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Knauf: Gute Chancen für Fertigteilestriche

Estrichleger von morgen muss ein Bodenspezialist sein

Seit Jahren ist der Neubaumarkt rückläufig. Dieser war und ist allerdings auch heute noch das Hauptsegment der meisten Estrichlegerbetriebe. Andere Handwerksbetriebe, wie z.B. Maler, Trockenbauer oder Schreiner, die sich frühzeitig stärker auf den seit Jahren wachsenden Sanierungsmarkt konzentriert haben, mussten diese Rückgänge nicht in dem Maße mitgehen und haben sich dadurch oftmals zu Allroundern bei der Sanierung von Wohngebäuden entwickelt. Zusätzlich ist die Estrichbranche durch Überkapazitäten - in 2 Jahren hat sich die Anzahl der Estrichlegerbetriebe ca. verdoppelt - gebeutelt. Ursache hierfür ist in der Novellierung der Handwerksordnung und in den Ich-AGs zu sehen.

Überkapazitäten bei Estrichlegerbetrieben haben die Wettberwerbssituation verschärft und zu einem harten Preiskampf geführt, der dem hohen technischen Anspruch eines der höchst belasteten Bauteile im Haus, dem Boden, keineswegs gerecht wird. Die Belastbarkeit ist bei Weitem nicht der einzige Anspruch an einen Estrich. Bauphysikalische Anforderungen, wie z.B. Brandschutz und insbesondere Schallschutz oder Wärmeschutz stellen angesichts der Harmonisierung der Normen in Europa ständig neue und in der Regel auch höhere Ansprüche an die Fachbetriebe und die Bauabläufe werden immer kürzer. Wohin geht also der Weg für Estrichfachfirmen in den nächsten Jahren? Können Fachfirmen mit Qualitätsanspruch dem Preiswettbewerb im Zementestrichbereich dauerhaft standhalten?

Visionäre, die den Markt kennen, prophezeien, dass zukünftig die Qualität stärker in den Mittelpunkt rücken wird. Der Trend von "Geiz ist Geil" wird mittelfristig verschwinden, erste Anzeichen sind schon zu erkennen. Insbesondere der Sanierungsmarkt wird nicht durch Billigtrends dominiert, sondern viel eher durch technisch kompetente Beratung, und sorgfältige Ausführung mit Produktsystemen, die den Ansprüchen der Nutzer gerecht werden. Schließlich will der Wohnungsbesitzer nach Jahren der Kompromisse während und nach der Bauphase endlich optimale Lösungen bei der Modernisierung umsetzen, um ersehnten Wohnwert, Behaglichkeit oder Energieeinsparung zu erzielen. Gefragt sind also kompetente Spezialisten, die maßgeschneiderte Lösungen gemeinsam mit innovativen Partnern anbieten. Der Estrichleger der Zukunft muss sich daher mehr zu einem Bodenspezialisten entwickeln, der nicht nur den Zementestrich oder Fließestrich beherrscht, sondern alle Anforderungen an Bodenkonstruktionen erkennen und auf das Objekt zugeschnitten beraten und auch ausführen kann. Zu diesen modernen Bodenkonstruktionen gehören zum Beispiel Fertigteilestrichkonstruktionen oder dünnschichtige Fußbodenheizungssysteme, die bereits heute durch die Industrie zur Verfügung gestellt und eingesetzt werden. Eine ideale Ergänzung für den Estrichleger auf dem Weg zum Bodenfachbetrieb.

Großer Markt

Gerade bei erst genannter Möglichkeit, den Fertigteilestrichen, erwartet den Bodenspezialisten ein mehrere Millionen qm großer Markt. Man spricht von ca. 14 bis 15 Millionen qm pro Jahr, die sich Spanplatten und Gipsfaserprodukte teilen. Der Anteil der Gipsfaserprodukte steigt kontinuierlich. Moderne Fertigteilestriche auf Gipsfaserbasis sind das ideale Produkt für Estrichleger, da sie heute schon durchaus mit den technischen Gebraucheigenschaften eines konventionellen Estrichs Schritt halten können. In den letzen Jahren hat gerade Knauf umfangreiche Weiterentwicklungen des Fertigteilestrichs Brio vorgenommen und dabei zum einen die Baustellenanforderungen und zum anderen die Anforderungen der Verlegebetriebe im Blick gehabt. Egal ob Wohnung, Büro, Schulen, Versammlungsräume oder gewerbliche Nutzung, ob mit oder ohne Fußbodenheizung, mit Knauf Brio können Konstruktionen für fast alle Anwendungen hergestellt werden.

Voraussetzung für eine dauerhafte Fußbodenkonstruktion ist die Verwendung hochwertiger Estrichelemente, ein stabiler Untergrund sowie ein fachgerecht ausgeführter Untergrundausgleich. Besonders Fertigteilestriche aus Gipsfaser oder Gipskarton bieten sich für trocken verlegte Estriche an, da sie sehr raumstabil gegenüber Feuchteänderungen der Luft, nicht brennbar (Baustoffklasse A) und wohngesund sind.

Der Untergrund muss für die Verlegung des Fertigteilestrichs trocken, tragfähig und eben sein. Bei erdreichberührten Betonplatten ist grundsätzlich eine Abdichtung gegen Bodenfeuchtigkeit vorzusehen. Hier bieten sich dünnschichtige Bitumenabdichtungen, wie die Knauf Abdichtungsbahn Katja Sprint an, da sie absolut dicht ist und an den Stößen kaum aufträgt. Da Fertigteilestriche einen sehr ebenen Untergrund erfordern, muss in der Regel eine Ausgleichschicht angeordnet werden, die je nach Höhe des Ausgleichs und der Belastbarkeit gewählt werden muss. Holzbalkendecken müssen eine festliegende Beplankung besitzen; federnde Altdielung ist durch Verschrauben zu fixieren.

Typische Aufbauempfehlungen

Bei geringfügigen Unebenheiten bei ausgetretener Altdielung (Waschbrettoberfläche) ist ein Ausgleich mit Wellpappe oder Filzpappe in der Regel ausreichend. Bei kleineren Unebenheiten können Holzböden auch gespachtelt werden (Knauf Faserflex 15). Zur Beseitigung größerer Unebenheiten können geeignete Schüttungen (Knauf Trockenschüttung PA) oder Leichtausgleichmörtel (Knauf EPO-Leicht, Knauf Schubo) eingesetzt werden. Schüttungen sollten nur bei geringerer Belastung, wie Wohnungen, Büros o.ä. und nicht bei dynamischer Beanspruchung (z.B. nicht unter Waschmaschinen) verwendet werden. Die Schüttung sollte mindestens 20mm dick ausgeführt werden und 100mm nicht überschreiten. Über Leitungen sollte eine Mindestüberdeckung von 10 mm eingehalten werden. Auf Holzbalkendecken ist vorher ein diffusionsoffener Rieselschutz (Knauf Schrenzlage) zu verlegen. Bei Massivdecken wird empfohlen, als Schutz vor Restfeuchte aus der Betondecke eine PE-Folie als Dampfbremse anzuordnen, sofern nicht ohnehin eine Abdichtung erforderlich ist.

Für Leichtausgleichmörtel bieten sich insbesondere reaktionsharzgebundene Mörtel an (Knauf EPO-Leicht), da sie keine Trocknungszeit benötigen und der weitere Bodenaufbau am nächsten Tag erfolgen kann. Aufgrund des geringen Gewichtes, ist Knauf EPO-Leicht (200 kg/qm) sehr gut auch auf Decken mit geringer Tragfähigkeit einsetzbar. Auf Leichtausgleichmörtel können Fertigteilestrichkonstruktionen für höchste Beanspruchungen erstellt werden. Bei doppellagiger Verlegung der Estrichelemente (z.B. 2 Mal Brio 18 oder 2 Mal Brio 23) kann Knauf Brio auch z.B. in Theatern, Kongresssälen (Flächenlast bis 4 kN/qm) oder in Warenhäusern, Werkstätten mit leichtem Betrieb (Flächenlast bis 5 kN/qm) eingesetzt werden.

Brandschutz bei Holzbalkendecken

Insbesondere bei Holzbalkendecken bestehen häufig Anforderungen an den Brandschutz hinsichtlich Brandbeanspruchung von oben. Aufgrund der Besonderheit des Baustoffes Gips ("eingebaute Feuerwehr") wird bereits mit Brio 18 (18 mm dick) eine Feuerwiderstandsklasse F30 und mit Brio 23 (23 mm dick) eine Feuerwiderstandsklasse F60 erreicht. In Verbindung mit einer nur 10 mm bis 20 mm dicken, entsprechenden Dämmschicht oder Ausgleichschicht wird bereits F90 erfüllt.

Die Verlegung des Fertigteilestrichs auf den fachgerecht vorbereiteten Untergrund erfolgt schnell und unkompliziert. Das praktische Format mit 600 mm x 1.200 mm (Knauf Brio) erlaubt einen einfachen Transport auch durch enge Treppenhäuser. An allen Wänden und aufgehenden Bauteilen wird ein Mineralwolleranddämmstreifen angebracht. Für den Bereich des Wandanschlusses wird der durch den oberen Falz gebildete Plattenüberstand am Estrichelement abgeschnitten. Die Elemente werden dann durchgehend verlegt, d.h. das Reststück einer Verlegereihe wird in der nächsten Reihe als Anfangsstück verwendet, so dass kein Verschnitt entsteht. Beim weiteren Verlegen ist darauf zu achten, dass keine Kreuzfugen entstehen und der Fugenversatz mindestens 20 cm beträgt.

Die Verbindung der Estrichelemente im Stufenfalz wird durch Verkleben (2 Schnüre Brio Falzkleber) und Verschrauben (Brio Schrauben) oder Klammern erreicht. Die Schrauben oder Klammern werden in einem Abstand 30 cm gesetzt. Der Fertigteilestrich sollte anschließend ca. vier Stunden nicht betreten werden, damit der Kleber ungestört abbinden kann.

Keine Wartezeit für Bodenbelagsarbeiten

Am nächsten Tag kann mit den Bodenbelagsarbeiten begonnen werden. Die Oberfläche ist grundsätzlich vor Belagsverlegung zu grundieren (Knauf Estrichgrund). Auf gipsgebundenen Fertigteilestrichen können alle textilen Beläge und elastischen Dünnbeläge verlegt werden. Die Stöße sind vor dem Grundieren abzuspachteln (Knauf Uniflott). Knauf Brio ist auch ohne vollflächige Spachtelung stuhlrollenfest. Vor der Verlegung von elastischen Dünnbelägen wird jedoch aus Gründen der Ebenheit ein 2 mm dickes, vollflächiges Spachteln mit Knauf Nivellierspachtel 415 (gipsgebundener Spachtel) empfohlen. Keramische Bodenfliesen können bis max. 33 cm x 33 cm Größe verlegt werden. Bei besonders verformungsarmen Untergründen können auch größere Fliesen verwendet werden.

Mehrschichtiges Parkett und Mosaikparkett (Würfelmuster) sind bei vollflächiger Verklebung auf Knauf Brio geeignet. Es können bei bestimmten Klebstoffsystemen in Verbindung mit Entkopplungslagen aber auch andere Parkettarten verklebt werden. Schwimmend verlegtes Parkett oder Laminat kann ohne Einschränkung auf Fertigteilestrichen verlegt werden. Gipsgebundene Fertigteilestriche können auch in häuslichen Feuchträumen bzw. Feuchträumen mit wohnähnlicher Nutzung eingesetzt werden. Um den Boden vor Durchfeuchtung zu schützen, ist die Oberfläche des Estrichs mit einer Abdichtung (Knauf Flächendicht) zu versehen. Die Randfugen sind mit einem elastischen Dichtungsband (Knauf Flächendichtband) abzudichten.

Gipsgebundene Fertigteilestriche bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber konventionellen Estrichen. Sie benötigen eine niedrige Aufbauhöhe, besitzen ein geringes Gewicht und sind am nächsten Tag belegreif. Sie erfüllen die Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Nutzlasten. Sie stellen damit ein hochwertiges Fußbodensystem für schnelles Bauen dar und sind Problemlöser auch für schwierige Sanierungen. Die steigende Nachfrage nach diesen Produkten weist einerseits auf den Bedarf nach leistungsstarken Estrichsystemen und andererseits auf die Hochwertigkeit dieser Estrichelemente hin.
aus FussbodenTechnik 02/07 (Sortiment)