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Johannes Schulte, Vorsitzender Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie

Kernkompetenzen schärfen und neue Netzwerke aufbauen


Wuppertal. Ein für die Branche durchwachsenes Jahr neigt sich dem Ende zu. Das Geschäft verlief in vielen Unternehmen in Intervallen, gute Monate wechselten sich mit weniger guten ab. Unter dem Strich zählen sicher die Firmen zu den Gewinnern, die eine schwarze Null bilanzieren können.

Die deutsche Heimtextilien-Industrie lag per Ende des zweiten Quartals bei einem Minus von 5,7 %, erfahrungsgemäß schwächt sich dieses Ergebnis jedoch in der zweiten Jahreshälfte ab und die vorläufigen Zahlen lassen auch für 2013 darauf hoffen. Die Vorzeichen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen insgesamt stimmen jedenfalls positiv. Sofern die Eurokrise nicht erneut massiv eskaliert, sind nach Ansicht des ifo Instituts die Perspektiven für das kommende Jahr günstig. 2014 erwartet das Institut einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,9 %.

Werfen wir noch einmal einen genaueren Blick auf die Zahlen der deutschen Heimtextilien-Industrie per Ende des ersten Halbjahres 2013. Es ist nicht gelungen, von der Belebung im Bau- und Renovierungssektor zu profitieren und neue Nachfrage zu generieren. Dabei spiegeln die Märkte im In- und Ausland ein ganz ähnliches Bild wider.

Die Sparte textile Bodenbeläge enttäuschte mit einem Umsatzrückgang von 9,1 %. Möbelstoffe kommen nach einem massiven Nachfrageeinbruch im Mai auf ein leichtes Minus von 1,9 %. Dekorationsstoffe wiesen nach den ersten sechs Monaten einen Rückgang um 6,4 % aus. Freuen konnten sich dagegen die deutschen Hersteller von Bettwaren über ein Plus von 3,8 %. Erfreulich stabil war zudem der Exportanteil mit 27,4 %.
Ganz oben auf der Dienstleistungsagenda steht aktuell das große Thema Energie. Wir können zwar nicht die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise beeinflussen, jedoch maßgeblich dazu beitragen, den Energieverbrauch in den Unternehmen zu reduzieren, um so eine Kostensenkung zu erzielen. Dazu bietet Heimtex seit diesem Jahr die auditsichere Einführung von Energiemanagement-Systemen an.

Mit Erfolg haben wir in diesem Jahr nicht nur unser neues Verbandslogo eingeführt, sondern auch unseren digitalen Auftritt im Netz einem Relaunch unterzogen. www.heimtex.de hat sich zu einer informativen Branchen-Plattform mit integrierter Jobbörse entwickelt. Aktuell arbeiten wir an neuen optimierten Kommunikationsformaten, um noch intensiver mit unseren Mitgliedern im Austausch zu stehen.

Auch wenn wir in den vergangenen zwölf Monaten auf Verbandsebene bereits eine Reihe wichtiger und notwendiger Aufgaben erfüllt haben, werden die Herausforderungen für das kommende Jahr nicht weniger. Dass unser Branchenumfeld schwierig ist, zeigen nicht zuletzt die neuerlichen Insolvenzen. Die Aufgabe eines Verbandes ist aber nicht nur, die auf Einzelunternehmen bezogenen Themen zu lösen, sondern auch ein gutes Klima bei der Politik, der Öffentlichkeit und den Meinungsbildnern zu schaffen, in dem gesundes Wirtschaften möglich ist. Aus Verbandssicht bedeutet das auch für die Zukunft, die Kernkompetenzen zu schärfen und durch stärkere Vernetzung mit anderen Verbänden die Kräfte zu bündeln und Synergien zu heben. Die Annäherung an den Gesamtverband Textil+Mode in Berlin zeigt, welche Potentiale in neuen Netzwerkstrukturen auf Verbandsebene stecken.

Die Zielsetzung für den Verband hat sich daher auch für 2014 nicht verändert: Ein wirtschaftlich leistungsfähiger Fachverband zu sein, der neben Dienstleistungen für seine Mitglieder insbesondere für die öffentliche und politische Relevanz sorgt. Auch andere Verbände für die Netzwerk-idee zu begeistern, bleibt damit das klare Ziel. Entsprechende Strukturen zu etablieren, lassen diese Strategie Wirklichkeit werden. Wir sind überzeugt, dass dies früher oder später etabliert ist und damit die Zukunftsfähigkeit der Fachverbände sicherstellen wird.

Von alleine geschehen solch notwendige Veränderungsprozesse freilich nicht. Aber spätestens die Einsicht, dass jeder Verband für sich allein in unserem Branchenumfeld nicht zukunftsfähig sein kann, wird diese Prozesse möglich werden lassen. Davon bin ich überzeugt.
aus Haustex 01/14 (Wirtschaft)