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Terhürne steigt in Fertigparkett-Produktion ein

1,5 Millionen qm Fertigparkett bis 2003

Der deutsche Parkettmarkt wird enger. Terhürne sieht dennoch Chancen und hat in ein neues, hochmodernes Fertigparkett-Werk investiert, das konsequent auf Qualitätsproduktion ausgelegt ist. In Südlohn verspricht man sich davon erhöht Wertschöpfung für alle Marktstufen - von der Fertigung bis zum Handel. Noch laufen die Anlagen nicht auf vollen Touren, doch ist man dabei, die Produktion schrittweise bis zur vollen Kapazität von 1,5 Mio. qm aufzubauen.

Wir sind anders als die anderen", sagt Bernhard ter Hürne, mit 35 Jahren Jüngster in einem jungen Geschäftsleitungsteam und mit seinem Bruder Erwin zusammen geschäftsführende Gesellschafter des Holzwerkes Terhürne. Der gelernte Investmentbanker ist für Export, Marketing und Führung zuständig, Erwin ter Hürne (37) kümmert sich als Ingenieur um Technik und Logistik.

Das "Anders-Sein" sieht die Terhürne-Führung in ihrer Herangehensweise an Produkt und Kundschaft. Trotz schwacher Konsumlage und Schnäppchen-Mentalität der Verbraucher hält man in Südlohn an einer Hochwert-Philosophie fest: "Es geht nicht darum, wer's am billigsten kann, sondern wer ein Produkt liefert, das für den Handel mit Mehrwert umsetzbar ist." In diese Kerbe schlägt auch Vertriebsleiter Albert Waibel (44): "Der Markt ist schwer und es gibt starke Mitbewerber, aber wir sind überzeugt, unsere Produkte mit guter Preisstruktur verkaufen zu können."

Die Strategie geht offenbar auf: Nach einem kräftigen Umsatzzuwachs im Jahr 2000 kann Terhürne im laufenden Jahr auf eine weitere Steigerung verweisen. Die kommt in erster Linie aus dem Auslandsgeschäft, lag im Mai bei stolzen 20 % und im schwachen Spätsommer immer noch 10 % über dem Vorjahr.

Für das Gesamtjahr wird angesichts dieser Entwicklung mit einem Umsatz von über 200 Mio. DM gerechnet. Mehr als die Hälfte davon stammen aus dem Bodenbelagsbereich. Der wiederum teilt sich relativ ausgewogen in Holz und Laminat, mit leichten Vorteilen für Letzteres.

Bei Bodenbelägen sieht das Familienunternehmen weiteres Potential für sich. Deshalb wurde im Sommer 2000 das niederländische Massivholzdielen-Werk Tarkim übernommen, parallel befasste man sich mit der Projektierung einer eigenen Fertigparkettproduktion.

Das Thema Parkett an sich ist für Terhürne nicht neu. Vor 40 Jahren als Schreinerei gegründet, erfolgte später die Entwicklung in die Mittellagenfertigung und 1995 der Einstieg in das Parkettgeschäft. Schnell kam der Gedanke an eigene Produktion auf und 1999 startete die Planung für ein neues Werk, das für 2- und 3-Schicht-Parkett als Landhausdiele, 2-Stab und 3-Stab mit Decklagen zwischen 2 und 4 mm ausgelegt sein sollte. Jahreskapzität in der letzten Ausbaustufe: 1,5 Mio. qm im Zweischicht-Betrieb.

Noch im Herbst 2000 war Baubeginn, im Mai 2001 wurden die ersten Maschinen installiert - keine Anlagen von der Stange, sondern individuell den Erfordernissen angepasst. Das Know-How entstammte weitgehend eigenen Reihen, alle Planungspositionen waren doppelt besetzt.

Aber auch ein externer Ingenieur mit Massivholzerfahrung war als Querdenker in die Planung eingebunden. Aus vier Produktionsstraßen wurde eine gemacht, die heute - allen Unkenrufen zum Trotz - mit hohem Vorschub ihr Pensum bewältigt. Der Prozess ist flexibel. Im 200-Meter-Finish-Bereich etwa ermöglicht der Chargenbetrieb den Durchlauf mit Wasserlack oder anderen Applikationsmaterialen. Lufttrockung, UV- oder Infrarot-Trocknung - viele dem Produkt angepasste Kombinationen sind machbar.

Im Februar 2001 lief die Produktion an. Das gesamte Parkettwerk wird programmautomatisiert gefahren, auch die Sortierung. "Das hat sich 1999 noch keiner zugetraut", ist Ludwig Grütering, der technische Leiter von Terhürne nicht ohne Grund stolz. Bis Februar 2002 soll die Hälfte der Endkapazität erreicht werden, wobei 60 % für den deutschen Markt und 40 % für das europäische Ausland bestimmt sind. Die FSC-Zertifizierung ist projektiert.

"Die Parkettwelt nicht neu erfunden, aber evolutioniert"

Die Reihenfolge der Produktionsschritte sowie die Sorgfältigkeit der Produktionsweise im neuen Werk bestimmen den hochwertigen Charakter des Erzeugnisses. Da wird zum Beispiel die Decklage vor dem Leimauftrag gewendet, damit Sichtprüfung stattfinden kann. Oder die Formatierung: Sie erfolgt erst nach dem Lackauftrag - ein Ablauf, den Terhürne schon seit 1994 anwendet. "Wir erfinden die Parkettwelt nicht neu, aber evolutionieren sie in einigen Teilen", sagt Bernhard ter Hürne selbstbewusst. Als Wettbewerbsvorteile nennt er neben imprägnierten Kopfkanten die Gleichmäßigkeit der Klimatisierung im gesamten Hallenbereich, dann eine Mittellage mit 8 mm langen Stäbchen, die im 1-mm-Abstand verklebt werden und Luftzirkulation zulassen, die technologische Neuentwicklung einer opto-elektronischen Kontrolle der Lamellen, schließlich eine Terhürne-eigene Versiegelung, die unter dem Arbeitstitel "Hartwachs-Naturöl-UV-Oberfläche" vieles vereint, was die Technik hergibt und gezielt nach Verbraucherwünschen entwickelt wurde.

Eigens entwickelte Oberflächenbehandlung berücksichtig Verbraucherwünsche

Dazu wurden in einer Marktstudie 250 Konsumenten mit verschiedenen Oberflächen konfrontiert, um zu ergründen, welche Kriterien ihnen besonders wichtig sind. Das waren die Haptik, Wohnbiologie und noch viel stärker die Pflegeleichtigkeit. Das verwundert nicht, denn Entscheider beim Parkettkauf sind zu 90 % Frauen.

Terhürne zog daraus die Konsequenz und entwickelte in eigenen Testzyklen eine zäh-elastische Oberflächen-Mixtur im Ölcharakter, die Beständigkeitsklassen wie im Lackbereich vorweist, aber zu einem großen Teil auf Naturstoffen basiert und zugleich das gewünschte haptische Erlebnis bietet. Auch eine partielle Renovierbarkeit ist laut Grütering gewährleistet.

Bei den Holzarten sieht Terhürne wie andere Hersteller einen Trend zum roten Holz exotischer Arten. Schrittweise will das Unternehmen ein eigenes Farbspektrum, eigene Farbwelten aufbauen. Populäre Holzarten wie Ahorn und Buche versucht man in Farbstimmungen eines modernen Landhausstils hineinzuentwickeln. Bei hellem Finish ist wieder sorgfältige Technik gefragt -beispielsweise wenn eine weiße Pigmentierung gegen Kratzer resistent sein soll. Auch das ist ein Qualitätsmerkmal, das sich dem Kunden demonstrieren lässt.

Intelligente Vermarktung

Dieser Wertigkeits-Anspruch, den Terhürne mit Nachdruck vertritt, soll für den Verkäufer nachvollziehbar und dem Endverbraucher demonstrierbar sein - das ist der Führungsriege in Südlohn besonders wichtig. Intelligente Vermarktung ist das Stichwort. Der Produzent muss für den Handelskunden mitdenken.

Bernhard ter Hürne: "Der strategische Vorteil des Fachhandels gegenüber dem Baumarkt ist sein Fachpersonal. Diesem müssen wir etwas Konkretes an die Hand geben, mit dem er den Verbraucher überzeugen kann. Zum Beispiel indem er Wasser auf die Paneele verschiedener Hersteller gießt und dem Konsumenten die unterschiedlichen Quell-Resultate vor Augen führt. Hier wirkt bei dem Terhürne-Produkt im Kopfbereich der Lamellen nämlich ein besonderer Quellschutz. Der wiederum wird in der Kopfkantenbearbeitung am frühen Werkstück aufgetragen - in Form einer hydrophoben Öl-Wachs-Emulsion, die Holzporen vor Feuchteeintritt bewahrt und somit späteren Lackabrissen an diesen Stellen vorbeugt.

Während erste Aufträge an Bambus-Fertigparkett bereits über die Anlage laufen, stehen im Schulungsraum des Trainingszentrum noch die handgelegten Paneel-Prototypen eines zukünftig ausgeweiteten Terhüne-Programms. Diese TCC-Schulungs- und Ausstellungsräume übrigens, derzeit rund 500 Meter Luftlinie vom Werk 1 entfernt, sollen mittelfristig an den Hauptstandort verlagert werden. Dazu muss für den alten Gebäudekomplex ein Käufer gefunden werden.


Terhürne - das Unternehmen

Geschäftsführende Gesellschafter: Bernhard und Erwin ter Hürne
Technische Leitung: Ludwig Grütering
Vertriebsleitung: Albert Waibel
Marketingleitung: Christian Sandkühler
Umsatz: 200 Mio. DM (2001), davon über die Hälfte mit Bodenbelägen
Mitarbeiter: 350
Sortiment:
- Laminatbeläge
- Massivholzdielen
- Furnierboden
- Fertigparkett
- Vertäfelungen
- Wand- und Deckenpaneele
- Friessysteme
- Lichtsysteme
Vertriebsschienen:
- Terhürne für Holzhandel und -handwerk
- Gründorf für Bodenbelagshandel


Terhürne - das Massivholzdielenwerk Tarkim

Lage: Niederlande
Werk: Neubau 1998 mit 11.000 qm Produktionsfläche
Übernahme: Sommer 2000 durch Terhürne
Erweiterung: Ende 2000 mit 4.000 qm
Investition: ca. 4,5 Mio. DM für Technik und Logistik (ohne Gebäude)
Produktion: Massivholzdielen 20 mm, 6/7/9 mm (bei 9 mm mit Fasenprofil)
Kapazität: 300.000 qm im Einschicht-Betrieb
Geplante Steigerung: 650.000 qm/Jahr
Programm: Real Wood, 36 Artikel
Holzarten: Europäische Eiche (3 Sort.), Kanadischer Ahorn (2), Merbau (1), Jatoba (1), Amerikan. Weißeiche (1), Buche (2), Birke (2)
Sortierungen: Panorama (beste, gleichmäßige Flächenwirkung), Daydream (Naturwuchs, kräftige Farben, natürliche Äste), Elements (lebendige Maserung und Farben, kräftige Äste)
Oberflächen: geölt, lackiert, gebürstet
aus BTH Heimtex 12/02 (Wirtschaft)