft um die Geschäftsführenden Gesellschafter Claus, Ralph und Stephan Anstoetz schier verzweifelt angesichts von sage und schreibe elf (!) zweiten Plätzen. Immer ist ein Konkurrent eine Nasenlänge voraus. Tröstlich mag sein, dass man in der aus Marketing, Vertriebspolitik und Zukunftsperspektiven aggregierten Kategorie Management ganz oben steht. Und die elf Silbermedaillen können und sollten vor allem positiv gesehen werden: Kein anderer Lieferant ist in dieser Breite so gut wie der Bielefelder Editeur. Ausnahmen bilden das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Produktqualität. In beiden Kriterien muss sich Jab Anstoetz aus Sicht der Kunden im Vergleich zu den Wettbewerbern noch steigern.

Vorwerk
Ungewohnter dritter Rang

Im zweiten Jahr in Folge ist Vorwerk nicht mehr das Maß aller Dinge als Lieferant von Teppichboden für Raumausstattung und Fachhandel in Deutschland. Die Hamelner landen auf einem für sie ungewohnten dritten Rang und müssen Infloor/Girloon und Jab Anstoetz den Vortritt lassen. Und das obwohl die neue Führungsmannschaft um Kirstine Seitzberg (CEO), Christian Otte (Vertrieb) und Florian Bausch (Marketing/Produktentwicklung) die Durchschnittsnote von 2,2 auf 2,04 verbessert hat. Die Anzahl erster Plätze konnte die Mannschaft ebenfalls erhöhen von zwei (2014) auf aktuell vier. Das sind zwar deutlich weniger als in den Glanzzeiten, in denen die Zahl der Goldmedaillen im zweistelligen Bereich lag. Doch wenn aktuell die Kunden Vorwerk die höchste Innovationskraft sowie die besten Zukunftsperspektiven zuschreiben, wird das die neue Führung in ihrem Weg bestätigen. Dieser richtet sich nach einem umfassenden Restrukturierungsprogramm, das Anfang des Jahres gestartet wurde. Es soll unter anderem das in die Jahre gekommene Werk in Hameln modernisieren und die unbefriedigende Umsatzstagnation bei 74 Mio. EUR im Jahr 2015 überwinden helfen.

Anker
Das hohe Niveau noch gesteigert

Als Objektspezialist ist Anker grundsätzlich anders aufgestellt als Teppichbodenhersteller, die für das Wohnsegment produzieren und umfangreiche Service-Kollektionen unterhalten müssen. Aber das ändert sich gerade ein wenig: Die Dürener verkaufen ihren Teppichboden seit rund einem Jahr ausschließlich unter Industriemarke. Gleichzeitig bemühen sie sich zusammen mit den Großhandelspartnern um den klassischen Raumausstatter und Fachhändler und unterstützen sie mit intensiven Schulungen und modernen Verkaufswerkzeugen wie etwa der neuen Kollektion Cube. Das ist hinterlegt mit dem Versprechen alle 180 Positionen lagerhaltig zu führen. Diese Strategie kommt nach anfänglicher Skepsis mittlerweile auch im Fachhandel an: Anker erhält mit 2,16 eine bessere Gesamtnote als vor Jahresfrist (2,3). Da Wettbewerber stärker zulegen, rutscht der Web-Spezialist dennoch von Rang drei auf vier. Erfreulich ist, dass es die Geschäftsführer Gerd Hoffe und Erwin Landherr geschafft haben, die Mannschaft so einzustellen, dass sie sich in jenen Eigenschaften verbessert hat, die zuletzt schwächer ausgeprägt waren, etwa Sympathiewert und Reklamationsbearbeitung. Gleichzeitig ist Anker in den Paradedisziplinen des Jahres 2015 wie Lieferschnelligkeit und -zuverlässigkeit, Produktqualität und Vertriebspolitik nicht mehr führend. Das liegt weniger an eigenen Versäumnissen, sondern daran, dass die Kunden die Konkurrenz hier momentan besser einschätzen. Unter dem Strich gehört Anker in Bezug auf das Produkt und das Menschliche zu den Top drei der Branche.

Object Carpet
Heimlicher Sieger

Objekt Carpet ist der heimliche Sieger dieser Fachhandelsumfrage. Der Hersteller steht zwar nicht auf dem ersten Platz. Die beiden Geschäftsführer Roland und Daniel Butz bringen aber das Kunststück fertig, sich in allen 13 Kategorien im Vergleich zum vergangenen Jahr zu verbessern. Logischerweise geht es für Object Carpet gleich mehrere Plätze nach oben im Gesamtranking: vom siebten Platz (2,4) aus dem Jahr 2015 auf Rang fünf (2,19). Damit legt das Familienunternehmen von allen Lieferanten am kräftigsten zu; Object Carpet ist im Handel angekommen. Das ist um so beeindruckender, weil man ursprünglich ausschließlich im Objektvertrieb tätig war. Heute verstehen es die Denkendorfer, den Fachhandel zu begeistern. Besonders freuen wird die Verantwortlichen, dass die Kunden dort die hohe Innovationskraft schätzen. Sie zählt zusammen mit der von Vorwerk und Jab Anstoetz zu den ausgeprägtesten der Branche. Das stellt Object Carpet kontinuierlich unter Beweis: Nach der vom Architekten und Designer Matteo Thun entworfenen Kollektion Hotel Palazzi, die die Kunst der Reduktion auf das optisch Wesentliche zelebriert, sorgt neuerdings die Fliesenkollektion Freestile für Aufmerksamkeit: Das Flachgewebe wird digital bedruckt und in 50 x 50 cm große Fliesen geschnitten, die nach Belieben verlegt werden können und immer wieder einzigartige, textile Bodendesigns ergeben. Und nicht allein der Fachhandel schätzt Object Carpet. Großhändler Liebherr etwa zeigt im bundesweit ersten Casa Nova-Showroom in Freiburg seit April diesen Jahres eine große Präsentation der Denkendorfer.

Weseler Teppich/Tretford
Konstant solide

Die Marke Tretford der Weseler Teppichfabrik ist aus der deutschen Handelslandschaft für Raumausstattung und Inneneinrichtung nicht wegzudenken. Aktuell kaufen 76 % der befragten Fachhändler dort. Obwohl ein Nischenprodukt, schafft es die Weseler Teppichfabrik, die Verbreitung ihrer Teppichböden und -fliesen mit der berühmten Rippenstruktur seit Jahrzehnten im Markt hochzuhalten. Das hat vor allem zwei Gründe: Die Produkte mit einer Polmischung aus Ziegenhaar und Schurwolle beziehungsweise Polyamid sind solide produziert, passen in fast jedes Ambiente und werden in ihren Farben regelmäßig aktualisiert und frisch gehalten. Der Erfolg hat aber auch zu tun mit personeller Kontinuität: 20 Jahre ist Vertriebs- und Marketingleiter Udo Miroslawski für Tretford tätig gewesen. Anfang 2015 folgte nun Ingo Schraub. Aus Sicht von Raumausstattern und Fachhändlern ist die Staffelübergabe geglückt. Das vorliegende Kundenbarometer bescheinigt mit einer Gesamtnote von 2,21 (2015: 2,3) eine solide Arbeit der Mannschaft. Der damit verbundene Rang 6 (2015: 3) ist weniger gut. Obwohl auch die Weseler das Gesamtergebnis verbessern, haben die Marktbegleiter eine größere Schippe draufgelegt. Verlassen kann sich der Hersteller auf seinen hohen Sympathiewert verbunden mit ausgeprägter Produktqualität und Markenstärke. Los ist er hingegen seine Führungsposition bei der Bearbeitung von Reklamationen und bei der Lieferschnelligkeit. Dauerbaustelle bleibt das Preis-Leistungs-Verhältnis, welches die Befragten mit 2,77 und dem letzten Rang noch weiter abgestraft haben.

Associated Weavers
Achterbahnfahrt

Der belgische Tufting-Spezialist Associated Weavers (AW) hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich mehr und mehr Einkäufer im Großhandel, in Fachmärkten und bei Filialisten überzeugt mit seinen Soft-and-Shiny-Produkten und klug umgesetzten Marketingideen. Die gelungenen Verkaufsständer stehen häufig an prominenter Stelle in den Ausstellungen. Klassische Raumausstatter und Fachhändler hingegen sehen keine klare Linie bei der Mannschaft aus Ronse, so jedenfalls die Ergebnisse des Kundenbarometers. Eine wahre Achterbahnfahrt legt AW in den vergangenen Jahren in diesem Vertriebskanal hin. Nach sensationellen Ergebnissen 2013 stürzten die Belgier ein Jahr später regelrecht ab, um sich 2015 wieder zu berappeln mit Rang 3, sechs ersten Plätzen und einer Gesamtnote von 2,3. In 2016 halten sie mit 2,29 die Durchschnittsnote; in der Platzierung geht es aber wieder bergab: Rang 7 und lediglich eine Top-Platzierung beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch die Leistung von AW ist besser als der vorletzte Platz im Gesamtergebnis auf den ersten Blick vermuten lässt. In der Hälfte der Kriterien verbessert sich das Team von Verkaufsdirektor Jean-Marie Linskens. Der Wettbewerb erzielte einfach größere Fortschritte bei den Kunden.

Dura
Stagnation auf niedrigem Niveau

Die Dura, ehemals Deutschlands größter Tufter, ist im deutschen Raumausstatter-Fachhandel häufig nicht mehr die erste Wahl. Nach Rang sieben (2,4) vor zwölf Monaten folgt jetzt Platz acht (2,42). Es herrscht Stagnation auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Bemerkenswert ist der noch relativ hohe Verbreitungsgrad mit 63 %. Die Verbundenheit mit der Dura ist trotz vieler Hiobsbotschaften in den vergangenen Jahre weiterhin groß. Der Lieferant aus Fulda kann aus Sicht seiner Kunden aktuell zwar sein Preis-Leistungs-Verhältnis verbessern, die Vertriebspolitik einleuchtender gestalten, die Qualität des Innendienstes erhöhen und die Reklamationsbearbeitung optimieren. Trotzdem findet sich die Mannschaft von Vertriebsleiter Markus von Keitz häufig unter den letzten drei Lieferanten wieder oder hat die rote Laterne. Im zweiten Jahr in Folge stufen die Fachhandelskunden die Zukunftsperspektiven in Relation zu anderen Lieferanten als schlecht ein. Da passt es ins Bild, dass jetzt der Geschäftsführende Gesellschafter Dr. Christian Schäfer auch noch ankündigt, die breite Service-Kollektion für den Wohnbereich Ende des Jahres einzustellen (siehe Seite 36). Man darf gespannt sein auf den Verbreitungsgrad in der Fachhandelsumfrage 2017.

jochen.lange@snfachpresse.de


BTH Heimtex / United Research-Handelsumfrage
Panel und Methodik

Das BTH Heimtex/United Research-Kundenbarometer Teppichboden wird in zwei Schritten durchgeführt. Zuerst wird erfragt, bei welchen Anbietern von Teppichboden die Raumausstatter und Fachhändler einkaufen. Diese Befragung erfolgt gestützt, aber offen. Die Fachhändler können also weitere Lieferanten zu den von BTH Heimtex vorgegebenen Unternehmen nennen.

Im zweiten Schritt bewerten die Befragten acht Lieferanten von Teppichboden im Detail. Für jedes Unternehmen werden 13 Kriterien abgefragt und Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) vergeben. Darunter sind objektiv messbare wie die Lieferschnelligkeit, aber auch subjektiv empfundene wie der Sympathiewert. Aus den Antworten hat das Hamburger Befragungsinstitut United Research eine Durchschnittsnote für das jeweilige Kriterium errechnet, die die Reihenfolge der Lieferanten bestimmt.

Im Mai 2016 wurden 152 klassische Fachhändler und Raumausstatter befragt, im Norden und Süden, im Osten und Westen der Republik. 85 % von ihnen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Nicht in die Befragung eingeschlossen sind Filialisten, Großhändler und Kooperationszentralen sowie Anbieter auf Großflächen wie Discounter oder C+C-Betriebe.
aus BTH Heimtex 07/16 (Wirtschaft)