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Egger Retail Products GmbH & Co. KG

Designboden mit Gedächtnis

Egger erweitert mit der Neuentwicklung "Design+Flooring" sein Portfolio auf die angesagten -Designböden. Mit dem Verzicht auf PVC bleiben sich die Österreicher dabei treu, setzen stattdessen auf einen Holzwerkstoff und eine Oberfläche, die Verformungen ausgleicht.

Es war eine Überraschung, als Egger im Vorfeld der Domotex ankündigte, auf der Messe einen Design-boden vorstellen zu wollen. Seit 20 Jahren assoziiert man die Österreicher im Bereich Bodenbeläge mit Laminat. Und vor einiger Zeit hatte es noch geheißen, Designbeläge seien kein Thema. Aber auch ein Großer der Branche - zuletzt wurden knapp 318 Mio. EUR im Geschäftsbereich Egger Retail Products umgesetzt - kann sich den Veränderungen des Marktes nicht widersetzen. Und der schwenkt momentan eindeutig in Richtung LVT.

"Wir sind zuletzt immer wieder von unseren Kunden gefragt worden, wann es von Egger auch Design-beläge geben wird", berichtet Michael Gerbl, Leitung Marketing und Produktmanagement bei Egger Retail Products. Konkret sei dabei auch nach PVC-Produkten gefragt worden. Aber damit tun sich die Tiroler angesichts ihrer starken Affinität zum natürlichen Werkstoff Holz schwer. "Wir haben daher bei der Entwicklung bewusst auf PVC und auch auf Weichmacher verzichtet", erläutert Gerbl bei der Vorstellung der Neuheit mit dem Namen "Design+Flooring", die er zu den mehrschichtig modularen Belägen (MMF) zählt.

Holzwerkstoff statt PVC

Auch wenn man jetzt dem Drängen der Kunden und den Erfordernissen des Marktes nachgegeben hat, ist sich Egger bei der Neuentwicklung treu geblieben und hat dabei gleichzeitig seinen jahrzehntelangen Erfahrungsschatz aus der Arbeit mit Holzwerkstoffen genutzt. Denn den Kern des 5 mm starken und mehrschichtig aufgebauten Produkts bildet die HDF-Trägerplatte Ultra Wood Fibre Board (UWF) mit einem Leim- und Bindemittelanteil von 30 %. Eine doppelte Versiegelung (Dual Seal) schützt sie vor dem Eindringen von Feuchtigkeit und verhindert das Aufquellen. Rückseitig ist der Boden mit einem wasserfesten Gegenzug versehen.

Für die Deckschicht wird thermoplastisches Poly-urethan (TPU) verwendet, das nach Angaben von Egger elastisch, geruchlos, emissionsarm und gesundheitlich unbedenklich ist. Es macht den Boden lichtecht, kratzfest und widerstandsfähig. Auch im Hinblick auf die möglichst authentische Nachbildung natürlicher Oberflächen ergeben sich Vorteile, weil das Dekor durch die Schicht nicht vergraut. Durch ihre Beschaffenheit sei die TPU-Oberfläche fußwärmer als z.B. Melamin und biete einen höheren Gehkomfort.

Als besonderen Clou hat die Neuentwicklung den "Self-repair Effekt": Verformungen der 0,3 mm starken Nutzschicht, etwa durch Möbelfüße, verschwinden nach kurzer Zeit. Verantwortlich dafür ist der molekulare Aufbau: Die Moleküle "erinnern" sich an ihren angestammten Platz und schieben sich nach Ende der Belastung wieder dorthin zurück. Der Boden sieht aus wie neu.

Marketingleiter Gerbl weist noch auf weitere Produktvorteile gegenüber herkömmlichen elastischen Designbelägen hin: "Wir haben das Ausdehnungsverhalten bei unserem Boden gut unter Kontrolle. Er zeigt praktisch kein Wachstum und ist nicht sensibel gegenüber Temperaturänderungen."

Das Objekt im Visier

Bislang wurden Egger-Produkte vor allem im Wohnbereich eingesetzt. Dort kann Design+Flooring auf Unterlage schwimmend verlegt werden mit dem Uni fit-Profil, einem bewährten Fold down-System mit beliebiger Verlegerichtung von links nach rechts und umgekehrt.

Oder der Bodenbelag wird in einer Dryback-Ausführung vollflächig verklebt. Damit erschließen sich die Österreicher nun endgültig den öffentlich-gewerblichen Bereich (Nutzungsklasse 33) und empfehlen den pflegeleichten, feuchtebeständigen und rutschsicheren (R10) Belag etwa für den Einsatz in Restaurants, Sportstudios oder Seniorenheimen. Bei Verwendung im Objekt haben die Beläge eine Garantie von fünf Jahren, bei privater Nutzung von 25.

Das Sortiment umfasst insgesamt 20 Dekore im Format 1.295 x 243 mm. Unter "Native" sind acht Eiche- und eine Walnuss-Optik als natürliche Holzpore mit Sägestreifen zusammengefasst. "Rustic" zeigt gebürstete Eiche in sechs Ausführungen. Und bei "Stone" wird fündig, wer seinen Raum mit Nachbildungen von Schiefer-, Beton- oder Metalloberflächen ausstatten will. Umlaufende Fasen unterstreichen jeweils den Dielencharakter. Bei den Stein- und Metealldekoren gibt es zusätzliche noch zwei eingefräste Querfasen, so dass optisch der Eindruck von drei Elementen entsteht.

Der Vertrieb erfolgt über den Großhandel. Der VK-Preis wird mit 44,95 EUR/m2 angegeben. Erhältlich sind die Produkte ab Mai. Hergestellt werden sie im Egger-Werk Brilon, sind also "made in Germany". Mittelfristig soll die Produktion am Standort Wismar erfolgen.

Ausgiebig getestet

Anderthalb Jahre lange Tests sind der Markteinführung vorausgegangen. Egger wollte sicher gehen, dass sich die Neuheit bewährt und dass die Kunden in ihren Erwartungen nicht enttäuscht werden. Denn die wollten ja ursprünglich ein PVC-Produkt. Jetzt bekommen sie ein PVC-freies und auf Holz basierendes - und sind rundum zufrieden, gibt Michael Gerbl seine Erfahrungen aus der Testphase wieder. Und auch auf der Domotex zu Jahresbeginn war die Resonanz "überaus positiv".

Gerbl ist überzeugt davon, mit Design+Flooring das richtige Produkt entwickelt und den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Es markiert einen weiteren Meilenstein in der Strategie bei Egger, sich neben der nach wie vor wichtigsten Produktgruppe der Laminatböden weitere Standbeine zu schaffen. Die Einführung des Korkbelags "Cork+ Flooring" war ein erster Schritt in diese Richtung. Als "leise, warm und ökologisch" beschrieben, passt er zur Produktphilosophie der Österreicher. Mit der "Aqua+"-Technologie wurde der Laminatboden feuchteresistent. Das hat die Pflege vereinfacht und dem Produkt neue Einsatzmöglichkeiten wie den Eingangsbereich, die Küche und das Bad erschlossen. Das Ergebnis dieser stetigen Weiterentwicklung des Unternehmens fasst Michael Gerbl so zusammen: "Egger ist nicht mehr ausschließlich Spezialist für Laminatfußböden. Wir sind jetzt Experte für Holzwerkstoffbasierende Fußbodenlösungen." | thomas.pfnorr@snfachpresse.de
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