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Fiberon: WPC-Terrassendielen mit Kunststoffummantelung

Extrem pflegeleicht, riss- und splitterfrei


Vor circa acht Jahren wagte der US-amerikanische Hersteller Fiberon mit seinen kunststoffummantelten Terrassensystemen den Sprung nach Europa - mit beachtlichem Erfolg: Im Segment coextrudierte Terrassendielen hat sich das Unternehmen nach eigener Einschätzung zum Marktführer entwickelt. Um die Marktpräsenz weiter auszubauen und zu professionalisieren, wurde im April 2014 Robert Staudte als verantwortlicher Manager verpflichtet. ParkettMagazin sprach mit dem 43-Jährigen über Produkte, Zielgruppen und Chancen für weiteres Wachstum.

Der klassische Holz- und Baustoffhandel ist für Fiberon in Zentraleuropa der bevorzugte Vertriebskanal. In Zusammenarbeit mit dem Handel ist der Focus natürlich auf Schreiner, Zimmerer und GaLa-Bauer gerichtet. Ein hochwertiges Produkt verdient und benötigt ein passendes Verkaufsambiente und Fachberatung, die im qualifizierten Handel gewährleistet ist. Doch als der amerikanische Produzent von pflegeleichten Terrassendecks und Geländern in dieser Region erste Kontakte aufnahm, war es ein französischer Baumarktkonzern, der als Erster das Marktpotenzial der hochwertigen WPC-Produkte erkannte. "Keine Frage, dass die Geschäftsbeziehung über unseren französischen Distributionspartner auch in Zukunft Bestand haben soll. Ansonsten ist es nicht unser Ziel, den DIY-Handel zu beliefern", unterstreicht Robert Staudte, der seit nunmehr einem Jahr als Marktmanager Europa verantwortlich zeichnet und sich in dieser Funktion als Schnittstelle zwischen den europäischen Kunden und dem Stammhaus in New London, North Carolina, sieht.

Robert Staudte bekleidete bei namhaften Bodenbelagsherstellern wie Witex und Kronotex Führungspositionen und gilt in der Branche als bestens vernetzt. Eine seiner ersten Aufgaben bei Fiberon bestand darin, das Marketing zu europäisieren. "Allein schon die Bildsprache in den Prospekten unterscheidet sich gravierend von hiesigen Darstellungsformen und Ansprüchen", erläutert er.

Alternative zu Bangkirai, Ipe & Co

Fiberon vertreibt seine Produkte in Europa über Distributeure. Zuständig für den deutschen, belgischen und holländischen Markt ist Felix Clercx, ein lagerhaltender Holzimporteur mit Hauptsitz in Helmond/NL. Felix Clercx verfügt über enorme Lagerkapazitäten, so dass Kunden, die nicht in der Lage sind, ganze Container zu kaufen, hier Zugriff haben und mit allen Logistikeinheiten bedient werden können. In Deutschland betreut Clercx die eingangs genannten Zielgruppen mit drei Terrassenspezialisten im Außendienst. "Die Kundenstruktur setzt sich zum Großteil aus Händlern zusammen, die vormals nur klassisches Gartenholz wie Bangkirai, Ipe oder Afrikulu geführt haben und schon früh erkannten, dass Alternativprodukte erforderlich sind, um zukunftsfähig zu sein", verdeutlicht Staudte. Dies sei für das inhabergeführte Unternehmen, das sich als drittgrößter Hersteller in den USA sieht, gleichsam der "Türöffner" gewesen.

Terrassendielen von Fiberon unterscheiden sich erheblich von gängigen WPC-Produkten. In einem kontinuierlichen Extrusionsprozess wird der WPC-Träger zusätzlich mit Kunststoff ummantelt, so dass keine haushaltsüblichen Verschmutzungen anhaften können und weder Grünspan noch Schimmel auftreten. "In Amerika ist diese Ausrüstung inzwischen Standard", so Staudte. Nicht ohne Grund: Herkömmliches WPC wird zwar als robust und quasi pflegefrei beworben, wobei letzteres aber nur bedingt zutrifft. Einer daraus resultierenden Sammelklage wurde in den USA stattgegeben. Obwohl die Produkte eigentlich in Ordnung waren, zahlten die Anbieter Strafen in Millionenhöhe. Das Vergehen: Es wurden Werbeversprechen gegeben, die die Produzenten nicht halten konnten.

Bauseitig sind dem Einsatz kaum Grenzen gesetzt

Zur Rezeptur des WPC-Trägers: Während das Gros der europäischen Hersteller Polypropylen favorisiert bei einem Holzanteil von über
60 %, bevorzugen die drei großen amerikanischen Hersteller Polyethylen im nahezu gleichen Mischungsverhältnis Holz/Kunststoff. "Zwar lässt sich mit einem höheren Holzanteil marketingtechnisch punkten, nicht jedoch hinsichtlich der Maßstabilität", so der Marktmanager.

Weiterer Vorteil bei einem ausgewogenen Mischungsverhältnis: Die Dielen lassen sich nicht nur mit Klammern befestigen, sondern wegen des geringen Ausdehnungskoeffizienten auch verschrauben, ohne dass es zu Abrissen kommt. Darüber hinaus brauchen die Dielen kein Gefälle, um Regenwasser ablaufen zu lassen. Staudte: "Das sind nur einige Aspekte, die immer mehr Händler veranlassen, sich zugunsten unserer Produkte zu entscheiden. Eine Verlegung mit Gefälle oder eine Fixierung der Unterkonstruktion auf dem Untergrund ist oftmals nicht möglich - das Haus war zuerst da. Fiberon kann ohne Rücksicht auf die bauseitigen Gegebenheiten nahezu überall eingesetzt werden".

Produktion in Deutschland nicht ausgeschlossen

Wie ist Fiberon in Europa aufgestellt und mit welcher Strategie soll es weitergehen? Der Ausbau der Vertriebsaktivitäten in noch unbesetzten Ländern hatte für Staudte Priorität. "Bis auf ein paar Ausnahmen sind inzwischen fast alle A-Märkte besetzt", bilanziert er. Wenn es mittelfristig gelinge, den Umsatz zu verdoppeln, sei ein Werk in Deutschland nicht ausgeschlossen. Je nach Währungsgefälle könne sich das Vorhaben beschleunigen oder verzögern - heißt aktuell: Da sich US-Importe wegen des schwachen Euro drastisch verteuern, könnte der erste Spatenstich für die Fabrik schon bald erfolgen.
aus Parkett Magazin 03/15 (Wirtschaft)