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Mehrschichtig modulare Fußbodenbeläge

Antworten auf 14 Fragen

Gut besucht war das erste Handwerksseminar des MMFA - Verband der mehrschichtig modularen Fußbodenbeläge. Rund 80 Branchen-Teilnehmer kamen im September zur Pilotveranstaltung nach Köln. Neben Bodenlegern, Raumausstattern und Malern nutzten auch Bodensachverständige die Gelegenheit, sich einen Tag lang über Multilayer-Beläge zu informieren und Fragen zu stellen. BTH Heimtex fasst die Veranstaltung zusammen, in deren Verlauf auch die inzwischen gültige Produkt-Norm DIN EN 16511 vorgestellt wurde, und gibt Antworten auf 14 Fragen rund um MMFA.

Der Verband MMFA - Multilayer Modular Flooring Association - vertritt die Interessen der Hersteller mehrschichtig modularer Fußbodenbeläge. Erst im Oktober 2012 gegründet, hat der Vorstand mit Matthias Windmöller (1. Vorsitzender, Windmöller Flooring), Volker Kettler (2. Vorsitzender, Meisterwerke) und Sebastian Wendel (Vorstand, Akzenta) seitdem bereits einiges bewegt. Aus den ursprünglich sieben Gründungsmitgliedern Akzenta, Hamberger, Li&Co, Meisterwerke Schulte, Parador, Skema und Windmöller Flooring Products ist mittlerweile ein Kreis von 32 Firmen und Organisationen geworden: je 15 ordentliche und außerordentliche sowie zwei Fördermitglieder.

Neben der Verbreiterung seiner Basis hat der Verband auch inhaltlich einiges geleistet und sich für die schnelle Verabschiedung der neuen Norm DIN EN 16511 (Paneele für schwimmende Verlegung - halbstarre, mehrlagige, modulare Fußbodenbeläge (MMF) mit abriebbeständiger Decklage) engagiert. Außerdem wurde ein Technisches Merkblatt für Unterlagsmaterialien unter Multilayer-Belägen vorgestellt.

Knackige Produkt-Bezeichnung gesucht

Da die Bezeichnung "mehrschichtig modulare Fußbodenbeläge" etwas sperrig ist und vielen Branchenteilnehmern schwer über die Lippen geht, wird nach einem einheitlichen und knackigen Gattungsbegriff gesucht. Die Bodenbelagsindustrie hat bislang Bezeichnungen wie Vinyllaminat, Teppichdiele, Linoleumparkett, Designbelag und Designboden verwendet. Doch die führen zu Verwirrung und Verwechslung mit bereits bestehenden Belagsgattungen. So wurde der Begriff Vinylparkett vom Parkettverband bereits erfolgreich abgemahnt.

Ein weiteres Element der Verbandsarbeit ist der Dialog innerhalb der Branche mit Sachverständigen, Bodenlegern und der Zubehör-Industrie. Zu diesem Zweck gab es Mitte September erstmals eine Informationsveranstaltung mit zehn Fachvorträgen. Rund 80 Teilnehmer folgten der Einladung nach Köln zu der von dem Sachverständigen Richard Kille moderierten Premiere. Neben den Multilayer-Belägen selber ging es um deren Klassifizierung, die Normung, die Untergrundvorbereitung, die passenden Unterlagen, die Verlegung, erste Schadensfälle vor Gericht, passende Profile und die richtige Reinigung und Pflege.

Kille warnte davor, die aufkommende Bodenbelagsgattung zu unterschätzen, wie es ihm selbst bei der Einführung von Laminat passiert sei. Er sensibilisierte außerdem dafür, in der Verlegung nicht die gleichen Maßstäbe an Multilayer-Beläge zu legen wie an Laminatböden: Mit denen würden häufig Fehler wie Fugen und Risse im Verlegeuntergrund bewusst überdeckt. Wer den Unterboden für einen Klick-Vollvinylboden genauso vorbereite wie beim Laminat, brauche sich nicht zu wundern, wenn sich nach einem Vierteljahr die Konturen des unebenen Untergrundes in der schwimmend verlegten Oberfläche abzeichneten. Die Anforderungen hinsichtlich der Untergrundvorbereitung sind bei einem Multilayer-Belag, zumindest bei thermoplastischen Trägern wie Vinyl, in der Regel höher.

Im Rahmen des Info-Tages wurden Antworten auf diese 14 wichtigsten Fragen rund um die MMFA-Beläge gegeben:

1. Welche Produkte zählen zu den Multilayer-Belägen und wie sind sie unterteilt?

Der MMFA unterteilt die Beläge in drei Gruppen:

-Gruppe 1 umfasst Produkte auf HDF-Träger mit polymerer Deckschicht. Vereinfacht ausgedrückt sind damit Bodenbeläge mit einer Holzwerkstoffplatte gemeint, auf welcher eine Kunststoff-Polymer-Oberschicht appliziert wird. In der DIN EN 14085 (Elastische Bodenbeläge - Spezifikation für Fußbodenpaneele für lose Verlegung) sind Produkte genormt, die auch in den Erfassungsbereich dieser Gruppe fallen können. "Das ist der Fall, wenn es sich z.B. um ein genormtes LVT auf HDF-Träger handelt", so MMFA-Vorstand Volker Kettler. In der Gruppe 1 erfasst, jedoch nicht im Geltungsbereich der EN 14085 enthalten, sind beispielsweise der Designboden DD 350 S mit PET-Oberfläche der Meisterwerke oder das Produkt Disano von Hamberger.

-In Gruppe 2 fallen Bodenbeläge ohne HDF-Träger mit polymerer Deckschicht. Das häufigste Produkt dort sind Klick-LVT ausschließlich aus Vinyl ohne HDF-Träger. Die meisten LVT, die in diese MMFA-Kategorie fallen, sind in der DIN EN 649 genormt. Dort sind allerdings keine Hinweise oder Anforderungen zur Verlegung vorgegeben. Denn ursprünglich wurden diese Bodenbeläge für die vollflächige Verklebung entwickelt und nicht zur schwimmenden Verlegung mit Klick-Technik. In die Klasse 2 fallen zudem nicht nur Bodenbeläge mit polymeren Trägern, sondern auch solche mineralischer Art, zum Beispiel Knauf One Pro.

-Gruppe 3 umfasst alle Produkte, die weder von den Gruppen 1 und 2 oder von bereits bestehenden Normen abgedeckt werden. Das sind in erster Linie Alternativmaterialen zu HDF und Vinyl, beispielsweise Laneo von Egger oder ähnliche Produkte von Kaindl, die Druckdekore auf dünne Kork-Oberschichten bringen. Auch Click Tex von Parador würde in die Gruppe 3 gehören.

2. Was ist der besondere Vorteil von Multilayer-Belägen?

Volker Kettler, Meisterwerke: "Multilayer-Beläge sind besonders vorteilhaft in der Anwendung, da sie mit 3 bis 6 mm Dicke auch bei geringem Einbau-Höhenniveau überall noch hineinpassen, ohne dass man die Türen abschleifen muss. Durch ihre Klickverbindung lassen sich die Beläge schnell verlegen, wenn der Untergrund entsprechend eben vorbereitet ist."

3. Wo ist der Unterschied zwischen schwimmend und lose verlegten Belägen?

Volker Kettler: "Es gibt einige Belagshersteller, deren schwere Beläge ohne Kantenverbindung einfach lose auf dem Untergrund liegen, so dass einzelne Elemente leicht ausgetauscht werden können. Beispiele sind Simplay von Objectflor, Loose-Lay von Project Floors oder Looselay von Designflooring. Im MMFA reden wir über schwimmend verlegte Beläge, die ohne Klebung und getrennt vom Untergrund über dem Estrich ,schwimmen’. Die einzelnen Belagselemente werden durch eine Klickverbindung zu einer einheitlichen Fläche verbunden."

4. Welche Anforderungen an den Untergrund stellen Multilayer-Beläge bei der Verlegung?

Norbert Böhm, Uzin: "Bei erdreichangrenzenden Untergründen muss unbedingt die Restfeuchte geprüft werden. Das gilt auch für bestehende Nutzböden wie keramische Fliesen. Genauso wichtig ist die Randfugenausbildung des Altbelages, um Schallbrücken zu vermeiden. Da Multilayer-Beläge in ihren Dareichungsformen sehr heterogen sind, kann keine allgemein gültige Aussage getroffen werden, auf welchen Arten von Altbelägen sie verlegt werden können."

5. Wie wichtig ist die Ebenheit der Untergrundes für die Multilayer-Beläge?

Norbert Böhm: "Die Aussagen der Belagshersteller zum Thema Ebenheit sind sehr unterschiedlich: Manche verweisen auf die Ebenheitstoleranzen der DIN 18202 Tabelle 3 Zeile 3, andere auf eine gute Untergrundvorbereitung gemäß DIN 18365. Außerdem wird empfohlen, Unebenheiten mit einer geeigneten Ausgleichsmasse in ausreichender Schichtdicke mittels Rakeltechnik auszugleichen. Besonders bei Belägen auf thermoplastischen Trägerwerkstoffen wie Vinyl zeichnen sich die Unebenheiten aus dem Untergrund nach einer gewissen Zeit in der Belagsoberfläche ab. Um das zu verhindern, gibt es drei Produktgattungen: Bei einer Schichtdicke von 0 bis 3 mm spricht man von Spachtelmassen, bei 3 bis 8 mm von Ausgleichsmassen und bei 8 bis 20 mm von Nivelliermassen."

6. Kann man die Grundierung bei Multilayer-Belägen weglassen?

Norbert Böhm: "Die Antwort lautet eindeutig: Nein. Wenn man den Arbeitsschritt des Grundierens weglässt, wird das Anmachwasser aus der Spachtelmasse wegsickern - man sagt auch wegschlagen - und die Oberfläche würde sehr uneben werden. Die Grundierung sorgt besonders bei Calciumsulfatestrichen für die Bindung von Feinstäuben. Die Grundierung schützt auch den Untergrund vor Feuchtigkeit aus der Spachtelmasse."

7. Was muss man bei der Verlegung von Multilayer-Belägen auf HDF-Träger beachten?

Ronald Ante, Akzenta Paneele + Profile (Classen): "Beläge mit einem HDF-Träger zeigen ein hygroskopisches Verhalten, d.h. sie quellen bzw. wachsen bei Einwirkung von Feuchtigkeit. Im Gegensatz dazu sind Belagselemente aus Kunststoff - in der Regel Thermoplaste - viel quellungsärmer. Aus dem Einsatz eines HDF-Trägers ergeben sich Anforderungen an Lagerung und Transport. Die Temperatur sollte über 18 °C und die relative Luftfeuchtigkeit unter 75 % liegen. Die Temperatur an der Fußbodenoberfläche sollte mindestens 15 °C betragen. Die Beläge mit HDF-Träger sind in der Regel nicht geeignet für Nassräume.

Genau wie bei Laminatböden muss man auch bei Belägen mit HDF-Träger eine Bewegungsfuge von 8 bis 12 mm einhalten zu allen feststehenden Baukörpern wie Türdurchgängen, Küchen und Öfen sowie Flächengrößen von mehr als 8 x 12 m."

8. Was muss man bei der Verlegung von Multilayer-Belägen auf Kunststoff-Trägern beachten?

Ronald Ante: "Multilayer-Beläge mit einem thermoplastischen Träger zeigen ein Maßänderungsverhalten durch Wärmeeinwirkung, z.B. in Wintergärten. Der temperaturbedingte Ausdehnungskoeffizient von thermoplastischen Kunststoffen ist ungefähr 50 mal größer als der von Holz. Achtung: Thermoplastische Werkstoffe können auch hygroskopische Anteile in Form von mineralischen oder organischen Füllstoffen enthalten; dann können sie auch bei Feuchtigkeit quellen. Diese Eigenschaften müssen durch Bewegungsfugen und Klimatisierung kompensiert werden."

9. Welche Vorteile bietet die schwimmende Verlegung von Bodenbelägen mit Unterlagen?

Bernhard Grewing, Windmöller: "Wenn Multilayer-Beläge mit einer Unterlage verlegt werden, kommt es zu einer Minimierung von Geh- und Trittschallgeräuschen, man verbessert die Wärmeisolierung und erhöht die Elastizität der Fläche. Darüber hinaus ist ein einfacher Rückbau bei Folgerenovierungen möglich und vorhandene Bodenbeläge können erhalten bleiben.

Zudem sichert die Unterlage einerseits die schwimmende Verlegung eines Fußbodensystems; andererseits schützt sie den Fußboden dauerhaft und erhöht seine Lebensdauer. Generell muss das gesamte Fußbodensystem, also die Kombination aus mehrschichtig modularem Fußbodenbelag und Unterlage, die vom Anwender gewünschten Anforderungen erfüllen."

10. Welche Unterlagen eignen sich für welchen Bodenbelag?

Bernhard Grewing: "Multilayer-Beläge werden in verschiedene Klassen eingeteilt: Mehrschichtig modulare Aufbauten mit HDF-Kern haben sehr ähnliche Anforderungen an Verlegeunterlagen wie Laminatböden. Elastische Konstruktionen wie LVT benötigen unbedingt Unterlagen mit hoher Druckfestigkeit (mindestens 200 kPa), um Schäden zu vermeiden.

Der Verarbeiter sollte sich vor der Entscheidung, welche Unterlage er einbaut, genau über die Nutzungsanforderungen und Erwartungen des Nutzers sowie die bauphysikalischen Bedingungen informieren. Unterlagen müssen für den jeweiligen Bodenbelagstyp geeignet sein. Die technischen Merkblätter und Herstellerempfehlungen enthalten hilfreiche Informationen und sollten unbedingt berücksichtigt werden. Einige Bodenbelagshersteller schreiben bestimmte Unterlagen für eine Systemverlegung vor. Im Zweifel hilft die Anwendungstechnik der Belagsindustrie weiter.

Das Technische Merkblatt 1 des MMFA enthält umfassende Informationen zu Prüfnormen und Leistungsindikatoren von Unterlagen. Es kann über den Verband (www.mmfa.eu) bezogen werden."

11. Warum kann ein Bodenleger in Bezug auf das Brandverhalten Probleme bekommen, wenn er eine beliebige Unterlage unter dem Belag einsetzt?

Dr. Ernst Schröder, TFI: "Bei der Verlegung von Unterlagen entsteht ein Sicherheitsproblem, wenn diese nicht in der Verlegeanleitung benannt sind. Dieses Sicherheitsproblem wird dem Handwerker angelastet. Der Rückbau wäre dann nur die geringste Folge.

Wir prüfen das Brandverhalten der Beläge üblicherweise auf Hartstoffzementplatten, dann darf man die Beläge auf allen Estrichen verkleben. Wenn man eine Unterlage dazwischen legt, muss das Brandverhalten dieses Aufbaus im System geprüft werden."

12. Warum braucht man Profile für Multilayer-Beläge?

Arno Philippi, Küberit: "Wir brauchen Bodenprofile, da die Multilayer-Beläge sehr unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen. Profile kommen zum Einsatz bei Bewegungsfugen, wenn es darum geht, große Flächen (ab ca. 8 x 12 m) in kleinere Felder aufzuteilen.

Wir brauchen Profile auch, um Belags- und Treppenkanten abzudecken und sie zu schützen. Außerdem gibt es unterschiedliche Belagshöhen, die ausgeglichen werden müssen.

Nicht vergessen darf man, dass Profile nicht nur funktional sind, sondern auch ein gestalterisches Element darstellen. Bei Multilayer-Belägen auf HDF-Träger kommen in aller Regel Profile für Laminat zum Einsatz, da es annähernd um die gleichen Belagsdicken geht."

13. Wie müssen mehrschichtig modulare Beläge gereinigt und gepflegt werden?

Alwin Proppe, CC-Dr. Schutz: "Für modulare Bodenbeläge kann keine allgemein gültige Reinigungs- und Pflegeanleitung erstellt werden. Sie müssen wie alle Beläge gepflegt werden, benötigen durch die ,offenen’ Fugen aber eine andere Anwendungstechnik als beispielsweise elastische Bahnenware."

14. Werden in Zukunft immer weniger Bodenbeläge verklebt?

Volker Kettler: "Es mag in Zeiten von komplett lose liegenden Belägen ein wenig widersprüchlich klingen, aber ich glaube, dass es immer Anwendungen geben wird, Bodenbeläge zu kleben. Wir haben bei den Meisterwerken viele Beläge, die für die schwimmende Verlegung entwickelt wurden und erhalten nun ständig Anfragen, ob man diese Produkte auch kleben darf. Das Verkleben stellt ein Potential für den Profi-Handwerker dar, einen Mehrwert zu verkaufen, mit dem er sich gegenüber anderen abgrenzen kann. Bezüglich Schnelligkeit und Flexibilität sind schwimmende Beläge klar im Vorteil und im Augenblick stark im Trend."
aus BTH Heimtex 11/14 (Wirtschaft)