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Knauf Gips: Interview des Monats mit Peter Fischer und Martina Kohout

Hugo stärkt die Systemkompetenz


Knauf und Meisterwerke sind eine strategische Marketingkooperation eingegangen und wollen auf dem Gebiet der Bodensysteme verstärkt zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei Systofloor Hugo: Bei dem geprüften Bodensystem für die Renovierung ist Knauf für die konstruktive Bodentragschicht mit einem Trockenestrich zuständig, die Meisterwerke für die Bodenbeläge. Im Gespräch mit FussbodenTechnik erläutern Peter Fischer, Leiter Bodensparte Knauf, und Martina Kohout vom Innovations- und Marktmanagement Boden, warum bei Knauf zukünftig nicht mehr die einzelnen Produkte, sondern die Systemkompetenz im Fokus steht.

FussbodenTechnik: Herr Fischer, warum ist Knauf mit den Meisterwerken eine Kooperation eingegangen und bringt Anfang 2015 das Bodensystem Systofloor Hugo auf den Markt?

Peter Fischer: Uns interessiert eine Zielgruppe wie Architekten, die in der Regel eine gesamte Bodenlösung favorisieren. Ein Architekt möchte sich am Boden nicht mit jedem Einzelprodukt beschäftigen. Diese Lösung wollen wir ihm bieten, indem wir geprüfte Systeme mit konkreten technischen Werten anbieten, damit er kein Risiko mit dieser Schnittstelle eingehen muss. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie haben einen Estrich mit Fußbodenheizung eingebaut und stehen vor der Wahl eines Bodenbelags. Wenn Sie die Frage stellen, ob der Wunschbelag für Fußbodenheizung geeignet ist, bekommen Sie nur die grundsätzliche Eignung bestätigt. Was aber fehlt, sind technisch belastbare Werte.

Für Systofloor Hugo haben wir unseren Trockenestrich und die Meister-Bodenbeläge in allen Variationen gemessen: Wir können Angaben zum Wärmedurchlasswiderstand, zum Trittschallschutz und zu den Punktlasten machen. Wir haben die Bodenbeläge Nadura, Lindura und Longlife-Parkett aus der Kollektion der Meisterwerke mit unserem hochfesten Trockenestrich kombiniert und Messungen durchgeführt. Das gab es in der Konsequenz im Markt bislang nicht. In einer Zeit, in der es immer mehr um Energieeffizienz geht, müssen wir auch die Schnittstelle vom konstruktiven Boden zu den Oberbelägen berücksichtigen. Da wollen wir gerne Vorreiter sein.

FT: Sie wollen künftig die gesamte Konstruktion technisch bewerten?

Fischer: Ja, genau. Bauen ist immer noch geprägt von vielen Einzelgewerken. Ein Fachunternehmer beschäftigt sich mit Estrich, einer mit dem Bodenbelag und manchmal gibt es sogar noch einen Dritten für die Ausgleichsschicht. Es gibt selten jemanden, der sich mit der Bodenkonstruktion vom Rohboden bis zum Bodenbelag befasst - das haben wir uns als Aufgabe gestellt. Wir wollen weg von der Beratung für Einzelprodukte. Wir werden heute wahrgenommen als der Hersteller von Calciumsulfatfließestrichen, dabei verfügen wir über umfangreiches Know-how im Haus, z.B. für Spachtelmassen und Gipsfasertechnik. Das wollen wir stärker nutzen. Ich bin davon überzeugt: Die Beratung von Einzelprodukten war gestern, die Zukunft sind Systemkonstruktionen.

FT: Warum haben Sie sich für Meisterwerke entschieden?

Fischer: Durch unsere Erfahrung mit Knauf One Pro wissen wir, dass man bei Bodenbelägen eine Vielzahl an Produkten in Farbe, Form und Dimension benötigt. Außerdem braucht man einen ständigen Produktwechsel. Wenn man nur ein Einzelprodukt produziert, kann man auf Dauer nicht erfolgreich sein. Der Kunde ist es gewohnt, zwischen einer Vielzahl von verschiedenen Belägen zu wählen. Das können wir durch die Kooperation mit den Meisterwerken gewährleisten.

Die Entscheidung für dieses Unternehmen hing mit der hohen Innovationskraft der Produkte, aber auch mit den handelnden Personen zusammen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, verfolgen als Familienunternehmen ähnliche Werte und verfügen über hochinteressante Produkte. Die Chemie hat vom ersten Tag an gestimmt.

FT: Was verbirgt sich hinter dem Pilotprojekt Systofloor Hugo?

Fischer: Systofloor ist eine Marke von Knauf, die zukünftig für Produktsysteme stehen wird. Systofloor Hugo ist das erste Projekt, das wir gemeinsam mit den Meisterwerken entwickelt haben. Es besteht aus einem neuartigen Trockenestrich mit einer hochverdichteten, 17 mm dicken Gipsfaserplatte, bei der auf eine Verklammerung oder Verschraubung verzichtet werden kann. Eine besondere Kantenausprägung erlaubt es, die einzelnen Elemente ineinander zu legen und mit Weißleim zu kleben. Besonders wichtig war uns der ökologische Ansatz. Wir verzichten auf Polyurethanklebstoffe und setzen stattdessen auf den unbedenklichen Weißleim. Vorteilhaft für den Transport auf die Baustelle ist auch die kleinere Dimensionierung als bei unserem Trockenestrich Knauf Brio. Systofloor Hugo wird es in drei Grundvarianten geben:

1. Systofloor Hugo Slim: Bei dem Einsatz in der Renovierung legen wir Wert auf einen möglichst dünnen Gesamtaufbau. Die hochfeste Gipsfaserplatte ist nur 17 mm stark.

2. Systofloor Hugo Silent: Silent steht für Trittschallschutz, der durch den Einbau eines Mineralwolle-Dämmstoffes erreicht wird. Das ist besonders interessant, wenn der Trittschall im Wohnungs- und Altbau gemindert werden muss.

3. Systofloor Hugo Comfort: Statt in einer EPS-Platte laufen die Heizschlaufen des Kooperationspartners Uponor in einer Holzfaserplatte, um einen ökologisch sauberen Aufbau mit Fußbodenheizung zu gewährleisten.

FT: Welche Aufbauhöhe haben die drei Varianten?

Martina Kohout: Wenn man sich die Slim-Variante anschaut, erreichen wir eine Gesamtaufbauhöhe von 31 mm inkl. Bodenbelag, wenn der Untergrund entsprechend ausgeglichen ist. Das ist ein hervorragender Wert. Die zweite Variante Silent wird mit der Trittschalldämmung und dem Bodenbelag insgesamt 42 mm schlank sein. Die dritte Variante Comfort hat eingerechnet der Fußbodenheizung und dem Bodenbelag eine Gesamtaufbauhöhe von 55 mm.

Es gibt aufgrund der Materialeigenschaften der Oberbeläge natürlich Vorzugsvarianten, die man wählen könnte. Ein Parkett passt aufgrund seiner großen Masse gut zu Silent. Ein Belag mit einem hohen Wärmedurchlasskoeffizienten legt man auf den Comfort, den dünnsten Belag kombiniert man am besten mit dem Slim-System.

Fischer: Das System als solches ist schlank, aber es ist natürlich immer die Frage, was man auf der Baustelle vorfindet. Die Gipsfaserplatte selbst hat 17 mm, die normale Trittschalldämmung z.B. zusätzlich 12 mm. Voraussetzung ist natürlich ein planebener Untergrund. Die dazu passenden Spachtel- und Ausgleichsmassen bieten wir auch an. Wir haben sieben systemgeprüfte Spachtelmassen für verschiedene Schichtdicken und Trocknungszeiten definiert. Wir wollen in den nächsten Jahren mit diesem Segment deutlich wachsen. Unser Ziel ist ein Marktanteil von 5 % in den nächsten fünf Jahren.

FT: Noch einmal zurück zum Aufbau: Wie ist der Aufbau auf dem hochverdichteten Trockenestrich?

Kohout: Auf dem Trockenestrich wird eine 2,5 mm starke Dämmmatte verlegt. Der Oberbelag wird einfach geklickt, da muss nichts geklebt werden.

Fischer: Sie können aber die genannten Beläge von Meister auch verkleben, wenn sie es wollen. Es macht aber in vielerlei Hinsicht Sinn, den Belag lose zu verlegen. Sie können ihn beispielsweise viel einfacher austauschen, aber ich persönlich bin auch ein Freund des Klebens. Dann kommt die Dämmmatte nicht in die Konstruktion, sondern der Belag wird direkt auf unserem Trockenestrich verklebt.

FT: Wie funktioniert die vertriebliche Zusammenarbeit? Bleiben beide Partner in ihrem jeweiligen Revier, sprich Meisterwerke vorwiegend im Holzhandel und Knauf im Baustoffhandel?

Fischer: Jeder Kooperationspartner leistet Gewähr für die von ihm hergestellten Produkte und verkauft nach wie vor seine Produkte. Wir verkaufen nicht den Belag von Meisterwerke und sie nicht unseren Trockenestrich. Meisterwerke werden Systofloor Hugo im Holzfachhandel mit anbieten und wir werden im Baustoffhandel natürlich auf die Bodenbeläge von Meister verweisen. Daran ändert sich nichts, aber wir können ein komplettes geprüftes System empfehlen.

Kohout: Gemeinsam mit unserem Knauf-Bodenwelt-Händler können wir vor Ort den regionalen Holzhandel ansprechen und die beiden miteinander ins Gespräch bringen. Davon profitieren alle Beteiligten.

FT: Bekommen nur die 50 Knauf-Bodenwelt-Händler Systofloor Hugo?

Fischer: Jeder kann Systofloor Hugo kaufen, aber es stimmt auch, dass wir uns auf die Bodenwelt-Händler konzentrieren wollen. Das sind immerhin fast 50 Händler, die in der Besuchshäufigkeit und in der Beratungsintensität unseres Außendienstes wesentlich intensiver betreut werden. Wer sich zu Knauf als Bodenwelt-Händler bekennt, ist natürlich für uns ein wichtiger Partner. Und für diese Mitstreiter gibt es eine Vielzahl an Maßnahmen. Die Beratungsqualität im Baustoffhandel wird natürlich fachlich gut sein, wenn die Mitarbeiter intensiv geschult worden sind. Um eine hohe Beratungsqualität auf Dauer zu gewährleisten, müssen wir uns auf eine gewisse Anzahl von Händlern beschränken. Das gilt für beide Kooperationspartner. Unsere erste Zielgruppe werden unsere Bodenwelt-Händler sein.

FT: Welche Maßnahmen sind genau geplant?

Fischer: Vorgestellt wurde Systofloor Hugo auf den Handwerkertagen von Meister im November. Anfang 2015 starten die Knauf-Werktage, die das Thema ebenfalls aufgreifen. Außerdem werden wir den Außendienst zu kleineren Veranstaltungen zum Händler schicken, der wiederum Fachunternehmer einladen kann. Der Gebietsleiter vor Ort macht Schulungen für diverse Produkte.

FT: Was ist der Hintergrund für die Entwicklung von Bodensystemen?

Fischer: Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen. Ich höre von Fachunternehmern, dass sie kein qualifiziertes Personal bekommen. Die Ausbildungszahlen von jungen Leuten, die noch ins Handwerk gehen, sind rückläufig. Wenn ein Fachunternehmer Großprojekte abwickeln will, braucht er eine Vielzahl von Mitarbeitern, die er kaum noch bekommt. Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass man bevorzugt auf Systeme zurückgreift. Früher konnte ein Estrichlegermeister einzelne Produkte beurteilen. Wenn man diese Fachleute aber nicht mehr findet, muss man von der Industrie vorgeprüfte Systeme einsetzen, die Sicherheit geben.

FT: Wird Systofloor Hugo zertifiziert?

Fischer: Systofloor Hugo wird eine spezielle Einfärbung bekommen, sodass es als ökologisches Produkt sofort erkennbar ist. Wir werden die baubiologische Unbedenklichkeit von entsprechenden Instituten zertifizieren lassen. Wir legen besonderen Wert auf Wohngesundheit und Nachhaltigkeit. Wir wollen dieses Produkt nicht nur in Deutschland auf den Markt bringen, sondern auch international. Wer heute einen Trockenestrich in Schweden mit einem isocyatnathaltigen Polyurethankleber ohne Schutzmaßnahmen verarbeitet, dem wird die Baustelle geschlossen. Wir wollten ein wohngesundes Produkt schaffen, das ohne Beschränkungen in ganz Europa eingesetzt werden kann.

FT: Werden Sie für Systofloor Ihre eigenen Vertriebsstrukturen anpassen?

Fischer: Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Wir haben bei Knauf zwei Unternehmen, die sich mit Boden beschäftigen: Den Bodenvertrieb der Knauf Gips und den Vertrieb der Knauf Integral. Das waren viele Jahre getrennte Vertriebsteams, bis wir die Bodensparte gegründet haben. Es wird zukünftig so sein, dass es bei Knauf nur noch eine Bodensparte gibt. Es gibt nur noch die Unterscheidung zwischen dem Vertrieb von Handels- und Industriekunden.

Der Handelsvertrieb wird von unserem Vertriebsleiter Gerd Greger geführt. Er verantwortet den Baustoffhandel, über den man zukünftig alle Knauf-Produkte erhält. Den Industriekundenvertrieb macht Markus Schätzle. Das ist die einzige Trennung. Künftig wird die Handelsvertriebsmannschaft auch einen Flächenhohlboden verkaufen, mit der gleichen Mannschaft, die heute einen Estrich oder eine Ausgleichsmasse verkauft. Kurz gesagt: Wir werden nicht mehr nach Produkten, sondern nach Kunden unterscheiden.

FT: Kann nach Systofloor Hugo auch noch Paul, Marie oder Peter folgen?

Kohout: Prinzipiell kann jedes System von Knauf ein Systofloor werden. Es gibt den Begriff Systofloor als Systemmarke, und als Pilotprojekt aus der Kooperation mit Meisterwerke entstand Systofloor Hugo. Beispielsweise das Nasshohlbodensystem Camillo wird zukünftig Systofloor Camillo heißen. Es wird sicherlich zukünftig für gewisse Systeme, für die wir noch keinen griffigen Namen haben, weitere Systofloor-Brüder oder -Schwestern geben.

Fischer: Das ist die Systematik, mit der wir arbeiten wollen, um den Systemgedanken stärker auszuprägen. Das gelingt am besten mit unseren Systemen und einem prägnanten Namen.
aus FussbodenTechnik 01/15 (Wirtschaft)